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Gealterte Jungs

 

Take That sind zurück und besingen die „Beautiful World“. Nach zehnjähriger Trennung tragen sie ein paar nette Popliedchen souverän vor

Take That - Beautiful World

Take That waren die erfolgreichste Jungsband der neunziger Jahre. Viele Mädchen erlebten ihre Pubertät unter Postern der fünf Briten. Sie sahen adrett aus, konnten tanzen und singen. Ihre Lieder hießen Could It Be Magic, Babe und Everything Changes. Sie sangen für Prinzessin Diana und improvisierten mit Elton John. Ganz gleich, was sie taten, sie hatten Erfolg. Bis nach vier Jahren einer von ihnen plötzlich Rocker werden wollte.

Der Ausstieg von Robbie Williams war eine Katastrophe für die Anhängerinnen. Manche kamen tagelang nicht zur Schule, Telefonseelsorger pflegten zertrümmerte Mädchenseelen in aller Welt. Nach der Neuinterpretation des schwülstigen Bee Gees-Klassikers How Deep Is Your Love war auch für die vier übrigen Sangesbrüder Schluss, fortan gingen sie getrennte Wege. Freunde wollten sie bleiben, hieß es. Nur mit Williams hatten sie sich überworfen. Der zechte inzwischen mit den Rockern von Oasis die Nächte durch und wurde berühmter, als er es mit Take That je hätte werden können.

Gary Barlow komponierte sich einen Hit und paar Tanzlieder für unbekannte Diskogruppen. Mark Owen nahm drei Solo-Platten auf, die kaum jemanden interessierten. Jason Orange turnte über Englands Kleinkunstbühnen. Und Howard Donald stand wieder in englischen Clubs herum und tat das, was er schon zu Bandzeiten am besten konnte: gut aussehen und ergeben schweigen. So vergingen zehn Jahre, und das war irgendwie auch in Ordnung.

Vorigen Herbst dann der Aufmarsch der Gescheiterten. Auf einer Pressekonferenz, umgeben von mittlerweile älter gewordenen Fans, verkündeten die vier Musiker, dass sie – kreisch – wieder zusammen – doppelkreisch – musizieren wollten. Die ersten Konzerte waren nach einer Stunde ausverkauft. Robbie Williams hatten sie auch gefragt, ob er mitkommen wolle. Er lehnte ab und spottete auf seiner eigenen Tournee über seine ehemaligen Weggefährten.

Die ersten Presse-Fotos zur Vereinigungskampagne zeigen nun vier Männer, die eine Küstenstraße entlangschreiten, drei von ihnen mit wallenden Mänteln und Haaren. Ein Zeugnis bemühter Emanzipation vom alten Erscheinungsbild. Sieht so eine gealterte Jungsband aus? Von einer „atemberaubenden neuen Single“ schwärmt die Plattenfirma. Patience heißt sie und schwappte kürzlich auf den Vorweihnachtsmarkt. Eine Woche später erscheint nun das Album Beautiful World.

Die Stimmen von Barlow, Owen, Donald und Orange schwelgen in Hall und Melancholie, während sie Liebe, Schmerz und Glück verhandeln. Die Stücke werden souverän vorgetragen, Musik und Text klingen gelegentlich wie aus einem Popbaukasten zusammengezimmert: Akustische Gitarren und zartes Klaviergeklimper tragen sie, erwartbar wie der Reim „tear“ auf „fear“ streichen Geigen, wenn es tragisch wird. Dahinter fiept zuweilen Elektronik hinein in die balladeske Beliebigkeit von Take Thats schöner Welt.

Nur zwei Lieder stechen heraus. Zum einen Wooden Boat, ein überraschendes Liedermacherstück. Zum anderen Shine, eine verspätete Sommernummer im beschwingten Tanzrhythmus, die ein wenig nach einer Zeit klingt, da die vier noch schillernd über die Bühnen hopsten. Der Rest ist gefälliges Radiogedudel. Harmlose Lieder für Supermärkte, Großraumbüros und Umkleidekabinen.

