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René Descartes: Der methodische Zweifel

 

Aus unserer Serie: Einführung in die Philosophie

René Descartes: kartesische Skepsis
Können wir unserer Wahrnehmung trauen? Der oben abgebildete Versuch verdeutlicht, dass unsere Wahrnehmung sehr leicht getäuscht werden kann. © Eric Schumacher

René Descartes: Cogito ergo sum

  • Besorgen Sie sich ein Glas Wasser und einen Strohhalm oder einen ähnlichen Gegenstand, beispielsweise einen Stift. Nehmen Sie nun den Strohhalm in die eine und das Glas in die andere Hand und halten Sie das Glas vor den Strohhalm. Sie werden bemerken, dass sich Ihre Wahrnehmung von dem Strohhalm dort, wo Ihr Blick durch das Wasser verstellt wird, verändert: Anscheinend hat der Strohhalm einen Knick.

Jetzt überlegen Sie: Was folgt aus Ihrer Beobachtung in Hinblick auf unsere Wahrnehmung von dem Strohhalm? Können Sie Ihrer Wahrnehmung trauen?
Diskutieren Sie diese Fragen mit anderen Lesern.


René Descartes hätte an den Farbenspielen von Beau Lotto seine Freude gehabt: sie veranschaulichen, wie anfällig unsere Augen für Illusionen sind. (TED-Talk, Englisch).

Wenn wir wissenschaftlich Denken wollen, müssen wir einen Begriff der Wahrheit haben, denn wissenschaftliche Theorien sollen ja wahr sein. Mit der Definition dieses Begriffs befasst sich die philosophische Erkenntnistheorie. Für erkenntnistheoretische Diskussionen der Aufklärung legt René Descartes im Jahr 1641 mit seinen Meditationen einen Grundstein. Er stellt folgende Frage: Was kann ich sicher wissen? Ob es kalt ist, ob hell oder dunkel, wie sich etwas anfühlt, ob etwas außer uns existiert: Alle diese angenommenen Wahrheiten lassen sich der logischen Möglichkeit nach infrage stellen. Denn es könnte sich bei ihnen genauso gut um Sinnestäuschungen handeln.

Bleibt also nichts, was wir als Wahrheit annehmen können? Doch, sagt Descartes: Wir mögen zwar möglicherweise diversen Sinnestäuschungen ausgesetzt sein, sind aber auch in der Lage, über diese Sinnestäuschungen nachzudenken. Dass wir denken, setzt aber die Existenz unseres Ichs voraus. Anders formuliert: Sobald wir denken, können wir uns zumindest einer Sache sicher sein: unserer eigenen Existenz.

René Descartes: Ideen für weiteres Philosophieren


Nur wenige Filme befassen sich ähnlich eindrucksvoll mit der Idee vom Kartesischen Zweifel wie der Blockbuster Matrix, der das Gedankenexperiment radikal auf die Spitze treibt. Der Film illustriert die Idee vom Gehirn im Tank, die in der jüngeren Philosophie viel diskutiert worden ist. Die Idee: Jede unserer Wahrnehmungen könnte eine Illusion sein, die uns über Elektroden direkt in unser Gehirn eingespielt wird, während wir gar keinen Körper besitzen.

Dieses Video behandelt innerhalb der ersten Minuten Descartes’ Cogito-Argument sehr deutlich. Darüber hinaus erfolgt eine erörternde Einordnung in den historischen Zusammenhang seiner Zeit.

Überlegung zur kritischen Erörterung der Position Descartes':

Weitere Materialien zu René Descartes:

René Descartes: Untersuchungen über die Grundlagen der Philosophie (auch “Meditationen”) (Quelle: www.zeno.org)
Der Methodische Zweifel und das Cogito-Argument finden sich in der ersten und zweiten Untersuchung dieses für die Geistesgeschichte historisch bedeutsamen Werkes.

Auszug aus der ersten Untersuchung (Hörtext) (Quelle: www.youtube.com)


Hörtext (Teil 2) (Quelle: www.youtube.com)

René Descartes: Biografische Daten

René Descartes (1596 – 1650). Nach Descartes ist der Kartesische Zweifel (auch methodischer Zweifel) benannt, nach dem nichts außer uns selbst sicher wahr sein kann. Nur die Existenz unseres Ichs ist sicher, weil sie sich durch unser Denken schon selbst beweist.

