Im hohelohischen Dialekt hörte ich früher gelegentlich das Wort Krabbenschächter für ein eher minderwertiges Messer. Krabben sind die Raben, schächten kennt man als rituelle Art des Schlachtens. Also ein Messer, das allenfalls zum Schlachten der (offenbar damals schon) nicht geschätzten Raben taugte.
Mit Freude habe ich hier im Wortschatz die Einsendungen zum kleinen Küchenmesser verfolgt und auch selbst etwas beizutragen: Meine Mutter pflegte bei einem Messerchen, das einen Holzgriff hatte und so oft gebraucht war, dass die Klinge schon ziemlich schmal war, von einem Neifel zu sprechen. Meine Mutter – und damit vermutlich auch der Ausdruck – stammt aus St. Leon-Rot, einem Dorf der Oberrheinischen Tiefebene. Der Klang legt jedoch nahe, dass der Begriff irgendwie mit dem englischen knife zu tun hat.
In der Eifel spricht man vom Jrompers-Mezzje, wenn man das Kartoffelmesserchen meint, und verwendet es außer zum Schälen der Erdäpfel noch für 100 andere Sachen. Es musste aber immer ein NICHT-rostfreies Windmühlenmesser sein!
Angestachelt durch die vielen regionalen Messer-Begriffe hier im »Wortschatz«, habe ich mich auch ein wenig umgehört, dabei hatte eine Chor-Freundin, die aus Krummhörn in Ostfriesland stammt, den Ausdruck Meestje beizusteuern.
Wenn es abends bei der Rückkehr von der Arbeit im Haus nun öfter nach frisch gekochter Erdbeermarmelade duftet. Ob unsere Vorräte wohl diesmal über den Winter reichen werden?
Es gibt kaum einen Unterschied zu entdecken auf den beiden Bildern der Stari Most, der Alten Brücke von Mostar. Das Schwarz-Weiß-Foto hatte mein Vater im Juni 1955 während einer Reise durch das damalige Jugoslawien aufgenommen. Das Farbfoto entstand kürzlich bei einer Reise auf den Spuren meines Vaters. Beide Bilder sind von der Karađozbeg-Moschee aus aufgenommen.
Und doch liegt mehr zwischen den beiden Fotos als die Zeitdifferenz von 60 Jahren. »Wir hier in Mostar«, erklärte uns unser Stadtführer, »wir sprechen nicht mehr von der Alten Brücke. Für uns ist das heute die Neue Brücke.« Die Alte Brücke als Symbol für die Verbindung zwischen der Welt des Christentums und des Islams war während des Bosnienkriegs im November 1993 zerstört worden. Nach dem Wiederaufbau zwischen 1995 und 2004 hat die Brücke eine noch stärkere Bedeutung für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen religiösen, kulturellen und ethnischen Gruppen bekommen. Die jahrhundertealte Bindekraft dieser Brücke hat uns so berührt wie wohl auch meinen Vater vor 60 Jahren.
Mein Sohn Nicolas, der mit Leichtigkeit die ehemalige Mauergrenze überwindet, indem er in Schlangenlinien mit seinem Fahrrad darüber hinwegfährt, und dabei murmelt: »West – Ost – West – Ost.« Dann fährt er auf dem im Fahrradweg eingelassenen Pflasterstreifen entlang und singt: »Auf der Mauer, auf der Mauer fährt der kleine Nico!«
Als wir mit dem Auto im Hafen von Pessada auf der Insel Kefalonia anhielten, stürmten die ortsansässigen Katzen mit hungrigen Augen auf uns zu. Ich hatte gerade eine Palette Katzenfutter im Kofferraum und spendierte drei Büchsen. Als gleich darauf eine Gruppe Gänse vom Hafen auftauchte, fürchteten wir erst, es werde jetzt einen Kampf geben. Aber da lagen wir falsch: Beim Fressen herrschte Eintracht, und die Gänse verteidigten das Futter ausschließlich gegen uns. Bei den Menschen weiß man ja nie…
Unser Lindenweg am Rand des Dorfes, gesäumt von 23 großen Bäumen, die jetzt summen, zwitschern und duften. (Für ahnungslose Stadtbewohner: Jetzt blühen die Lindenbäume, und aus den Blüten kann man Lindenblütentee machen.)