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Der Popproduzent Diplo bleibt auch ohne seine Ex-Freundin M.I.A. im Geschäft: Nach Songs für Justin Bieber, Robyn oder Beyoncé legt er jetzt eine neue Solo-EP vor.

© Cooperative

Es waren einmal eine Sängerin und ein Produzent. Die Sängerin sang, der Produzent produzierte, und die beiden hatten sich ganz toll lieb. Das Lied, das sie zusammen aufnahmen, wurde ein großer Hit. Aber weil sie nicht rechtzeitig gestorben sind, hat die Liebe zwischen den beiden den Erfolg nicht verkraftet.

Stattdessen haben sich die Sängerin und der Produzent schnell, nachdem ihnen das Lied einen Schatz eingebracht hat, getrennt und im Internet noch ein bisschen dreckige Wäsche gewaschen. Die Karriere der Sängerin befindet sich seitdem in einer Abwärtsspirale, während der Produzent nur noch den Königen und Königinnen der Popmusik zu Diensten ist und so seinen Ruhm und Reichtum beständig mehrt.

Noch ist es allerdings so, dass der Name M.I.A. der breiten Öffentlichkeit entschieden bekannter ist als der von Diplo. Aber das liegt vor allem daran, dass Wesley Pentz, der sich hinter dem Pseudonym versteckt, als Produzent notgedrungen eher im Verborgenen agiert.

Allein in diesem Jahr hat er Songs für Justin Bieber, Usher, Marina & the Diamonds oder Santigold designt. Davor war er für Beyoncé, Chris Brown, Lil‘ Wayne, Snoop Dogg und Robyn tätig. Auch für das im September erscheinende, von der Musikindustrie wie eine Erlösung erwartete Comeback-Album von No Doubt ist Diplo verantwortlich. Und ganz nebenbei hat er nun auch noch eine EP herausgebracht, die erste unter seinem eigenen Namen seit dem Album Florida von 2004.

Auf Express Yourself finden sich sechs Tracks, die ziemlich genau das musikalische Spektrum abdecken, das der Produzent Diplo seinen Kunden anzubieten hat. Nur mit dem Unterschied, dass diesmal keine Stars den Dienst am Mikrofon übernehmen, sondern vergleichsweise unbekannte Vokalisten wie Nicky Da B, Billy The Gent oder die YouTube-Sensation My Name Is Kay. Die prominentesten Namen sind noch die des kanadischen Dubstep-DJs Datsik und des jamaikanischen Dancehall-Rappers Elephant Man.

Aber bei dieser Leistungsschau glänzt eh vornehmlich der 33-jährige Diplo selbst. Kräftig knallen die Beats, jeder einzelne Song schüttelt sich wie ein Tanzbodenknaller, ohne dass die dort durchdeklinierten Klischees allzu offensichtlich reproduziert werden.

So geschickt umgeht der in Philadelphia lebende DJ die billigen Tricks seines Gewerbes, dass er selbst das klassische Fatboy-Slim-Break – der Beat dreht sich immer weiter hysterisch im Kreis, bricht schließlich zusammen und setzt nach dem Stillstand wieder erlösend ein – als nostalgische Reminiszenz zitieren kann.

Dieses funktionelle Grundgerüst aber schmückt Diplo mit einem breiten Spektrum an Genres aus: Er bedient sich im modernen R’n’B ebenso wie im Dancehall, im Reggae so lustvoll wie bei den avancierten Klängen, die die sogenannte Intelligent Dance Music (IDM) zu bieten hat. Ausgelassen spielt er natürlich auch mit den Tribal-Rhythmen und Weltmusik-Einflüssen, mit denen er bekannt geworden ist.

Ein Track wie Butters Theme ließe sich sogar interpretieren als Anspielung an Paper Planes, jenes von ihm produzierte und für den Grammy nominierte Stück, mit dem M.I.A. alias Mathangi Arulpragasam der Durchbruch gelang.

Seitdem aber hat sich die britische Sängerin mit den tamilischen Wurzeln von Pentz getrennt, ein Album in den Sand gesetzt, wurde als Polit-Poserin enttarnt und dafür kritisiert, als Gast von Madonna während der Super-Bowl-Halbzeitshow den Stinkefinger einem Milliardenpublikum gezeigt zu haben. Wenn er die Karriere seiner Exfreundin so betrachtet, dürfte Wesley Pentz also ganz froh sein, dass er als Diplo nicht so in der Öffentlichkeit steht.

„Express Yourself“ von Diplo ist bei Mad Decent/Cooperative Music erschienen.

3 Kommentare

  1.   mkdrs

    Im letzten Absatz heißt er plötzlich Wesley Wentz. 😉

  2.   Rabea Weihser

    @mkdrs: Wentz, Pentz, Schmentz… Herzlichen Dank, ist korrigiert. 😀

  3.   mix

    m.i.a. wurde ja angeblich durch eine artikel von lynn hirschberg als politposerin entarnt… in dem artikel wurde aber falsch zitiert und unsauber recheriert und die new york times druckte auch eine richtigstellung. vielleicht sollte man so etwas berücksichtigen.
    zumal es bei m.i.a. letztem album ja vor allem darum ging sich vom mainstream abzugrenzen und bei diplo um das anpassen an den mainstream ging.
    ob ein lied für justin bieber ein künstlerischer fortschritt ist muss wohl aber jeder selber wissen…

 

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