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NPD-Tour scheitert in Leipzig

 
Nur mit einem Großaufgebot schaffte es die Polizei die Sitzblockaden zu räumen © Biastoch

Schon in den Morgenstunden waren am Dienstag die ersten Spuren in Leipzigs Innenstadt zu erkennen. Einzelne Rechtsextreme wandelten über den Wochenmarkt auf dem Augustusplatz und umso mehr Polizei fand sich in der Innenstadt wieder. Kurz nach elf Uhr, Goethestraße Ecke Ritterstraße, die Deutschlandtour der rechtsextremen NPD stoppte in der sächsischen Metropole und die Redner begannen das Wort zu ergreifen. Ihnen hörten lediglich 15 Personen zu. Ein Desaster für die rechtsextreme Partei, die sich derzeit mit ihrer „Deutschlandfahrt“ profilieren will.

Vor dem Tour-LKW, der quer stand und als Bühne diente, posierten sechs Fahnenträger und hielten die Partei- und Deutschlandflagge in die Höh. Von der „Bühne“ waren die immergleichen Forderungen zu hören: „Deutschland den Deutschen“ oder „Deutschland wickelt sich selbst ab“ und „Griechenland braucht die Drachme, Deutschland braucht die D-Mark“. Als Redner traten unter anderem Holger Apfel, Fraktionsvorsitzender in Sachsen und Bundesvorsitzender, und Udo Pastörs, seinerseits ebenfalls Fraktionsvorsitzender (Mecklenburg-Vorpommern) und Apfels Stellvertreter in der Bundespartei, auf. Die Polizei, mit mehreren Kräften vor Ort, riegelte die Straße rund um den LKW komplett ab.

Die Gegenkundgebung hatte keinerlei Sichtkontakt zu den Veranstaltern der NPD, was sie aber nicht daran hinderte, die Redner lautstark zu stören. Sowohl vom Augustusplatz, als auch vom Hauptbahnhof kommend, fanden sich verschiedenste Gegner der Rechtsextremen ein. Parteien, Gewerkschaften und Bündnisse haben im Vorfeld mobilisiert und trotz einer nur sehr geringen Vorlaufszeit von wenigen Tagen versammelten sich über 100 Menschen, darunter auch die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Monika Lazar, zum Protest gegen die Veranstaltung der NPD. Laute Rufe, wie „Haut ab“ waren ebenso zu hören wie ein gellendes Pfeifkonzert während der Redebeiträge.

Die rassistische Hetze der NPD wurde durch ein Pfeiffkonzert übertönt © Biastoch

Gegen 12:45 Uhr waren die Reden der Nationalen beendet und sie wollten ihre Sachen wieder zusammenpacken und auf ihrer Tour in Richtung Halle/Saale fahren. Doch die Gegendemonstranten ließen sich nicht davon abbringen, eine Spontandemo in der Goethestraße für die Zeit bis 15 Uhr anzumelden. Dieser wurde stattgegeben und so war der leichtere Weg aus der Innenstadt heraus versperrt. Mehrere Minuten bewegte sich gar nichts, außer einzelner Rechtsextremer, die versuchten die Presse und umstehende Leute einzuschüchtern. Schließlich entschied die Polizei, die NPD über den Augustusplatz aus der Stadt zu geleiten. Die Gegendemonstranten auf dieser Seite waren weniger und hielten keine offizielle Demonstration ab. So kam es, dass sich der LKW und die Fahrzeuge der Rechten in Bewegung setzten und in Richtung Augustusplatz/ Gewandhaus fuhren. Die Aufforderungen der Sicherheitskräfte zum Trotze blieben einige Gegendemonstranten auf der Straße sitzen, sodass sie mit polizeilicher Gewalt an den Rand getragen werden mussten. Dabei kam es zu leichten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Gegenstände flogen durch die Luft und die Beamten griffen hart durch. Insgesamt wurden 78 Platzverweise ausgesprochen und sieben Strafanzeigen gestellt.

6 Kommentare

  1.   Anton

    Als Blog, der sich ausgesprochen gegen neonazistische Tätigkeiten richtet, sollte den Author*Innen eigentlich klar sein, dass es für engagierte Antifaschist*Innen und Antifaschisten durchaus gefährlich werden kann als solche in den Medien veröffentlicht zu werden. Daher sollte das Bild oben schleunigst von dieser Seite verschwinden oder die die Gesichter der entsprechenden Personen unkenntlich gemacht werden.

  2.   Johannes Radke

    Lieber Anton,
    Danke für den Hinweis. Wir halten es ehrlich gesagt für ziemlich unwahrscheinlich, dass sich Neonazis für ein Foto interessieren, auf dem kaum ein Gesicht ernsthaft gut zu erkennen ist. Zur Sicherheit haben wir es jetzt trotzdem gepixelt.
    Beste Grüße
    Johannes Radke

  3.   Fiosi

    Im Artikel hält sich ein gravierender Fehler versteckt: es waren nicht nur über 100 Menschen zu der Gegendemonstration gekommen sondern rund 400! Die Polizei sprach von einer Zahl von 300 während das Ordnungsamt 400 Gegendemonstranten gezählt haben möchte! Angesichts dessen das derart auseinanderklaffende Zahlen das Bild der Situation verfälschen und schlichweg falsch sind, wäre es sinnvoll die Zahl der Realität anzugleichen… 😉
    habe diese Informationen schon per Mail an „Zeit“ geschickt, aber da sind die Wege wohl ein Stück länger als hier!
    Und ich kann Anton nur aus tiefstem Herzen zustimmen!


  4. […] in die Seitenstraße: NPD in Leipzig unerwünscht“ (Leipziger Internetzeitung) >> „NPD-Tour scheitert in Leipzig“ (Zeit Online) […]

  5.   Marion Opoku

    Mir ist es unbegreiflich, dass die NPD bzw. Rechtsextreme vom Ordnungsamt und Polizei „beschützt“ werden. Im Gegenzug werden friedlich sitzende Gegendemonstranten grob und sicher nicht selten mit geringen Körperverletzungen von der Polizei vom Ort des Geschehens entfernt!?
    Unsere Regierung ist doch gegen Rechtsextremismus, oder hab ich was nicht mitbekommen?

  6.   Marion Opoku

    wie bereits gesagt

 

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