Ein Blog über Religion und Politik

Amerikanisches Krisentagebuch VIII

Von 15. November 2008 um 20:49 Uhr

Spam macht ein Comeback. Nicht im Sinne des Email-Mülls - nein, der Fleischersatz, der den belästigenden Emails seinen Namen gab, ist zurück auf amerikanischen Tellern. Die Büchsen der Marke "Crazy Tasty" kosten $2.40 (bei 340 Gramm Inhalt). Spam ist eine glibberige, rosige, fleischartige Masse ("Something posing as meat", wie es der Volksmund verhöhnt) aus Schinken, zerkochtem Schweinefleisch, Gelatine und Gewürzen. Es wurde während der Great Depression erfunden. Bei Hormel, dem Haupthersteller in Minnesota, werden seit dem Sommer Doppelschichten gefahren. Einen solchen Boom wie jetzt hat man dort seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt.

*

Der Bostoner Investment-Riese Fidelity Investments - größte Fondsmanagement-Firma der Welt -  wird bis zum nächsten Frühjahr 3.000 Angestellte entlassen. Das sind 7 Prozent der Belegschaft. Die Firma hat in den letzten Wochen einen 13-prozentigen Wertverlust der von ihr verwalteten Vermögenswerte hinnehmen müssen.

Die Verkausfszahlen für Damendüfte sind in den letzten vier Wochen (verglichen mit dem Vorjahr) um 39 % gefallen. Gefrorenes Gemüse (billiger als frisches) verkaufte sich hingegen um 48 % besser.

Die reichsten Bosse in den USA (die jeweils als Gründer der Firmen große Anteile an den Aktien halten), haben bis zum 27. Oktober 2008 folgende Verluste hinnehmen müssen: Warren Buffett 16 Milliarden Dollar, Larry Ellison (Oracle) 8 Milliarden, Steven Ballmer (Microsoft) 2,5 Milliarden, Jeff Bezos (Amazon) 4,3 Milliarden, Eric Schmidt (Google) 3,4 Milliarden, Rupert Murdoch (News Corp.) 2,5 Milliarden.

*

Die LA Times, bei der ich mich wegen einer Archivrecherche angemeldet habe, bietet mit per Mail "großartige Gelegenheiten" auf dem Immobilienmarkt in Nordkalifornien an. "Neue Enteignungen" werden auf einer zentralen Auktion angeboten, die man online mitverfolgen kann. Häuser mit einem Listenpreis von 120.000 Dollar werden ab 40.000 Dollar angeboten. (Ich würde mein Auge auf dieses Haus in den Oakland Hills werfen, nahe dem Sequoia Country Club,  das ursprünglich 460.000 kosten sollte und jetzt ab 160.000 zu haben wäre.) Die Krise ist eine gigantische Umverteilungsmaschine. Wer jetzt noch Geld hat, kann Schnäppchen machen.

*

Jeder will jetzt ran an den Bail-out-Fund des Henry Paulson. General Motors steht ja schon seit langem Schlange. Die Städte Philadelphia, Phoenix und Atlanta wollen 50 Milliarden Dollar aus dem Fond haben. Philadelphie wird Büchereien und Schwimmbäder schliessen und 2220 städtische Angestellte entlassen, um zu sparen. Aber es reicht hinten und vorne nicht. Die Times meint heute beobachten zu können, dass die Chancen für den größten Autohersteller der Welt sinken, dass er mit Steuergeld aus Paulsons Fond am Leben erhalten werden wird. Die Republikaner wollen die Firma offenbar sterben (Bankrott gehen) lassen. Bei manchen scheint dahinter der Glaube an kapitalistische Prinzipien zu stehen. Schlechte Management-Entscheidung müssen auch vom Markt bestraft werden. Schöpferische Zerstörung ist das A und O eines freien Marktes, etc. Nebenbei hätte die Sache noch den schönen Effekt, dass dem neuen Präsidenten Obama eine nationale Katastrophe in den Schoß fiele, gegen die der 11. September ein Klacks wäre.

Überhaupt interessant in diesen Tagen: Die Selbstzerstörungskräfte unseres Systems sind heutzutage offenbar viel größer als die äußeren Gefahren. Was wir uns durch eine falsche Risikokultur, schlechtes Management und durchgeknallten Konsumismus antun können, kann niemand überbieten, der in einer afghanischen Höhle sitzt.

*

Im zweiten Quartal 2008 sind die Benutzerzahlen für öffentliche Verkehrsmittel um 5,2 % angestiegen (wegen der hohen Spritpreise). Bei Straßenbahnen sogar um 12,3 Prozent. Mehrer amerikanische Städte versuchen vom autozentrierten Verkehr umzusteuern auf die Öffentlichen, die meist in den 50er und 60er Jahren aus den Innenstädten eliminiert wurden (teilweise aufgrund von Lobbyarbeit der Autoindustrie). Die Tram, eine amerikanische Erfindung, ist die billigste Möglichkeit, neue Infrastruktur aufzubauen. Allerdings gibt es keine amerikanischen Trambauer mehr. Und darum kommen nun die Europäer zum Zuge, die weltweit Marktführer sind. Siemens hat in diesem Jahr zwei Megaprojekte in USA an Land gezogen: einen $277 Mio Vertrag in Utah, und einen für $184 Mio in Denver.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    (Ich würde mein Auge auf dieses Haus in den Oakland Hills werfen, nahe dem Sequoia Country Club, das ursprünglich 460.000 kosten sollte und jetzt ab 160.000 zu haben wäre.)“

    Nettes kleines Häuschen, umwerfend preiswert. Allerdings liegt es genau auf der Verwerfung, da hilft auch kein Naturpark mit Sequoia sempervirens oder der schicke Badestausee um die Ecke. Zudem ist es ohne echten Garten und mit einer zweispurigen Straße backyards, die auf einem mehr als 10 m aufgeschütteten Damm verläuft … nee, ich weiß nicht. Einwenig Ironie?

    Ganz ehrlich? Würde ich überhaupt nicht kaufen. Dann lieber Arizona, hat mehr Natur, nur zwei große Städte, eine schöne Uni und geniale Natur. Und in einer Stunde ist man in Mexiko.

    Islam ist Verwerfung.

    • 16. November 2008 um 00:23 Uhr
    • Bergpalme
  2. 2.

    „Wer jetzt noch Geld hat, kann Schnäppchen machen.“
    Die Entwicklung des Dollar/Euro Kurses deutet darauf hin das gerade eine Menge Euros in Dollars getauscht werden um solche Schnäppchen zu machen.

