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Krauthammer: Bestraft Russland!

Von 14. August 2008 um 17:26 Uhr

Nach Robert Kagan macht nun auch Charles Krauthammer mobil zum neuen Kalten Krieg. Die Russen müssen isoliert und bestraft werden. Aber wie?

“1. Suspend the NATO-Russia Council established in 2002 to help bring Russia closer to the West. Make clear that dissolution will follow suspension. The council gives Russia a seat at the NATO table. Message: Invading neighboring democracies forfeits the seat.

2. Bar Russian entry to the World Trade Organization.

3. Dissolve the G-8. Putin’s dictatorial presence long made it a farce but no one wanted to upset the bear by expelling it. No need to. The seven democracies simply withdraw. Then immediately announce the reconstitution of the original G-7.

4. Announce a U.S.-European boycott of the 2014 Winter Olympics at Sochi. To do otherwise would be obscene. Sochi is 15 miles from Abkhazia, the other Georgian province just invaded by Russia. The Games will become a riveting contest between the Russian, Belarusian and Jamaican bobsled teams.”

Vor allem aber solle Washington sich unmissverständlich hinter die Saakaschwili-Regierung stellen, zur Not sogar noch als Exilregierung, falls die Russen sie von der Macht vertreiben sollten. Das würde eine Legitimation für die Unterstützung und Bewaffnung des “georgischen Widerstands” bringen, meint Krauthammer.

Und fügt hinzu, George Bush sollte  Vladimir Putin eine Kopie des Films “Der Krieg des Charlie Wilson” schicken, um ihn an die Möglichkeiten zu erinnern, “die Russen bluten zu lassen”. (Was Krauthammer dabei ignoriert: Der Film beschreibt die Vorgeschichte des Desasters in Afghanistan, das nach der amerikanischen Unterstützung des Widerstandes (und durch sie!) entstand.)

Crazy. Das ist alles präpotentes Gedröhne, das die amerikanische Ohnmacht übertönen soll und sie doch nur spürbar macht.

Die Strategie, mit der Unterstützung Georgiens die amerikanische Einflußsphäre bis in den Kaukasus auszudehnen, ist vorerst gescheitert. Das kann man bedauern. Aber es hilft nichts, über Phantasien vom “georgischen Widerstand” die Anerkennung dieser Tatsache zu  verweigern.

Kategorien: Außenpolitik, Debatte, Neocons
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Politik funktioniert so: Man formuliert Interessen. Dann prüft man, welche Fähigkeiten man zur Verfügung hat, und was der Gegner tun würde, um einem die eigenen Ziele zu verweigern. Dann formuliert man eine Strategie, wie man unter diesen Bedingungen seine Ziele optimal erreichen kann.

    Russland hat das alles meisterhaft getan und sich geholt, was es wollte.

    Wenn man verhindern will, dass es so weitergeht, muss man die Entscheidungsgrundlage der russischen Regierung verändern, d.h. man muß ihr glaubhaft deutlich machen, dass weitere Entscheidungen dieser Art mit politischen Kosten verbunden sein werden. Krauthammer hat also Recht.

    • 14. August 2008 um 19:29 Uhr
    • Wachtmeister
  2. 2.

    @ Wachtmeister
    Klar auf den Punkt gebracht!
    Schade, dass Sie sich nicht oefter zu Wort melden.

    • 14. August 2008 um 20:15 Uhr
    • Vanfontheweg
  3. 3.

    Im Forum des ZDF zu Georgien werden Moskaukritische Beiträge zensiert!
    Wenn man sich das Forum ansieht ist die Kritik an Moskau ungewöhnlich zahm. Ich nehme also an das nicht nur meine Beiträge zensiert wurden.

    • 14. August 2008 um 20:27 Uhr
    • J.S.
  4. 4.

    “Die Russen müssen isoliert und bestraft werden. Aber wie?”
    Das wäre Kinderleicht!
    Man brauchte nur die russische Strategie kopieren. Einfach Separatisten unterstützen die von Moskau weg wollen.
    Zu was Tschetschenen mit westlichen Waffen in der Lage sein würden dürfte jedem klar sein.
    Afghanistan lässt grüßen.

    • 14. August 2008 um 20:31 Uhr
    • J.S.
  5. 5.

    @Vanfontheweg
    Danke für die Blumen!

    Ansonsten: Die USA und Polen haben bereits reagiert.
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/08/14/AR2008081400647.html

    • 14. August 2008 um 21:18 Uhr
    • Wachtmeister
  6. 6.

    Wachtmeister bewundert konsequent alles, was nach markigem militärischem Vorgehen aussieht. Da kann ich mich nur wundern. Ich habe bei CNN ein bisschen zugeschaut, wie die siegreichen russischen Soldaten mit ihren Fahrzeugen etwas ziellos Richtung Tiflis gekurvt sind und mit einer Journalistin gesprochen haben. Es hat mir dermaßen gegraust bei dem Anblick. Bei den Georgiern, die eben noch gesiegt haben und dann abgeräumt wurden, dürfte es nicht wirklich besser aussehen.
    “wie man unter diesen Bedingungen seine Ziele optimal erreichen kann.”
    Was für ein Optimum! Man muss Mitleid haben mit diesen jungen Burschen und mit den Zivilisten, die in dieser Region leben. Es ist einfach zum Kotzen, dass sich sowohl Saarkaschwili als auch Putin/Medwedjew als Sieger feiern lassen, während all diese armen Lumpen den Preis zahlen. Trotzdem langanhaltendes Schulterklopfen bei der Internationale der verblödeten Kommissköpfe.

    • 14. August 2008 um 22:28 Uhr
    • AM
  7. 7.

    Nachtrag: der durchschnittliche Selbstmordattentäter blickt wahrscheinlich erheblich besser durch, als diese Soldaten, die auf gepanzerten Fahrzeugen sitzend in der Gegend herumfahren, egal ob Georgier oder Russe.

    • 14. August 2008 um 22:40 Uhr
    • AM
  8. 8.

    @AM
    Sie bezweifeln doch nicht wirklich, dass Russland sich in Georgien durchgesetzt hat? Bei allem emotionalen Exhibitionismus und aller Empörung ist das das einzige, was zählt. Man wird darauf eine Antwort finden müssen. Den Balten, Polen und Ukrainern ist die Bedeutung der Ereignisse auf jeden Fall nicht verborgen geblieben. Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung, wenn wir sie als Verbündete behalten wollen.

    Ich “bewundere” das russische Verhalten im Übrigen nicht, aber ich muss es anerkennen, weil es eindeutige Fakten geschaffen hat.

    Nach dem, was in Georgien passiert ist, sollte man Träume über “Soft Power” ad acta legen und akzeptieren, in was für einer Welt wir leben:

    http://weblog-sicherheitspolitik.net/2008/08/14/russland-h%C3%A4rte-erzeugt-h%C3%A4rte.aspx

    Vielleicht braucht es gerade “verblödete Komissköpfe” um eine Welt zu verstehen, die so ist wie sie ist, und nicht so, wie manche es sich wünschen.

    • 14. August 2008 um 22:45 Uhr
    • Wachtmeister
  9. Kommentar zum Thema

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