Ein Blog über Religion und Politik

Muslime für Einbürgerungstest

Von 16. Juni 2008 um 10:45 Uhr

Was ist denn jetzt los? Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, stellt sich hinter den neuen Einbürgerungstest, wie der Tagesspiegel heute berichtet.

Der Zentralrat der Muslime begrüßt den neuen Einbürgerungstest, der ab 1. September Voraussetzung für den deutschen Pass werden soll. Der Test gehe „eindeutig in die richtige Richtung“, sagte Generalsekretär Aiman A. Mazyek. „Wir haben immer gesagt, dass Fragen zu Staatskunde, deutscher Geschichte und Verfassung nicht nur zulässig, sondern auch notwendig sind.“

aiman_mazyek_small.jpg

Aiman Mazyek Foto: Zentralrat

Mazyek kritisierte zugleich den Türkischen Bund, der das Vorhaben des Innenministeriums kürzlich massiv abgelehnt hatte. „Ein angemessenes Einbürgerungsritual“ sei „wichtiger Bestandteil einer Kultur der Anerkennung“, gegen den man „nicht per se aus Parteitaktik oder aus fehlgeleitetem Lobbyinteresse polemisieren sollte“ sagte Mazyek. Ein feierlicher Akt, mit dem ein Einbürgerungswilliger seinen Beitritt zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik bekunde, trage zur Identitätsstiftung bei, „und ich kann das nur gutheißen“. Es sei auch gut, wenn man sich auf diesen Akt gründlich vorbereite.

Jawohl, das ist derselbe Mazyek, der in diesem Forum – fälschlicher Weise – immer wieder gerne als Agent der Finsternis hingestellt wird.

Zugleich kann er es sich nicht verkneifen, die Leitkultur-Debatte noch einmal “unsäglich” zu nennen und für das Gefühl des Ausgegrenztseins verantwortlich zu machen. Das halte ich schlicht für Quatsch.

Ohne eine recht verstandene Leitkultur, das habe ich hier schon oft genug begründet, keine erfolgreiche Integration. Und im übrigen bewegt Mazyek sich mit seiner Einlassung über den Einbürgerungstest eigentlich genau auf dieser Linie.

Trefflich auch, dass er den Türkischen Bund Berlin-Brandenburg für seine reflexhafte Kritik rannimmt und ihm “fehlgeleitetes Lobbyinteresse” vorwirft. Wir brauchen die Debatte über diese Dinge innerhalb der islamischen Verbände – und darüber hinaus unter Migranten überhaupt.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    @ Jörg Lau
    Ich beziehe mich jetzt auf ihren Essy im Merkur.

    Ich denke ihr Kernanliegen ist das:
    “Eine demokratische, republikanische Leitkultur ist kein Gegensatz zur multikulturellen Gesellschaft, sondern die Voraussetzung ihres Funktionierens. Eine weltoffene Leitkultur kann den gemeinsamen Bezugspunkt für eine Gesellschaft bereitstellen, die ihre kulturelle Vielfalt als Bereicherung zu erkennen lernt, ohne dabei in Werterelativismus abzugleiten.”

    Dem stimme ich zu. So funktioniert es ja auch in den USA. Wenn dies das Mantra der Einwanderungpolitik wäre, hätten wir weitaus weniger Probleme.

    • 16. Juni 2008 um 11:32 Uhr
    • Samuel
  2. 2.

    Oje, ich hab die Anreden klein geschrieben. War keine Absicht :-)

    • 16. Juni 2008 um 11:32 Uhr
    • Samuel
  3. 3.

    “Eine demokratische, republikanische Leitkultur ist kein Gegensatz zur multikulturellen Gesellschaft, sondern die Voraussetzung ihres Funktionierens. Eine weltoffene Leitkultur kann den gemeinsamen Bezugspunkt für eine Gesellschaft bereitstellen, die ihre kulturelle Vielfalt als Bereicherung zu erkennen lernt, ohne dabei in Werterelativismus abzugleiten.”

    Dem kann ich bedenkenlos zustimmen.

    Nur: das Wort/der Begriff “Leitkultur” impliziert für mich eben nicht Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt, sondern Provinzialismus und dumpfdeutsche Bierseligkeit.

    Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ressentimentblastet, vielleicht finden wir aber auch einen Begriff, der Ihr Anliegen besser auf den Punkt bringt.

    • 16. Juni 2008 um 11:59 Uhr
    • Joachim S.
  4. 4.

    Ja, ich hätte es nicht gedacht, dem aber kann ich zustimmen (und entspricht auch teilweise meinen Vorstellungen , was zu fordern sei von jem., der sich einbürgern will):

    “„Ein angemessenes Einbürgerungsritual“ sei „wichtiger Bestandteil einer Kultur der Anerkennung“,”

    “Ein feierlicher Akt, mit dem ein Einbürgerungswilliger seinen Beitritt zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik bekunde, trage zur Identitätsstiftung bei, „und ich kann das nur gutheißen“. Es sei auch gut, wenn man sich auf diesen Akt gründlich vorbereite.”

    Rituale haben einen ‘Verpflichtungscharakter’, der Staatsbeitritt sollte etwas sein, was nur unter hürden und einer gründlichen Vorbereitung vonstatten gehen sollte (und nicht den leuten quasi halb angedienert werden) und Grundkentnisse sowie ein grundbkenntnis zu den werten einer gemeinschaft sollte ebenfalls selbstverständlich sein.
    Auch grundkenntnisse in der jeweiligen landessprache sollten vorhanden sein – zumindest soweit, dass man die allernotwendigsten Angelegenheiten hinbekommt 8und nicht völlig hilflos auf andere angewiesen ist).

    • 16. Juni 2008 um 12:20 Uhr
    • Zagreus
  5. 5.

    @Joachim S.
    “Nur: das Wort/der Begriff “Leitkultur” impliziert für mich eben nicht Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt, sondern Provinzialismus und dumpfdeutsche Bierseligkeit.”

    Vielleicht ist jede Leitkultur provinzialistisch und außerdem: was wäre die Alternative?

    • 16. Juni 2008 um 12:22 Uhr
    • lebowski
  6. 6.

    Wenn man sich hier schon an Begriffen stört: Wie wär’s statt “Leitkultur” mit “Zivilisation”?

    • 16. Juni 2008 um 12:26 Uhr
    • Samuel
  7. 7.

    Man müsste den Begriff “Leitkultur” eigentlich nur so verstehen, wie Bassam Tibi ihn ursprünglich mal gemeint hat.
    Aber mir ist er inzwischen auch zu negativ besetzt.

    • 16. Juni 2008 um 12:27 Uhr
    • Hein
  8. 8.

    Für mich ist Mazyek kein Agent der Finsternis, aber interessant ist es dann doch, wie präsent der Generalsekretär(!!!) eines Vereins, der in etwa 50.000 Mitglieder hat, in den Medien ist.
    Mich interessierts ja auch nicht, was der Schatzmeister, des Bürgerschützenvereins Hannover-Mitte zur inneren Sicherheit zu sagen hat.
    Groß muss die Verzweiflung sein, wenn man bereit ist, absolut jeden aus dem muslimischen Umfeld, der auch nur halbwegs(!) auf dem Boden der Verfassung operiert, als bevorzugten Gesprächs- und Ansprechpartner zu akzeptieren.

  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)