    • 16. November 2008 um 00:49 Uhr
    • J.S.
  3. 3.

    Lau: „Die Selbstzerstörungskräfte unseres Systems sind heutzutage …“

    Richtig. Aber das bringts noch nicht wirklich auf den Punkt. Die Selbstzerstörung war Programm in den letzten Jahren – mit Zähnen und Klauen verteidigtes Programm! Ähnlich wie bei den Neocons und Liberal Hawks wurde von den „Neoliberalen“ jedes Gespräch verweigert. Stattdessen wurden aggressivste Meinungskartelle (Zitat- Blogkartelle) gebildet, nach „außen“ mit Hohn und Spott und Diffamierungen agiert.

    • 16. November 2008 um 01:02 Uhr
    • xNWO
  4. 4.

    Naja, von dem Häuschen gibt es ja nichteinmal aussagekräftige Aufnahmen.

    Und bei der typischen US-Bausubstanz ist es jetzt, nach 30 Jahren eh ein Sanierungsfall.

    Unterm Strich sind die US-Hauspreise immer noch irwitzig hoch.

    Spam finde ich auch ganz schön teuer.

    Übrigens, Herr Lau, in Deutschland brennt in Sachen GM/Opel offensichtlich auch der Baum, schade das es hier keine mutigen Investoren gibt die Opel einfach aus GM herauslösen.

    Eine offizielle GM Pleite bleibt unvorstellbar und würde die USA auch auf den Bond-Märkten schwerstens schädigen.

    • 16. November 2008 um 03:13 Uhr
    • PBUH
    • 16. November 2008 um 03:34 Uhr
    • PBUH
  5. 6.

    „Die Büchsen der Marke “Crazy Tasty” kosten $2.40 (bei 340 Gramm Inhalt). Spam ist eine glibberige, rosige, fleischartige Masse (”Something posing as meat”, wie es der Volksmund verhöhnt) aus Schinken, zerkochtem Schweinefleisch, Gelatine und Gewürzen.“
    Klingt wie Gallert (haben Bauern früher hierzulande beim Schweineschlachten eingeweckt) oder Schwartenmagen.

    „Die Tram, eine amerikanische Erfindung, ist die billigste Möglichkeit, neue Infrastruktur aufzubauen.“
    Wenn es wirklich nur um den Preis geht, ist es sicher billiger, Busspuren abuzutrennen und ein paar Busse zu kaufen.

    • 16. November 2008 um 14:18 Uhr
    • AM
  6. 7.

    „wie es der Volksmund verhöhnt“

    John Cleese

  7. 8.

    xNWO

    Nix Meinungskartell. Wenn man Kredite an Mittellose vergibt und diese Kredite dann als saugut bewertet so dass sie gehandelt werden wie Obligationen, dann entsteht ganz rational eine Blase.

    Die ist jetzt geplatzt.

    Am Anfang stehen die Demokraten.

  8. 9.

    @FreeSpeech

    das wirtschaften und leben auf pump ist generell an sich schon eine blase und eine krankheit die zum zusammenbruch führen wird.

    Ich will nicht die „staatsschulden“ aller industrie nationen auflisten, die nach dieser immobilien blase (und den anderen zum teil noch größeren blasen, die noch platzen werden) jetzt nochmals kräftig anwachsen wird. Die wirkliche Blase sind die „staatsschulden“ und wenn die platzt dann hört jeder diesen knall, aber dann hat es sich auch fürs erstes und für eine sehr lange zeit.

    Vernünftiges wirtschaften ist eine mühselige und langwierige angelegenheit und mit dem auszukommen was man hat und nicht mit dem was man noch gar nicht besitzt braucht es den wert „bescheidenheit“ und das baut auf den wert „demut“ auf, usw….. , diese ganze ur alte werte-kette der menscheit die den heutigen generation zum teil gänzlich unbekannt sind wird so oder so ihr comeback haben, dafür braucht es auch keine nutzlosen predigten, sondern nur die knochenharte realität einer dicken fetten ohrfeige, um den gong zu hören der einen zwingt aufzuwachen aus den illusionären träumen der getriebenen maßlosigkeit.

    Jetzt wird noch und kann noch umgeschichtet werden richtung papa „staat“…. aber auch der hat wie jedes geschöpf seine grenzen und kann nach nur einem infakt völlig gelähmt sein oder tod umkippen.

    • 16. November 2008 um 19:50 Uhr
    • Milko
  9. 10.

    @ FreeSpeech: „Wenn man Kredite an Mittellose vergibt …“

    Habe ich nicht bestritten. (Im Gegenteil.)

    • 16. November 2008 um 20:05 Uhr
    • xNWO
  10. 11.

    @xNWO @freespeech @milko

    Kredite zu vergeben ist an sich nichts Schlechtes, das hiesse das Kind mit dem Bade ausschütten.
    Selbst im Islam gibt es Kredit, wegen dem Koran wird es nur anders bezeichnet. Bearbeitungsgebühr (-:)

    Das Problem der „zerplatzten Blase“ war jedoch, Kredite ohne Kreditwürdigkeit zu vergeben – und aus diesem Verhalten noch eine globale Geschäftsidee zu stricken, das kann nicht lange gutgehen. q.e.d.

    Die gelebte Wirklichkeit für Kreditnehmer in Deutschland verlief und verläuft dagegen völlig konträr zum oben gezeichneten Bild.
    Während man auf einer Seite den tückischsten Treibsand als Fundament für Kapitalanlagen und Fonds anpries, konnte man als selbständiger Unternehmensgründer mit einer Geschäftsidee nicht mal 50% des Wertes einer eigenen Immobilie beleihen und als Sicherheit in Liquidität umsetzen.
    Da kann ich nur feststellen:
    Wahnsinn an einem und am anderen Ende.

    Diesen Vorwurf habe ich unserer Finanzwelt zu machen.
    Wozu Ökonomie und Wirtschaft studieren, wenn man dann nicht mal in der Lage ist die einfachsten Kreditwürdigkeiten abzuchecken.
    Dieses Handwerk ist augenscheinlich nicht mehr en vogue.

    • 16. November 2008 um 20:44 Uhr
    • tati
  11. 12.

    @tati

    ich schrieb vom
    „wirtschaften und dem leben auf Pump und als gegensatz
    mit dem auszukommen was man hat
    und nicht mit dem was man noch gar nicht besitzt“
    und das von privat bis gesamtgesellschaftlich… .

