Netzfilmblog

Es geht auch ohne Fernsehen

British Pathé stellt sein Archiv auf YouTube

Von 15. April 2014 um 13:41 Uhr
Arnold Schwarzenegger als Mr. Universe 1969 (© British Pathé)

Arnold Schwarzenegger als Mr. Universe 1969 (© British Pathé)

Bilder von der Titanic, die Tragödie der Hindenburg, Interviews mit Marylin Monroe und Originalaufnahmen aus den beiden Weltkriegen: Das gibt es ab heute auch auf YouTube. Gemeinsam mit dem deutschen Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft stellt das British Pathé Archiv seine gesamte Sammlung historischer Aufnahmen auf die Plattform: Insgesamt handelt es sich dabei um rund 80.000 Videos mit 3.500 Stunden Gesamtlaufzeit.

Das Pathé Archiv wurde ursprünglich als Pathé News vom französischen Filmpionier Charles Pathé gegründet und produzierte ab 1910 Wochenschauen für die Kinos, kurze Nachrichtenüberblicke aus dem Weltgeschehen. 1933 erwarb eine britische Filmgesellschaft die Rechte, später gehörte das Archiv unter anderem zu Warner und EMI. Seit 2009 ist British Pathé wieder eigenständig und vertreibt seine Archivaufnahmen über die eigene Website und an exklusive Partner wie den britischen Guardian.

Jetzt sollen diese Aufnahmen einem größeren Publikum vorgestellt werden. Mit den Videos sollen Studenten, Dozenten, Lehrer oder Journalisten die Möglichkeit haben, die geschichtsträchtigen Aufnahmen zu sichten und weiter zu verbreiten, heißt es. “Wir glauben fest daran, dass die Welt von heute und künftige Generationen in großem Maße davon profitieren können, aus der Vergangenheit zu lernen”, sagt der Mediakraft-CEO Spartacus Olsson.

Schon jetzt gibt es die Videos auf der Website von British Pathé – allerdings nur als Preview-Version mit entsprechendem Hinweis. Auf YouTube gibt es diese Hinweise nicht. “Die Zuschauer können die Videos ansehen, teilen und auch auf anderen Webseiten einbetten”, heißt es in der Pressemitteilung. Das bedeutet aber nicht, dass die Aufnahmen deshalb frei verfügbar sind, also etwa Szenen von anderen YouTubern in ihre Beiträge aufgenommen werden dürfen. Mediakraft unterstütze British Pathé beim Rights Management, sagt ein Sprecher des Netzwerks.

Eigene Produktionen geplant

Zwar haben die Aufnahmen durch ihre Exklusivität ein gewisses Alleinstellungsmerkmal auf der Plattform. Doch sowohl Mediakraft als auch British Pathé dürfte es kaum darum gehen, bloß einen Service zu bieten.

Tatsächlich planen beide Unternehmen, zusätzliche Inhalte und Formate um die Archivaufnahmen herum zu produzieren. Dazu gehört offenbar ein langjähriges Projekt, das sich mit dem 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs decken soll. Jeweils einmal pro Woche und für die kommenden vier Jahre soll in einer Sendung ein Moderator die Aufnahmen aus den Jahren 1914 bis 1918 analog zum damaligen Geschehen neu aufbereiten und in einen historischen Kontext setzen. Das berichtet jedenfalls die Website VideoInk. Auf Nachfrage von ZEIT ONLINE bestätigte Mediakraft diese Pläne. Der Starttermin wird vermutlich “nah am Datum des tatsächlichen Kriegsbeginns” liegen, was ungefähr Ende Juli sein dürfte.

Die Idee ist spannend, zeigt sie doch zwei Entwicklungen: Zum einen öffnen sich renommierte Archive wie eben British Pathé zunehmend den neuen Medien. Statt die Archivaufnahmen lediglich einem kleinen Kreis aus Universitäten und Medienhäusern anzubieten, glauben sie an den Nutzen für ein weltweites Publikum.

