Ein Blog über Religion und Politik

Der verdiente Untergang der Rechtspopulisten von der “Freiheit”

Von 20. September 2011 um 10:54 Uhr

Bei all der berechtigten Aufregung über eine gewisse Partei (?), die es erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus geschafft hat, sollte man nicht vergessen, wer es nicht geschafft hat: “die Freiheit” des René Stadtkewitz.

Trotz Wilders, trotz Sarrazin-Hype, trotz 9/11- Auftritt von Stadtkewitz in New York, trotz Unterstützung durch die blonde Bestie aus Limburg und den schweizer SVP-Mann Oskar Freysinger beim “Großen Treffen der europäischen Freiheitskämpfer” kurz vor der Wahl. Oder vielleicht gerade wegen der Unterstützung des letzteren? War es vielleicht die Anti-Europa-Lyrik des Herrn Freysinger, die dem Berliner Wähler den Rest gegeben hat? Ich zitiere:

Der Euro-Stier stand hoch gereckt,
Die Vorderhufe vorgestreckt,
Begattungsfreudig, fruchtbar stampfend
Und aus den roten Nüstern dampfend,
Im Geifermaul noch ein paar Kräuter,
Im Geiste schon den Griff ans Euter,
So stand das geile Euro-Tier
Und unter seinen Hufen … wir! (…)

Wie dem auch sei: Nicht einmal in Stadtkewitz’ heimischen Revier Pankow hat er sich merklich über ein Prozent hinaus bewegen können. Damit kann man das Thema Rechtspopulismus in Deutschland (als parteipolitische Kraft) erst einmal begraben. Keine “incertitudes allemandes” auf dieser Seite.

Deutschland hat eine offene Debatte mitten durch die Parteienwelt hindurch, wo andere Länder rechtspopulistische Parteien haben, die stellvertretend die Themen Einwanderung, Migration, Islam hochziehen. Und das ist besser so. In diesem Sinn: Dank an Herrn Buschkowsky.

Man kann nach diesem Wahlergebnis ein bisschen gelassener mit Phänomenen wie PI umgehen: deren Mobilisierungskraft ist und bleibt marginal. Sie haben vor allem die Funktion von Wutsammelbecken für den anonymen Mob. Man muss das wahrscheinlich beobachten als potenzielles Radikalisierungsmilieu – genau wie die islamistischen Websites. Aber politisch ist nichts zu befürchten.

Ich habe Herrn Stadtkewitz übrigens vor einigen Monaten getroffen. Damals dachten wir in der Redaktion, man sollte mal über die Chancen des deutschen Rechtspopulismus recherchieren (nachdem es hieß, eine “Sarrazin-Partei” – was auch immer das wäre – könnte 18 Prozent holen). Wir haben den Artikel nie geschrieben, was auch an der Performance von René Stadtkewitz lag. Der Mann lohnte die Aufregung nicht. Allerdings ist er eine verachtenswerte Figur.

Eins ist mir aus dem Gespräch lebhaft in Erinnerung geblieben: Er hatte vor Jahren gegen die geplante Ahmadiyya-Moschee in Pankow agitiert und suggeriert, es handele sich um eine gefährliche Gruppe.

Ich fragte ihn also, ob er nicht wisse, dass die Ahmadiyyas in Pakistan schwerstens verfolgt werden von den wirklich gefährlichen radikalen Islamisten?

Ob er wisse, dass die erste Berliner Moschee von 1924 eine Ahmadiyya-Moschee war?

Ob er nicht wisse, dass die Ahmadiyya-Muslime unpolitisch seien, den Begriff Dschihad seit dem Auftreten ihres Propheten Mirza Ghulam Ahmad ablehnen, in dem übrigens manche Anhänger eine Wiederkehr Jesu manifestiert sehen?

Keine Antwort vom Freiheitskämpfer darauf. Nur glasige Blicke und der Kommentar: Es sei ja hier um einen Stellvertreterkampf gegen die freiheitsfeindliche Ideologie des Islam gegangen. Und da, so die Suggestion, ist dann eh alles erlaubt, und es kommt eben nicht so auf die Feinheiten an.