    Das ist natürlich nicht förderlich für das zauberwort genannt „wachstum“ … was man umbenennen müsste in:
    „unersättliches aufressen auf kosten kommender generationen“

    Sich geld leihen, also einen kredit nehmen ist im islam vollkommen ok, das zins nehmen oder geben jedoch ….. siehe hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=jfGcjKBotzc
    und es spielt dabei keine rolle wie es genannt wird.

    • 16. November 2008 um 22:11 Uhr
    • Milko
  12. 13.

    ²Spam ist eine glibberige, rosige, fleischartige Masse (”Something posing as meat”, wie es der Volksmund verhöhnt) aus Schinken, zerkochtem Schweinefleisch, Gelatine und Gewürzen.“

    In Deutschland heisst dieses Ekelzeug Fleischwurst, Kinderwurst oder Delikatess-Mortadella.

    • 17. November 2008 um 08:24 Uhr
    • Rafael
  13. 14.

    Es gibt zwei Dinge von denen die Menschen nicht wissen sollten wie sie gemacht werden: Gesetze und Wurst :-)

    Aber im Ernst, früher war solcherweise eingekochtes Fleisch ganz normal: Schwartenmagen, Presskopf, Sülze aller Art…
    Die Menschheit hat schon früher Zeiten erlebt in denen man die Reste verwerten musste. Was daran so schlimm sein soll ist mir auf Anhieb nicht klar. Letztendlich wohl nur ein Marketingfehler.

    • 17. November 2008 um 15:35 Uhr
    • Mattes
  14. 15.

    Die aktuellen Nachrichten in der Welt sind wohl so deprimierend, daß man in die innere Emigration geht – und nach aussen nur noch über Fuck und Sülze postet.
    Wie wärs mal wieder mit einem scharfen Thema Herr Lau, iss´ ja mittlerweilen völlig verkuschelt, Ihr blog.

    • 17. November 2008 um 16:59 Uhr
    • tati
  15. 16.

    So, und jetzt gleichmal ein neuer Artikel rein, damit das Kuscheln aufhört:

    Nicht Bush, Europa ist schuld
    von Niall Ferguson

    Die ehemals guten Beziehungen zwischen Europa und Amerika sind gestört. Doch die wachsende transatlantische Entfremdung hat ihre Ursache nicht in der Politik des US-Präsidenten sondern in einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung Europas.

    http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&item=487

    • 17. November 2008 um 17:09 Uhr
    • tati
  16. 17.

    Na ja, Ferguson hat schon öfter mit umstrittenen Thesen auf sich aufmerksam gemacht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Niall_Ferguson

    „1998 sorgte er mit seinem Buch The pity of war (dt. 2001: Der falsche Krieg) für Furore, in dem er die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs untersuchte. Dabei kam er zu dem Schluss, dass nicht, wie auch von vielen deutschen Historikern (etwa Wolfgang Mommsen) vermutet, Deutschland, sondern das Britische Empire für die Eskalation im Sommer 1914 hauptverantwortlich sei. Nach Ferguson forcierte der britische Außenminister Edward Grey die Spannungen. Hätte sich England aus dem Krieg herausgehalten, so wäre das Ergebnis nach Ferguson ein deutscher Sieg gewesen, aber auch ein prosperierendes Nachkriegs-Europa, in dem es zu Demokratisierung gekommen wäre, also faktisch zu einer Art „Europäischen Gemeinschaft“ unter deutscher Hegemonie, während England weiterhin ein intaktes Empire gewesen wäre. Nach Ferguson, der sich dabei der Methodik der Virtuellen Geschichte bedient (Ferguson gilt als einer ihrer Hauptbefürworter), hätte auch der Nationalsozialismus keinen Nährboden mehr gefunden, da er laut Ferguson nur eine direkte Folge des „Großen Krieges“ sei. Stattdessen sei durch den Kriegseintritt Großbritanniens der Krieg eskaliert – und doch sei das Ergebnis heute so, dass Deutschland die wirtschaftliche Vormacht in Europa ist. Ebenso bestreitet er, dass es einen deutschen Sonderweg gegeben habe.

    In „The Pity of War“ (dt. „Der falsche Krieg“) vertritt Ferguson, insbesondere in einem Unterkapitel „Im Felde unbesiegt?“, die These, dass bis zuletzt Deutschland den Krieg nicht hätte verlieren müssen. Es wäre nicht die taktische Überlegenheit der Alliierten gewesen, die den Krieg beendet hätte, es war die Krise der deutschen Moral, was nur teilweise der exogenen Kraft der alliierten Infanterie und Artillerie zugeschrieben werden könnte[1]. Vielmehr wäre den Soldaten, schon im September 1918, nicht verborgen geblieben, dass der Chef der Obersten Heeresleitung Erich Ludendorff auf einen Waffenstillstand drängte – nach Ferguson eine „Überreaktion“ eines „müden und kranken“ Ludendorff auf das Scheitern seiner Offensiven. Der „Nervenzusammenbruch“ ihres Oberkommandierenden führte zum Zusammenbruch der Kampfmoral.“

    • 17. November 2008 um 17:48 Uhr
    • Joachim S.
  17. 18.

    @ tati: Fergusons Artikel ist bezeichnender Weise so alt, dass er schon ein bisschen komisch riecht.
    Was für ein Bulllshit! Das glaubt heute nicht einmal mehr die Bush-Regierung selbst.
    (Die Europäer haben zuviele Muslime, das war ja wohl der Kern!) Und Bat Ye’or! Das ist auch so ein Fall. Crap, crap, crap.

  18. 19.

    @Joachim S.

    Es ist sicherlich so, daß die Veränderungen in Europa wie Rückgang des praktizierten Christlichen Glaubens und gleichzeitige Migration von Millionen von Muslimen ihren Anteil an der Auseinanderentwicklung Europa-USA haben.
    Die Person Bush hat das Verhältnis zusätzlich polarisiert.

    Allerdings vermute ich, daß auch unter der Führung eines Präsidenten Kerry die letzten Jahre nicht wesentlich anders verlaufen wären (Irak, Afghanistan und jüngst Finanzkrise).

    • 17. November 2008 um 18:18 Uhr
    • tati
  19. 20.

    Sagen Sie mal, tati, wen interessiert noch Kerry?

    • 17. November 2008 um 18:26 Uhr
    • Joachim S.
  20. 21.

    pardon, vergessen:

    „Es ist sicherlich so, daß die Veränderungen in Europa wie Rückgang des praktizierten Christlichen Glaubens und gleichzeitige Migration von Millionen von Muslimen ihren Anteil an der Auseinanderentwicklung Europa-USA haben.“

    Das finde ich alles andere als einleuchtend. Any ideas, wie man sich das praktisch vorzustellen hat?

