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Mit YouTube gegen Falschparker

 

30 Prozent der Autofahrer in Russland geben zu, ohne Berechtigung auf Behindertenparkplätzen zu parken. Ich befürchte, in Deutschland sehen die Zahlen ähnlich aus. Dabei sind Behindertenparkplätze nicht nur eine Nettigkeit für behinderte Menschen. Sie machen es oft überhaupt möglich, dass jemand, beispielsweise mit einer starken Gehbehinderung, einkaufen gehen kann.

Die Parkplätze liegen oft an Eingängen, damit man nicht weit laufen muss. Und sie sind breiter eingezeichnet, damit man genug Platz hat, um den Rollstuhl neben die Tür die stellen und in den Rollstuhl umzusteigen. Ein freier, normal breiter Parkplatz nutzt mir überhaupt nichts, denn ich kann dort meinen Rollstuhl nicht ausladen. Behindertenparkplätze sind für viele behinderte Menschen die Grundvoraussetzung, um überhaupt irgendwohin zu kommen.

Videoinstallation in Russland

Ein russischer Behindertenverband hat sich nun etwas Besonderes einfallen lassen, um mehr Bewusstsein dafür zu schaffen: Er hat über eine Videoinstallation Rollstuhlfahrer geisterähnlich auf Behindertenparkplätzen erscheinen lassen, wenn dort Fahrer parkten, die keinen Behindertenparkausweis in der Windschutzscheibe liegen hatten. Die auf den Parkplatz projizierten Rollstuhlfahrer forderten die Autobesitzer auf, sich einen anderen Parkplatz zu suchen und appellierten an ihr Gewissen: „Ich habe viele Herausforderungen im Alltag zu meistern. Die einzige Herausforderung für dich ist, meine Rechte zu respektieren.“

Wie das Ganze aussah, sieht man in diesem Video:

Das Video wurde unterdessen mehr als drei Millionen Mal geteilt.

Notizzettel gegen Falschparker

Eine andere originelle Aktion gab es zur gleichen Problematik in Brasilien. Dort wurde das Auto eines nicht behinderten Mannes mit Post-it-Zetteln beklebt, während er auf einem Behindertenparkplatz parkte. Ob das YouTube-Video inszeniert war, ist umstritten, aber auf jeden Fall war es ein Riesenerfolg. Mehr als 9 Millionen Menschen schauten es sich an.

Ich habe mich schon öfter gefragt, ob man dem Problem nicht anders Herr werden könnte als mit Ausweisen in Windschutzscheiben und dem Aufschreiben der Falschparker. Zumal es auch nicht behinderte Fahrer gibt, die den Ausweis der Oma, des Schwiegervaters oder von sonst wem in die Windschutzscheibe legen, obwohl diese gar nicht mitfahren.

Technische Lösung muss her

Sehr praktisch wäre zum Beispiel, wenn Autos selbst wüssten, dass sie dort nicht stehen dürfen, wenn die behinderte Person nicht dabei ist oder es gar keinen Ausweis gibt. Wenn sich das Auto dann auch noch selber melden würde, könnte man dem Problem mit der Falschparkerei auf Behindertenparkplätzen vielleicht irgendwann mal Herr werden.

Solange es diese technischen Vorkehrungen nicht gibt, sollte man wenigstens überlegen, das Bußgeld für das Parken auf Behindertenparkplätzen zu erhöhen. In Deutschland kostet es nur 35 Euro. In Großbritannien und in den USA ist man dafür rund 250 Euro los (ohne Abschleppkosten). Wenn man dabei erwischt wird, einen Behindertenparkausweis missbräuchlich zu nutzen, kostet das in Großbritannien bis zu 1.500 Euro, in Deutschland ist es im Bußgeldkatalog noch gar nicht geregelt. Trotzdem ist jeder 200. Parkausweis in Großbritannien geklaut und etwa 20 Prozent der Ausweise werden von Menschen genutzt, denen sie nicht gehören (vor allem Angehörige). Wie wohl die Quoten hier aussehen?

6 Kommentare

  1.   C.

    In meinem Stamm-Edeka in Trier musste ich mich als Gehbehinderter oft ärgern, dass die beiden Behindertenparkplätze von nicht-behinderten Kunden blockiert wurden.

