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Wie wär’s denn mal mit Topinambur?

Von 9. November 2009 um 12:37 Uhr

topinambur
Bei uns auf dem Hof haben wir vor drei Wochen die ersten Topinambur ausgegraben. Topinambur, auch Jerusalem Artischocke, Erdbirne oder Erdartischocke genannt. Auf Dänisch sagen wir Jordskokker, was man mit „Erdschokke“ übersetzen kann.
Zunächst waren die Knollen noch etwas klein, jetzt haben sie aber schon eine feine Größe. Noch müssen sie ein paar Tage warten, dann beginnt die Ernte. Um etwas zu probieren hat es schon gereicht.

Für die, die dieses alte Gemüse nicht kennen:
Topinambur ist ein etwas seltsames knorriges Gemüse, das die Wenigsten kaufen, weil sie nicht so richtig wissen, was sie damit anstellen sollen – aber Topinambur ist ein vortreffliches Wintergemüse. Es ist schmackhaft, erinnert vom Geschmack ein wenig an Artischocken und ist voller Kraft und Vitamine.

Topinambur ist problemlos anzubauen, er gedeiht in so gut wie jedem Boden. Auch die Lagerung bis zum Verzehr bedarf keiner besonderen Aufmerksamkeit, denn die Knollen können in der Erde überwintern. So bewahren sie Knackigkeit und Biss.

Die Pflanzen sind mehrjährig, was sehr praktisch ist, denn bei der Ernte ist es so gut wie unmöglich, alle Knollen zu erwischen. Die gelb blühenden Stängel werden schnell über zwei Meter hoch. Deshalb muss man sie so anpflanzen, dass sie anderen Gewächsen nicht zu viel Licht nehmen.

Nach mehreren Jahren Anbau auf demselben Feld kann man zur extensiven Bewirtschaftung übergehen und diejenigen Knollen ernten, derer man habhaft werden kann, während man den Anbau mit den im Boden verbliebenen Knollen fortsetzt.

Tipps:
Frisch geerntete Topinamburknollen erkennt man daran, dass sie saftig und knackig sind.
Die am wenigsten runzeligen Knollen auswählen – das erleichtert das Putzen.
Topinambur gründlich schrubben, aber nicht schälen.
Topinambur kann roh, gekocht, gebraten oder gebacken verzehrt werden.
Roher Topinambur schmeckt knusprig und nussig.
Aufbewahrung am besten in einem Plastikbeutel im Kühlschrank.
Sind die Topinamburknollen ein wenig schlaff, werden sie wieder saftig, wenn man sie in eine Schüssel mit kaltem Wasser legt.

Wer einen Garten hat und etwas Platz darin, sollte einige Knollen in die Erde setzen. Topinambur ist als ”Raumteiler”, Sicht- und Lärmschutz und als Schattenspender gut geeignet.

Topinambur hat eine feine Süße, die gut zur klassischen nordeuropäischen Küche passt. Auch zum Süßen von Chutneys, Currys und Eintöpfen ist Topinambur gut geeignet.

Topinambur mit Äpfeln und Nüssen
300 g Topinambur, geputzt
1 Apfel, entkernt und geschält
Saft von 1 Zitrone
100 ml Walnussöl (oder anderes Öl)
50 g Walnüsse
einige Salatblätter

Topinambur in lange, hauchdünne Streifen schneiden und in eine Schale mit Zitronensaft legen. Den Apfel grob darüber reiben. Öl hinzugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Mischung auf einer Handvoll gezupfter Salatblätter anrichten.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Schön , dass dieses alte Knollengemüse wieder auf vielen Tellern zu finden ist!
    Bei uns waren die Bauern mit der Ernte, bis der erste äfrost war. So werden die Knollen süsser. Beim Verzehr grösseren Mengen sollte man bedenken, dass manche Menschen mit Verdauungsproblemen auf Topinambur reagieren.

    • 9. November 2009 um 13:18 Uhr
    • Eline
  2. 2.

    Seltsam. Hier bei uns in Baden verwendet man Topinambur, allerdings in flüssiger Form (als «Rossler»), gerade gegen Verdauungsprobleme.

    • 9. November 2009 um 14:43 Uhr
    • bb
  3. 3.

    Das Inulin der frischen Knollen kann bei empfindlichen menschen zu starken Blähungen führen. Man kann sisch aber langsam daran gewöhnen. In Form von Schnaps oder Topinamburkapseln aus der Apotheke wirkt Inulin verdauungsanregend, aber nicht blähend.

    • 9. November 2009 um 15:29 Uhr
    • Eline
  4. 4.

    @bb Beim Rossler wird das Inulin (Dreifachzucker) vermutlich zum Alkohol vergoren.

    • 9. November 2009 um 17:09 Uhr
    • Dirk Esser
  5. 5.

    Ich habe ja jetzt erst bei der Recherche bemerkt, dass das Inulin in Topinambur-Kapseln als “gut für die Verdauung” verkauft wird. Dann liegt es dann wohl an der Dosis oder Frische, dass die Auswirkungen der Knollen eine Tischgesellschaft im wahrsten Sinn des Wortes sprengen können.

    • 10. November 2009 um 09:43 Uhr
    • Eline
  6. 6.

    ..wobei anzumerken wäre, dass man sich REIFLICH überlegen sollte, Topi z.B. daheim im Garten anzupflanzen – das Zeug vermehrt sich nämlich schlimmer als Karnickel: Der Bestand explodiert förmlich von Jahr zu Jahr … und wieder herauszukriegen ist das Zeug nur mit VIEL, VIEL Mühe, Geduld, Zeit und Nerven.

    Mir ist Topi ebenfalls am liebsten als “Rossler” in flüssiger Form; bei der Kleinbrennerei Fitzke (http://www.kleinbrennerei-fitzke.de/)
    gibt es sogar einen barrique-mäßig fassgelagerten als “Edelversion”. P R O S T !

    • 10. November 2009 um 13:00 Uhr
    • Christian
  7. 7.

    im Supermarkt hab ich die Wunderwurzel leider noch nie entdeckt… gibts wohl maximal im feinkostladen zu dementsprechenden Preisen

  8. 8.

    Nö, bei Rewe, Edeka, Kaufland, Real, Kaisers, Kaufhof-Fress-Etage usw.

  9. Kommentar zum Thema

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