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Schiffbruch für Identitären-Kampagne

 
Schiffbruch für Kampagne der Identitären Bewegung
Jetzt ohne Spendenkonto bei Paypal: die Identitäre Bewegung    Foto: Sebastian Wehrhahn

PayPal hat das Spendenkonto für eine Kampagne der Identitären Bewegung eingefroren. Mit dem Geld wollten die Rechtsextremen Rettungsaktionen von Flüchtlingshelfern auf dem Mittelmeer behindern.
Von René Garzke, Tagesspiegel 

Menschenverachtender geht es kaum: Die Identitäre Bewegung will verhindern, dass im Mittelmeer Flüchtlinge gerettet werden. Dafür wollen die Rechtsextremisten ein Schiff auf das Mittelmeer schicken, das Hilfsorganisationen behindern soll. Für die vom Ertrinken bedrohten Asylbewerber würde das den Tod bedeuten. Jetzt aber hat der Finanzanbieter PayPal den Rechtsextremen das Spendenkonto eingefroren. Das hat Martin Sellner, der Anführer der Identitären Bewegung Österreich, auf Twitter bekannt gegeben.

Damit erleidet die Kampagne der Identitären vorerst Schiffbruch. Nach letztem Stand hatten die Rechtsextremisten innerhalb von drei Wochen 63.000 Euro gesammelt. Dennoch haben sie offenbar Probleme, ein Schiff zu mieten. Grund ist nach eigenen Angaben die mediale Berichterstattung über das menschenverachtende Ziel der Aktion. Auch das YouTube-Video der unter dem Motto „Defend Europe“ stehenden Kampagne wurde inzwischen von der Plattform entfernt, weil es gegen die Nutzungsbedingungen verstößt.

Aus dem gleichen Grund wurde offenbar auch das PayPal-Konto eingefroren. Zu einzelnen Konten dürfe das Unternehmen zwar keine Auskunft geben, sagte PayPal-Sprecherin Sabrina Winter. „Unsere Richtlinien untersagen es, dass die PayPal-Dienstleistungen genutzt werden, um Zahlungen oder Spenden für Organisationen zu empfangen, die Hass oder Gewalt unterstützen“, fügte sie jedoch hinzu.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch begrüßte den Schritt von PayPal. „Dass PayPal das Konto der Identitären gesperrt hat, hat uns gefreut. Es hat sich ja klar gezeigt, dass die Kampagne zu Hass und Gewalt aufruft“, sagte Sea-Watch-Sprecher Fabian Melber. Die Identitären-Kampagne selbst habe Sea-Watch mit Sorge verfolgt. „Es war jedoch vor allem der Versuch einer schnellen Aktion, die sich die Identitären von Greenpeace abgeschaut haben“, sagte Melber. Eine langanhaltende Umsetzung sei den Identitären organisatorisch nicht möglich, sagte Melber. „Da fehlt die Struktur, um etwa eine ganze Crew über einen langen Zeitraum zu versorgen.“

Hilfsorganisationen retteten dieses Jahr mehr als 6.000 Menschen

Gewohnt reißerisch heißt es bei den Identitären zu der geplanten Mittelmeer-Aktion: „Wir stellen uns ihren Booten in den Weg und verteidigen Europa!“ Dabei geben die Rechtsextremisten vor, mit ihrer Aktion das Sterben im Mittelmeer beenden zu wollen. „Wir werden auf keinen Fall jemanden daran hindern, Menschen zu retten, die tatsächlich in Seenot sind, sondern, sobald ein SOS-Signal gegeben wird, jede Aktivität abbrechen und selbst versuchen zu helfen“, schreiben die Identitären. Fakt ist aber: Blockieren sie die Schiffe der Hilfsorganisationen, verzögert sich deren Abfahrt. Bei schiffbrüchigen Menschen – noch dazu, wenn sie nicht schwimmen können – wertvolle Minuten. In diesem Jahr sind bereits mehr als 1.650 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Mehr als 6.000 andere konnten die Hilfsorganisationen vor diesem Schicksal bewahren.

55 Kommentare

  1.   Heinrich20

    Ein Finanzdienstleister kann sehr wohl selbst entscheiden, ob er ein Konto für einen Kunden eröffnet oder nicht. Das tun Banken doch dauernd!