    Ein großartiges Erlebnis hatte ich vor einigen Jahren:

    Eine studentische Aushilfe, die ich vom Sehen kannte, räumte vor dem Markt Blumen um, als ein Kunde (mir ebenfalls vom Sehen bekannt) seinen Mercedes schwungvoll auf den reservierten Parkplatz direkt vor dem Eingang steuerte. Die junge Frau trat an den Wagen heran, bot dem völlig gesunden Mann den Arm und fragte laut und vernehmlich, ob sie helfen könne.

    Der Kunde war perplex und erklärte irgendwo zwischen schroff und erstaunt, er benötige ja wohl keine Hilfe, er sei ja gesund. Die junge Frau tat ganz überrascht, setzte eine leicht verletzt-naive Miene auf und antwortete, dass sie doch nur habe freundlich sein wollen. Immerhin habe er auf einem Behindertenparkplatz geparkt und da gehört es sich doch, Hilfe anzubieten, selbst wenn der Ausweis fehle.

    Der Mann war völlig überrumpelt, parkte in der Tat wütend um und erklärte der Aushilfe, er würde sich aufgrund ihrer Unverschämtheit beim Marktleiter beschweren. Sie wies lächelnd auf den grinsenden Mann, der aus dem Eingangsbereich heraus die Szene beobachtet hatte.

    Ich war aus zwei Gründen dankbar: Erstens, weil endlich mal jemand den Falschparker direkt in die Schranken verwiesen hatte und zweitens, weil die junge Frau so lange sie dort arbeitete im Laden eben nicht durch solch übermäßig aufdringliche und letztlich von mir unerwünschte Hilfsbereitschaft auffiel. Sie ging mir zur Hand, wenn ich darum bat, half mir auch mal beim Einladen von Getränkekisten in mein Auto und behandelte mich ansonsten wie einen ganz normalen Kunden – was ich ja bin.

    Ich habe sie dann auf die Situation angesprochen und sie sah ihr Einschreiten als ganz normal an. Der Mann war den Angestellten mehrfach negativ aufgefallen, er hatte definitiv keinen Ausweis und sie war froh, ihn endlich mal direkt erwischt zu haben. Ein halbes Jahr später sagte sie mir auf meine Frage hin, dass zumindest dieser Falschparker sich etwas gebessert habe. Schade, dass so etwas nur über öffentliche Bloßstellung funktioniert – aber schön, dass es funktioniert hat.


  2. […] Mit YouTube gegen Falschparker […]

  3.   CaliforniaIII

    Bei mir in der Nachbarschaft hat ein neuer REWE eröffnet. Dort wurde der Werbegag „Familienparkplatz“ gemeinsam mit Behindertenparkplätzen ausgewiesen. Das heißt, jeder kann mit Verweis auf den bedeutungslosen Famiienparkplatz auf einem der fünf ausgewiesenen Parkplätze parken. Und die Behinderten schauen in die Röhre. Als ich REWE darauf hingewiesen habe, stieß ich auf völliges Unverständnis- das sei „im einklang mit den Regeln“. Welchen Regeln bitte?

  4.   Harry

    Ich stolperte gerade über Ihre Aussage, in Deutschland sei die missbräuchliche Nutzung eines Behindertenparkausweis im Bußgeldkatalog noch gar nicht geregelt. Sie erwecken damit den (falschen) Eindruck, als gäbe es keine gesetzliche Regelung. In Deutschland handelt es sich dabei um eine strafbare Handlung gemäß § 281 StGB und kann eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe nach sich ziehen.

  5.   Wolfsspitz

    Ich muss die Entäuschen Harry, es gibt mittlerweile ein Urteil das die Strafbarkeit nach §281 StGB einschränkt.

    http://www.behindert-barrierefrei.de/missbrauch-vom-behindertenausweis-ordnungswidrigkeit/

    Ich denke in so einem Fall werden die 35€ Bussgeld fälllig und das war es.

  6.   Wolfsspitz

    Hier noch die genaue Begründung des Gerichts
    http://www.verkehrslexikon.de/Texte/Rspr5673.php

 

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