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Auf dem Weg ins Dixieland

 

Zwei Veteranen, die noch mal Spaß haben wollen: Bernd Begemann und Dirk Darmstaedter haben ein Rockabilly-Album aufgenommen. Leider weder witzig, noch einfallsreich.

© Tapete Records

Echte Popstars dürfen alles. Echte Popstars wechseln die Stile und finden dafür auch Produzenten. Echte Popstars wildern in fremden Gehegen, und ihre Fans folgen selbst dorthin. Echte Popstars reizen ihre Narrenfreiheit voll aus, und keiner nimmt es ihnen richtig übel. Bernd Begemann ist ein echter Popstar und Dirk Darmstaedter zumindest ein halber. Doch bei dem, was die Veteranen heute veröffentlichen, fragt sich: Wer hat das bloß produziert? Und warum? Biegen da nicht sogar wahre Fans übelgelaunt ab?

Darmstaedter, wuschelköpfiger Sänger der Achtziger-Softrocker Jeremy Days, und Begemann, schmerbäuchiger Godfather der Hamburger Schule, haben ein Rockabilly-Album aufgenommen, eine vierzigminütige Reminiszenz an eine Zeit, die sie gar nicht erlebt haben.

Dabei machen die Mittvierziger das sehr versiert. Sind halt Könner, virtuose Gitarristen mit Charisma, echte Rampensäue, leicht saturiert, weiterhin experimentierfreudig. So haben sie getan, was alternde Männer eben tun, wenn sie mit dem gewohnten Zeugs nicht vorankommen, aber noch Spaß an der Sache haben wollen, so Richtung Musiker-Lebensabend.

„Mit dem Alter fängt man an, sich für Country zu interessieren“, singen die gleichaltrigen Aeronauten über den Alpenrand hinweg. Und wie die Schweizer es aussprechen: „Kauntrie“, Truck-Stop-Englisch! Ein Seitenhieb in Richtung Norden, zu ihren Küstenkumpels Dirk und Bernd? Deren erste Zusammenarbeit war vor sieben Jahren das Western-Tribut This Road Doesn’t Lead To My House Anymore. Schon das klang eher verkrampft als spielfreudig. Ihr neuer Rock’n’Roll-all-Night-long-Gestus nun wirkt so aufgesetzt wie das Album So geht das jede Nacht, dessen Titelstück sie bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest präsentieren.

Ob das wirklich jede Nacht so geht, darf bezweifeln, wer Herrn Darmstaedter mal nachmittags in der Seniorenrückenschule Kieser trifft und Herrn Begemann auf dem Spielplatz seiner Tochter. Doch das allein begründet keine solche Authentizitätslücke. Nein, Bernd und Dirks Versuch, eine vielfach recycelte Ära ins Hier und Jetzt zu transponieren, strotzt so lange von selbstpersiflierendem Augenzwinkern, bis es zum geriatrischen Tick verkommt, zur nervösen Marotte. Genau an dem Punkt klingt So geht das jede Nacht befremdlich nach Götz Alsmann, dem man die Ernsthaftigkeit seines Jazz lange Zeit nicht abgekauft hat, und ausgerechnet als er zum Altherrenlabel Blue Note wechselte, kaufte man ihm eben das Augenzwinkern nicht mehr ab.

Aber eigentlich erinnern Darmstaedter und Begemann doch eher an Sasha, den Teenieschwarm, der es zeitgleich zum Country-Ausritt der zwei Kollegen mit einem Rock’n’Roll-Album bis zu Wetten, dass…? schaffte. Ist das jetzt etwa die Messlatte des Pop-Entertainers Begemann – Coverversionen von Peter Kraus bis Ted Herold, die ja selbst Karikaturen echter Rock’n’Roller waren? Wenn Begemann ansonsten sein Buddy-Holly-Tremolo unter abseitigen Big-Band-Rock legt, ist das ein Statement, eine Antwort, witzig, einfallsreich. Wenn er es einer Art Musik anfügt, die extra drumherum komponiert wurde, ist es bloß nostalgisch. Da ist auch Dixieland nicht mehr weit.

„So geht das jede Nacht“ von Dirk Darmstaedter & Bernd Begemann ist erschienen bei Tapete Records.

2 Kommentare


  1. Ich finde es absolut unmöglich, wie hier persönliche Diffamierungen und völlig Belangloses aus dem Privatleben der Künstler (… kümmern sich um ihre Gesundheit und spielen mit ihren Kindern – diese Spießer!) herangezogen werden, um eine schlechte Rezension zu begründen. Doch der Schuss ging wohl nach hinten los: Das einzige, was Herr Freitag mit diesem Artikel letztlich negativ darstellt, ist sich selbst, seine Geltungssucht („Insiderwissen!“) und sein schlechtes Benehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Zippo Zimmermann

  2.   Frank Hagen

    Oh, was für ein erbärmlicher Artikel. Sind wir hier neuerdings bei der GALA? Ich möchte in einer Musikkritik bei ZEIT Online nicht lesen, wen der Autor angeblich beim Kiesertraining oder auf irgendwelchen Spielplätzen getroffen hat. Was hat denn das mit der Musik zutun?

 

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