Zum anderen könnten die geplanten Projekte zeigen, wie sich aus vermeintlich angestaubtem Material neue Formate schaffen lassen: Bis jetzt gibt es kaum eigene YouTube-Inhalte, die auf dieser Form der Geschichtsvermittlung basieren. Möglicherweise auch, weil bis jetzt noch kein Archiv mit einem dezidierten YouTube-Netzwerk zusammengearbeitet hat.

In jedem Fall profitieren die Nutzer: Nun können sie auf der bekanntesten Videoplattform der Welt nun auch viele der bekanntesten Aufnahmen der Weltgeschichte finden. Und zur Not gibt es in den Archiven auch Videos, die den Geschmack des Internets treffen: Hunde im Hochzeitskleid zum Beispiel.

Kategorien: Dokumentation

Netzfilm der Woche: “Sevilla”

Von 13. April 2014 um 09:41 Uhr

Drei Freunde, ein alter Volvo, alle Zeit der Welt und ein zufällig ausgewähltes Ziel: Sevilla. Es geht um das große Abenteuer, das Treibenlassen, die Sehnsucht nach dem Unerwarteten und Neuen. Es ist der Stoff, aus dem sowohl Road-Trip-Träume als auch Jeans-Werbungen gemacht sind. Der niederländische Filmemacher Bram Schouw hält in Sevilla die traute Dreisamkeit seiner Protagonisten in 16-Millimeter-Filmnostalgie fest.

Tatsächlich beginnt Sevilla wie ein Werbeclip oder ein Musikvideo. Die drei Freunde – ein Pärchen und ein scheinbarer Einzelgänger – lassen kaum ein Klischee aus bei ihrer Reise gen Süden: Es wird gelacht und geflachst, im Auto geschlafen, Rotwein aus Flaschen getrunken und der Sonnenuntergang im Kornfeld bestaunt.

Doch die Stärke von Sevilla liegt in seiner Doppeldeutigkeit. Die Beziehung der drei Protagonisten untereinander scheint nur ganz am Anfang klar. Aus den Augenwinkeln seiner Protagonisten liest man sexuelle Andeutungen, die den Zuschauer rätseln lassen: Geht es um unerwiderte Begierde untereinander? Und zwischen wem? Der Frau und dem Mann? Oder zwischen den beiden Männern?

Der Bruch kommt tatsächlich – aber kaum so, wie man es nach den ersten Minuten erwarten könnte. In einer überraschenden Wendung nimmt Sevilla plötzlich einen dunkleren Weg, der dennoch wieder zum Anfang des Films zurückführt: Es geht um Freundschaft – und wie man sie am Leben erhält.

Kategorien: Netzfilm der Woche

“Game of Thrones” Zusammenfassung

Von 12. April 2014 um 12:00 Uhr

Ja, ich weiß, die vierte Staffel von Game of Thrones, der munteren Macht- und Metzelserie, ging schon vergangenes Wochenende los. Für alle, die es noch nicht gesehen haben und nach fast einem Jahr Pause vielleicht nochmal auf den aktuellen Stand kommen möchten, empfiehlt sich dieser kleine Rückblick von Le Monde. Der erzählt noch einmal, welche Parteien eigentlich um den Platz auf dem Eisernen Thron kämpfen und wo sie sich gerade in Westeros befinden. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass der folgende Clip ziemliche starke Spoiler enthält, oder?

Bonus: Eine interaktive Map von Westeros, die zeigt, wo sich die jeweiligen Hauptpersonen gemäß des aktuellen Standes gerade befinden (rechts “Episodes” auswählen und Schieber ziehen).

Kategorien: Netzfilm

Die Geschichte hinter dem Windows-XP-Desktop

Von um 11:27 Uhr

Es ist wohl eines der bekanntesten Bilder unserer Zeit, und doch kennen nur die wenigsten seinen Ursprung: In dieser Woche beendete Microsoft offiziell den Support für das Betriebssystem Windows XP und schickte damit auch Charles O’Rears Foto mit dem Titel Bliss in den Ruhestand. Bliss ist nämlich der Standard-Hintergrund des XP-Desktops. Aufgenommen hatte O’Rear das Bild 1996 in Sonoma County, Kalifornien als er auf dem Weg zu seiner damaligen Freundin war. Zum Ende einer Ära hat Microsoft den Fotografen noch einmal besucht.