    • 17. November 2008 um 18:28 Uhr
    • Joachim S.
  21. 22.

    (Die Europäer haben zuviele Muslime, das war ja wohl der Kern!) Und Bat Ye’or! Das ist auch so ein Fall. Crap, crap, crap.
    Kommentar von Jörg Lau

    Warum regen Sie sich denn auf?
    Ist es denn nicht so, das der Anteil der muslimischen Bevölkerung in Europa ständig wächst.
    Warum haben wir denn seit Jahren in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Reibungspunkte mit muslimischen Migranten.
    Warum haben wir Islamkonferenzen?
    Warum protestieren Menschen gegen Moscheeneubauten?
    Warum haben wir neuerdings wieder migrantenspezifische Homophobie?
    Warum haben wir das grosse Problemfeld Frau und Islam?
    Warum gibt´s Ihren blog??

    Doch nicht etwas deshalb, weil wir zu WENIG muslimische Mitbürger haben.

    • 17. November 2008 um 18:32 Uhr
    • tati
  22. 23.

    @ tati

    „Warum protestieren Menschen gegen Moscheeneubauten?“

    Lassen Sie mich raten: Aus Freundschaft mit Amerika?

    • 17. November 2008 um 18:47 Uhr
    • Joachim S.
  23. 24.

    @ Tati: Mein Blog existiert nicht, weil wir „zuviel Muslime haben“. Und so etwas werden Sie hier auch nie lesen.
    Wir haben auch nicht „in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Reibepunkte“ mit Muslimen, sondern in einigen wenigen.
    Frau und Islam ist auch kein „grosses Problemfeld“ – es ist für unsere Gesellschaft ein winziges Randproblemfeld, in dem trotzdem etwas passieren muss.
    Gegen Moscheeneubauten wird aus vielen Gründen protestiert, teils aus legitimen und teils aus verabscheuungswürdigen.
    Moscheebauten sind für diese Gesellschaft ebenfalls ein absolutes Randphänomen, das aus politisch-symbolischen Gründen Bedeutung bekommt.
    Manche Moscheebauten sind einfach nur zu begrüßen. Siehe Duisburg-Marxloh, siehe Penzberg in Bayern.

  24. 25.

    Beitrag # 22

    Hallo Tati, ihr Beitrag # 22 ist große klasse!

    Auf crap crap crap die richtigen Fragen.
    Auf einen einsichtsresistenten Klotz ein paar stechende Keile in Form unabweisbarer Fragen.
    Prima!

    • 17. November 2008 um 19:13 Uhr
    • Bakwahn
  25. 26.

    Das finde ich alles andere als einleuchtend. Any ideas, wie man sich das praktisch vorzustellen hat?
    Kommentar von Joachim S.

    Das ist nicht schwer zu erklären.
    Nehmen Sie einfach die abendländisch-christliche Tradition mit ihren Parametern Familie und praktizierter Glauben einerseits und als Überbau den positiven Gemeinschaftsbegriff, einer Nation oder auch Region anzugehören.
    Alle diese Werte wurden aus ihren Verankerungen gerissen.
    Beim durchaus nötigen Durchlüften muffiger und altbackener Traditionen wurde dabei das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet.
    Die Eckpfeiler der Orientierung wurden zugunsten von Überindividualisierung und Konsumismus aufgegeben.
    Gleichzeitig wurde die heile Welt im multikulturellen Miteinander postuliert, ohne zu bedenken, daß große Teile der zu uns eingewanderten Migranten diesen multikulturellen Anspruch weder haben noch befürworten.
    Abgesehen vom Konsumismus, verhält sich die Situation in den USA anders.
    Der Begriff der Nation ist positiv und die Migranten fühlen sich schnell darin eingebunden. Die USA gibt den Migranten eine Nation, wir in Europa geben Sozialhilfe.
    Weiters ist ein deutlich größerer Teil der Bevölkerung in ihrem christlichen Glauben aktiv und somit ein weit stärkeres Gegengewicht zu gläubigen Muslimen als hierzulande.
    Wir haben in Europa ein fast dogmatisches Verständnis für Alles und Jeden entwickelt. Das ist nur dann eine Tugend, wenn man Intoleranz NICHT toleriert.
    Diese Grenzziehung findet im Moment quer durch unsere Gesellschaft statt. Diese Grenzziehung wird darüber entscheiden, ob Europa ein Kontinent der Freiheit für alle Toleranten bleiben wird.

    • 17. November 2008 um 19:21 Uhr
    • tati
  26. 27.

    Und warum soll das zu einer Entfremdung zwischen den USA und uns führen?

    • 17. November 2008 um 19:23 Uhr
    • Joachim S.
  27. 28.

    Gerade die christlichen Kirchen haben mehr Verständnis für die moslemische Minderheit als der Rest der Bevölkerung. Ich weiß das, weil ich lange in interreligiösen Dialoginitiativen aktiv war.

    • 17. November 2008 um 19:27 Uhr
    • Joachim S.
  28. 29.

    Wir haben auch nicht “in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Reibepunkte” mit Muslimen, sondern in einigen wenigen.
    Kommentar von Jörg Lau

    Das ist Ansichtssache.
    Wenn Sie der Meinung sind, das
    Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität am besten mit „einige wenige“ bezeichnet werden sollen. (-:)

    #Frau und Islam ist auch kein “grosses Problemfeld” – es ist für unsere Gesellschaft ein winziges Randproblemfeld, in dem trotzdem etwas passieren muss.#

    Diesen Abschnitt leite ich direkt an Miriam weiter, mit Verlaub.

    • 17. November 2008 um 19:47 Uhr
    • tati
  29. 30.

    Gerade die christlichen Kirchen haben mehr Verständnis für die moslemische Minderheit als der Rest der Bevölkerung. Ich weiß das, weil ich lange in interreligiösen Dialoginitiativen aktiv war.
    Kommentar von Joachim S.

    Das ist ein heisses Eisen.
    Das jeweilige Glaubensbekenntnis setzt dem religiösen Verständnis eine Grenze.
    Miteinander reden ist ok, aber was soll letztlich dabei rauskommen?
    Gemeinsames Fasten – gemeinsames Kuchenbacken (da müsste man schon wieder den Tortenguss weglassen…)
    Ich stelle mir vor, das diese Dialogveranstaltungen oft reine Alibi-Performances sind.

    • 17. November 2008 um 20:02 Uhr
    • tati
  30. 31.

    Die Warum-Fragen tatis kann man auch mit dem Hinweis auf unser mangelndes (europäisches) Selbstbewußtsein beantworten.

