Wir müssen reden. Über Nazis.

Schulhof-CDs – and the Rechtsbeat goes on

Von 11. November 2007 um 22:22 Uhr

Eine Zeitlang hatte man von den Schulhof-CDs der NPD nichts gehört. Neulich jedoch gab es eine neue Verteilungswelle in München.

Es klingt wie ein mieser Ausschnitt aus der Lindenstraße. Ein älterer, in Tracht gekleideter Mann, hat im Bus einen Koffer voller CDs ohne Cover bei sich und verschenkt diese an Schüler. Einer nimmt die CD an, hört sie zuhause mit seinen Eltern und stellt fest, dass sich darauf “übelste Nazi-Texte” finden. Dem selben Schüler wird wenige Tage später von zwei 25-30jährigen Männern erneut eine CD angeboten. Mit der Bemerkung “Ich brauch euren Nazi-Scheiß nicht!” lehnt er ab und wird daraufhin von den Männern an eine Wand gestoßen. Er erleidet eine Platzwunde am Kopf und muss im Krankenhaus behandelt werden.

Bereits 2004 startete die NPD eine derartige Aktion. Die CD war allerdings strafrechtlich relevant und wurde deswegen 2005 durch eine neue ersetzt, die erstaunlicherweise die strenge Prüfung durch die Staatsanwaltschaft bestand.

Nach ersten Verteilungen an bzw. vor Schulen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zum Bundestagswahlkampf 2005 scheint nun also München ein neues Schwerpunktgebiet zu sein. So ganz klar ist mir in diesem Zusammenhang nicht, wieso es bei einem Werbeslogan wie “Garantiert ohne Tagebuch der Anne Frank!”, dazu eindeutig nationalistischen, fremdenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und Gewalt propagierenden Texten sowie als letztem Stück dem “Deutschlandlied” in allen drei Strophen nicht möglich ist, ein Strafverfahren einzuleiten, das es ermöglicht, die Produzenten und Vertreiber dieser CDs zu belangen.

Montag abend habe ich eine Lesung an einer Schule in Hoyerswerda. Ich werde mal nachfragen, was da der Stand der Dinge ist.

Kategorien: Bayern
Leser-Kommentare
  1. 49.

    Notfallkoffer gegen Schulhof-CD…

    Mit Kai Jahns (Koordinator für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit bei der Stadt Eberswalde) und der Amadeu Antonio Stiftung haben wir gestern am Rande einer Podiumsdiskussion in der Nordend-Schule in Eberswalde den Notfallkoffer für SchülerInn…

    Antworten

    • 9. Dezember 2007 um 12:50 Uhr
    • No Nazi
  2. 50.

    Es überrascht mich nicht, dass das musikalische Niveau der gehirnverbrannten Lagerfeuerschrammler genauso niedrig ist wie die darin zum Ausdruck kommenden Ideologien lächerlich. Auch, wenn man das nicht verallgemeinern kann, korrelieren hier Geschmack und Intellekt in signifikanter Weise. Dummheit ist eben oft sehr hässlich. Drei Akkorde schlecht gezupft, das ganze dermaßen unter aller Kanone zusammengemischt, Texte von geradezu apoetischer Dumpfheit, die Stimmgewalt von Dieter Bohlen ohne Effektsektion, ein Groove von dem man Herzrhythmusstörungen bekommt und das ganze ohne ästhetisches Gespür und Sachverstand auf CD gekackt. Ich bin der Meinung: Nicht nur kantianische Aufklärung würde der Sache gut tun (denn den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit haben die rechten Mitläufer erst noch zu leisten), sondern vor allem ein gesundes Maß an musikalischer Früherziehung!

    Antworten

    • 11. Dezember 2007 um 12:31 Uhr
    • Lodda
  3. 51.

