Ein Blog über Religion und Politik

Haben Juden in Europa eine Zukunft?

Von 20. Januar 2011 um 15:51 Uhr

Ich war in den letzten zwei Wochen in Malmö, Amsterdam, Budapest und wieder in Amsterdam, um mir ein Bild von den Schwierigkeiten der jüdischen Gemeinden mit einem neuen (?) Antisemitismus zu machen. Ich habe mit Rabbinern, Gemeindevorständen, gewöhnlichen Juden (fromm, säkular, orthodox, liberal) und auch mit aktiven Gemeindemitgliedern gesprochen.

Und das vorläufige Ergebnis ist: nicht gut. Der Sohn des bekanntesten Amsterdamer Rabbiners sagt mir, dass er in einem Jahr emigriert, wenn sein Studium fertig ist. In Budapest traf ich zwei betont weltgewandte, moderne ungarische Juden, die sich erst gegen den Holocaust- und Opferdiskurs der etablierten Gemeinde verwahren. Und dann, nach ihrer Zukunft befragt, sagen sie: Wahrscheinlich nicht in Budapest, obwohl sie diese Stadt “wie verrückt lieben”. Sie müssen sich permanent für ihr Judentum rechtfertigen, und für Israel. Der Sohn des Rabbiners sagt, er selber komme schon damit klar, man trägt halt Baseballkappe statt Kippa in bestimmten Vierteln. Aber seinen Kindern will er das nicht zumuten.

In Malmö ist die Lage so, dass vor allem junge Paare mit Kindern wegziehen. Erkennbare Juden werden beschimpft und bespuckt. Der sozialdemokratische Bürgermeister hat der Gemeinde zynischer Weise geraten, sie solle sich vom Gaza-Krieg Isarels distanzieren, dann werde die Lage schon besser werden. Schwedische Juden werden also als Agenten und Repräsentanten einer fremden Regierung behandelt – von einem schwedischen Bürgermeister (eine Art geistige Ausbürgerung).

Ein Großteil des neuen Antisemitismus kommt von muslimisch geprägten Einwanderern und ihren Kindern. In Amsterdam sind es vor allem marokkanischstämmige Jungs, in Malmö Somalier. Aber das ist nur eine Facette. Die islamisch/islamistische Judenfeindschaft tritt neben den linken Antiisraeldiskurs (mit dem sie sich teils vermischt). In Ungarn hingegen lebt der “klassische” faschistische Antisemitismus wieder auf. Dort sind Rechtsradikale die Hauptquelle, wie auch im deutschen Osten.

Die Regierungen tun nichts oder zu wenig. Gestern war ich in Amsterdam bei Frits Bolkestein, dem ehemaligen EU-Komissar und zuvor Vorsitzenden der liberalen VVD. Er hat mit seiner Äußerung, Juden hätten in den Niederlanden keine Zukunft, wenn sie als solche erkennbar leben wollten, die jüngste Debatte ausgelöst. Bolkestein ist hoch beunruhigt und beschämt über diese Entwicklung in seinem Land. Er hat den Krieg in Amsterdam erlebt und weist daraufhin, dass die Holländer schon unter den Nazis gut im “wegkijken” (wegschauen) waren. Er sieht heute (ohne die Situation gleichsetzen zu wollen) eine ähnliche Haltung am Werk, wenn im Stadion gegen die Spieler von Ajax Amsterdam gilt als “jüdischer” Verein) gehetzt wird mit Sprüchen wie “Hamas, Hamas, die Juden ins Gas”.

Die Frage ist, ob sich nicht gerade ganz Europa im “wegkijken” übt. Über die möglichen Folgen davon schreibe ich für die nächste Nummer einen ausführlichen Bericht.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es gibt zwei Pole, zwischen denen sich vieles abspielt. Ein Wiedererwachen des Interesses am Judentum und die positive Hinwendung zum jüdischen Erbe und eine, freundlich ausgedrückt, schwierige politische Lage der Jüdinnen und Juden in Europa – wie oben beschrieben.
    Die Zukunft beider Pole wird sich in den nächsten paar Jahren entscheiden. Leicht wird es nicht.

    Für ersteres siehe, unter anderem, auch hier http://www.thejewishweek.com/editorial_opinion/gary_rosenblatt/jewish_renaissance_europe_presents_surprising_challenge

    • 20. Januar 2011 um 16:27 Uhr
    • Chajm
  2. 2.