Kategorien: Dokumentation

Unterwegs im Ozean: “A Tale of Two Atolls”

Von 9. April 2014 um 17:03 Uhr

Thomas P. Peschak ist Fotograf und außerdem Meeresbiologe. Vor einiger Zeit besuchte er das Atoll Bassas da India im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und dem afrikanischen Kontinent. Dort fand Peschak eines der “letzten perfekten Unterwasser Ökosysteme” des Planeten, wie er selbst sagt. Passend zu einer Fotostrecke in der aktuellen Ausgabe des National Geographic, hat Peschak den folgenden Film produziert, in dem er nicht nur spektakuläre Aufnahmen aus dem Atoll zeigt, sondern auch seine Herangehensweise als Fotograf erläutert.

(via)

Kategorien: Dokumentation

“The Origin of Memes”

Von 8. April 2014 um 10:14 Uhr

“Shut Up And Take My Money”, “This is Dog”, “Am I The Only One Here?” – das klingt nach Songtiteln mittelguter Indierockbands, aber natürlich handelt es sich dabei um mehr oder weniger bekannte Memes im Netz. Der YouTube-Kanal Top10Memes hat die Videos und Filmszenen, die diesen Memes zugrunde liegen, nun zusammengeschnitten. Und ich muss gestehen, auch wenn ich alle Memes kenne, war mir der eine oder andere Original-Kontext noch unbekannt.

(via)

Kategorien: Virals

Kurzfilm “Sintel”: Content-ID strikes again

Von 7. April 2014 um 16:50 Uhr

Am Wochenende konnte man ihn wieder riechen, den Copyright-Bullshit im Netz. Es ging dabei um den animierten Kurzfilm Sintel, ein Projekt der Blender Foundation. Blender ist eine 3D-Software, die im Vergleich zu ähnlichen Produkten gratis, da Open Source ist. Als sogenannte Open Movies fördert Blender immer wieder Filmeprojekte, die anschließend unter eine Creative-Commons-Lizenz ins Netz gestellt werden. Wir hatten ebenfalls bereits Filme des Projekts vorgestellt.

Auch Sintel unterliegt einer solchen Lizenz, und das schon seit fast vier Jahren. Umso erstaunter waren die Zuschauer, als am Wochenende plötzlich eine Meldung auf YouTube erschien, dass Sony den Film habe herunternehmen lassen – auf Basis eines Urheberrechtsanspruchs.

Was war passiert? Wie Techdirt und Cartoon Brew dokumentieren, hat Sony Teile des Film offenbar für ein Produktvideo genommen, um die 4K-Technik neuer Fernsehgeräte aufzuzeigen. Das ist legitim, denn Sintel darf auch für kommerzielle Projekte genutzt werden.

Das Problem mit Content-ID

Was dann folgt, ist einmal mehr der fragwürdigen Content-ID-Technik YouTubes geschuldet. Sony nämlich ließ ihr Video in der Content-ID-Datenbank registrieren. Die automatische Erkennung erkannte anschließend Teile von Sintel und nahm den Film präventiv aus dem Netz. Das Original wurde also als ein Urheberrechtsverstoß gemeldet.

Da auch Sony erkannte, dass dies nicht so wirklich rechtens ist, ist Sintel inzwischen wieder auf YouTube verfügbar.

Die Geschichte zeigt aber einmal mehr das Problem mit automatischer Copyright-Prävention. Immer wieder gibt es Meldungen über Fälle, in denen das System die falschen Inhalte sperren ließ. Erst im vergangen Jahre meldeten viele Gamer, dass ihre Videos geflaggt wurden, weil sie Spielszenen enthielten. Dann gab es Fälle, in denen sich Major Musiklabel offenbar an freien Liedern bedienten. Und auch die Nasa kam bereits in den Genuss, von Dritten gemeldet worden zu sein.