    @Lodda
    Ich stimme Dir absolut zu. Mit dieser CD hat sich die NPD ja geradezu ein Eigentor geschossen.Dagegen haben die “Texter” von Störkopf und Kahlkraft, oder umgekehrt… ist ja auch egal, hochintelligente Ergüsse hingelegt. Und was das musikalische Handwerk angeht…, also da fehlen einem die Worte. Soviel Dilletantismus und musikalisches Unvermögen ist mir noch nicht untergekommen. Das Schlimme ist aber, dass das die Kids trotzdem geil finden könnten.
    @ GermannX
    Das meinst du doch nicht ernst mit dem dreifach geil? Bitte nicht. Vieleicht meinst du aber auch nur provozieren zu müssen. Dann, aber auch nur dann könnte ich versuchen Dein Lob zu verstehen.
    An alle Kids!
    Es lohnt nicht. Hängt die CDs an einen Kirschbaum. Sieht sehr nett aus und verscheucht die Vögel. Einzig guter Zweck, denn das Gehirn bleibt sauber, das musikalische Empfinden wird nicht zerstört und es gibt genug leckere Kirschen.

    Antworten

    • 14. Dezember 2007 um 21:24 Uhr
    • Suppie
  4. 52.

    @Lodda, Suppie

    Ich glaube nicht, daß die musikalische Qualität dieser CDs ein Kriterium ist, weshalb sie hergestellt und verteilt werden. Das Kriterium für die Verteiler ist es, Aufmerksamkeit zu erhalten und für Aufregung zu sorgen. Werbung durch gezielte Auslösung von Skandalen.
    Mit Sicherheit gibt es Schüler, die absolut nichts von den Texten und der Musik der verteilten CDs halten; aber dennoch die Stücke wie einen Schatz hegen, denn wenn sie solch öffentliches Ärgernis erregen und die Lehrer ärgern, werden sie schon dadurch interessant …

    Antworten

    • 15. Dezember 2007 um 10:12 Uhr
    • Ekkehard
  5. 53.

    Ich will auch eine CD

    Antworten

    • 20. Februar 2008 um 20:55 Uhr
    • Topfmeister
  6. 54.

    Das große Problem in Deutschland ist, daß wir aus Bequemlichkeit und wahrscheinlich auch einem Ticken Furcht bewußt “wegschauen” und nicht den Mumm haben, gegen solche Verteilungen mit Musik unter Jugendlichen vorzugehen. Uns sind mein Haus, mein Boot und Anderes wichtiger als mal genauer “hinzugucken”. Da kann man gegen kleinste rassistische Ansagen vorgehen wie man will, denjenigen ansprechen auf diese Äußerungen. Am Ende wird es abgetan mit: “Hab ich nicht so gemeint” oder “So habe ich das nicht gesagt” und fertig. Am Ende will es dann auch keiner mehr gehört haben. Wie immer….
    Dazu ein kleines Beispiel: Wir sitzen alle zusammen mit einer unserer Nachbarinnen und schauen ein Fußballspiel an. Auf einmal fällt der Kommentar: Da spielen ja höchstens 3 bis 4 Deutsche in dieser Mannschaft, alles andere Ausländer. Was hat das denn noch mit deutschem Fußball zu tun?
    Hallo….???!!
    Wollen wir mit internationalem Fußball mithalten oder unserem deutschen Fußball nachlaufen? Denken wir nun endlich mal global und weltoffen oder nur bis an den Stadtrand? Für mich war das richtig komisch, weil ich nicht schaue, woher einer kommt, oder was einer macht, sondern was einer kann, und nur das sollte – übrigens nicht nur im Fußball – zählen.

    Antworten

    • 15. April 2008 um 08:24 Uhr
    • Kathrin Williams
  7. 55.

    Was soll das Ganze? Die Musikgeschmäcker sind dochviel zu verschieden, als daß man mit dem Verteilen von CDs im großen Stil Leute für oder gegen irgendwelche politischen Richtungen gewinnen könnte. Wenn jemand CDs verteilt, dann wird doch bestenfalls erstmal zugegriffen, weil es etwas umsonst gibt. Doch wenn es nicht zufällig den eigenen Musikgeschmack trifft, dann landen die CDs doch sowieso auf dem Müll.

    Antworten

    • 4. Juli 2008 um 02:31 Uhr
    • Hartmut Slomski
  8. 56.

    Eine alte Diskussion, aber trotzdem:

    “Doch wenn es nicht zufällig den eigenen Musikgeschmack trifft, dann landen die CDs doch sowieso auf dem Müll”

    Die Frage ist doch, was los ist, *wenn* es den Geschmack trifft?

    Antworten

    • 6. November 2008 um 20:08 Uhr
    • Pat
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)