In Erinnerung an dieses Gespräch freut mich der Untergang der “Freiheit” ungemein.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Lieber Herr Lau,

    es freut mich überaus, dass Sie den deutschen “Rechtspopulismus” und DIE FREIHEIT als gescheitert betrachten. Dann können Sie sich ja nun den Geifer aus dem Mundwinkel wischen und unser Dahinscheiden aus dem Fernsehsessel betrachten.
    Dass Sie DIE FREIHEIT und ihre Positionen nicht mögen, steht Ihnen zu. Dass Sie deshalb ein Bestreben haben, Rene Stadtkewitz als lächerliche Figur darzustellen, ja, auch das ist Ihr gutes Recht.
    Dass aber ein Treffen mit Stadtkewitz so garkein Material hergegeben hat, ihn zu diskreditieren und dass deshalb Ihr Artikel dazu leider ausfallen musste, lässt eher auf eine außerordentlich gute “Performance” von H. Stadtkewitz schließen.
    Berlin hat mit der Wahl bekommen, was es wohl verdient. Die Arbeit der FREIHEIT wird allerdings weitergehen, also machen Sie es Sich nicht zu bequem im Fernsehsessel und halten Sie die Griffel gespitzt.
    Herzlichst
    Picknicker

    • 20. September 2011 um 11:12 Uhr
    • Picknicker
  2. 2.

    Herr Lau, wenn sie schon ein so umfrangreiches Wissen, über die achso harmlosen Ahmadiyyas haben, kennen Sie auch sicherlich die Recherchen von Frau Dr. Hiltrud Schröter (Auszüge):

    “Die Ahmadiyya ist eine 1889 in Qadian im indischen Punjab von Mirza Ghulam Ahmad gegrundete millenarische Bewegung. Ihr Gründer beansprucht Messias, Mahdi, Prophet, die geistige Wiedergeburt Jesu, Mohammeds, Vishnus, Krishnas, Buddhas und der Reformer am Anfang der 1ooojährigen Endzeit zu sein, den wahren Islam zu vertreten und ihn durch seine Bewegung in 300 Jahren zum Sieg über alle anderen Religionen zu führen. Für die ihm nachfolgenden Führer richtete er das Kalifat ein und eine Oberhaupt-Dynastie. [...]
    Mitglied wird man durch Geburt oder Bai’at. Die Bai’at ist ein archaischer Akt der Anerkennung eines Führers und des Gelöbnisses lebenslangen Gehorsams. Die Ahmadiyya selbst erklärt die Bedeutung des Wortes Bai´at auf folgende Weise: ,,Ein Gelübde der Treue und des Gehorsams eines Jüngers an seinen geistlichen Lehrer. Wörtlich: Akt der Selbstverpfändung.“ Wer in die Ahmadiyya eintritt, gelobt mündlich und schriftlich lebenslangen Gehorsam gegenüber dem Gründer der Bewegung, dem Kalifen und dem Kalifat. [...] Sie behauptet den einzig wahren Islam zu vertreten. Aus diesen Gründen kann man sie als Abspaltung vom Islam und als häretische Sekte bezeichnen.

    Die Ahmadiyya verbreitet mit einem Teil ihrer Schriften anti-christliche, anti-westliche und getarnt anti-jüdische und antiamerikanische Propaganda und trägt auf diese Weise zur Erzeugung und Verbreitung von Hass bei. Ihr Werbespruch, „Liebe für alle, Hass für keinen“, steht dazu im Widerspruch.

    Ihr politisches Ziel ist die Einrichtung einer islamischen Ordnung auf der ganzen Welt, auch in Deutschland. Das bedeutet: Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und Einrichtung des Führertums gemäß dem Koran. Sie setzt eine Doppelstrategie ein aus Anpassung und Integration einerseits und Machterweiterung der Führung andererseits. Wie andere islamistische Gruppierungen verbindet sie uralte mythische eschatologische Ideen mit islamischen Dschihad-Vorstellungen, allerdings mit einer klaren Absage an die Anwendung physischer Gewalt.
    Strukturell ist sie eine totalitäre Brain-washing-Sekte, die mit modernen Medien und Methoden des Marketings, vor allem mit dem Mittel der Suggestion, gekonnt und äußerst raffiniert planerisch denkend vorgeht. Religion wird von ihr zu einem auf dem Markt zu positionierenden Produkt und auf Kulturindustrie reduziert. Sie folgt der allgemeinen Gesetzmäßigkeit von Erneuerungssekten: Beerbt wird eine ehrwürdige Religionstradition, sie wird als verdorben dargestellt und der Reinigung für bedürftig erklärt. Dazu gehören die Fundamentalisierung (ad fontes) und die Logik der Überbietung des Monotheismus. Sie ist eine gesteigerte Form der islamischen Herrschafts- und Gehorsamsreligiosität. Wie moderne Sekten, z.B. Scientology, behauptet sie, in ihrer Lehre auf dem Stand moderner Wissenschaftlichkeit und Rationalität zu sein – das ist jedoch nicht der Fall.

