Ein Blog über Religion und Politik

Scharia und der säkulare Staat

Von 20. Oktober 2007 um 17:14 Uhr

Der New Yorker Philosoph Mark Lilla hat das große Thema der Zeit am Wickel – die Rückkehr der Politischen Theologie als  d a s  Problem unserer Gesellschaften, die doch auf der “Großen Trennung” (der religiösen und der politischen Sphäre) beruhen. Aus einem neuen Aufsatz, der auf seinem jüngsten Buch “The Stillborn God” fußt:

The challenge in the Islamic world – and in those Western nations that have large Muslim populations – is much greater. Our working assumptions – that democracy is the only legitimate form of government, that the institutional separation of church and state is necessary, that religion is essentially a private matter, that one should be free to enter or leave a religious congregation at will – are simply not the assumptions of millions of Muslims across the globe. This is not because they do not want good government, or decent societies, or that they are utterly intolerant of other faiths. It is because the political theology of the shari’a is still intact and commands the respect of all pious Muslims – just as the Torah is intact for ultra-orthodox Jews, many of whom reject the legitimacy of the Israeli democratic state. Torah and shari’a are comprehensive laws, and those who believe in their comprehensiveness are obliged to look to them for guidance in everything, including politics. Given the statelessness of diaspora Jews for two millennia, the political-theological potential of the Torah lay dormant, except for occasional outbursts of messianic dreaming, as in the case of Shabbtai Zvi (1626-76). But the political theology of shari’a is highly developed and has been put into practice in Muslim nations for over a thousand years. The Great Separation that eventually extinguished Christian political theology in the West has no counterpart in the Muslim world.

What conclusions are we to draw from this fact? The most important is how little our American assumptions about religion and politics, deriving from the post-Christian Great Separation, will apply to a civilization with a strong, intact tradition of political theology. This is not to say that the Muslim tradition lacks political concepts akin to ours, such as justice, toleration, separation of religious and governmental power, accountability, and the like. How could it, given that all societies face the same basic set of political problems? But the bases of these concepts are wholly different: Muslim political theology derives them from the revelation of the Qur’an, the traditions of the hadith, and the decisions of the community of legal scholars who look to these sources; modern political philosophy derives them from a reading of human nature alone. However much overlap there may be in terms of particular “values” and principles, we are deriving them from completely different sources. And that must be recognized if we are to understand each other.

Der ganze Aufsatz hier.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    JL: Unsere armen Islamfreunde im Blog. Schon wieder ein Schlag ins Kontor. So schnell kann man gar nicht relativieren, wie Sie hier solche Sachen posten.

    • 20. Oktober 2007 um 18:03 Uhr
    • Riccardo
  2. 2.

    “… der Islam ist ein Teich. Und der Teich ist ein stehendes Gewässer. Voll mit Wasser, das nie abfließt, sich nie bewegt, sich nie reinigt, nie zu fließendem Wasser wird, das bis ins Meer strömt. In der Tat verunreinigt es leicht und taugt auch wenig als Tränke. Der Teich liebt das Leben nicht. Er liebt den Tod … Der Westen dagegen ist ein Fluß. Und Flüsse sind Wasserläufe. Wasser, das ständig weiterströmt und sich dabei reinigt, erneuert, noch mehr Wasser aufnimmt, ins Meer fließt, und Geduld, wenn es manchmal zu Überschwemmungen kommt. Geduld, wenn der Fluß manchmal vor Kraft über die Ufer tritt. Der Fluß liebt das Leben.”

    Oriana Fallaci

    • 20. Oktober 2007 um 18:16 Uhr
    • tati
  3. 3.

    Wenn also der Islam per se und in all seiner Gänze als menschenfeindlich, als antidemokratisch und rechtsstaatsfeindlich per richterlicher und staatsrechtlicher Erkenntnis und Urteilskraft definiert sein wird, dann gilt es, ihn in aller Schärfe und Gänzlichkeit gänzlich abzuschaffen.

    Ich bin gerne dafür, wenn es darauf ankäme, den gesamten religiösen Humbuhg zu verabschieden und zum Mond zu schießen. – Aber wie soll das gehen?

    @tati, das gilt für alles und nichts, dieser Gewässer-Vergleich. Der Vatikan ist auch ein Stehend Gewässer und viele Menschenhirne ebenso … hahaha

    • 20. Oktober 2007 um 18:29 Uhr
    • Lebeding
  4. 4.

    @lebeding

    Der Teich des Vatikans hat seit einigen hundert Jahren einen Kanal mit Verbindung zum offenen Meer – beim Kanalbau sind viele ums Leben gekommen.

    • 20. Oktober 2007 um 18:36 Uhr
    • tati
  5. 5.

    Würde der Islam korrumpiert und domestiziert (um im Bild zu bleiben: Verwässert, also durch geeignete Durchstiche zum Fließgewässer umgewandelt), wie es mit einigen anderen religiösen Konfessionen bereits geschehen ist, dann könnte man sich das Bekämpfen auch sparen.

    • 20. Oktober 2007 um 18:38 Uhr
    • Rafael
  6. 6.

    @tati

    Sie waren schneller. Ich muss nebenher ein Baby füttern ;-)

    • 20. Oktober 2007 um 18:39 Uhr
    • Rafael
  7. 7.

    alles Gute für Ihr Baby, Sie glücklicher Rafael!

    • 20. Oktober 2007 um 18:46 Uhr
    • Lebeding
  8. 8.

    @tai, dennoch scheint der Kanal zum offenen Meer viel zu eng zu sein. Denn soviel Frischwasser scheint da och nicht durchzufließen bis hin zum Boss. Der hat ja erst neulich das Fegefeuer abgeschafft, weil er zu wissen meint, sein Herrgott würde nicht so unvernünftig sein, ungetaufte verstorbene Kinder in das halbewige Höllengebräu zu werfen …

    Wohingegen der Islam schon immer verstorbene Kinder im Himmel sieht …

    • 20. Oktober 2007 um 18:50 Uhr
    • Lebeding
  9. Kommentar zum Thema

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