„Beautiful World“ von Take That ist erschienen bei Universal

Hören Sie hier Ausschnitte aus dem Album

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15 Kommentare

  1.   Joanna

    Ach, wann verstehen Leute die Kritiken schreiben denn endlich den Sinn der Boygroups??? wenn wir „anspruchsvolle Musik“ wollten ,würden wir in die Oper gehen! Ich find das Album echt gelungen, der Haushalt ist mal wieder ohne Probleme doppelt so schnell und mit viel Elan wieder auf der Reihe, der Kopf nach 5 Stunden dauerrotation der Scheibe wieder völlig leer… und nach 10 langen Jahren können wir uns endlich wieder auf den Anblick der Jungs und ihren Humor freuen…kann`s denn noch besser werden?…denn eins ist mal klar We did never forget und haben in Zukunft mit den neuen Songs genauso viel Spass, wie mit den alten!!!!

  2.   Cris

    Ich glaube Sie verstehen nichts von guter Musik….Take That 4ever….!!!!!

  3.   Take That Fan

    Wenn ich das jetzt richtig verstehe ist diese Seite doch von der Zeitung “ Die Zeit“, oder? Boh wie peinlich!!!!!
    Wie kann man derart einseitge Berichterstattung nur abdrucken. War der zuständige Redakteur voll??
    Ich bin mitlerweile 25 Jahre alt, habe meinen Schulabschluß sowie Ausbildung und Meisterausbildung absolviert. Ich und auch alle anderen Take That Fans sind erwachsen geworden. Und auch älter. Genauso wie die Jungs ( Männer ). Mit welchem Recht traut sich der Verfasser so über die letzten 10 Jahre der Herren herzuziehen?? Die Passage was sie in der letzten 10 Jahren gemacht haben ist dermaßen schlecht recherchiert – voll peinlich. Zählen denn mit sich selbst im einklang zu kommen, Familien zu gründen und Privatleben gar nicht??
    Und die “ Tanzlieder“ die Gary Barlow für “ unbekannte Discogruppen“ geschrieben hat waren unter anderem auch für Atomic Kitten – eine nicht ganz unbekannte Frauenband!!!
    Gott sei Dank haben wir alle ( TT-Fans), es solchen dummen Artikelverfassern gezeigt, denn die Single war Platz eins und das nicht nur in Deutschland. „Der Aufmarsch der Gescheiterten“ hat auch in England funktioniert!!! Mal wieder sämtliche Rekorde gebrochen. Dumm wenn man(n) mal wieder das Maul zu weit aufreißt und dann eines besseren belehrt wird, oder? Ich erwarte von “ Die Zeit“ eine Richtigstellung und objektive Berichterstattung und wenn der Artikelverfasser zwischen 35 und 40 ist sollte er aufhören seinen Job zu machen – er ist ja dann zu alt:-)!!!

  4.   dani

    Unverschämt,das ist doch nur wieder purer Neid.Wie oben schon geschrieben ist es auf Platz 1!!!!!!Da muss man ja wohl nichts mehr zusagen.UNd ausverkaufte Konzerte….Also wirklich.TAKE THAT 4-EVER!!!!!

  5.   Imke

    Hehehe… Irgendwie bin ich gerade über nen Wikipedia-Artikel auf diese Rezension von Take That’s 2006er Album „Beautiful World“ gestoßen, und fand nun den Satz sehr amüsant: „So bleibt eine Chartplatzierung, aber kein Song, an den man sich Jahre später erinnern wird.“ Das schrieben Sie im Dezember 2006. Ich würd mal sagen, falsch gelegen. Denn:

    Nun sind es fünf Jahre später – und die damalige Nummer 1-Single „Patience“ ist auch heute noch ein Song, an den man sich durchaus erinnert, den man auch noch oft im Radio hört, und mit dem Take That heutzutage vermutlich viel eher in Verbindung gebracht werden als mit ihren Hits aus den 90ern.

 

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