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Wie der Euro Deutschland rettet

Von 5. Juli 2011 um 19:27 Uhr

Interessanter Artikel von Steven Rattner in Foreign Affairs. Rattner, ein Investmentbanker, war an der Rettungsaktion für die amerikanische Autoindustrie in der Krise beteiligt. Er schreibt über die Lektionen, die das neue deutsche Wirtschaftswunder für die USA bereithält.

Schröders Agenda kommt sehr gut weg durch die Kombination von Sozialreformen und Industriepolitik. Und danach wird die Kurzarbeiterregelung zur Nachahmung empfohlen, weil sie, anders als das hire and fire die kompetente Arbeiterschaft im Unternehmen hält und die sozialen Kosten der Arbeitslosigkeit minimiert. Deutschlands Mittelstand, der sich auf qualifizierte Produkte spezialisiert hat, statt den Wettbewerb über die Lohnkosten zu suchen und alles zu outsourcen, wird ebenfalls sehr gelobt.

Und dann kommt eine Passage, die gewisse schmutzige Wahrheiten über den Vorteil des Euros für die Deutschen ausspricht, die unsere Politiker leider nicht anzusprechen wagen:

Meanwhile, the introduction of the euro in 1999 quietly brought Germany another advantage: it fused the country to others whose competitiveness, as measured by the cost of each unit of labor, had stagnated, particularly Greece, Ireland, Italy, Portugal, and Spain, but also France. Meanwhile, since 1999, Germany’s competitiveness has increased by nearly 20 percent. Germany wins more business worldwide when it competes against other eurozone countries to sell its exports, and it even outperforms them in their home markets. About 80 percent of Germany’s trade surplus comes from its trade with the rest of the European Union.

The eurozone’s weak economic performance and the simmering sovereign debt crises in several peripheral eurozone countries have kept the value of the euro well below what the deutsche mark would be worth today if it still existed. (According to some estimates, if Germany abandoned the euro, its currency would immediately appreciate by 30 to 40 percent.) This gives Germany an enormous competitive trade advantage over countries with their own, more expensive currencies, such as the United Kingdom and the United States. The economic stimulus from the undervaluation of the euro has been so powerful that the biggest economic worry in Germany today is that the economy will overheat and trigger inflation.

Das ist die Wahrheit über die Eurokrise und die Deutschen. Der Focus auf Griechenlands Steuermoral und Rentenniveau lenkt nur ab von der Grundwahrheit, dass der Euro ein wesentlicher Faktor des deutschen Wirtschaftswunders II ist und deshalb aus schierem Eigeninteressse unbedingt gerettet werden muss.

Kategorien: Debatte, USA
Leser-Kommentare
  1. 1.

    The economic stimulus from the undervaluation of the euro has been so powerful that the biggest economic worry in Germany today is that the economy will overheat and trigger inflation.

    Wieder ein typisches JL Fundstück. Über welches Land redet der Mann?

    • 5. Juli 2011 um 19:52 Uhr
    • M. Riexinger
  2. 2.

    Über welches Land redet der Mann?
    Über ein Land, das sich über “Fachkräftemangel” beklagt, ein Land, das so wenige Arbeitslose hat wie seit den frühen Neunzigern nicht mehr, ein Land, das immer noch Exportweltmeister ist… aber wahrscheinlich sind das alles nur Statistiktricksereien und Lügenpropaganda.

    • 5. Juli 2011 um 21:29 Uhr
    • Arjen van Zuider
  3. 3.

    @ Lau

    Das ist die Wahrheit über die Eurokrise und die Deutschen. Der Focus auf Griechenlands Steuermoral und Rentenniveau lenkt nur ab von der Grundwahrheit, dass der Euro ein wesentlicher Faktor des deutschen Wirtschaftswunders II ist und deshalb aus schierem Eigeninteressse unbedingt gerettet werden muss.

    Eine bitte vorab – seien sie doch so gut und tönen nicht so herum wie ein Priester, der glaubt die Wahrheit gepachtet zu haben. Sie haben ihre Meinung und gut ist es und nicht die Wahrheit über die Deutschen….

