‹ Alle Einträge

Bis die Stimme bricht

 

Wer die White Stripes schmerzlich vermisst, hat hier eine Ersatzdroge: Jack Whites Solodebüt „Blunderbuss“ ist bester Retrobluesgaragenrock für junge und alte Nostalgiker.

© XL Recordings

On And On And On – kein Songtitel steht so emblematisch für das Schaffen des Jack White wie dieser. Auch nach der Auflösung seiner Band, der White Stripes, geht es für deren singenden Gitarristen immer weiter und weiter und weiter wie bisher.

In seinen diversen Folgeprojekten führte der Mann aus Detroit unverdrossen fort, was ihn zur Ikone des Garagenrock werden ließ. Und so geht es auch auf dem Solodebüt Blunderbuss on and on and on, bis die Röhren glühen, die Felle bersten, die Stimme bricht.

Rohestmöglicher Rock’n’Roll ist seine Mission, ein analoger Kreuzzug in digitalen Zeiten der Marschbefehl. Erneut führt er ihn zurück in die Siebziger, jene Zeiten also, da Blues Rock erst in die Breite ging, dann alternativ wurde, schließlich als Punk zu neuer Form auflief. Tief aus dem Jahrzehnt seiner Geburt holt sich der Mittdreißiger sein Material für die Gegenwart.

Whites psychedelische Gitarre rauscht durch die Songs, bringt das ein oder andere Led-Zeppelin-Gedächtnis-Tremolo zum Einsatz, lässt aber auch immer wieder Platz für Geigen und Piano. Wer mit solch countryeskem Retrobluesgaragenrock wenig anfangen kann, sollte die Platte meiden. Wer Ersatzstoff für die White Stripes braucht, kriegt eine Extraportion Methadon, die Retroersatzdroge für Nostalgiker.

„Blunderbuss“ von Jack White ist erschienen bei XL Recordings.

Aus der ZEIT Nr. 17/2012

11 Kommentare

  1.   redondo

    zum glück gibt es noch solche musiker wie Jack white!
    DANKE!

    Neues Video: Jack White – Sixteen Saltines

    http://goo.gl/Nkhp1

  2.   Axel

    Aus White Stripes wird wohl nie wieder was.
    In einem Interview, auf seine Schwester angesprochen, sagte er, es sei sehr schwierig mit ihr zu kommunizieren. Man könne sie nicht einfach anrufen, sondern müsste nach Detroit fliegen und persönlich mit ihr reden. Allerdings besteht auch da die Gefahr, dass man nicht so recht verstehen wird, was Meg einem eigentlich sagen will.

  3.   za

    Einer der interessantesten, wenn nicht der interesanteste, Gitarristen/Musiker der jüngeren Musikgeschichte.


  4. halte Durch Jack, die Welt braucht Dich

  5.   Mu2icl0ver

    Um die ganze Bandbreite dieses Albums zu erfahren, genügt der eine Songschnipsel in der Albumvorstellung nicht. Es lohnt sich bei Itunes/Amazon, etc. die restlichen Songs vorab anzuhören. (iTunes bietet hier 1:30 je Song, Amazon verkauft es jedoch für weniger als die Hälfte, als Download.)
    Ich jedenfalls war nach zweimaligem Probehören überzeugt, dass es sich hier um ein wunderbar, facettenreiches Blues Rock Album handelt, welches auch mal an der Countryschiene kratzt, ohne zu sehr in die Folkschiene zu rutschen.

  6.   JustMe

    Ich höre viel und gerne Rock der 60er und 70er Jahre, aber seid mir nicht böse wenn ich sage, dass ich bei den White Stripes oder bei Jack White in keinster Weise auch nur Andeutungen vergangener Größen wiedererkenne. Für mich – und das mag Geschmackssache sein – ist dieser Musiker gnadenlos überbewertet, seine Songs purer Krach, der vergleichbar mit einer Geräuschkulisse ist, wenn man einem Nicht-Gitarrenspieler darum bittet, doch mal etwas Lärm auf diesem elektrischen Instrument zu produzieren. Jack White und seine Bands leben meiner Meinung nach einzig von Ihrem „coolen“ Style, der den nostalgischen Retrolook der heutigen Zeit perfekt bedient. Musikalisch kann ich hier beim besten Willen nichts, aber auch gar nichts Nachhaltiges oder Faszinierendes entdecken.

  7.   ballnbiscuit

    Little Room Syndrom?

    Das Album ist genau wie dieser Artikel. Total fancy und künstlich überdreht.

    Leider ist Jack musikalisch schon länger nicht mehr das, was er sein sollte: Bluesig. Seine Arroganz hat ihn anscheinend sehr steril werden lassen, seine Gitarre bleib einfallslos langweilig, seine Soli wiederholen nur noch den gleichen Effekt. Bitter. Da hatten ja noch Pre-Historische Songs à la „Apple of my Eye“ mehr Seele. Sicherlich, einige Songs sind nicht ganz zu verachten, aber insgesamt ein eher enttäuschendes Album. Methadon? Eher Aspirin oder gar nur ein Placebo.

    Ich als White Stripes Fan der ersten Stunde bedauere das natürlich sehr, aber schon mit Icky Thumb sickerte durch, dass der „neue“ Sound sich einfach in die „falsche“ Richtung entwickelt hat. Zumindest für mich. Garagenrock? Keineswegs. Das sind Studioaufnahmen der höchsten Qualität. Für Leute die „Screwdriver“ toll finden/fanden geradezu richtig ekelerregend.

    Aber vielleicht ist dieser sterile Pop ja für so manchen dann doch noch genau das Richtige, wer weiß.

    Da lieferte er mit den Raconteurs eindeutig bessere Ware ab, dort konnte er sein quitschende Gitarre vermutlich nicht so übertrieben einfließen lassen – den Hörern zugute. Aber die Band ist ohnehin bei mir in der Indi-Pop-Rock Schublade und Jack’s Debut Ding hier lässt mich nur noch den Kopf schütteln.

    Dreckige Soli findet man hier nicht, Raue Riffs sind passé. Fans der ersten Stunde, ihr könnt weiterziehen, hier gibts nichts zu sehen und schon gar nichts zu hören. Eigentlich schade. Dabei vergötterte ich ihn einst nahezu und seine Auftritt und die DVD „Under the Blackpool Lights“ war damals für mich das Highlight schlechthin. „Poor boy!“


  8. Jack White ist mein Mann der Stunde! Warum veröffentlichen solche Künstler so wenig Livematerial?

  9.   Stefan Müller

    Ich habe ihn abends bei Harald Schmidt gesehen – einfach nur grauenhaft! Gut, daß es eine Vorspultaste beim HD-Recorder gibt….

  10.   frillinx

    der hype um jack white ist mir völlig unverständlich. ein mittelmäßiger –
    um nicht zu sagen – dilettantischer gitarrist, verglichen mit wahren
    könnern, wie richard betts, mick taylor, jimmy lee vaughn, johnny winter
    u.a.. auch nationale blues-rockkünstler- z.b. henrik freischlader u. gregor hilden – sind allemal hörenswerter, als der überschätzte jack white.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren