Die Wahrheit über South Park und die “Islamisten”

Von 23. April 2010 um 12:31 Uhr

Als ich vor ein paar Tagen von der Drohung einer Gruppe New Yorker Islamisten gegen South Park las, dachte ich: Nein, das ist zu blöd, darüber schreibe ich nicht. Es ist wirklich zu blöd, aber nun muss ich doch darüber schreiben.

Wo beginnen? In der zweihundertsten Folge der Cartoon-Serie  South Park tritt der Prophet Mohammed in einem Bären-Maskottchen-Kostüm auf. Das hat sich eine Gruppe von Islamisten mit dem wichtigtuerischen Namen “Revolution Muslim” auf ihrer Website zum Anlass genommen, den Machern von South Park in Erinnerung zu rufen, sie könnten wie Theo van Gogh enden. Die Gruppe ist für ihre lauten Strassenproteste bekannt und für ihren wilden Israelhass, den schon die Aufmachung der Homepage dokumentiert. Wie ernst ist sie zu nehmen?

Ich möchte es so zusammenfassen: Das ist eine Bande durchgeknallter Konvertiten zum Islam, die vor allem den radical chic suchen. Heißt nicht, dass sie nicht ernst zu nehmen seien, es gibt leider viele gefährliche Irre unter den Konvertiten. Aber wenn es jetzt überall heißt, eine “islamistische Gruppe” bedrohe South Park, dann sollte das doch bitte mit einer gewissen Distanz behandelt werden: Dies hier ist eine Gruppe von spinnerten Freaks.

Interesanter Weise scheinen skurrile Figuren wie “Youssef al-Kattab” in der Gruppe eine Rolle zu spielen – geboren als Joseph Cohen, ein amerikanischer Jude, der in Israel ein Rabbinerseminar besucht hatte, bevor er 2000 zum islamischen Glauben konvertiert ist. (Nein, das ist keine Erfindung von South Park, das ist die Wirklichkeit.) Auch der Mitgründer “Younes Abdullah Muhammad” ist ein Konvertit. Und beide waren wiederum inspiriert von dem radikalen Scheich “Abdullah al-Faisal”, ebenso Konvertit, geboren als Trevor William Forest in einer evangelikalen Familie in Jamaika. In anderen Worten: Ein Haufen religiös Verwirrter, haltloser Irrer, die nichts dringender brauchen als die besorgte, erregte Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. (Hier mehr Hintergrund von der Anti Defamation League.)

So, und nun wird es peinlich: Wegen der albernen Drohposts dieser Freaks hat Comedy Central nun das große Muffensausen bekommen und South Park zensiert. Unfaßlich.

Die Folge 200 – ich habe sie unterdessen mehrfach gesehen – ist dabei nahe an der Genialität. Die Geschichte geht ungefähr so: Einer der Jungs von South Park beleidigt Tom Cruise, der daraufhin den gesamten Ort mit einer Prozeßlawine überziehen will. Cruise sammelt 200 Promis, die auch schon von South Park beleidigt wurden – Bono, Hillary Clinton, Paris Hilton etc. Nur unter einer Bedingung will er sich abbringen lassen von seiner Klage: Er verlangt, dass die South Park Jungs – die einen Draht zu Jesus haben – ihm einen Kontakt zum Propheten Mohammed besorgen. Denn Mohammed hat eine geheime Kraft, von der alle Promis träumen: Er kann nicht mehr beleidigt werden. Niemand kann ihn auch nur abbilden ohne Gefahr an Leib und Leben. Ein Promi-Traum!

Wie wäre es, wenn wir diese fantastische Fähigkeit für uns gewinnen würden, lockt Cruise seine Mit-Celebrities. Man übt gemeisam druck auf die South Park Jungs aus, die kontaktieren Jesus, Buddha, Konfuzius, Moses und die anderen Religionsstifter, und die wiederum überreden Mohammed in langen Verhandlungen zu erscheinen. Da er aber nicht in menschlicher Gestalt sichtbar werden darf, endet der Prophet also in einem Bärenkostüm. Alles scheint gut zu laufen, da erschüttert eine Explosion South Park – ein Terrorakt? Ja, aber welche Extremisten stecken dahinter?

Es sei nur soviel verraten: Islamisten sind es nicht…

Es geht in dieser Episode offensichtlich nicht um Mohammed, sondern um Tabu, Angst und Einschüchterung, wie sie sich seit 2001 und besonders nach der Karikaturen-Affäre breit gemacht haben. Es geht um genau die feige Einstellung, die sich jetzt wieder zeigt. Sie hat, muss man leider sagen, in diesem Fall recht wenig mit den Muslimen zu tun. Sie ist eine Folge allzu bereitwilliger Projektionen, für die die konvertierten Irren von New York nur den Anlaß liefern mußten.

Die South Park-Macher wollten sich von dem feigen Meinungsklima seit der Karikaturenaffäre nicht beeindrucken lassen. Ihre 200. Folge ist ein Zeichen dafür, dass sie sich weder von weltlichen Mächtigen und Wichtigen noch von denen, die im Namen des Heiligen andere einschüchtern, etwas bieten lassen.

