Seyran Ates über unsere Umfrage
Zitat aus Spiegel Online:
SPIEGEL ONLINE: Eine neue Umfrag der Wochenzeitung “Zeit” hat ergeben, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken Angela Merkel misstraut und sie nicht als ihre Kanzlerin empfindet. Wie erklären Sie sich das?
Ates: Dieses Ergebnis erstaunt mich überhaupt nicht – vor 40, 30 oder 20 Jahren wäre genau das gleiche herausgekommen. Es ist Fakt, dass das gegenseitige Misstrauen zwischen den in Deutschland lebenden Türken und der Mehrheitsgesellschaft riesig ist. Es gibt keine Vertrauensbasis, weil man nicht miteinander lebt. Viele hier lebende Türken sehen Deutschland als Gegner, hinzu kommen Kräfte, die den Migranten erschweren, hier anzukommen – wie die Verbände, die türkische Regierung, aber auch türkische Medien.
SPIEGEL ONLINE: Welche Verantwortung trägt die deutsche Regierung für dieses Ergebnis?
Ates: Die deutsche Regierung trägt eine Mitverantwortung, weil sie jahrzehntelang keine Integrationspolitik gemacht hat. Wir diskutieren doch erst seit dem 11. September 2001 über das Thema Islam in Deutschland.
Ein Grundsatztext von Seyran Ates zum Thema kommt in der nächsten ZEIT. Ich konnte ihn leider nicht mehr in unserem Schwerpunkt diese Woche unterbringen.
@ Molinocampo
“- Eine Moscheegemeinde muß sich nach deutschen Vereinsrecht konstituieren”
Ist schon heute so.
“- jede Moscheegemeinde darf (demokratisch gewählte) Vertreter an eine höhere Vertretungsinstanz schicken (z.B. Kreis)
- auf der nächsthöheren Ebene ebenso demokratisch gewählt auf Landes – und schließlich Bundesebene….
Da würde diesen islamischen Zentralkommittees ziemlich schnell die Luft dünn werden….”
O nein! Ein solches Verfahren hätte nur zu folge, dass sich die Dachverbände ein demokratisches Mäntelchen umhängen könnten.
Warum? Weil die Moscheevereine nur sehr wenige Mitglieder haben. Die meisten, die dort beten und die den Vereinen Geld spenden, sind keine Mitglieder. Mitglieder sind in aller Regel ältere konservative Männer.
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Ein deutscher,oder europaeischer Islam ist eine Euphorie und selbst wenn es ihn gaebe wuerde er vom konservativen Muslim nicht anerkannt.Deswegen wird auch die Idee vom Islam-Unterricht in deutscher Sprache nur eine Idee bleiben. Die ersten kritischen Stimmen machen sich schon hoerbar..es wird nicht dabei bleiben.Schaeuble wird schnell lernen dass er jede Verhandlung die er schon gefuehrt hat wiederholen muss.
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“Ein deutscher,oder europaeischer Islam ist eine Euphorie..”
Hihi, hübscher Satz, über den man lachen könnte, wenn’s nicht so traurig wäre, dass dem europäischsten aller Islame, dem der Bosniaken, ausgerechnet von Europäern versucht wurde, den Garaus zu machen.
“Deswegen wird auch die Idee vom Islam-Unterricht in deutscher Sprache nur eine Idee bleiben.”
Nö, den gibt’s schon, zumindest versuchsweise in Niedersachsen, in NRW, in Baden-Württemberg. Bisher waren die Erfahrungen gut. Das Hauptproblem bisher ist der Mangel an qualifizierten LehrerInnen.
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Sehe ich anders, Joachim, mit dem europäischen Islam.
Ich persönlich halte das für , nun, gelinde gesagt: Müll.
Es gab nie einen europäischen islam.
Ist so wie ein europäisches Christentum usw…. – auch Geschwätze in der uns betreffenden Problematik.
Angenommen man sagt: es gibt einen europäischen Islam, die Bosnier hatten ihn, dann muss man auch sagen können, wodurch er sich auszeichnete.
Antworten auf diese Frage können verschieden ausfallen – man kann sagen: er wahr besonders friedlich. oder man kann sagen: er hatte eigene Rituale oder trachten usw… alles sehr nett, alles schön, alles unsinn auf die wirklichlich wichtige Frage hin:_War er Theologishc etwas anderes als andere Strömungen im Islam? Also hatte er andere theologische (!) Überzeugungen und kam deshalb zu anderen theologisch begründeten Aussagen als z. B. der ‘türkische’ Islam?
Und genau hier hackt es: denn das war nicht der Fall.
