Dev-Blog

Entwicklungsblog von ZEIT ONLINE

Lieber authentisch als perfekt

Von 20. November 2014 um 11:04 Uhr

Das Licht ist gedämpft, ein DJ spielt Lounge-Musik. Menschen, vorwiegend Männer in Hipsterkluft, stehen murmelnd in Gruppen beisammen und halten sich an ihren Getränken fest. Eine aufsteigende Tribüne nimmt den großen Saal im Berliner Admiralspalast fast komplett ein, vorne auf der Leinwand grüßt ein Abbild des Organisators als Comicfigur. Alles erinnert ein wenig an Kino.
Doch die Getränke sind nicht alkohol- sondern koffeinhaltig, es ist 10 Uhr morgens und die Besucher sind nicht nur zum Vergnügen da. Es geht um die Optimierung von Code. Es ist der erste Tag der Beyond Tellerrand, einer Konferenz für Webdesigner und -entwickler.

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Infostand der c’t auf der Beyond Tellerrand

Allerdings ist der erste Vortrag des Tages doch vergnüglich. Alles was man braucht, um die Sache spannend zu machen, sind einige Laser, beziehungsweise einige Laser mehr. Mit diesen realisiert der Brite Seb Lee-Delisle eindrucksvolle Spiel- und Klangexperimente. Das genügt vollkommen, um das Publikum nicht direkt nach dem Kaffee zur Club Mate greifen zu lassen.

Das, was Lee-Delisle vorstellt, ist bunt, schrill und sehr unterhaltsam, um so erstaunlicher das Ende des Vortrages. Dort fallen plötzlich Sätze wie “There is no such thing as natural talent” und “there is always someone better than you”. Zum Rest des Vortrags, der unerschöpfliche Kreativität wie die einfachste Sache der Welt wirken ließ, passt das nur bedingt. Es macht nachdenklich, dass jemand, der Kunstprojekte programmiert und sich jenseits der ausgetretenen Programmierpfade bewegt, den Druck der Branche dennoch zu empfinden scheint.

Die Webbranche, in der Lee-Delisle und höchstwahrscheinlich die Mehrzahl der anwesenden Besucher agiert, ist anspruchsvoll. Oft sind Dinge, die man neu dazugelernt hat, zu dem Zeitpunkt, an dem man sie richtig versteht, schon wieder veraltet. So veraltet, dass man sich fast nicht einmal mehr zuzugeben traut, sie je gelernt zu haben. Solche einst gehypten und nun totgesagten Technologien gibt es viele. Ein Beispiel dafür ist Flash, eine Technik, die Webseiten einst im großen Stil zum Blinken und Klingen und damit das Multimediaerlebnis ins vorher überwiegend dröge Internet gebracht hat. Mittlerweile hat es etwas Anrüchiges, Flash als ernsthafte Option für eine Webseite auch nur in Erwägung zu ziehen. Inzwischen gibt es weit bessere und einfachere Möglichkeiten für beeindruckende Webeffekte, ob sie nun notwendig sind oder nicht.

Etwas verschämt gibt es auch in einem Vortrag auf der Beyond Tellerrand Anspielungen auf diese ehemaligen Flash-Entwickler, von denen einige unter den Zuschauern sein dürften. Der Rest hat das Glück gehabt, einmal etwas mit gutem Gewissen ausgesessen zu haben.

Zu entscheiden, wann man sich den Luxus des Aussitzens gönnen kann, ist allerdings nicht leicht. Dies wird in der Konferenzpause deutlich, in der im Vorraum die Getränkebecher aufgefüllt werden können.  Nur wenig offen zur Schau gestelltes Unwissen ist zu hören. Die Frage: “Wie, das kennst du etwa nicht?” scheint hier so gefürchtet zu sein wie Alkoholknappheit auf der Firmenweihnachtsfeier. Zu Recht, denn man will einem Gegenüber, der eine solche Frage genüsslich stellt, keine Genugtuung gönnen.

Zum Glück folgt der nächste Vortrag, gehalten von der US-amerikanischen Webdesignerin Zoe Mickley Gillenwaters. Er trägt den Titel CSS lessons learned the hard way in dem sie ausführlich über Fehler bei ihrer Arbeit mit der Stylingsprache CSS berichtet. Gillenwaters weist darauf hin, wie wichtig diese Fehler für ihr Fortkommen waren, und macht deutlich, wie wichtig es sein kann, Fragen zu stellen. Auch dann, wenn damit vielleicht Wissenslücken eingestanden werden.