    [...]
    Die Erziehung der Mädchen – gewisse Ausnahmen gibt es immer bei Töchtern der gebildeten Elite – erfolgt hier in Deutschland sozusagen zweigleisig. Im Rahmen der Ahmadiyya werden sie von klein auf zu Gehorsam und Fügsamkeit erzogen. Die naturwüchsig immer vorhandenen Individuierungstendenzen werden abgeschliffen.

    [...]
    Auch bzgl. der Frauen setzt die Ahmadiyya eine Doppelstrategie ein. In ihren Propagandäschrifien preist sie die Würde, die Gleichwertigkeit und den hohen sozialen Status der Frau im Islam. Das verführt leicht zu dem falschen Schluss, Frauen seien auch gleichberechtigt und hätten die Rechte entsprechend den deutschen Gesetzen. Die Realität sieht jedoch, wie der Fall Eveline exemplarisch zeigt, anders aus. Bekleidungsvorschrifien verhindern die Teilnahme am Sport, die Einschränkung der räumlichen und zeitlichen Bewegungsfreiheit und die Geschlechtertrennung verhindern die Ausübung vieler Berufe und die Teilnahme an Freizeitaktivitäten, das Gebot der endogamen Ehe verhindert die sexuelle Selbstbestimmung und fördert die Abgrenzung von allen Nicht-Ahmadis, die traditionale Arbeitsteilung in der Familie verhindert eine aktive Teilnahme am öffentlichen Leben. Die Gleichberechtigung in der Ehe wird den Frauen verweigert, im Konfliktfall hat der Mann das letzte Wort.
    [...]

    War es nicht auch eben jener ganz doll “moderate” Berliner Ahmadiyya-Imam, der sagte:
    “Der Verzehr von Schweinefleisch führt zu Homosexualität!”

    Herr Lau, was erwidern Sie, bis auf Ihre “glasigen Blicke”?

    • 20. September 2011 um 11:37 Uhr
    • Moderater Taliban
  3. 3.

    Herr Lau

    Eine Rechtspopulistische Partei mag vielleicht kein Platz haben in Deutschland. Rechtspopulismus ist aber schon lange in der Mitte der Gesellschaft verankert, wie meine Cousine Bilkay Öney Integrationsministerin in BDW schon mehrfach sagte. Es ist salonfähig, darum braucht man nicht explizit eine Partei

    Deshalb kann auch Sarrazin in der SPD verbleiben.

    • 20. September 2011 um 11:50 Uhr
    • Cem Gülay
  4. 4.

    Moin,

    interessant was die Ahmadiyya zu diesen Punkten offiziell antwortet:

    http://ahmadiyya.de/presse/entgegnung-buergerinitiativen/4125-moscheebauten-entgegnung-auf-buergerinitiativen.html

    scheint das hier mit der gleichen Art und Weise die Keule geschwungen wird, wie es die FREIHEIT mit dem Glauben Islam tut.

    Hier noch ein Zitat, der uns alle evtl. weiterbringt.

    “Vorschnelle Kritik, aus der nur ein Mangel an Wissen über die Tatsachen sichtbar wird, entlarvt den Kritiker als unsachlich. Kritik, nach den Maßstäben, die der Heilige Koran anlegt, verlangt zunächst bestmögliche Selbstkritik. Im Interesse des Allgemeinwohls sollte sie zudem hilfreich sein und, soweit es in der Kraft des Kritikers steht, Verbesserungsvorschläge oder gar Lösungen mit sich bringen.”

    MfG

    • 20. September 2011 um 12:09 Uhr
    • Hummel_Hummel-Mors_Mors
  5. 5.

