Ein Blog über Religion und Politik

MTV Deutschland zensiert South Park – auch ohne Drohung!

Von 26. April 2010 um 15:26 Uhr

Mein Kollege Thierry Chervel vom Perlentaucher hat bei MTV Deutschland angerufen und nachgefragt, wie es eigentlich zu der Entscheidung gekommen ist, die umstrittenen Folgen 200 und 201 von allen Plattformen zu entfernen und auch nicht im Fernsehen auszustrahlen: Auskunft der Unternehmenssprecherin Daniela Schorn: “auf eigene Initiative”. Es gab also keine Anweisung aus den USA vom Mutterschiff. (Soeben erreicht mich ein Anruf von Frau Schorn: Es habe doch “eine konzernweite internationale Absprache gegeben.”

Thierry Chervel kommentiert im Perlentaucher: “Der deutsche Ableger des Viacom-Konzerns geht also noch einen Schritt weiter als die amerikanische Zentrale und verzichtet völlig auf eine Präsentation der beiden South Park-Episoden – sowohl im Fernsehen als auch im Internet.”

Eine konkrete Drohung gegen MTV Deutschland hat nicht vorgelegen. Womit sich meine These von gestern bestätigt, dass radikale Islamisten und Terroristen zwar schlimm sein können, wir es zu Not aber auch ganz ohne sie hinkriegen, uns in eine Hysteriespirale hineinzuhypen.

Daniela  Schorn erlärte dem Perlentaucher: ‘Bei uns selbst findet der Konflikt ja nicht wirklich statt. Wir selbst hier in Berlin haben keine Drohung erhalten, die Drohungen richten sich ja in erster Linie gegen Matt Stone und Trey Parker, die Macher.’”

Na dann: Gratulation an Revolution Muslim zu diesem (geschenkten) Sieg im Medien-Dschihad.

Ich fürchte, andere werden ihre Schlußfolgerungen daraus ziehen.

(Anmerkung des Autors: Dieser Post wurde um 16.15 aktualisiert und weicht in der Frage der konzernweiten Absprache von der ersten Version ab.)


Leser-Kommentare
  1. 1.

    In Deutschland wird Feigheit mit Toleranz verwechselt.

    • 26. April 2010 um 15:44 Uhr
    • karin bryant
  2. 2.

    Womit sich meine These von gestern bestätigt, dass radikale Islamisten und Terroristen zwar schlimm sein können, wir es zu Not aber auch ganz ohne sie hinkriegen, uns in eine Hysteriespirale hineinzuhypen.

    Der ganze Vorgang um dieses präventive Einknicken ist zwar bizarr und höchst ärgerlich, aber schon beim letzten Mal fragte ich mich – wen Sie mit diesem “wir” eigentlich so alles meinen, Herr Lau?

    Ich will nicht entschuldigen, dass Comedy Central (respektive MTV Deutschland) sich in den Dienst der Selbstzensur stellt, zumal angeregt durch solche Irren aus New York – mitunter sogar ohne konkrete Drohung; aber überraschend sind derartige Reaktionen nun wahrlich nicht:

    “Es handelte sich um eine bewusste und geplante Provokation eines rechtsgerichteten dänischen Blattes. […] Sie haben aber weitergemacht, weil sie rechtsradikal und fremdenfeindlich sind.”

    Günter Grass 2006

    __________________________________________________________________

    Es handelt sich um eine bewusste und geplante Provokation eines obszönen amerikanischen Fernsehsenders. [...] Sie haben aber weitergemacht, weil sie mir der Provokation Geld verdienen und weil sie fremdenfeindlich sind.

    Ist das das “wir”, das Sie meinen und das die tatsächliche Verantwortlichkeit für diese Vorgänge m.E. mehr verbirgt, als entlarvt?

    “Ich fürchte, andere werden ihre Schlußfolgerungen daraus ziehen.”

    Das haben Sie doch längst. Schließlich ist all das lediglich legitime Selbstverteidigung:

    Nancy Graham Holm: Prejudiced Danes provoke fanaticism

    “Publishing Kurt Westergaard’s cartoon was an aggressive act born of Denmark’s reluctance to respect religious belief

    On New Year’s Day, Kurt Westergaard and his granddaughter came close to losing their lives when an axe-wielding fanatic forced his way into their house. It was the latest in a string of attempted attacks that can be traced directly to the offence caused by Westergaard’s cartoon for Danish newspaper Jyllands-Posten in 2005.