    Wenn es sich dann auch noch um ein Spendenkonto handelt, das für verbrecherische Zwecke eingerichtet wird, das wird sich jede Bank zweimal überlegen!

    @Paypal, das war konsequent!

    PS: Es gibt übrigens auch Banken, die überhaupt nur ethische Geldanlagen unterstützen, ich habe selbst ein Konto bei einem dieser Geldinstitute.

  2.   Michael Frank

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Natürlich ist es völlig inakzeptabel Menschen ertrinken zu lassen, aber das sagen ja auch die Identitären – diese haben auch angekündigt, natürlich in Seenot geratenen Flüchtlingen zu helfen, wenn sich die Situation ergibt. Es ist genauso inakzeptabel, dass in noch größerer Zahl Menschen in der Sahara umkommen. Darum geht es ja. Was Australien uns vorgemacht hat ist, dass man die Menschen retten kann und soll, aber indem man sie außerdem ihr Ziel Australien nicht erreichen lässt, man auch den Zustrom der Menschen beenden kann. Und damit hat Australien tatsächlich das Sterben beendet! Es funktioniert und Australien ist ein Land mit wenig Bevölkerung und ebenfalls langer Küste. Wir können das also auch schaffen.

    Mit dem Beispiel Australien ist natürlich Herr Charles Heller widerlegt – die Flüchtlingszahlen stiegen schon, bevor die NGO´s kamen – ja – aber die staatlichen Schiffe haben ja auch schon Fährdienste nach Europa übernommen. Je besser die Rettungsaktion, desto mehr Tote im Mittelmeer. Und selbst bei einer Brücke würden die Toten in der Sahara weiter zunehmen.

    Den Transport der Bootsflüchtlinge nach Europa und die Botschaft der Willkommenskultur halte ich für maßgeblich mitverantwortlich für das Sterben. Undd daran können auch legale Wege nichts ändern, das ergibt sich aus der wirtschaftlichen Ungleichheit und der Zahl der Menschen. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dass die Länder Afrikas und Arabiens sich selbst helfen können – wir erreichen dafür nichts durch die Aufnahme von Millionen Migranten.

    Zynisch sind die NGO-Taxi-Betreiber, nicht die Identitären. Die NGOs nehmen den massenhaften Tod und all die anderen Folgen hin, für eine kompromisslos moralische Haltung. Wir sind die Guten und gehen dafür über Leichen.

  3.   Peter Pekster

    Gut das die Konten gesperrt wurden aber machen wir uns nichts vor , im Endeffekt wird das die wirren Bestrebungen der Identitären nicht aufhalten. Martin Sellner selbst hat sich auch schon zur Konten sperrung geäussert , dann bekommt mann die Spenden eben per Post ins Haus oder sammelt diese Persönlich ein . Auch ein Schiff so meinte er hätten sie schon.

    Meine Hoffnung liegt mehr darin das jene Identitäre die aktiv Rettungseinsätze behindern von der dortigen Polizeikraft aufgegriffen werden und ihnen auch mehrere Anklagen nicht erspart bleiben.Beihilfe zum Mord , unterlassene Hilfeleistung oder gar Anklage auf Mord sowie als Ergebnis Haft und saftige Geldstrafen scheinen mir die richtige Antwort auf die Bestrebungen der Identitären zu sein.Wer Polizeieinsätze und Notarzteinsätze innerhalb Deutschlands absichtlich behindert oder auch nur den stöhrenden Gaffer spielt bei einem Rettungseinsatz dem droht schon bis zu einem Jahr Knast.Da werden sich doch auch ähnliche wenn nicht ungleich höhere Strafen für Identitäre finden lassen die meinen Piraten im Meer spielen und Rettunsgkräfte dadurch behindern zu müssen. Wieviel Jahre Knast gabs denn überhaupt nochmal auf Priaterie ?


  4. […] Kampagne gerät allerdings zunehmend ins Stocken. Bereits vor einigen Tagen hat Paypal das Konto der Organisation gesperrt, mit dem Geld für die Kampagne gesammelt wurde.  Zu einzelnen Konten dürfe das Unternehmen zwar […]


  5. […] Kapitän des Schiffes kurzzeitig als Schlepper inhaftiert, Teile der Crew hatten Asyl beantragt. PayPal und andere Institute froren Spendenkonten ein, YouTube löschte sogar einige der Propaganda-Videos. Als am Ende noch der Motor des Schiffes […]

 

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