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Barrierefreies Belfast

 

Als ich die Anfrage erhielt, in Belfast einen Vortrag zu halten, habe ich ohne Zögern zugesagt. Ich war noch nie in Belfast, auch noch nie in (Nord-)Irland und es gibt eigentlich nichts, was ich mehr mag, als neue Städte und Regionen zu entdecken. Deshalb habe ich auch gleich eine Nacht drangehängt, um noch ein wenig Belfast zu erkunden, bevor es zurück nach London ging.

Belfast ist, wie die meisten Städte des Vereinigten Königreichs, die ich kenne, recht barrierefrei. Die Stadt hat zwei Flughäfen. Schon beim Landeanflug war ich von der Landschaft um Belfast herum beeindruckt.

Stormont Parliamentary building
©VisitBritain / Britain on View

Ich landete am Belfast City Airport, einem eher kleinen Flughafen, bei dem auch nur kleine Maschinen landen. Und obwohl das so ist, gab es an dem Flughafen für behinderte Passagiere einen Hublift, der ans Flugzeug andocken kann. So kann man auch aus kleinen Maschinen stufenlos aussteigen. Das ist längst nicht bei allen kleinen Flughäfen in Europa so.

Ich fuhr mit dem Taxi ins Hotel und mir fiel sofort auf, dass die Bürgersteige fast überall abgeflacht sind, es gibt an Kreuzungen taktiles Blindenleitsystem und die meisten Ampeln sind auch blind benutzbar.

Parkdeck-Blick

Nur mein Hotel würde ich in die Kategorie „Naja, geht so“ einstufen. Es war eines dieser Hotels, die bei der Auswahl der Zimmer, die barrierefrei werden sollten, die ausgewählt haben, die den schlechtesten Ausblick haben. In diesem Fall hieß das, man schaut vom Zimmer aus auf das direkt angrenzende Parkhaus des Hotels und es ist durchaus ratsam das Fenster geschlossen zu halten, wenn man den Aufenthalt nicht in Autoabgasen verbringen will. Es ist übrigens nicht das erste Hotel, das ich kenne, das barrierefreie Zimmer mit „Parkdeck-Blick“ anbietet.

Belfast hat rund 280.000 Einwohner und man sieht der Stadt an, dass man durchaus auf Tourismus setzt. Eine große Einkaufsstraße lädt zum Flanieren ein, alte Gebäude wie das Rathaus sind aufwendig saniert worden und es gibt ein gutes Nahverkehrsnetz. Alle Busse sind barrierefrei und auch wenn mir die Belfaster anderes berichtet haben, ich hatte in den zwei Tagen nicht ein einziges Problem mit einem Busfahrer. Alle haben mir bereitwillig die Rampe ausgeklappt.

Belfast City Hall
©VisitBritain

Titanic Belfast

Touristische Hauptattraktion in Belfast ist sicherlich „Titanic Belfast“. Am Geburtsort der „Titanic“, nämlich auf dem ehemaligen Gelände der Werft Harland & Wolff, steht heute ein beeindruckendes Gebäude, in dem man die Geschichte der Titanic nachempfinden kann – und das ziemlich barrierefrei.

Allein das Gebäude, in dem sich die Ausstellung zur Titanic befindet, ist architektonisch beeindruckend.

Titanic Belfast
©VisitBritain

Am meisten fasziniert hat mich die Gondelbahn im Inneren des Gebäudes, die auch einen barrierefreien Wagen hat. So konnte ich an der nachempfundenen Titanic im Bau entlang fliegen ohne den Rollstuhl verlassen zu müssen. Mitarbeiter haben mir einfach Rampen an die barrierefreie Gondel gelegt, die mich sehr an Disneyland-Attraktionen erinnerte. Und dann konnte ich mit dem Rollstuhl auf die fliegende Gondel fahren und dann durch die Ausstellung „fliegen“. Allerdings ist auf der Gondel nur Platz für manuelle Rollstühle und nicht für E-Rollstühle. Man kann allerdings einen manuellen Rollstuhl dafür ausleihen, wenn man das möchte.

Audiotouren mit und ohne Bildbeschreibung

Sehr gut fand ich die Audiotouren in verschiedenen Sprachen. Rollstuhlfahrer bekommen diese kostenlos angeboten, damit man sich nicht immer zu den Schildern vorkämpfen muss und man die Schilder nicht immer lesen muss, wenn sie zum Beispiel zu hoch angebracht sind, sagte man mir. Ich fand die Schilder aber gar nicht zu hoch, aber da es sehr voll war, war das für mich dennoch ein gutes Angebot. Auch eine Audiotour mit Bildbeschreibungen für blinde Besucher gibt es. Schwerhörige und gehörlose Menschen können den Audioguide auch in schriftlicher Form haben, aber die Ausstellung ist sowieso sehr visuell gestaltet. Es gibt auf Tafeln umfangreiche Informationen, Videos und Animationen.

Belfast stand sicherlich nicht sehr weit oben auf der Liste meiner Wunsch-Reiseziele. Aber ich kann die Stadt für einen entspannten und barrierefreien Wochenendtrip durchaus empfehlen und war dort sicher nicht zum letzten Mal.

3 Kommentare

  1.   Petra Müller

    Und siehe da: wenn gleich für _alle_ geplant wird, muss auch niemand an den Katzentisch – oder ins „Parkdeck-Zimmer“. Denn dann braucht es kein entwürdigendes Sonder-Extra-FürBehinderte (ach! die Kosten! die Mühe!)

  2.   Ralph Raule

    Moin Moin,

    wenn hier visuelle Informationen für Hörbehinderte gibt: Wie sieht es aus mit Informationen in Gebärdensprache? Gibt es die auch?

  3.   renate

    barrefreie stadt und einrichtungen,geht ja doch….
    nur in die österreichischen politischen köpfe scheint leider ein rotes tuch zu sein.

 

Kommentare sind geschlossen.