    Die Griechen sind kein Ablenkungsmaneuver – selbst dann nicht, wenn wir die Behauptung von Rattner zugrunde legen.
    Seine Behauptung war: Die deutsche Wirtschaft hat einen Exportvorteil, weil der Euro nicht den Wert der deutschen Waren entspricht, sprich: unterbewertet ist.
    Dazu: zum einem spiegelt der Euro den gesamt-europäischen wert, und da können eine wirtschaft wie die deutschen innerhalb des europäischen Raumes schon große Vorteile geniesen.
    Auf der anderen Seite aber kamen schwächere Volkswirtschaften, wie z. b. die Griechen günstig an Geld heran aufgrund eben auch der mit von den deutschen stabilisierten wertes des Euros und der davon abhängigen Staatspapiere.
    Nun gibt es zwei möglichkeiten:
    a.) jeder kann machen was er möchte – es geht uns nichts an,was griechische Politiker ihrem Wahlvolk versprechen und mit welchen Vergünstigungen, Löhnen usw… sie ihre Wähler locken. Wir kümmern uns um uns, und solange der Euro vorteile für uns hat, behalten wir ihn, wenn nicht – weg damit. Und der Griechen ihre Probleme sind nicht unsere und fertig.
    b.) Nicht jeder kann machen was er will – wenn sehen wir Europa mehr als ein Staatenverbund wie unsere Bundesstaaten. Und da gibt es wirtschaftlich starke und welche, die es halt nicht sind und diese ‘Bundesstaaten’ unterstützen sich wie eine Solitargemeinschaft.
    D. h. aber auch: die Griechen knnen eben nicht machen was sie wollen – es muss haölbwegs einheitlich sein: griechischen löhne müssen sowohl der wirtschaftskraft der region (des Landes) entsprechen als auch vielleicht (bei Beamtengehältern) dem Europäischen Schnitt. Eisenbahnführer, die mit 2700 Euro netto, wie in einem berichteten Fall bei der griechischen Staatsbahn, nach Hause gehen und somit wesentlich mehr als deutsche Eisenbahnführer, oder Rente mit 55 usw… entsprechen einfach weder der Wirtschaftskraft noch dem europäischen Durchschnitt.
    Und hier liegt der Hund begraben – Eine Solitargemeinschaft beruht auf Gegenseitigkeit: der Stärkere soll den Schwächeren helfen, aber: der Schwächere hat sich auch dementsprechend zu verhalten bzw. seinen teil nach seinen Möglichkeiten beizutragen wie entsprechend sorgsam mit Geld umzugehen.
    So, wie die EU atm ist, sind wir aber kein solcher Bundesstaat – kein land läßt sich freiwillig irgendwie reinreden, im Gegenteil. Wir sind eine Zwischenform, bei der einer seits einige wirtschaftlich starke Gegenden wie die BRD leichter davon profitieren können und andere nicht so sehr. SAnderereseits aber es kein einheitliches Netz von politischen Vorgaben wie rente, versicherungen, beamtengehältern usw… gibt, die dafür sorgen, dass alle Bürger Europas auf ähnliche vor- und nachteile (steuern z. b.) zugreifen können (und ein ähnlichen Einfluss über Wahlen haben).

    • 5. Juli 2011 um 22:21 Uhr
    • Zagreus
  4. 4.

    “..dass der Euro … aus schierem Eigeninteressse unbedingt gerettet werden muss.”
    Dazu 2 Punkte:
    - es ist völlig unklar, ob der Euro und das aktuelle Niveau der Exporte wirklich durch sogenannte Rettungspakete dauerhaft erhalten werden können
    - selbst wenn Sie die Gewinne aus den Exporten den Kosten der Rettungspakete gegenüberstellen wollen, sollten Sie berücksichtigen, dass die ersten nicht unbedingt von denselben eingestrichen werden, die die zweiten bezahlen. Das ganze führt also auch innerhalb Deutschlands zu Gewinnern und zu Verlierern. Um wessen Eigeninteresse es dabei geht, wäre also durchaus im Detail zu untersuchen. Die Betrachtung einer abstrakten Größe wie “Deutschland” dient da eher der Vernebelung.