    Hier, Herr Lau, ihre Schützlinge:
    http://www.welt.de/politik/article811416/Schweinefleisch_macht_schwul.html

    In Erinnerung an diesen Artikel freut mich die Bloßstellung Ihres Kleingeists ungemein.

    • 20. September 2011 um 12:10 Uhr
    • Moderater Taliban
  6. 6.

    Herr Lau, was mir an Ihrem Statement auffällt ist, dass Sie, obgleich Journalist, nicht sachlich (rational, analytisch, besonnen, kurz: mit dem Verstand) schreiben. Sie lassen Ihren eigenen Emotionen, die nach niedrigsten Instinkten klingen, freien Lauf. Damit fügen Sie dem Journalismus schweren Schaden zu, aber Journalisten sind in Deutschland schon lange nicht mehr unabhängig, sondern hängen am Tropf der Linksextremen Szenerie. Gleichzeitig zeugt diese Vorgehen der deutschen, linksorientierten Journalie von großer Angst, reagieren sie doch wie Pittbulls, die die Kontrolle über sich verlieren und nur noch um sich beißen. Man mag mit Herrn Stadtkweitz und seiner Partei nicht konform gehen, eine sachlich neutrale Auseinandersetzung muss möglich sein. Wer sich die Mitglieder der Partei DIE FREIHEIT anschaut, wird feststellen, dass dort keine RECHTEN versammelt sind, sondern ganz normale Bürger aus der gutbürgerlichen Mitte. Deren Ängste um unser Land und um Europa als Rassismus, Rechtsextremismus oder -populismus abzutun, drängt diese Menschen in eine Ecke in die sie nicht gehören und verhindert zudem eine längst überfällige Debatte. Abschließend möchte ich Sie nur noch daran erinnern, dass die von Linken geschwungene Nazikeule eigentlich ein Boomerang ist, denn auch die Nazis waren Sozialisten. Also bitte nciht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt!

    • 20. September 2011 um 12:12 Uhr
    • Katharina W.
  7. 7.

    [...] die blonde Bestie aus Limburg [...]

    Allerdings ist er eine verachtenswerte Figur.

    Diesen ihrer Beiträge als schlecht und menschenverachtend zu bezeichnen ist noch ein sehr euphemistischer Umgang.
    Politische Gegner zu wilden Tieren begrifflich zu machen, als verachtendswert zu titulieren – geht es ihnen noch gut?
    Dieser Artikel ist vor allem eines: widerlich und sie zeigen eine ganz schön häßliche Innenansicht über ihre Schadenfreude und ihr hier wirklich verachtenswürtiger Umgang mit anderen Menschen – pfui – ich schäme mich regelrecht für sie!

    • 20. September 2011 um 12:16 Uhr
    • Zagreus
  8. 8.

    @Taliban:
    Wie andere islamistische Gruppierungen verbindet sie uralte mythische eschatologische Ideen mit islamischen Dschihad-Vorstellungen, allerdings mit einer klaren Absage an die Anwendung physischer Gewalt.
    Strukturell ist sie eine totalitäre Brain-washing-Sekte, die mit modernen Medien und Methoden des Marketings, vor allem mit dem Mittel der Suggestion, gekonnt und äußerst raffiniert planerisch denkend vorgeht.

    Sprich, die Ahmadiyya haben mehr Gemeinsamkeiten mit Scientology und den Zeugen Jehovas (die beide legal sind und – im Falle der Zeugen – nach Gerichtsentscheiden sogar Körperschaftsstatus erhalten haben) als mit Milli Görüs oder den Salafiten. Das kann durchaus einen legitimen Grund darstellen, ihre Anwesenheit in Deutschland zu bekämpfen – im Rahmen eines allgemeinen Kampfes gegen Psychosekten. Da Herr Stadtkewitz sich meines Wissens bisher in diesem Gebiet nicht groß hervorgetan hat und nach JLs Angaben auch im Interview nicht darauf Bezug genommen hat, ist anzunehmen, dass seine Ablehnung der Ahmadiyya auf Ahnungslosigkeit zurückgeht.

    • 20. September 2011 um 12:24 Uhr
    • Arjen van Zuider
  9. Kommentar zum Thema

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