    Wir haben Schiß! Daran sollte man gelegentlich auch mal die Warum-Frage knüfen. Haben wir Schiß, weil wir ahnen/ wissen, dass wir nicht mehr viel auf der Pfanne haben? Jedem, der etwas will oder nicht will, oder auch nur schlecht kann, der uns (wie dumpf empfunden auch immer) auch nur minimalen Widerstand entgegenbringt, sei es durch bloße Fremdheit, fühlen wir uns hilflos unterlegen.

    Vielleicht haben wir gar nichts mehr, in das hinein sich irgendjemand integrieren könnte, selbst wenn er wollte. Leben wir in einer Kultur und Gesellschaft, die irgendwelche Dynamik aufweist, die mitreißen, absorbieren oder auch nur integieren könnte? Sind wir selbst mehr als gesellschaftliche Singles, uns nur wechselseitig angepasst?

    • 17. November 2008 um 20:12 Uhr
    • xNWO
  31. 32.

    @xNWO

    Danke für diese sehr interessante Anregung.

    Es sieht vieles danach aus, daß wir in Westeuropa nach über 60 Jahren einer (im Verhältnis zur gesamten Welt) ruhigen und beschaulichen Phase erst wieder in die Dynamik hineingeraten.
    Man könnte somit auch sagen, nicht wir integrieren in unsere kleine beschauliche Welt, sondern wir müssen uns in die sturmdurchtobte Gesamtwelt integrieren.

    • 17. November 2008 um 20:49 Uhr
    • tati
  32. 33.

    @Tati
    İhre Positionen sind nun schon sehr oft vertreten worden.
    Das aendert nichts an ihrer Richtigkeit.

    Doch ich könnte mir vorstellen, dass jemand wie Jörg Lau sich (im Moment) einfach nicht mehr damit beschaeftigen will. Das heisst: Vielleicht glaubt er wirklich, was er zum Beispiel im Kommentar 24. sagt. Vielleicht denkt er aber auch, was ich denke, dass naemlich der Diskurs im Moment auf Stelle tritt und es deswegen keinen Sinn macht, das Offenkundige zu wiederholen. Vielleicht will er auch einfach nur für den Mainstream anschlussfaehig bleiben, was auch Sinn macht.

    İch finde es eigentlich nicht schlecht, dass es in der Öffentlichkeit neben den heftigen İslamkritikern, denen meine Bewunderung gilt, auch Leute gibt, die punktuell Kritik üben, etwa hinsichtlich westlicher Unterwürfigkeit im İran, sich dann wieder anderen Themen zuwenden und sich ansonsten eher gemaessigt verhalten.

    @xNWO
    Das sind wichtige Fragen. İch glaube aber, dass die westeuropaeische Leere nicht nur die Angst vor selbstbewusst auftretenden Muslimen, sondern auch eine Sehnsucht gebiert. Diese Sehnsucht nach irgendwas Neuem, nach Klarheit, Orientierung, Reibeflaeche, harter Ordnung scheint der İslam befriedigen zu können. Deswegen gibt er den Westeuropaeern insgesamt, nicht nur den versprengten Konvertiten, etwas, was sie selbst nicht mehr haben. Und deswegen werden sie den İslam wohl noch weiter gedeihen lassen. Manche Forderungen, wie etwa die nach der Übernahme von Schariateilen, haben jedenfall nichts mit ‚Schiss‘ zu tun. Da kommt Mutwilligkeit zum Ausdruck. Und die entstammt einem Gefühl von Überdruss am Eigenen und dem Drang zur Erneuerung.

    • 17. November 2008 um 20:49 Uhr
    • Theodor
  33. 34.

    @ Theodor, @ xNWO: Theodor, Sie haben mich durchschaut. Und XNWO: Ich habe hier vor genau 2 Jahren ein ellenlanges Plädoyer vorgelegt in diesem Sinn.
    Und in der Tat: Der Diskurs zu diesem Thema dreht sich im Kreis.

  34. 35.

    Tati, xNWO

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auf einen Beitrag des deutsch-amerikanischen Literaturwissenschaftlers Hans Ulrich Gumbrecht verweisen. Dieser schrieb 2003 im Merkur in einem Rückblick auf die Diskussionsbeiträge deutscher und französischer Intellektueller zu den Kriegen Amerikas in Afghanistan und im Irak sowie über das Verhältnis des alten Europas zu Amerika (es waren Sloterdijk, Bondy und etliche andere; diese Beiträge sind Anfang 2003 in der FAZ abgedruckt worden) eine mit ätzender Ironie gespickte Glosse.

    Unter der Überschrift „Waschzwang“ zitiert Gumbrecht folgenden Vers:
    „’s ist leider Krieg – und ich begehre
    Nicht schuld daran zu sein!“

    Warum, so fragt Gumbrecht, werden „diese Verse des Matthias Claudius bei jeder sich bietenden Gelegenheit von unseren Dichtern und Denkern so inbrünstig zitiert? Weil Schuld ihre Obsession ist: Hauptsache unschuldig – und deshalb waschen sie sich auch so begeistert auf der öffentlichen Bühne ihr Hände in Unschuld, immer wieder, stundenlang, und wenn nur genügend Leute zusehen, wollen sie gar nicht mehr aufhören.“

    Er fährt fort:
    „Es gibt viele gute Gründe, gegen diesen Krieg zu sein. Daß es auch gute Gründe gibt, ihn zu befürworten, ist den deutschen Mainstream-Intellektuellen eine absurde Vorstellung. (…) Doch unseren Leuten kommt es ja nicht auf Politik an, sondern auf Gesinnung – ihr gute, versteht sich.

    Genau das beschreibt den geistigen und auch emotionalen Zustand des größten Teils unserer Intellektuellen. Radikale Gesinnungsethik ist angesagt, eine Denkweise, die die Folgen ihres „Nichthandelns“ ignoriert, die oft genug sehr negativ sind. Kraftvolles verantwortungsbewusstes Handeln, das die voraussehbaren Folgen mitbedenkt und auch in Kauf nimmt, dass man schuldig wird, ist out.

    • 17. November 2008 um 21:04 Uhr
    • Bakwahn
  35. 36.

    Und in der Tat: Der Diskurs zu diesem Thema dreht sich im Kreis.
    Kommentar von Jörg Lau

    Die Natur (oder der liebe Gott) haben das so eingerichtet.
    Die Kreisbewegung ist die Voraussetzung für Alles Was Ist.
    (-:) XY XX

    Und tun Sie bitte nicht so, als ob sich bei Obama NICHT alles im Kreis bewegen würde.