Biografie zu René Descartes (Quelle: www.rene-descartes.de)

Tabellarische Kurzbiografie zu René Descartes (Quelle: www.zeno.org)

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30 Kommentare

  1.   Chrissy

    Ist halt alles ein bisschen Fuzzy, Monsieur Descartes.

  2.   AffenPhilosoph

    Descartes wurde 1596 geboren, nicht 1569…

  3.   David Schmidt

    Da haben wir offensichtlich die Zahlen verdreht. Vielen Dank für Ihren Hinweis und viele Grüße aus der Redaktion!


  4. What the Bleep do we know?


  5. Matrix ist zuallererst ein politischer Film. Das ist eigentlich nicht so schwer zu verstehen.


  6. Kleine Ergänzung: Die Argumentation Descartes’ lief nicht über das Denken, sondern über den Zweifel – und lief in etwa so: “alles, was ich erlebe, könnte nur Illusion sein, etwa verursacht durch einen bösen Dämon (bitte nicht zu wörtlich nehmen). Ich zweifle also daran, daß all das wahr ist. Ich kann aber nicht daran zweifeln, daß ich zweifele. Selbst der allergrößte Zweifler kann nicht daran zweifeln, daß er zweifelt.”

    Also ein “dubito, ergo cogito, ergo sum” – “Ich zweifle, also denke ich, also bin ich”.

    Schöne Artikelreihe übrigens – wäre nett, wenn sie eine Zeit lang in die Hauptleiste von zeit.de verschoben würde; sonst übersieht man sie nur allzu leicht (und das wäre schade drum).


  7. Schöner Artikel, der tatsächlich zum Nachdenken anregt.

    Neben dem oft genannten Film “die Matrix”, kann man auch noch den Film “the 13th Floor” und den vielleicht besten Film zum Thema “Welt am Draht” von 1973 nennen, der allerdings nur fürs TV produziert wurde.

    Wenn man sich die Ergebnisse moderner Gehirnforschung ansieht, könnte man meinen, dass noch nicht einmal die Tatsache, dass man denkt, ein Beweis dafür ist, dass man existiert. Am Ende könnte der Denkprozess auch nur eine Illusion unseres Gehirns sein -> Illusion des freien Willens. Es gibt zum Beispiel Entscheidungen, die dass Gehirn messbar trifft, bevor sie in unser Bewusstsein gelangen. Trotzdem hat der Proband das Gefühl, er habe die Entscheidung bewusst getroffen.

  8.   Andreas Scherer

    Ich denken nicht, also was?


  9. @6 – Sie spielen wohl auf das Libet-Experiment an – de.wikipedia.org/wiki/Libet-Experiment . Das ist ebenfalls hochinteressant, auch wenn ich bezweifeln würde, daß das den “freien Willen” disqualifiziert (dann ist der freie Wille halt eher in den unbewußten Denkprozessen im Gehirn zu finden).

    Auf diesen Aspekt wollte Descartes meines Wissens aber nicht hinaus. Ihm ging es an dieser Stelle nur um den Aspekt, daß es überhaupt irgendwas unbezweifelbar gibt.

    Andererseits verortet er an späterer Stelle die Denkprozesse in eine transzendentale Seele, die als Schnittstelle zwischen Gott und Welt liegt. Und das ist durch die Neurorogie natürlich zumindest teilweise Widerlegt (die Verarbeitung von Informationen im Gehirn ist ja schon recht gut verstanden).

    @8 Sie können nicht bezweifeln, daß Sie denken, daß sie nicht denken. Also sind Sie. cogitas non cogitares ergo es (oder so…).


  10. @7

    “Wenn man sich die Ergebnisse moderner Gehirnforschung ansieht, könnte man meinen, dass noch nicht einmal die Tatsache, dass man denkt, ein Beweis dafür ist, dass man existiert. Am Ende könnte der Denkprozess auch nur eine Illusion unseres Gehirns sein -> Illusion des freien Willens”

    Ja, das ist immer das selbe Spiel:

    Eigentlich suchen wir Wahrheit, müssen aber voraussetzen, dass es sowas wie Erkenntnis gibt. Wir versuchen eigentlich nur Regression zu vermeiden und sind auf der Suche nach Fixpunkten, was in etwa eine Assoziation wie “absolut” ist.