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Rechtsrockkonzert in Sachsen geplant

 
Lunikoff beim "Rock für Deutschland" in Gera 2009. Foto: Infothek Dessau
Lunikoff beim „Rock für Deutschland“ in Gera 2009. Foto: Infothek Dessau

Ausgerechnet am Vorabend des Jahrestages der Reichspogromnacht wollen Neonazis ein großes Rechtsrockkonzert im sächsischen Voigtland durchführen. Hinter der Veranstaltung stecken zwei Landesverbände der extrem rechten Partei „Die Rechte“.

Mit der Aufschrift „Die Rechte präsentiert“ tauchten Anfang November die ersten Werbeflyer im Netz auf und kündigten für den 8. November ein Konzert mit drei Rechtsrock-Bands „in Mitteldeutschland“ an. Inzwischen hat sich der Ort als das sächsische Zobes entpuppt, ein 400 Einwohner zählender Ortsteil der Gemeinde Neuensalz im sächsischen Vogtlandkreis. Nach Angaben des „Aktionsbündnis Vogtland gegen Rechts“ handelt es sich bei den Veranstaltern um die Landesverbände der extrem rechten Partei „Die Rechte“ (DR) aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen. Sollte sich die Ankündigung von bis zu 1.000 Neonazis bewahrheiten, wäre dies das größte Rechtsrock-Konzert der vergangenen Jahre in Sachsen.

Ähnlich wie bei extrem rechten Konzerten unter freiem Himmel im Nachbarland Thüringen werden sich auch beim Konzert in Zobes Rechtsrock-Bands und Redner aus der Szene abwechseln. Für das „musikalische Programm“ sind „die Lunikoff-Verschwörung“ um den ehemaligen Sänger der verbotenen Band „Landser“, Michael Regener, und die 1988 in Bremen gegründete Band „Nahkampf“ um den Frontmann von „Kategorie C“, Hannes Ostendorf, angekündigt. Aus Kanada soll David Allan Surette anreisen, der unter dem Namen „Griffin“ auftritt und u.a. bei den Neonazi-Bands „Aryan“ und „Stonehammer“ mitwirkte. Der langjährig aktive Neonazi ist „Ehrenmitglied“ der Neonazi-Gruppierung „Vandalen“, der auch Regener lange Zeit angehörte und dessen Bild sich der Kanadier auf den Rücken tätowieren ließ.

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Als Redner sind sowohl DR- als auch NPD-Mitglieder angekündigt. Von DR aus Dortmund treten in Zobes neben Michael Brück auch das DR-Mitglied Alexander Deptolla und Dietrich Surmann von der NPD ans Mikrophon. Beide gehörten bereits der 2012 verbotenen Gruppierung „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO) an und waren an dem Übergriff auf das Dortmunder Rathaus nach der Wahl im Mai 2014 beteiligt. Aus dem NWDO stammt auch der wegen schwerer Körperverletzung vorbestrafte Redner Christoph Drewer, der heute DR-Vorstandsmitglied in Dortmund ist und als die rechte Hand von Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt gilt. Der fünfte Redner auf der Liste ist Nils Lairisch aus Leipzig, der sich vor allem als Hooligan des Fußballvereins „Lokomotive Leipzig“ einen Namen gemacht hatte. Mittlerweile gehört er der NPD an, für die der wegen 17-fachen Betruges verurteile Lairisch 2009 für den Leipziger Stadtrat kandidiert hatte.

Die aktuelle Ortswahl für das Konzert ist kein Zufall, auf dem Privatgrundstück in Zobes fand im vergangenen Jahr bereits der „Sachsentag“ der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) mit 700 Neonazis statt, auf dem auch schon die „Lunikoff-Verschwörung“ auftrat. Das Grundstück ist im Besitz des Ehemanns der NPD-Abgeordneten im voigtländischen Kreistag, Beatrix Rink. Die extrem rechte Partei hatte bei den Kommunalwahlen im Mai 7,5% in der Gemeinde Neuensalz geholt, in Zobes selbst wählte sogar fast jeder fünfte die NPD.

Das „Aktionsbündnis Vogtland gegen Rechts“ befürchtet, dass „sich am 08.11. das who-is-who aus der extrem Rechten Szene Westdeutschlands unter dem Motto ‚Rechte für Sachsen‘ im beschaulichen Zobes die Klinke in die Hand gibt“ und sieht den Landrat des Voigtlandkreises, Dr. Tassilo Lenk (CDU), in der Pflicht. Auch die Gewerkschaft ver.di fordert Lenk auf, die Veranstaltung nicht zu genehmigen und appelliert an ihn: „Nutzen Sie Ihre Funktion als Landrat, dies mit allen Mitteln zu verhindern und eine eventuelle rechtliche Auseinandersetzung mit den Antragsstellern nicht zu scheuen“.

3 Kommentare


  1. […] auch: Rechtsrockkonzert in Sachsen geplant. Ausgerechnet am Vorabend des Jahrestages der Reichspogromnacht wollen Neonazis ein großes […]


  2. […] In Zobes gibt es vor dem Neonazi-Treffen Bedenken wegen der Sicherheit. Ein Verbot ist laut Landratsamt jedoch nicht möglich. Vor dem Hintergrund der für Samstag im Neuensalzer Ortsteil Zobes auf einem Privatgrundstück angemeldeten Veranstaltung der rechtsextremistischen Partei Die Rechte wirft Bürgermeisterin Carmen Künzel (parteilos) Landrat Tassilo Lenk (CDU) Untätigkeit vor. “Ich habe den Eindruck, er will die Sache aussitzen”, sagte sie im Gemeinderat. Künzel sorgt sich vor allem um die Sicherheit im Ort. Schließlich würden bis zu 1000 Teilnehmer mit rechter Gesinnung aus ganz Deutschland erwartet. In Zobes werde am Wochenende aber auch Kirmes gefeiert, seien Sportveranstaltungen geplant. Wie die Bürgermeisterin erklärte, habe sie den Landrat bereits in der vergangenen Woche bei einer Begegnung am Rande einer Sitzung auf ihre Bedenken hingewiesen: Doch er habe nur abgewunken. Künzel und ihr Rat fühlen sich im Stich gelassen. Ein Verbot sei rechtlich unmöglich, ließ Tassilo Lenks Sprecherin Kerstin Büttner gestern Abend per Pressemitteilung wissen. “Grund ist ein besonders hoher verfassungsrechtlicher Schutz der Versammlungsfreiheit.” Die Polizei geht laut Sprecher Jens Scholze von einem friedlichen Verlauf aus und will mit etwa 60 Beamten vor Ort sein. Beim Aktionsbündnis Vogtland gegen Rechts befürchtet man dagegen etwa Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte. “Es werden doch nicht 1000 Neonazis brav nach Hause gehen”, sagt Stefan Postier vom Bündnis. Derweil zeigen Christen Flagge. So wird es am Samstag in der nur wenige Kilometer von Zobes entfernt gelegenen Altensalzer Kirche ein Friedensgebet geben unter dem Motto: “Für Nächstenliebe und Frieden in unseren Städten und Dörfern.” (17 Uhr). Die Öffentlichkeit dürfe nicht schweigen, so der Pfarrer. Eine Gegendemonstration vor Ort halte der Runde Tisch aufgrund der örtlichen Gegebenheiten in Zobes jedoch für unangebracht. Es sollen aber Zeichen gesetzt werden, die den Neonazis bei ihrer Anreise klar machen, dass sie nicht willkommen sind, heißt es in einer Erklärung (Freie Presse, Störungsmelder). […]

 

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