    • 17. November 2008 um 21:09 Uhr
    • tati
  36. 37.

    @Tati
    Nein Tati. Es dreht sich nicht immer alles im Kreis. Manchmal aendern sich Dinge. Zum Beispiel durch Obama. (Das meine ich nicht ironisch.)

    Und zum Beispiel könnten sich die Dinge durch die Opfergruppen in westdeutschen Grossstaedten aendern: Busfahrer, Polizisten, Schwule, Lesben, deutsche Schüler, Kreuztraeger, was weiss ich wer noch, vielleicht demnaechst auch Behinderte. Das muss man sich mal reinziehen. Vielleicht sollte man sich punktuell und ganz konkret mit diesen Gruppen solidarisierenl, anstatt das grosse Ganze in der Vagheit des Virtuellen anzupeilen. Diese Gruppen haben es naemlich nötig, denn die Verantwortlichen versagen, wie zum Beispiel der Berliner İntegrationsbeauftragte Piening, diese postmoderne Hülse . Dem ist jede Zuschreibung ein Akt von Gewalt und jede reale Gewalt ein Vorurteil im Diskurs. (So geraten Wirklichkeit und Diskurs durcheinander – Wahnsinn!)

    Doch in den Blogs dreht es sich im Moment im Kreis. (Und ich mit, zugegeben.) Wer das, was Sie schreiben, nicht glaubt, wird es auch durch Wiederholung nicht glauben. Die Wirklichkeit ist draussen auf den Strassen. Blogger wie Sie und ich müssen da irgendwann irgenwie hin.

    Und da kommt dann wohl ‚Schiss‘ ins Spiel.

    • 17. November 2008 um 21:37 Uhr
    • Theodor
  37. 38.

    Leute! Kopf hoch, das Abendland wurde wieder ein bisschen gerettet:

    „Französisches Gericht widerruft Ehe-Annullierung
    Mann muss mit Nicht-Jungfrau verheiratet bleiben“

    http://www.tagesschau.de/ausland/jungfrauurteil102.html

    Es ist also noch nicht alles verloren!

    • 17. November 2008 um 22:05 Uhr
    • Driss
  38. 39.

    @Theodor
    „Und zum Beispiel könnten sich die Dinge durch die Opfergruppen in westdeutschen Grossstaedten aendern: Busfahrer, Polizisten, Schwule, Lesben, deutsche Schüler, Kreuztraeger, was weiss ich wer noch, vielleicht demnaechst auch Behinderte.“

    Stimmt, wie in diesem Beispiel:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2042839

    • 17. November 2008 um 22:45 Uhr
    • docaffi
  39. 40.

    @Theodor

    Sie haben schon recht.
    In meinem persönlichen Umfeld bin ich auch in der reellen Welt im „Einsatz“.
    Dort befinde ich mich eher unter Leuten aus dem grünlinkensozi-Spektrum, was einer gewissen Komik nicht entbehrt.
    Die müssen sich allerdings genau das gleiche von mir sagen lassen, was ich hier im blog poste – keine Gnade.
    Zur Zeit läuft in unserem Umfeld ein Projekt an, das gewaltauffällige jugendliche Migranten mittels Sport und Musik bändigen soll.
    Näheres kann ich posten, wenn´s im Internet verfügbar ist.

    • 17. November 2008 um 23:22 Uhr
    • tati
  40. 41.

    @Docaffi
    Sie sollten, nachdem was Sie bislang von mir gelesen haben, annehmen, dass es für mich keinen Unterschied macht, wer Opfer von Gewalt wird. Und es macht keinen Sinn, die Opfergruppen gegeneinander aufzurechnen. Es ist aber ok, wenn man manchmal nur auf die eine Gruppe hinweist. D.h., wenn Sie auf die Opfer rechter Gewalt aufmerksam machen, bin ich bei İhnen – und muss im naechsten Moment nicht erwaehnen, was eine andere Gruppe woanders macht. So kaeme man auch nicht weiter. Genauso wenig kaeme man weiter, diese Diskussion hatten wir ja schon, wenn man die sozial- und die kulturkritische Perspektive gegeneinander ausspielte. Beides kann und muss gleichzeitig sein. Die Polarisierung führt zum Ausschluss von Positionen, die man integrieren kann und muss, um Lösungen zu finden. – Aber vielleicht sehen Sie das ja auch so. (?)

    • 18. November 2008 um 00:08 Uhr
    • Theodor
  41. 42.

    @Tati
    Ja, solche Projekte. Man würde ja so gerne glauben, dass das was bringt. Diese Hoffnung ist wohl Teil des Problems. Trotzdem viel Glück und gute Nacht nach Deutschland.

    • 18. November 2008 um 00:12 Uhr
    • Theodor
  42. 43.

    @Theodor
    Sehe ich genauso.
    Sie sollten aber, wenn Sie die Opfer aufzählen (Busfahrer, Polizisten, Schwule, Lesben, Kreuztraeger, vor allem „deutsche“ Schüler) wollen, auch bedenken, dass Migranten genauso tagtäglich Opfer von Gewalt sind.

    • 18. November 2008 um 00:16 Uhr
    • docaffi
  43. 44.

    off topic – ein Buchtipp:

    http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-299/_nr-614/i.html

    „Mangoes“ kritisiert in scharfem Ton Militärinstitutionen, in Pakistan üblicherweise unantastbar sind, und erzählt eine faszinierende Geschichte in einem literarisch gekonnten, ausgelassenen Stil. Obwohl oft urkomisch, hat das Buch einen ernsten Zweck: Hanif enttarnt Generäle als die machthungrigen Monster zu denen sie werden, sobald sie sich selbst an die Macht gebracht haben.

    • 18. November 2008 um 11:02 Uhr
    • Joachim S.
  44. 45.

    Jörg Lau: ellenlanges Plädoyer

    OK. Ich habe mir das Ellenlange gestern noch reingezogen. Sicher zu schnell und zu flüchtig. Auf die Schnelle würde ich aber sagen: Sie sehen nur, und wenn nicht nur, dann jedenfalls zu viel: (rot und) rot-grün. Die Propagandisten der neoliberalen Singlegesellschaft, der Konsumgesellschaft, der (unsäglichen) Konsum(enten)demokratie gar, kannten/ kennen ebenfalls keine Nation, keinen Patriotismus und keine Leitkultur. – Das geht durch, quer.