Auch Art Director und Grafikdesigner Andrew Clarke versucht, dem Publikum mehr Selbstvertrauen zu raten. Clarke liegt etwas über dem Altersdurchschnitt der Twenty bis Thirtysomethings und zitiert auf seinen Folien George Orwell, aber auch sich selbst. Was beim Hörer hängenbleibt, ist sein Appell, weniger in Trends und Schablonen zu denken – mehr Authentizität statt mehr Perfektionismus. Clarke ist einer der Initiatoren der Geek Mental Help Week, einer durch Beiträge verschiedener Autoren gestützten Webaktion, die sich kürzlich mit psychischen Problemen von Entwicklern und Designern auseinandersetzte.

Es ist ein Bewusstsein für den Leistungsdruck in der Webbranche entstanden – dieser Eindruck entsteht bei der Konferenz. Entwickler und Designer sind des “schneller, höher, weiter” der digitalen Revolution müde geworden.
Den letzten Vortrag mit dem  schlichten Titel Design and Happiness hält Stefan Sagemeister. Am Ende singt der gesamte Saal die Ode an die Freude.

Anika Szuppa ist Frontendentwicklerin bei ZEIT ONLINE.

Kategorien: Entwicklung

ZEITMASCHINE – responsive Such-App fürs Archiv

Von 7. November 2013 um 09:21 Uhr

Mithilfe der ZEIT ONLINE Api entwickelte Mathias Kotowski für die Firma Neofonie die Anwendung ZEITMASCHINE.

Die Anwendung ermöglicht gezielte Suchabfragen auf den umfangreichen Textbestand des Archivs von ZEIT und ZEIT ONLINE. Die Treffervisualisierung erfolgt auf einem Zeitstrahl, dessen Skala individuell eingestellt werden kann. Die App ist responsiv und touchoptimiert, sie kann somit auf unterschiedlichsten Endgeräten genutzt werden. Suchergebnisse können lokal im Browser abgespeichert werden.

Screenshot App Zeitmaschine

Facts:

Kategorien: Anwendung, API

Einstieg ins Programmieren für Jugendliche mit Python und Blender

Von 12. September 2013 um 10:34 Uhr

ZEIT ONLINE war am vergangenen Wochenende im Veranstaltungsraum der Berliner Redaktion Gastgeber für den vom Python Software Verband (PySV) veranstalteten Workshop “Pymove3D Python Kurs Für Einsteiger”, der sich an Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren richtete.

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Im ersten Teil wurden allgemeine Programmiergrundlagen vermittelt: Variablen, Datentypen, Operatoren, For-Schleifen, If-Bedingungen, Funktionen. Python – übrigens auch eine Programmiersprache für zentrale Dienste der ZEIT ONLINE Architektur – gilt als eine aufgrund ihrer eleganten Syntax einfach zu erlernende Sprache. Zudem ist Python eine gute Wahl für einen Einsteiger-Workshop, weil die Schnittstellen zum 3D-Renderingprogramm Blender Python verstehen. So ist es möglich, einfache Blender-Objekte (sichtbar als einfache geometrische Figuren) programmatisch zu erstellen, zu bewegen oder einzufärben. Auf diese Weise konnten dann im zweiten Teil des Workshops die im ersten Teil erworbenen Grundlagen praktisch und anschaulich angewendet werden.

Bildschirmfoto 2013-09-12 um 10.27.34

Wie schon Python eignet sich Blender sowohl zum Lernen auf einfachem Niveau als auch für den professionellen Einsatz. Davon konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck verschaffen, indem zwischendurch zur Auflockerung der ohnehin schon lockeren Atmosphäre Filme gezeigt wurden, die mit Blender produziert wurden.


Tears of Steel – Blender Foundation’s fourth short Open Movie


Big Buck Bunny

Die Teilnehmer zeigten sich anschließend sehr zufrieden mit dem Wochenende; gerade auch, weil der Workshop eine praxisnahe Ergänzung zum Informatikunterricht in der Schule darstellte. Stefania Trabucchi, Peter Koppatz und Joren Retel vom PySV sowie Ron Drongowski und Thomas Baumann von ZEIT ONLINE bedauerten, dass sich für den Workshop keine Teilnehmerinnen angemeldet hatten.

Wer nicht dabei sein konnte oder nach Lesen dieses Berichts neugierig geworden ist, kann sich auf der Webseite zum Workshop über die Python-Grundlagen und das Zusammenspiel von Python und Blender informieren.

Der nächste Workshop dieser Art soll voraussichtlich im Oktober bei ZEIT ONLINE in Hamburg veranstaltet werden. Der genaue Termin wird, sobald bekannt, hier im Artikel und bei uns auf Twitter bekanntgegeben. Über die Anmeldung insbesondere auch von Mädchen und jungen Frauen würden sich Veranstalter und Gastgeber sehr freuen.

Weitere Informationen: