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Literatur des Mittelalters

 

MedientheorieÜberblick: Lesen und Schreiben – das konnten im Mittelalter vor allem die Mönche und Adeligen. Kein Wunder also, dass eine Form der Dichtung populär war, die sich auswendig lernen und vortragen ließ: Der Minnesang. In den Stücken pries der Minnesänger (meist ein Ritter oder Adeliger) eine unerreichbare (weil verheiratete) adelige Frau und beklagte seine unerfüllte Liebe. Oder er sang von erotischen Erfahrungen. Die Minnedichter sangen auf Mittelhochdeutsch und waren besonders auf den Hoffesten beliebt. Vom Minnesang abzugrenzen ist die Spruchdichtung, die zu religiös und moralisch korrektem Handeln aufforderte. Der bekannteste Minne- und Spruchdichter ist Walther von der Vogelweide.

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© Hulton Archive/Getty Images

Außerdem entstanden, meist von Frankreich ausgehend, verschiedene Arten der höfischen Romane: Antikenromane, Heldenepen und der Artusroman. Berühmte Beispiele sind Tristan und Isolde von Gottfried von Straßburg und Parzival von Wolfram von Eschenbach. Die weltliche Lyrik, also Gedichte, in denen es um das reale Leben und nicht um Sagen und Mythen ging, wurde in Latein verfasst und heißt Vagantendichtung. Die Carmina Burana ist eine Sammlung solcher Lieder und Gedichte. Einige von ihnen wurden im 20. Jahrhundert von dem Komponisten Carl Orff zu einem Chorwerk verarbeitet – dieses Stück findet sich heute noch in der Popmusik wieder.

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Ausgewählte Artikel und Materialien zum Thema:

Zur Einführung

Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe Online (LiGo.de)
LiGo ist ein Selbstlernkurs zu literaturwissenschaftlichen Grundbegriffen. Die Analyseformen für Erzähltexte (z.B. Romane) und Lyrik werden im Detail erläutert und die Kunst der Rhetorik erklärt. Was ist ein Akt, was eine Szene? Welche Erzählformen gibt es und was ist die Erzählstimme? Was ist die semantische Ebene eines Gedichts und was die narrative Struktur? Was bedeuten Alliteration, Anapher, Parallelismus und Klimax in Texten?

Das Mittelalter umfasst mehrere Jahrhunderte. Da ist es nur logisch, dass die Literatur über einen so langen Zeitraum nicht gleich geblieben ist. Hier erfahren Schüler mehr über die Literatur des Frühmittelalters, hier über die des Hochmittelalters und hier über die Literatur des Spätmittelalters.

Zur Geschichte der französischen Literatur – Mittelalter (Universität Freiburg)
Diese Publikation stellt verschiedene Arten des höfischen Romans vor: Antikenromane, Epenzyklen, Artusepik und Schicksalsromane. Die  Textarten sind in Frankreich entstanden und haben sich dann in Europa verbreitet. Der Autor erläutert die Merkmale der Textarten am Beispiel  von einzelnen Werken.

Das Mittelalter – Epoche der Finsternis (Dokumentarfilm, ntv)
Wie das Leben im Mittelalter ausgesehen haben könnte, zeigen die nachgestellten Szenen in dieser Dokumentation. Darüber hinaus erklären Forscher, was wir heute über den Alltag von damals wissen.

Mittelhochdeutsch-Trainer (Freie Universität Berlin)
Mittelhochdeutsch (MHD.) ist eine Vorform des Hochdeutschen, das wir heute sprechen. Mittelalterliche Autoren haben oft mittelhochdeutsch geschrieben. Es klingt in unseren Ohren ein wenig fremd und die Worte werden anders geschrieben als heute. Um sich mit dem Mittelhochdeutsch vertraut zu machen, können Schüler mit diesem interaktiven Trainer lernen.

Klassiker der mittelalterlichen Literatur

Große Heidelberger Liederhandschrift – Codex Manesse (Universität Heidelberg)
Da aus dem Mittelalter nicht so viele Schriftquellen überliefert sind wie aus der Neuzeit oder der Moderne, ist der Codex Manesse etwas besonderes. Er ist die umfangreichste Liederhandschrift des Mittelalters. Verschiedene Autoren haben sie über Jahre um Bilder und Liedtexte ergänzt. Die Universität Heidelberg besitzt einen originalen Abdruck, den jeder im Internet einsehen kann. Wer an vertiefender Literatur über den Codex Manesse interessiert ist, findet hier digitalisierte Aufsätze.