    Ich selbst kann mit Nation, Patriotismus und Leitkultur, zunächst jedenfalls, auch nur wenig anfangen. Sie sind Labels für etwas, das wir nicht mehr haben und nicht wiederbeleben oder neu schaffen können. Jedenfalls nicht unmittelbar. Und darin liegt für mich der Knackpunkt. Aus meiner Sicht können Nation, Patriotismus und Leitkultur nicht unmittelbar angestrebt werden. (Wenn man’s doch tut oder auch nur zu tun versucht, geht‘s wahrscheinlich schief. Wie gehabt. Oder an den politischen Rändern zu besichtigen. )

    Im gelungenen Fall sind Nation, Patriotismus und Leitkultur Folge und Ausdruck von etwas, Folge und Ausdruck eines anderen, Folge und Ausdruck von etwas Substanziellem, von gelungenem kulturellen und gesellschaftlichen Leben.

    Seit Beginn der Neuzeit – denken Sie an die Reformation – setzt gelungenes kulturelles und gesellschaftliches Leben aber Kritik voraus – vor allem Selbstkritik, kollektive oder individuelle, ganz gleich. Wir, heute, kennen ‚Kritik‘ überwiegend nur als (selbstgerechtes) Gemecker über andere. Kritik ist aber wesentlich eine Gewissensfunktion. Sie setzt uns in Differenz zu uns selbst und schafft uns – das ist die Pointe – eine Aufgabe, einen Auftrag, ein Ziel, nämlich: die Selbstdifferenz zu überwinden, wieder ‚heil‘, wieder selbstidentisch zu werden – zu werden, auf Dauer, nicht (in bornierter Weise – Ackermann, Sarah Palin) zu sein.

    Ich habe obiges auf meinem Blog in dem Posting „Reformationstag“ und in dem darunter stehenden Kommentar von scheinbar anderer thematischer Seite her zu skizzieren versucht. Um es kurz (und weniger langweilig) zu machen: „Seid selbstidentisch! Habt Nation, habt Patriotismus, Leitkultur!“- der bloße Befehl, oder auch der noch so dringende Wunsch, die bringen es nicht.

    Selbstkritik ist die Voraussetzung, und der dynamisierende Versuch der Überwindung der dadurch entstehenden Selbstdifferenz. Das wäre, in heutiger Sprache (und nicht mit dem netten Gespräch zu verwechseln!), gesamtgesellschaftliche Kommunikation. Für die haben wir aber kein alle Beteiligten tief genug berührendes Thema mehr. Das (erste und) letzte war die Religion.

    • 18. November 2008 um 11:33 Uhr
    • xNWO
  45. 46.

    Die Propagandisten der neoliberalen Singlegesellschaft

    Was ist die neoliberale Singlegesellschaft und wer sind ihre Propagandisten?

    Was bzw. wer ist überhaupt neoliberal?

    Sind Neoliberale häufiger Singles als die, die nicht neoliberal sind?

    , der Konsumgesellschaft,

    Was ist die Konsumgesellschaft?

    der (unsäglichen) Konsum(enten)demokratie

    Was ist die Konsum(enten)demokratie?

    Eine Demokratie, in der Konsumenten über ihren Konsum entscheiden können?

    • 18. November 2008 um 14:10 Uhr
    • N. Neumann
  46. 47.

    „Was bzw. wer ist überhaupt neoliberal?“
    Niemand ist’s gewesen. Wo sind sie nur hin, die bekennenden Neoliberalen, bei denen „aggressiv“ ein positives Attribut war? Wie vom Erdboden verschluckt, vermutlich von einem der schwarzen Finanzlöcher aufgesaugt.

    • 18. November 2008 um 14:18 Uhr
    • AM
  47. 48.

    @ N. Neuman Was ist …

    Lesen Sie: Endziel Konsum

    Googeln Sie: Konsumentendemokratie+Herzinger

    Schauen Sie, ausführlich: http://www.single-generation.de/

    • 18. November 2008 um 14:24 Uhr
    • xNWO
  48. 49.

    Technisches: Kann man die Links, oben „Endziel Konsum“, irgendwie kenntlich machen?

    • 18. November 2008 um 14:25 Uhr
    • xNWO
  49. 50.

    Der National Patriotismus stand seit je her auf einer schwachen grundlage (da es sich nur um eine ableitung handelt, darauf komme ich noch) und das ist der wirkliche grund weshalb er nicht mehr existent ist oder nur noch in einer gespielten fassade, wie in frankreich (oder auch usa) seine rolle hat und in einer globalisierten und näher gerückten welt wird ein wiedererwachen einer schon längst durchlaufenen vergangenen epochen (die auf einer ableitung basiert) wohl nicht mehr geschehen. Der Nationen Patriotismus war nur die ableitung des viel mehr in der menschlichen natur liegenden und tief in der menschenpsyche eingravierten „stammesclan-denken“, welches auf einem mannhaften patriarchentum basiert was auch für den nationen patriotismus gebraucht wird.
    Das patriarchentum oder mannhafte liegt schon als museumsleiche im emma archiv … und die letzten reste des stammesclan denkens und stolzes, welches in einer phase des gesellschaftsprojektes noch abgeleitet und hinüberverfrachtet werden konnte und die form des national patriotismus annehmen konnte wird heute nur noch als fassade gebraucht und gespielt. Man kann in einem gesellschaftsprojekt welches sich bereitwillig auf den sitz der rakete „entwicklung“ gesetzt hat (Nietzsche nannte es die entwicklung zum über-menschen), von der man auch nicht wirklich weiß wo sie hinfliegt oder gar landen wird, nicht einfach den rückwärtsgang einschalten. Eine entwicklung folgt der nächsten, eine ableitung muss wiederum abgeleitet werden, die wird wiederum eine ableitung erfahren… etc

    Ich denke Global bleibt die „stammesclan-strucktur“ eine feste unauslöschbare größe und wird eher überall wieder einzug finden, vorallem wo der „staat“ sich in auflösung befindet als dass die gesellschaftsprojekte der westlichen industrie nationen (mit ihren immer weiter abgeleiteten ableitungen der voran gegangenen abgeleiteten ableitungen bis es nichts mehr zum ableiten gibt) sich global durchsetzen könnten, da ich (und ich bin da vielleicht eine minderheiten meinung im blog) sie für den epochalen ausnahme zustand in der menschlichen historie halte und solche gebiete wie afrika, afghanistan,… mit ihren clan struckturen als den menschlich historischen normalfal sehel, der auch überall wieder zu tage kommen wird sobald sämtliche schleier fallen und illusionen platzen. Dort herrscht der mensch noch in rohbau und organisiert sich entlang seiner natur, ohne eine fassade und den ableitungen dieser natur.

