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Nicht alles Sexismus

 

Amanda Blank stellt jeden Gangsta-Rapper in den Schatten. Ihre Texte zielen kontrolliert auf den Unterleib, die Musik bewegt sich zwischen Baile Funk und Pop

Cover
 
Amanda Blank – Might Like You Better
 
Von dem Album: I Love You Universal 2009
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Amanda Blank redet gern über Sex. Die Rapperin dehnt dann genüsslich die Vokale, gurrt lasziv, schreit spitz, und manchmal gibt sie sich auch ein wenig dominant: „Smoke a cigarette, I’m not ready yet!

Die 26-Jährige aus Philadelphia ist die neueste Ausgabe eines Pop-Phänomens, das vor allem Männer mit großem Interesse verfolgen – gut ausgebildete junge Frauen aus der weißen Mittelschicht, die in Sachen Explicit Lyrics jedem Gangsta-Rapper die Show stehlen: Princess Superstar fordert Fuck Me On The Dancefloor, Peaches schnallt den Dildo um, und dann wäre da auch noch Uffie, das „Hot Chick“ des französischen Hip-Labels Ed Banger.

Doch es ist nicht alles Sexismus, was so eindeutig auf den Unterleib zielt. Die beiden Produzenten Diplo und Switch, mit denen Amanda Blank jetzt das exzellente Album I Love You aufgenommen hat, sind eher fasziniert von der Wildheit des brasilianischen Baile Funk und den Ehrfurcht gebietenden Bässen des jamaikanischen Dancehall Reggae. Weil sich in diesen Ghettomusiken eine Unberechenbarkeit und Vitalität findet, die im Pop weitgehend verloren ging.

Neben der unverblümten Sexualisierung gehört dazu auch das Spiel mit einer immer präsenteren Gewalt: Der Song Something Bigger, Something Better wird angetrieben vom rhythmisierten Ladegeräusch einer Pistole. Inmitten dieses digital ratternden Beat-Infernos strahlt Amanda Blank die Ruhe einer Mafiabraut aus, die Männer gern mal herablassend „Schätzchen“ nennt.

Es ist ihr Spiel, und es sind ihre Regeln. Deshalb gibt es auf dem Album auch die kleinen intimen Pop-Momente. Wenn Amanda Blanks Stimme weich und melodisch wird, beginnt man zu begreifen, dass Sex und Pop auf immer wieder neue Weise mit demselben Motiv spielen: Verführung. Nur diktiert in diesem Fall die Frau die Bedingungen.

„I Love You“ von Amanda Blank ist erschienen bei Downtown Records/Universal

Dieser Text ist der ZEIT Nr. 29/2009 entnommen.

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Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter www.zeit.de/musik

5 Kommentare

  1.   SuperPretzel

    klingt ziemlich cool. gleich mal den namen merken. und diplo und switch sind sowieso unkritisierbar…
    aber wehe irgendwer regt sich über die texte auf, dann hat dieser den sinn der musik nicht verstanden. macht halt spass und gut is.


  2. […] ZEIT ONLINE – Tonträger » Nicht alles Sexismus -> Amanda Blank […]

  3.   Marc

    „Might Like You Better“ gibt es bei RCRD LB legal und kostenlos als Download: http://rcrdlbl.com/artists/Amanda_Blank/track/Make_It_Take_It

  4.   substanz

    äh, bitte noch den schreibfehler im coverteaser korrigieren. da steht bei mir amada black statt blank…

  5.   Rabea Weihser

    Vielen Dank für den Hinweis. Der Fehler ist korrigiert.

    Beste Grüße, Rabea Weihser, Musikredaktion ZEIT ONLINE

 

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