Protestanten unterschieden sich von katholiken nicht in (theologisch) der Handhabung der Priesterehe (ja oder nein) oder in der Form des Gottesdienstes – das sind ganz nette sachen,d arüber kann man viel schreiben usw… – aber auf der eigentlich religiösen Stufe kommt es auf Theologische Aussagen an wie die Stellung zur Eucharistie oder bzl. der Gnade und somit Hoffnung auf Erlösung. Diese Fragen machen einen Unterschied dann, wenn ihre verschiedenartige Beantwortung für die Gläubigen eine jeweils fundamentale Abweichung vom eigenen, den jeweils ‘wahren’ Glauben darstellen.
Dafür führt man auch Krieg (siehe die Zeit von 1530 – 1648 in Deutschland – Reformation) aus religiösen Gründen.
Und genau soetwas bräuchten wir – quasi eine eigene Strömung des Islams, die die hadithen und die Scharia als unislamisch und als Gotteslästerung oder Aberglaube branntmarkt und ablehnt – und unsere GG und Menchenrechte als religiös akzeptable und tolerable lebenformen akzeptieren für alle – und das ganze nicht von ein paar Leutchen vertreten, sondern von der absoluten Mehrheit der hier bei uns lebenden Moslime. (Vor missverständnisse aufkommen: Moslem = einer, der an Allah glaubt und nicht zwangsläufig ein Türke oder araber, das kann auch ein Deutscher genauso gut sein. Ein säkularer Türke oder gar ein Laizistischer ist für mich kein Moslem).
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Nun ja, Zagreus, was Sie fordern, gibt es gar nicht.
Träumen Sie weiter!
Ich halte mich an die Realität, und die besagt, dass es sehr viele Moslems gibt, auch sunnitische z.B., die kein Problem mit dem Säkularismus und mit den europäischen Werten (wenn man sie so nennen will) von Menschenrechten und Demokratie haben.
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Was fordere ich denn?
(Mir ist nicht klar, dass ich etwas fordern würde – aber anscheinend haben sie eine forderung herausgelesen aus meinem Posting – bitte sagen sie mir doch, welche?)
“Ich halte mich an die Realität, und die besagt, dass es sehr viele Moslems gibt, auch sunnitische z.B., die kein Problem mit dem Säkularismus und mit den europäischen Werten (wenn man sie so nennen will) von Menschenrechten und Demokratie haben.”
–> das ist eine schöne aussage – die realität :p
Realität ist der übergang aus der vergangenheit in die zukunft – und genauso wandelbar.
was heute gut ist kann morgen schlecht sein und umgekehrt. was heute viele sind, können morgen wenige sein – und die meinungen von ‘vielen’ sind nicht zwingend die Meinungen derer, die etwas ausführen oder handhaben in einer gemeinschaft (z. B. einem Staat).
Aber: sie haben recht, wenn sie schreiben: “….sehr viele Moslems….kein Problem mit dem Säkularismus und mit den europäischen Werten…haben.”
Das war doch ihre Grundaussage, oder?
Mein Problem: ich befürchte dass sehr viele dieser leute auch kein Problem haben NICHT für diese Werte aufzustehen und radikaleren oder orthodoxen islamischen Forderungen eine absage erteilen.
Wissen sie was? ich glaube sogar daran, dass eine erkleckliche anzahl der im Irasn lebenden Menschen vieles von dem, was das Mullah-regime macht, für falsch oder ablehnenswürtig hält – leider reicht es nicht aus, damit es dagegen einen (blutigen) Aufstand gibt – sie leben, vielleicht mehr schlecht als recht sogar, unter den Mullahs und überleben und schauen, wie sie über die runde kommen. Das ist per se nichts schlechtes, nur ist es auch dasjenige, dass das Mullah-regime auch mit im sattel hält.
Die Form des Nicht-einmischens, des sich um den eigenen ‘Dreck’ kümmerns usw… sind menschlich, aber sind auch das, was ‘Masse’ nicht umbedingt zu dem großen gegenargument gegen Diktatur macht.
Von daher: ihre realität^^ ist ja ganz nett, nur ob sie langt, das bezweifele ich – da würde ich mehr doch nicht etwas, sondern sehr, sehr viel mehr und deutlichere Bekenntnisse zu unseren Werten (die ja auch die der säkularisierten Muslime sein sollen) wünschen. Die zeitumfrage z. b. beruhigt nicht, was da denn kampf gegen orthodoxe islamische Verständnisse anbelangt – oder sehen sie das anders?
Mit freundlichen grüßen
Zagreus
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