    • 18. November 2008 um 16:20 Uhr
    • Milko
  50. 51.

    Milko, wären Sie bereit anzuerkennen, dass der Nationalstaat gegenüber einem System von Stammesclans einen Fortschritt darstellt?

    • 18. November 2008 um 17:12 Uhr
    • Joachim S.
  51. 52.

    @ N. Neuman Was ist …

    Lesen Sie: Endziel Konsum

    Googeln Sie: Konsumentendemokratie+Herzinger

    Schauen Sie, ausführlich: http://www.single-generation.de/

    @ XfürU

    Ich habe Sie gefragt, googlen kann ich selber.

    • 18. November 2008 um 17:29 Uhr
    • N. Neumann
  52. 53.

    “Was bzw. wer ist überhaupt neoliberal?”
    Niemand ist’s gewesen. Wo sind sie nur hin, die bekennenden Neoliberalen, bei denen “aggressiv” ein positives Attribut war? Wie vom Erdboden verschluckt, vermutlich von einem der schwarzen Finanzlöcher aufgesaugt.

    @ AM

    Eine sehr schwammige Antwort. Sie geizen doch sonst nicht mit Definitionen und Bezichtungen.

    • 18. November 2008 um 17:31 Uhr
    • N. Neumann
  53. 54.

    @Joachim S.

    Lassen wir mal die bewertungen dabei weg, da dies oft eine objektive sicht trübt. Es ist auf jedem fall völlig wertfrei eine entwicklung gewesen. Der National Patriotismus mit dem „Ober Clan und Stammes-patriarchen “ in form des Kaisers und danach in einer sehr eigenartigen form des Führers ist definitiv vorbei, dieses „entwicklungs-stadium“ wurde schon verlassen und Wie ich schon erwähnt, man hat in dieser rakete keinen rückwärtsgang.

    • 18. November 2008 um 17:45 Uhr
    • Milko
  54. 55.

    Milko, wären Sie bereit anzuerkennen, dass der Nationalstaat gegenüber einem System von Stammesclans einen Fortschritt darstellt?

    @ Joachim S.

    Wahrscheinlich nicht, er glaubt ja auch, dass der Kapitalismus zusammenbricht bzw. die Vergabe von Krediten an sich dysfunktional ist und den wahren Werten der Menscheit widerspricht.

    Derselbe antizivilisatorischen Affekt hatte in seiner marxistischen Variante in den 70ern Konjunktur, vor allem in der Ölkrise. Was meinen Sie, wie das die mit Sehnsucht nach heiler Ursprunglichkeit gepaarten Untergangsphantasien beflügelt hat.

    Die Ökologiebewegung der 80er lebte zwar auch von Untergangsphantasien und Ereignissen (Tschernobyl), die denselben Nahrung gaben, war aber unterm Strich weniger regressiv-utopisch. Die Industriegesellschaft galt dann doch als ökologisch sanierungsfähig bzw. der Kapitalismus als ökologisch adaptierbar.

    • 18. November 2008 um 17:52 Uhr
    • N. Neumann
  55. 56.

    Der National Patriotismus mit dem “Ober Clan und Stammes-patriarchen ” in form des Kaisers und danach in einer sehr eigenartigen form des Führers ist definitiv vorbei, dieses “entwicklungs-stadium” wurde schon verlassen

    @ Milko

    Genau.

    Man muss (ganz wertfrei betrachtet) unter Halluzinationen leiden, wenn man französischen, chinesischen, amerikanischen, russischen, türkischen, syrischen, brasilianischen etc. Patriotismus sieht.

    • 18. November 2008 um 17:58 Uhr
    • N. Neumann
  56. 57.

    @N. Neumann

    @56 ich sprach da eher von deutschland und west europa. Das die türken sich da noch auf einem anderem stadium befinden und weil dort noch das mannhafte und das patriarchat vorhanden ist (wie schon erwähnt eine grundlage für den patrioten stolz) hält sich dieser patriotismus noch..

    @55
    ja ich glaube das der kapitalismus in seiner heutigen form sich nicht wird halten können und ich bin auch kein kind der heutigen star trek generation, denen visuell schon eingetrichert wurde welches paradisische traumziel das gesellschaftsprojekt haben wird. Die entwicklungs u. wachstums illusionen bis hin zum gentechnik schöpferischen menschengott, der sich sein eigenes paradies samt ewigen leben auf dem mars terraformiert halte ich für die wahre utopie. Da halte ich solch düstere science fiction mäßige zukunftsutopien im film Mad Max doch für weit aus realistischer, vorallem mit blick auf die Menschliche historie. Wir leben in einer epoche der Menschen historischen ausnahme und das in vielen bereichen, zb wohlstand und nahrungsüberfluss. Es ist bei weitem wahrscheinlicher dass es die ausnahmen sind als der neue auf ewig anhaltende regelfall, vorallem wenn alles auf sehr brüchigen fundamenten basiert.

    • 18. November 2008 um 21:31 Uhr
    • Milko
  57. 58.

    @N. Neumann

    @56 ich sprach da eher von deutschland und west europa.

    @ Milko

    Das macht ihre Äußerung für mich nachvollziehbarer. Schauen Sie aber dennoch mal über ihren deutschen Tellerand hinaus und betrachten sie andere westeuropäische Länder. Die unterm Strich vergleichsweise zurückhaltend artikulierten deutschen Nationalgefühle sind eher die Ausnahme als die Regel.

    @55
    ja ich glaube das der kapitalismus in seiner heutigen form sich nicht wird halten können

    Der Kapitalismus ist lernfähig. Lernfähiger als jedes andere Wirtschaftssystem.

    Aus jeder seiner Krisen hat er gelernt.

    Die entwicklungs u. wachstums illusionen bis hin zum gentechnik schöpferischen menschengott, der sich sein eigenes paradies samt ewigen leben auf dem mars terraformiert halte ich für die wahre utopie.

    Wer bzw. wieviele Menschen glauben denn an diesen Scheiß? Wenn das ihrer Meinung nach eine kapitalistische Utopie sein soll, bitte. Sicher kann man den Kapitalismus (ich meine damit Marktwirtschaft mit Regeln) ideologisch überhohen.

    Da halte ich solch düstere science fiction mäßige zukunftsutopien im film Mad Max doch für weit aus realistischer, vorallem mit blick auf die Menschliche historie.

    Sie denken zu sehr in Extremen.

    • 19. November 2008 um 02:01 Uhr
    • N. Neumann
  58. Kommentar zum Thema

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