    His cartoon depicted the prophet Muhammad in a turban with a stick of dynamite protruding from the top. Muslims failed to see Westergaard’s cartoon as satire. Instead, they saw in it a defamatory and humiliating message: Muslims are terrorists. Humiliation is a devastating feeling. But most people who are insulted will accept an apology. If an apology had been forthcoming from the then prime minister, Anders Fogh Rasmussen, that probably would have been the end to it – but none came, and the humiliation was compounded.

    Three months later several imams packed their briefcases and laptops and booked flights to the Middle East. They carried with them a 43-page document, created by a group of Danish Muslim clerics from multiple organisations. This so-called Akkari-Laban dossier was designed to present their case and solicit support for their outrage. Denmark became an “enemy of Islam” and this resulted in the nation’s worst foreign policy crisis since the second world war.

    Why did the editors of Jyllands-Posten want to mock Islam in this way? Some of us believed it was in bad taste and also cruel. Intentional humiliation is an aggressive act. As a journalist now living in the same town as Westergaard, I thought some at Jyllands-Posten had acted like petulant adolescents. Danes fail to perceive the fact that they have developed a society deeply suspicious of religion. This is the real issue between Denmark and Muslim extremists, not freedom of speech. The free society precept is merely an attempt to give the perpetrators the moral high ground when actually it is a smokescreen for a deeply rooted prejudice, not against Muslims, but against religion per se. Muslims are in love with their faith. And many Danes are suspicious of anyone who loves religion.

    On the last day of the American Society for Muslim Advancement’s conference in 2006, Flemming Rose, Jyllands-Posten’s cultural editor, who commissioned the Muhammad cartoons, agreed to meet the delegates and took more than an hour of questions. I witnessed this exchange and admired his honesty.

    “Are you not at all religious?” someone asked him. “No. Most Danes are not religious,” he responded. “Well then … can’t you at least respect religious people?” “No, not really,” Rose answered candidly. “Generally speaking, I think Danes are a little suspicious of religious people.”

    Danes are no more racist than any other western nation but many of them, especially intellectuals, have serious issues with religious believers. Westergaard has been visiting America and giving talks about his role in the 2005 Muhammad cartoon crisis. In New York on 30 September he told the audience that Muslims need to develop a sense of humour and an appreciation of satire. They need to understand that they are not “free of being mocked or being offended”.

    Watching the nightly news in February 2006 was a shocking affair for most Danes. They watched their flag burning in the streets of Damascus, Beirut and Tehran. They cringed as demonstrators screamed violent slogans and rioters attacked their embassies. Police fired on the crowds, resulting in more than 100 deaths.

    Now the Danes won’t back down and the few but fatally insane radical extremists will continue the fight. The first major reaction came in January 2008 when Danish police arrested a cell of extremists that were accused of planning Westergaard’s assassination. There are 87 men in Denmark with the name Kurt Westergaard and all of them now have police protection. Four months later, suicide bombers attacked the Danish embassy in Islamabad, injuring 30 and killing six. Al-Qaida took credit for the attack, claiming it was retaliation for the cartoons and the 700 Danish troops in Afghanistan. In October 2008, two men were convicted in Danish courts of preparing a terrorist attack.

    This time, Westergaard’s attacker was caught – but someone else is out there waiting for an opportunity to strike again.”

  3. 4.

    “Kein Risiko eingehen will nun auch MTV, das hinter dem Programm von ‘Comedy Central’ steht. ‘MTV Networks hat sich entschlossen, die South-Park-Episoden 200 und 201 nicht auszustrahlen’, hieß es auf Anfrage dieser Zeitung, ‘wir haben diese Entscheidung mit großem Widerstreben getroffen. Wir glauben fest an kreative Ausdrucksfreiheit: Wir alle profitieren davon, wenn es einzigartigen und tiefgründigen Kreativen wie den Machern von South Park erlaubt ist, sich frei auszudrücken. Allerdings steht die Sicherheit unserer Angestellten für uns stets an erster Stelle, und so haben wir uns zu diesen Vorsichtsmaßnahmen entschlossen.’”

    http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~E4908B77F1F5B4232B0DF6C3A22AF2AA5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Dann habe ich mich vorgestern also doch nicht geirrt:

    Das ist nicht nur eine recht gründliche und zumal vorauseilende Art der Erpressbarkeit, die von MTV reklamierte Risikoaversität ist auch noch verschwiemelt: Wenn sich andernfalls in Deutschland denn irgendein islamischer Extremist wirklich von Revolutionmuslim.com inspirieren lassen sollte, dann würde es mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht irgendeinen Mitarbeiter treffen, sondern jemanden aus der Geschäftsführung. Indem diese edelmütig Sicherheit für ihre Angestellten vorschützt, kann sie nun ohne einen allerletzten Rest an Unsicherheit im Hinterkopf ihre Latte schlürfen.

