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Barrierefreie Weihnachten

 

Es ist Weihnachten. Für viele behinderte Menschen kann es durchaus eine Herausforderung sein, Weihnachten möglichst barrierefrei zu verbringen. Das geht schon bei den Örtlichkeiten los und hört bei Kommunikationsbarrieren nicht auf. Aber natürlich ist es möglich, auch mit behinderten Angehörigen und Freunden ein schönes Weihnachtsfest zu feiern, an dem jeder Spaß hat, wenn man ein paar Punkte beachtet.

Auf den Ort kommt es an

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir jemand sagte, Weihnachten sei nicht so toll gewesen, denn man habe an einem nicht sehr barrierefreien Ort gefeiert, er oder sie habe sich dadurch kaum alleine bewegen können, kam nicht oder nur sehr schwer zur Toilette, musste getragen werden oder was auch immer. Ja, die deutsche Durchschnittswohnung ist vielleicht nicht gerade das Musterbeispiel an Barrierefreiheit, aber oft gibt es ja Optionen. Man muss sie nur nutzen.

Feiert man bei Onkel Paul, der keine Stufen vor der Tür hat oder bei Tante Elfriede, die im 4. Stock ohne Fahrstuhl wohnt? „Aber wir haben doch schon immer bei Tante Elfriede gefeiert“ ist dann vielleicht nicht so das beste Argument, wenn man weiß, dass Neffe Thomas nicht mehr laufen kann oder die Oma die Treppen nicht mehr so gut hinaufkommt. Schließlich sollen sich an Weihnachten ja alle wohlfühlen und dazu trägt eben meist schon die Wahl des Ortes bei, an dem Weihnachten gefeiert werden soll.

Inklusiv feiern

Es sollte vor allem an Weihnachten eigentlich selbstverständlich sein, aber ich erwähne es aus gutem Grund dennoch: Weihnachten ist ein Fest für alle. Wenn die Mehrheit der Familie irgendwas zusammen macht und einer sitzt in der Ecke und starrt die Wand an, ist irgendwas schief gelaufen. Wenn das daran liegt, dass die Person sich aufgrund einer Behinderung ausgeschlossen fühlt, ist das nicht schön.

Um das zu verhindern, sollte man sich unter Umständen vorher gut überlegen, was man an dem Tag macht. Wenn nicht alle teilnehmen können, welche Alternativen gibt es? Wie haben dennoch alle einen schönen Tag?

Untertitel / Audiodeskription einschalten

Ein gemeinsamer Fernsehabend ist etwas feines, aber nur, wenn alle daran teilhaben können. Ist jemand schwerhörig oder gehörlos, sind Untertitel im Fernsehen hilfreich und mehr als eine nette Geste, diese einzuschalten ohne dass die Person darum bitten muss, wenn er oder sie sonst auch immer Fernsehen mit Untertitel schaut. Der britische Blogger Charlie Swinbourne hat weitere Tipps für ein barrierefreies Weihnachten für gehörlose Menschen zusammen gestellt.

Was für gehörlose und schwerhörige Menschen die Untertitel sind, ist für blinde und sehbehinderte Menschen die Audiodeskription (AD). Läuft der Film mit AD sollte man diese einschalten, wenn jemand, der blind ist, mitschaut.

Mit Bedacht schenken

Es gibt kaum eine bessere Kneipenunterhaltung als die über unnütze Geschenke, die man als behinderter Mensch bekommen hat. Vor kurzem erzählte mir jemand, ihr Opa habe, wie jedes Jahr, von einer Verwandten schwarze Socken geschenkt bekommen. Ein Klassiker also. Dagegen ist ja nicht zu sagen, wenn man nicht weiß, dass der Opa im vergangenen Jahr aufgrund von Diabetes beide Füße abgenommen bekommen hat und nein, nicht mit Prothesen versorgt ist.

Wer also nicht im Fettnapf baden möchte, denkt vielleicht lieber einmal mehr darüber nach, ob ein Geschenk sinnvoll ist für jemanden, der behindert ist, oder nicht.

Das Gleiche gilt für das Schenken von Hilfsmitteln. Was Angehörige für jemanden als total hilfreich erachten, muss es nicht wirklich sein. Im Zweifelsfall sucht sich die Person das Hilfsmittel am besten selber aus. Dann ist zwar unter Umständen die Überraschung dahin, aber man investiert nicht Unsummen von Geld in ein Hilfsmittel, das dann doch nur in der Ecke steht. Am Ende ist es immer die Entscheidung des behinderten Menschen selber, was er nutzt und was nicht.

Deshalb ist grundsätzlich beim Schenken von Hilfsmitteln Vorsicht geboten. Nicht alle werden es mögen, wenn sie ohne Absprache Hilfsmittel zu Weihnachten bekommen. Manche könnten das als etwas bevormundend auffassen, andere empfinden Hilfsmittel gar nicht als Geschenk. Also, es ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs schöne und barrierefreie Weihnachten!

 

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