    Es ist ein Skandal und der Name heißt
    Sozialdemokratie
    MALMÖS sozialdemokratischer Bürgermeister
    Das Nichtstun des Kölner SPD-OB gegen die Dauerdemonstration eines Antisemiten vor dem Dom
    Zapatero, der sozialdemokratische Judenhasser aus Madrid
    Der SPD-Spiegel, der wieder mal eine antiisraelische Titelgeschichte hat

    Assange hängt da auch drin!

    • 20. Januar 2011 um 17:46 Uhr
    • Hans
  3. 3.

    Ein Journalist leistet Abbitte?

    • 20. Januar 2011 um 17:50 Uhr
    • marriex
  4. 4.

    Hans-Zitat
    “Es ist ein Skandal und der Name heißt – Sozialdemokratie (SPD)

    MALMÖS sozialdemokratischer Bürgermeister
    Das Nichtstun des Kölner SPD-OB gegen die Dauerdemonstration eines Antisemiten vor dem Dom

    Zapatero, der sozialdemokratische Judenhasser aus Madrid
    Der SPD-Spiegel, der wieder mal eine antiisraelische Titelgeschichte hat Assange hängt da auch drin!”

    Besser hätte man es nicht formulieren können!

    Es ist wirklich so, das in Köln auf der Domplatte zurzeit eine wahre Hermann-Schlacht stattfindet. Dort nämlich darf, durch die Meinungsfreiheit gedeckt, Antisemitismus – der Schärfsten Sorte betrieben werden. Ein Rentner und Vollpfosten hat dort seine private “Klagemauer” errichtet. Und der Oberbürgermeister Jürgen Roters unterschreibt eine Resolution dagegen, als handelte es sich um eine Glückwunschkarte an seine verdienstvollen Mitarbeiter.

    KHJ aus Köln

    • 20. Januar 2011 um 18:04 Uhr
    • KHJ aus Köln
  5. 5.

    Ohne eine drastische Kräftefeststellung im Nahen Osten und ohne einen Bruch mit der Europäischen Selbstaufgabebereitschaft und Selbstanklageversessenheit können wir wohl nicht erwarten, dass die betreffenden moslemischen Migrantenmilieus in Europa sich für ein realistisches Bild von den zivilisatorischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen zwischen Orient und Okzident öffnen. Die Einsicht, dass die betreffenden Differenzen bei Wohlstand und Menschenwürde etwas mit westlicher Freiheit und jüdischen Patenten zu tun haben, mag schmerzlich sein; ihre weitere Hinausschiebung wäre jedoch katastrophal; für Europa – und mehr noch für den Orient.

    • 20. Januar 2011 um 18:04 Uhr
    • Thomas Holm
  6. 6.

    Auch in Deutschland und in der Schweiz erleben wir in einem vor 20 Jahren undenkbaren und bedrohlichem Ausmass diese Fälle der islamischen Gewalt gegen Juden, aber auch gegen Schwule, Christen und Atheisten, gegen kleine nichtmuslimische Kinder in der Schule und gegen alte Leute. Unsere Regierungen ducken sich weg und führen nicht proaktiv die nötige und erforderliche Diskussion wie dies Entwicklung – die letztendlich zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen in einigen Jahren führen wird – gestoppt werden soll. Vielmehr versteckt sich die classe politque in Deutschland vollständig und zeigt ihre stillschweigende Unterwerfung gegenüber dem Islam und deren Apologeten. Dieses Desaster der Verweigerung des breiten Diskurses mit der Bevölkerung wie dieser Entwicklung umgekehrt werden soll, ist auch in der “Euro Krise” – die ja in Wirklichkeit eine Überschuldungskrise der sozialstaatsfixierten EU Staaten ist – zu beobachten. Wenn man dieses Diskurs offen mit der Bevölkerung lösungsorientiert führen würde, würde man auch feststellen, dass diese Sozialstaatsfixiertheit das Treibmittel für diese muslimische Masseneinwanderung in die Sozialsysteme darstellt, die die in dem Bericht treffend beschriebenen sehr negativen Entwicklungen ausgeläöst haben.

    • 20. Januar 2011 um 18:04 Uhr
    • Schweizer Bürger
  7. 7.

    Kommen da noch mehr?

  8. 8.

    @ AW

    Ja, schwer auf Achse.

    • 20. Januar 2011 um 18:28 Uhr
    • marriex
  9. Kommentar zum Thema

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