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It’s a heartache!

 

Hand in Hand mit Daisy Duck: Die Waliserin Duffy ächzt und bebt im zeitlosen Zwischenreich des Soulpop. Sogar aufgeklärten Romantikern gefällt’s.

© Universal Music

Des künstlichen Schallplattenknisterns hätte es gar nicht bedurft. Die Songs von Duffy klingen auch so wie Unterhaltung aus einer vergangenen Zeit. Als blonde Babydoll und Fachfrau für Edelschnulzen könnte Duffy aus den fünfziger Jahren ins Jetzt gefallen sein. Nur ihre Rhythmusgruppe ist etwas zu schnell dafür, zu zackig und zu gegenwärtig. Mag die Botschaft der Liebeslieder auf ihrem neuen, mit der Hip-Hop- und Jazzband The Roots eingespielten Album Endlessly auch zeitlos sein, so geht von ihrer Stimme doch etwas Körperliches aus, ein durchaus gegenwärtiges Beben. „If they call it heartache, why is the rest of my body aching, why is the rest of my body shaking?“ Man sieht förmlich vor sich, wie ein Schauder sie durchläuft.

Der Durchbruch gelang Duffy 2008, als mit Amy Winehouse als Zugpferd der alte Motown-Soul unter Zugabe einer Extraportion Seele reanimiert wurde. Anders als Amy ist Duffy aber keine Selbstverschwenderin, sie beglaubigt die Tiefe ihres Empfindens allein mit ihrem außergewöhnlichen, mitunter gewöhnungsbedürftigen Gesang. Ihre nasale Stimme mit den rauen Untertönen hat sie virtuos im Griff – und balanciert damit stets auf der Grenze, hinter der sie ins Daisy-Duck-Hafte stürzen würde. Erstaunlicherweise gelingt der Waliserin mit dem speziellen Verhältnis zur englischen Sprache dabei das Kunststück, nicht manieriert zu klingen. Vom Pathos der Streicher und Bläser unterstützt, erzählt sie von den Lektionen, die das Leben sie lehrte, als seien ihre Songs vergängliche, der Zuwendung ihrer Hörerschaft bedürftige Skulpturen.

Darüber hinaus beherrscht ihr Hauskomponist Albert Hammond die Kunst, Duffy so glaubwürdig über die Liebe singen zu lassen, als hätte sie schon alle Erfahrung der Welt, die sie als 26-Jährige doch gar nicht haben kann. Neben Herzschmerzballaden, die wohl bald in diversen romantischen Komödien im Kino zu hören sein werden, findet sich auf Endlessly mittelschneller Soulpop, als seien dies die beiden Schatullen, in denen Duffys Stimme am besten zur Geltung kommt. Dabei passt sie auch gut in sprechgesangähnliche Nummern. In My Boy lässt sie die Stimme davongaloppieren – und kommt fast im Soulrock der Gegenwart an. Vielleicht fühlt sie sich aber gerade im zeitlosen Zwischenreich wohl. Vielleicht ist dieser fremden Stimme die Gegenwart viel zu normal.

„Endlessly“ von Duffy ist erschienen bei Universal.

Aus der ZEIT Nr. 48/2010

3 Kommentare

  1.   Jess87

    „mitunter gewöhnungsbedürftigen Gesang“ – mitunter ist untertrieben.

    „Ihre nasale Stimme mit den rauen Untertönen hat sie virtuos im Griff“ – na, mir kommt das nicht gerade so vor.

    Ehrlich gesagt, habe ich den Fernseher ausgestellt, als „Well, well, well“ dort lief, weil ich das nicht so richtig aushalten konnte (und wollte). Für mich war sie dabei eher eine Erscheinung, die wie die meisten gerade mithilfe von pro7 gegen die Versenkung ankämpft. Ihr erster Song lief noch das Radio rauf und runter, mit dem nächsten kann sie am Erfolg nicht mehr anknüpfen, klammert sich aber trotzdem daran.
    Ganz abgesehen davon finde ich die Texte aber auch nicht gerade tiefsinnig.

    Aber auch wenn ich gerade meckere – letzlich ist sie auch nicht schlechter als der Rest, der so im Radio läuft. Aber für mich eben auch nur Durchschnitt – trotz des Artikels hier.

    Und: Ehrlich? Die Frau ist erst 26 Jahre alt?? Wow, hätte ich nicht gedacht…

    (Mir fällt auch gerade ein, an wen sie mich erinnert: an Angelina Jolie. Hm, für mich kein Kompliment, wenn eine Sängerin so aussieht. Gut, andererseits muss eine Sänegrin ja nicht schlecht aussehen, um gut singen und interpretieren zu können. 😉 )

  2.   Brummkreisel

    Habe letze Woche mit Interesse einen Konzertmitschnitt von der Dame entgegen gesehen. Ok, Sie kann singen, hat den Blues und den Swing.

    Aber die Stimme ist schon nach 15 Minuten derat nervig und schneidend, dass mein Ohr nach Erlösung schrie. Das Umschalten war eine seltene Erlösung!

  3.   eltom

    Ich besitze ihre erste Platte, Rockferry, die mir persönlich wirklich gut gefällt. Die neuen Stücke gefallen mir wiederum gar nicht und ihre Stimme ist mehr als anstrengend, insofern muss ich mich den Vorrednern anschließen: Man hat den Eindruck, dass genau dieses enervierende Element hier bewusst in den Vordergrund gestellt wird. Für mich ein Grund, von der Platte die Finger zu lassen!

 

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