Und der feige Sender hat einfach nicht den Mumm, das so stehen zu lassen, sondern zensiert ausgerechnet dieses herrlich absurde Manifest gegen die Zensur. In der 201. Folge ist selbst die Erwähnung des Namens Mohammed mit einem Piepton überblendet worden.

Eine Schande ist das. Und eine Lächerlichkeit noch dazu angesichts der albernen Vögel, die sich angemaßt haben im Namen des Islam zu sprechen.

p.s. Eben erst fällt mir folgender Clip von Jon Stewart auf – aus der gestrigen Daily Show (auch Comedy Central!). Da wird einfach alles gesagt zum Thema. Und gesungen! Jon Stewart ist Gott:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
South Park Death Threats
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party
Leser-Kommentare
  1. 9.

    @ Unbekannter :
    Die Frage ist, wer in diesem Fall wen zu unterdrücken versucht.

    Es ist einfach lächerlich, und langsam sollten es alle begriffen haben: Jedes mal, wenn ein solches Tamtam um irgendwelche Abbildungen veranstaltet wird, schießt eine Vielzahl an Karikaturen aus dem Boden.

    Dabei geht es nur um einen Umstand: Das Gebot an Moslems(!), keine Bilder von Mohammed zum Zwecke zu machen, ihn anzubeten. Würde *irgendein* Moslem einen solchen Zeichentrickbärchen anbeten? Bei dem Verhalten solcher durchgeknallten Islamisten kommt mir der Gedanke nahe, dass Mohammed für sie noch wichtiger ist, als Gott selbst.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:21 Uhr
    • NDM
  2. 10.

    @Samuel: Ich dachte zuerst auch, dass diesePieptöne als Witz gedacht sind. Waren sie abr nicht:

    http://www.southparkstudios.com/news/3878 (leider aus dem deutschsprachigen Raum nicht erreichbar)
    Posted on: 04.22.10
    A Statement from Matt and Trey
    In the 14 years we’ve been doing South Park we have never done a show that we couldn’t stand behind. We delivered our version of the show to Comedy Central and they made a determination to alter the episode. It wasn’t some meta-joke on our part. Comedy Central added the bleeps. In fact, Kyle’s customary final speech was about intimidation and fear. It didn’t mention Muhammad at all but it got bleeped too. We’ll be back next week with a whole new show about something completely different and we’ll see what happens to it.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:21 Uhr
    • Michael
  3. 11.

    wieso müssen den Muslime immer so angepisst auf SATIRE reagieren?? Wer South Park ernst nimmt, lässt schließlich sehr tief blicken.

    Vielleicht sollte sich mein Vorkommentator nur Beispielhaft “Das Leben des Bryan” von Monty Python anschauen, vielleicht versteht er dann, dass Satire einfach dazu gehört.
    Nur wer dagegen wettert a la

    “…es wird ein nachspiel geben.. diese macher werden ihre strafe gerecht bekommen.. vllt sogar mit dem tode…”

    stellt seine Kleinkariertheit eindrucksvoll klar und hilft mit seine Religion als eine Religion der Intoleranz darzustellen.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:22 Uhr
    • Denker
  4. 12.

    @Besorgter Leser:

    Der Provokateur kam mir auch in den Sinn. Extrem klischeebehaftet.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:23 Uhr
    • NDM
  5. 13.

    Kleiner Nachtrag: Hab gerade bemerkt, dass meine Rechtschreibung im vorherigen Beitrag auch nicht gerade glänzt :) . Hätte es nochmals durchlesen sollen…

    Das ändert jedoch nichts daran, dass die offensichtliche Provokation vom “Unbekannten” anscheinend hier auf fruchtbaren Boden gefallen ist… Also ein Aufruf an alle, die nach mir schreiben: ignoriert diesen falschen Provokateur und schreibt/bleibt sachlich!

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:23 Uhr
    • Besorgter Leser
  6. 14.

    @ Michael

    Also, wenn das so ist, dann sind die Verantwortlichen von Comedy Central wirklich dämlich. Schade, dass Amis eben solche Feiglinge sind wie Europäer.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:24 Uhr
    • Samuel
  7. 15.

    @ Samuel: Die Macher hatten Pieptöne drin (als Satire), und dann wurden ihnen noch weitere vom Sender aufgezwungen! Ätzend.

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:28 Uhr
    • Jörg Lau
  8. 16.

    @JL

    >es ist nicht nachvollziehbar über mohammad solche späße zu machen,vllt sehen es andere als ein scherz doch wir muslime nicht..
    was wäre wenn,wenn muslime eure politik euru kultur ins dreck ziehen würden??
    oder eure flagge verbrennen würden?
    würde nicht so toll sein daher lässt eure unnötigen kommentare von wegen nur spass !
    ich sage nur eins.. es wird ein nachspiel geben.. diese macher werden ihre strafe gerecht bekommen.. vllt sogar mit dem tode..
    würdet ihr euch an die gesetze denken z.b menschen nicht unterdrücken.. oder nicht rassismuss werden.. ihr seit rassiesten und seit gegen uns..
    !!!!!

    Ist das auch ein Kovertit, Herr Lau ?

    Antworten

    • 23. April 2010 um 13:32 Uhr
    • PBUH
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)