Hartmann von Aue (Hamburger Bildungsserver)
Wer ein Referat über Hartman von der Aue und seine Werke halten möchte oder in einer Klausur ein Werk analysieren muss, findet hier Material. Es gibt Links zu biographischen Informationen, Inhaltswiedergaben und Interpretationen von einzelnen Werken und weiterführende Literaturangaben.

„In sînes herzen luften sweben“ (DIE ZEIT Nr. 29/2004)
Gottfrieds von Straßburgs Tristan ist ein Klassiker des höfischen Romans und zugleich einer der einsamen Gipfel der mittelhochdeutschen Dichtung.

Gunther unde Gêrnôt, die recken lobelîch (DIE ZEIT 2006)
Der DDR-Schriftsteller Uwe Johnson hat schon 1956 mit Manfred Bierwisch das Nibelungenlied aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt.

Glaube und Vernunft: „Verdammt ihr dies?“ (ZEIT Geschichte Nr. 1/2010)
Häretiker, Zweifler, Revolutionär: Der streitbare Philosoph Peter Abaelard war ein großer Liebender und ein Vordenker der Aufklärung.

Oskar von Wolkenstein (BR, radioWissen)
Oswald von Wolkenstein war ein ungewöhnlicher Dichter. Ungewöhnlich, weil er festgefügte Regeln der mittelalterlichen Minnelyrik durchbrach, indem er nicht mehr über Tugenden und Werte oder die Unerreichbarkeit der Frau sang. Stattdessen besang er die Natur und schildert seine ganz persönlichen Erlebnisse. Die Sprecher des Radiobeitrags erzählen über den „ersten modernen Mensch“, sein Leben und sein Werk.

Mittelalterliche Literatur aus dem Orient

Tausendundeine Nacht – die Geschichte Abu Mohammeds, des Faulpelzes (vorleser.net)
Tausendundeine Nacht – das sind keine arabischen Kindermärchen. Es handelt sich bei den Geschichten vielmehr um eine mittelalterliche Sammlung von Komödien, Liebesgeschichten, Tragödien, Gedichten und religiösen Sagen. Scheherazade erzählt sie König Schahriyâr, um ihn von seiner Wut und dem Schmerz über eine enttäuschte Liebe abzulenken. Eine Geschichte, die von Abu Mohammed dem Faulpelz, können Schüler anhören.

Immer neue Nächte (DIE ZEIT, 24/2010)
Dieser Artikel erklärt, warum es so viele verschiedene Varianten der Märchen aus Tausendundeiner Nacht gibt. 

Mittelalterliche Werke in Audio und Video

Leseproben mittelalterlicher Texte (Universität Tübingen)
Wie klingt Mittelhochdeutsch? Dozenten der Universität Tübingen lesen Texte aus dem Mittelalter: Das Petruslied und das Nibelungenlied, Texte von Walther von der Volgeweide und Wolfram von Eschenbach und weitere Gedichte und Erzählungen . Die geschriebenen Texte können die Hörer parallel lesen.

Mittelalterliche Dichtung – gesungen (Die ZEIT Nr. 49/1986)
Wie singt man die Minnelieder richtig? Die Vortragsweise mittelalterlicher Dichtung ist trotz emsiger Bemühungen seitens der Musik und Literaturwissenschaft bis heute umrätselt.

Minnesang (Wissen macht ah, WDR, 2003)
Wie der Minnesang entstanden ist, und auch wie er möglicherweise geklungen hat, zeigt dieser kurze Beitrag. Der WDR hat ihn 2003 mit dem Musiktheater Dingo auf dem Schloss in Siegen gedreht.

Walther von der Vogelweide: „Ich saz ûf eime steine“ (YouTube), gesungen von Hans Hegner

Mittelalterliche Literatur heute

Rap den Orff (Die ZEIT 1999)
Die Erbengemeinschaft des Komponisten wehrt sich gegen Musikpiraten aus der HipHop-Szene und dem Internet.

Furchtbarer Tristan (DIE ZEIT, 26/2000)
Für einen unmusikalischen Menschen gibt es in der Musikliteratur nur wenige Werke, die ihn ergreifen. Doch der Tristan ergreift den ZEIT-Autoren Franz Schuh.

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