Ein Problem dieser Vorangehensweise: Es liegt in den Händern der Original-Uploader, anschließend zu beweisen, dass sie nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Die großen Label und Konzerne bekommen quasi zunächst immer erstmal Recht gesprochen. Und die Antworten von YouTube und Mutterkonzern Google auf die Einwände sind fast schon traditionell lethargisch. Vielleicht auch, weil die Unterhaltungsindustrie Content-ID noch stärker vorantreiben möchte. Fälschliche Verstöße wie im Fall von Sintel werden wir wohl noch häufiger sehen.

Der Film selbst ist übrigens immer noch sehr sehenswert – und mit komplett freier Software entstanden.

Kategorien: Animation

“Little Planets”: 360-Grad-Videos vom eigenen Planeten

Von um 15:11 Uhr
Ein Little Planet (© Benson Kua/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Ein “Little Planet” (© Benson Kua/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Sie zeigen die Welt in Kugelform: Little Planets heißen die Bilder, im Fachjargon nennt man die Aufnahmetechnik Kugel- oder sphärisches Panorama. Die Entstehung ist recht einfach: Mit einem Stativ wird die Kamera fixiert und anschließend für jede Einzelaufnahme etwas weitergedreht. Somit entsteht ein klassisches 360-Grad-Panorama. Das wird per Software anschließend auf einen Kugel projiziert – es entsteht ein kleiner Planet, fixiert auf den Standpunkt des Kameramanns.

Im Netz sind die Little Planets schon seit einigen Jahren sehr beliebt. Denn längst braucht es dafür kein teures Equipment mehr. Es gibt zahlreiche Apps für Android und iOS, mit denen sich die Panoramaaufnahmen gleich auf dem Smartphone verbiegen lassen. Das Projekt Streetview Stereographic nimmt gleich die – wenn auch oft veralteten – Bilder von Google Streetview. Und das Berliner Start-up Panono hat 1,2 Millionen US-Dollar über eine Crowdfunding-Kampagne eingenommen für einen Kameraball, der beim Hochwerfen automatisch 360-Grad-Panoramen aufnimmt. Ein Prototyp wurde Anfang des Jahres vorgestellt.

Little Planets als Video

(© Jonas Ginter)

(© Jonas Ginter)

Dem Bremer Fotografen Jonas Ginter aber reichen die statischen Aufnahmen nicht. Er überlegte, wie er den gleichen Effekt auch mit Videos hinbekommen könnte. Das Problem: Wie auch bei Fotos müsste er dazu jeden möglichen Blickwinkel gleichzeitig aufnehmen. Zwei Jahre lang tüftelte er an verschiedenen Konstruktionen herum, wie er in seinem Blog schreibt.

Seine Erkenntnis: Ohne mehrere Kameras, die den gesamten Sichtbereich abdecken, ist die Idee nicht ansprechend zu realisieren. Also besorgte sich Ginter sechs kleine GoPro-Kameras mit Fisheye-Objektiven. Mit Unterstützung des Bremer Hackerspace entwickelte Ginter eine Halterung aus dem 3D-Drucker; die entsprechende Vorlage fand er in der Community Thingiverse.

Das Ergebnis stellte Ginter vergangene Woche in einem Video auf die Plattform Vimeo, wo es inzwischen bereits über 600.000 Aufrufe hat. Der Effekt ist in der Tat ziemlich cool, wirkt es doch, als würde der Kameramann über seinen eigenen kleinen Planeten kreisen.

Ganz günstig ist die Apparatur allerdings nicht, immerhin kostet bereits eine einzelne GoPro schon um die 300 Euro. Aber vielleicht kann sich Ginter ja mit dem Erfolg im Netz künftig als professioneller Little-Planet-Filmer einen Namen machen.

Kategorien: Netzfilm