    • 5. Juli 2011 um 23:02 Uhr
    • AM
  5. 5.

    selbst wenn Sie die Gewinne aus den Exporten den Kosten der Rettungspakete gegenüberstellen wollen, sollten Sie berücksichtigen, dass die ersten nicht unbedingt von denselben eingestrichen werden, die die zweiten bezahlen.
    Hier einen Ausgleich herzustellen, ist aber eine nationale Angelegenheit, die Deutschland im Alleingang erledigen kann, ohne dass die Franzosen reinreden wollen. Dass über diesen Ausgleich nie gesprochen wird, sondern immer nur über das Rettungspaket, ist vielleicht auch eine Art Vernebelung…

    • 5. Juli 2011 um 23:17 Uhr
    • Arjen van Zuider
  6. 6.

    aber wahrscheinlich sind das alles nur Statistiktricksereien und Lügenpropaganda.

    @ AvZ

    Janz jenau, denn:

    Wir schreiben das Jahr 2011 a.D. Ganz Gallien ist jetzt von den Keynesianern besetzt. Nur ein kleines Dorf am Rande der von ihnen besetzten Gebiete leistet tapferen Widerstand gegen zu viel Staat, zu viel Regulierung und zu wenig Markt: OrtnerOnline.

    OrtnerOnline bietet daher ein Forum für all jene, die sich dem Motto „freie Märkte, freie Menschen“ verbunden fühlen und sich der intellektuellen Auseinandersetzung mit den „Sozialisten in allen Parteien“ (F.A.v.Hayek) mit Vergnügen stellen.”

    http://www.ortneronline.at/?page_id=4

    • 5. Juli 2011 um 23:34 Uhr
    • N. Neumann
  7. 7.

    Griechenland-Rettung

    Was man hierzu wissen sollte. Nachdem zig Deutsche Banken marode Zinsgeschäfte mit Ländern wie Island, Irland, Griechenland, Spanien, Italien gemacht haben, wurden mit der Finazkrise diese Schuldtitel an den Staat “abgegeben” und in BadBanks ausgelagert. Damit wurde die Gefahr gebannt, dass die Deutschen Banken aufgrund der Zahlungsunfähigkeit eines oder mehrerer dieser Länder ebenfalls zahlungsunfähig werden und bei einem Konkurs die sonstigen Schuldscheine weniger gefährdeter Länder auf dem Markt verscherbeln müssen. Das hätte natürlich den Wert eigentlich intakter Papiere gedrückt und die Spirale angesto0en, vor der sich jeder mit Ahnung gefürchtet hat.

    Fakt ist, dass wenn Griechenland Pleite geht, Deutschland als Gläubiger ebenfalls große Verluste zu erleiden hat, weil entweder Deutsche Staatsbanken im besitz dieser Papiere sind, oder diese Papiere als Sicherheiten für Staatskredite an Privatbanken abgegeben worden sind.

    Um es kurz zu fassen, man hat für die Profite von Aktieninhabern deutscher Banken den Steuerzahler in Beschlag genommen, der jetzt auch das ganze Risiko trägt.

    Ansonsten, wenn eine Exportnation es schaft, sich einen Absatzmarkt zu erhalten, wie eben die Hochverschuldeten EU Länder, insbesondere ohne Aufwertung der eigenen Währung, ist das natürlich gut für die deutsche Wirtschaft. das ist auch der Grund, warum sich China gegen die Aufwertung wehrt und seine Dollarresserven wachsen lässt, anstatt diese dem Markt zuzuführen.

    • 6. Juli 2011 um 00:11 Uhr
    • Erol Bulut
  8. 8.

    Wow – ein Kommentar, in dem Israel nicht vorkommt.

    • 6. Juli 2011 um 00:25 Uhr
    • N. Neumann
  9. Kommentar zum Thema

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