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Tony Blair bestimmt Integration und Multikulturalismus neu

 

Die Debatte über den Gesichtsschleier (Nikab) in England war nur der Anfang einer grundlegenden Revision des britischen Multikulturalismus:

In einer ungewöhnlich scharf formulierten Rede hat Tony Blair letzte Woche gesagt, Immigranten hätten „die Pflicht sich zu integrieren“ und sollten „lieber wegbleiben“, wenn sie nicht bereit seien, die traditionelle britische Toleranz gegenüber anderen Religionen zu akzeptieren.

Blair verteidigte das Verbot des Gesichtsschleiers als „puren Commonsense“  in Jobs, die auf Kommunikation beruhen (wie etwa Lehrerin, Verkäuferin etc.). Er erteilte allen Vorschlägen, die Scharia-Gesetze in Grossbrittanien anzuwenden, eine Absage und appellierte an Moscheen, die keine Frauen zum Gebet zulassen, ihre Position zu überdenken.

Minderheitenorganisationen, die nicht für die Integration ethnischer oder religiöser Minderheiten arbeiten, sollen künftig von öffentlicher Förderung ausgeschlossen werden. Staatliche Förderung sei viel zu freigiebig an Organisation verteilt worden, „die eng um religiöse, rassische oder ehtnische Identitäten gruppiert sind“.
Blair vergleicht in der Rede die weissen Rassisten der Britisch National Party mit der radikalen Minderheit unter den Muslimen, die sich der Integration verweigert.

Blair sieht seine Intervention nicht als  Abschied vom Multikulturalismus, sonder als dessen Neubestimmung. Er feiert ausdrücklich  das buntere, ethnisch und religiös diversifizierte England  von heute – „not the stuffy old Britain that used to be sent up in the comedy sketches of the 1970s.

Aber dieses England braucht eine neue Vergewisserung seines Zusammenhalts. Und hier ist Blair wieder einmal unerreicht in seiner politisch-moralischen Klarheit. Was dieses multikulturelle England zusammenhält, sind gemeinsame Werte, die neu bekräftigt werden müssen.

The 7/7 bombers were integrated at one level in terms of lifestyle and work. Others in many communities live lives very much separate and set in their own community and own culture, but are no threat to anyone.But this is, in truth, not what I mean when I talk of integration. Integration, in this context, is not about culture or lifestyle. It is about values. It is about integrating at the point of shared, common unifying British values. It isn’t about what defines us as people, but as citizens, the rights and duties that go with being a member of our society.

Christians, Jews, Muslims, Hindus, Sikhs and other faiths have a perfect right to their own identity and religion, to practice their faith and to conform to their culture. This is what multicultural, multi-faith Britain is about. That is what is legitimately distinctive.

But when it comes to our essential values – belief in democracy, the rule of law, tolerance, equal treatment for all, respect for this country and its shared heritage – then that is where we come together, it is what we hold in common; it is what gives us the right to call ourselves British. At that point no distinctive culture or religion supercedes our duty to be part of an integrated United Kingdom.

Zu Recht weist Blair darauf hin, dass dies keine rein britische Debatte sei. In Deutschland würden ähnliche Themen im Rahmen der „Islam Konferenz“ behandelt, in Italien im neu gegründeten Consulta Islamica.

Wenn unsere Kanzlerin es irgendwannn über sich bringt, sich zu dieser Schicksalsfrage des Landes zu äussern und neu zu bestimmen, was Integration in Deutschland eigenlich heissen soll, dann liegt die Latte jetzt ziemlich hoch.