    Wohlgemerkt: Die einschlägigen Todesdrohungen galten und gelten den Urhebern der Karikaturen, ein Mordversuch galt Kurt Westergaard, ein Verleger von Salman Rushdie wurde ermordet – nicht jedoch seine Sekretärin.

    • 26. April 2010 um 16:13 Uhr
    • N. Neumann
  4. 5.

    @ JL

    Schon der 4. Beitrag zu dieser Petitesse! Gibt’s derzeit keine wichtigeren Themen?

    (Ich habe niemals “South Park” geguckt noch kenne ich jemanden, der das regelmäßig tut. Vielleicht bin ich zu alt???)

  5. 6.

    Hier das passende Outfit:

    http://www.google.ch/search?q=windeln+für+erwachsene

    Wobei ich jeden Unternehmer verstehe, der da vorsichtig reagiert. Anders ist’s mit der Politik (“Verantwortungsvoller Umgang mit der Meinungsfreiheit”, ein anderes Wort für Selbstzensur.)

  6. 7.

    @N. Neumann

    “Wohlgemerkt: Die einschlägigen Todesdrohungen galten und gelten den Urhebern der Karikaturen, ein Mordversuch galt Kurt Westergaard, ein Verleger von Salman Rushdie wurde ermordet – nicht jedoch seine Sekretärin.”

    Das ist doch das Interessante. Schauen Sie sich einmal das Zitat von Grass an: wem er dabei die Schuld zu geben versucht. Er will nicht sagen, Westergaard und die anderen Zeichner waren’s. Er behilft sich stattdessen mit der geradezu gesichtslosen Konstruktion, ein “dänisches Blatt” sei schuld. Freilich kommt er nicht umhin, später dann wieder auf “Personen” abzustellen (“sie”).

    Die große Angst, die Comedy Central, MTV und andere zu haben scheinen, ja wohl gar haben müssen, rührt weniger daher, dass sie ernstlich um das Leben ihrer Mitarbeiter fürchteten, falls sie nicht präventiv einknickten. Sie haben vor allem Angst vor dem Image-Schaden, davor, dass man am Ende dem “Unternehmen” anlasten wird, es habe die Gewalt anderer verschuldet (mindestens durch Unterlassen). Diese Gewalt muss sich im Übrigen nicht notwendigerweise in Mordattentaten entladen; es genügt jede Ausschreitung.

    Genau aus diesem Grund habe ich auch Holms Artikel zitiert: Sie schafft es, unmittelbar nicht Westergaard die Schuld zu geben, sondern die dänische Gesellschaft zu belasten. Die “Dänen” hätten, so Holm, ein Problem mit “Religionen” (was Grass wohl gleichfalls unter “Fremdenfeindlichkeit” verbuchen würde); darum hätten sie den Islam beleidigt, jedenfalls zugelassen, dass er beleidigt wird und ihn somit selbst beleidigt.

    Ein Kampf werde sonach nicht um die freie Meinungsäußerung ausgetragen; das sei lediglich ein moralisch überhöhtes Scheingefecht, aus propagandistischen Gründen angestoßen von den eigentlichen Tätern, um zu verhehlen, dass die wirkliche Aggressivität zunächst von denjenigen ausging, die den Tabubruch ermöglichten, und die Radikalität anderer sich sodann lediglich als – mehr oder minder legitime – Reaktion darauf darstellt.

    Auf diese Weise lastet die Verantwortung schließlich nicht auf den Fundamentalisten, die drohen und Gewalt üben, sondern sie trifft in erster Linie die entsprechenden Kollektive (die “Zeitung”, die “Dänen”).

    Genau deshalb störe ich mich auch an dem im Artikel gebrauchten “wir”.

  7. 8.

    @HJS

    Vielleicht bin ich zu alt???

    Nö. Nur ein weiteres Indiz für Ihre komplette Humorlosigkeit.:)

    • 26. April 2010 um 16:36 Uhr
    • riccardo
  8. Kommentar zum Thema

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