Wir müssen reden. Über Nazis.

NS-Zeit thematisieren? “Nicht schon wieder…”

Von 22. November 2007 um 13:05 Uhr

“Irgendwann muss doch mal Schluss sein”, “Wir Deutschen können doch nicht ewig schuldig sein” etc. So oder ähnlich klingt es in so manchen Beiträgen in diesem Blog, wenn es um historische Themen geht. Es gibt jedoch viele gute Gründe, die Erinnerung am Leben zu erhalten. Vorweg sei gesagt: Wir als nachfolgende Generationen der Täter haben die Verantwortung (das ist übrigens was anderes als “Schuld”), die Erinnerung an die millionenfachen Verbrechen der Nazis aufrecht zu erhalten, damit die unzähligen Opfer nicht in Vergessenheit geraten und sich die Geschichte nicht wiederholt.

Mir geht es in diesem Beitrag jedoch schwerpunktmäßig darum, dass man das Wissen um die NS-Zeit zudem dafür braucht, um die neuen Nazis heute wirklich nachhaltig bekämpfen zu können. Und zwar aus folgendem Grund: Nahezu alle Vertreter des rechten Lagers, vom Stiefel-Nazi bis zu den Schlips-und-Kragen-Faschisten diverser Burschenschaften, fast alle beziehen sich in ihren Aktionen, Veröffentlichungen und ihrem Selbstverständnis mehr oder weniger offen(siv) positiv auf den Nationalsozialismus. Als Beispiele seien hier nur die jährlichen “Rudolf-Hess-Gedenkaufmärsche” oder das Glorifizieren der Wehrmacht angeführt. Der Nationalsozialismus ist und bleibt der zentrale identitätsstiftende, geschichtliche Ausgangspunkt der meisten Aktivisten und Aktivistinnen im rechten Lager.

Ein fundiertes, tiefgehendes Wissen um den Nationalsozialismus, seine Funktionsweisen und Mechanismen und insbesondere um seine menschenverachtende, ausgrenzende Ideologie, die konsequent zur Verfolgung und Vernichtung von allem, was “anders” war, geführt hat, ist zwingend notwendig. Dieses Wissen erleichtert mir in vielen aktuellen Diskussionen die Kritik an den rückwärtsgewandten Ideen der neuen Nazis, die manchmal nur in einem “neuen Gewand” daherkommen. Ich kann sie leichter entlarven.

Ein langweilig heruntergespultes Programm desinteressierter Geschichtslehrer bringt natürlich nichts bzw. bewirkt sogar eher das Gegenteil. Wichtig ist mir eine engagierte Auseinandersetzung und ständige Verbindung zur Gegenwart:

Was hat der NS mit den Nazis von heute zu tun? Wo waren damals und wo sind heute die Verbindungen zwischen Konservativen und Nazis? Wo gibts deutliche Querverbindungen? Wie hat der Widerstand damals ausgesehen? Was waren die Fehler? Zeitzeugengespräche, Gedenkstättenbesuche, Diskussionsveranstaltungen, Bücher, Filme, Geschichtswerkstätten etc. – es gibt unzählige interessante Ansatzpunkte, um das Wissen zu vertiefen.

Die Beschäftigung mit diesen Fragen und die dazugehörige Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart hilft mir heute, Nazis effektiv inhaltlich auseinander zu nehmen und zu bekämpfen…

Deshalb bin ich der Meinung: NS-Zeit thematisieren? Immer wieder!

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 17.

    Armseeliger Troll (Beitrag 15) . Mit der Aussage leugnet er wenigstens nicht den Holocaust. Immerhin etwas.

    Zu den Beiträgen 13/14 noch angemerkt:
    Die Autobahnen wurden wärend der Weimarer Republik geplant. Der Schnautzer hat das nur umgesetzt. Das dann immer wieder zu thematisieren im Bezug auf dem Schnautzer, ist auch nicht mehr der Brüller. ^^
    Wobei ich zugeben muss, daß manche Dokus im TV wirklich nicht sein bräuchten (Vorallem bei NTV, N24 und einiges bei ARD und ZDF). “Hitlers Köche”, “Hitlers Zahnstocher” usw. müssen nicht unbedingt sein vorallem nicht in der Art und Weise wie sie präsentiert werden. Vorallem die reisserische Aufmachung, die Dämonisierung, und das ganze Betroffene, wie sowas teilweise aufgemacht ist, ist für eine historische Dokumentation eher hinderlich. Mir persönlich wäre bei sowas eine nüchterne sachliche Darstellung lieber. Mehr Fakten und Fachwissen anstatt allzu aufgesetzer Emotionen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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    • 24. November 2007 um 17:49 Uhr
    • NochEinNickname
  2. 18.

    @ ekkehart

    das in die meisten mitgliedsbünde der db auch in der bg sind teilst du doch aber?
    komischerweise distanzieren sich zum beispiel konfessionelle verbindungen (cv und kv) nicht von mitgliedsbünden der bg. klassischer weise hörte menasch aber immer wieder von kleinen skandälchen in db verbindungen, wenn der mahler mal wieder auf dem haus war.
    wenn ich mir dann so die homepages der diversen korpoartionen (unterschiedlicher dachverbände) anschauen, sehe ich da immer so ein loch? ein loch zwischen 33 und 45.

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    • 4. Dezember 2007 um 21:44 Uhr
    • sascha
  3. 19.

    @ sascha

    Ich bezog mich auf die obige Behauptung, daß der Dreh- und Angelpunkt heutiger Mitglieder von Burschenschaften / Studetenverbindungen der Nationalsozialismus sei und auf die in meinen Augen pauschalierende und in diesem Sinne diffamierende Bezeichnung “Schlips-und-Kragen-Faschisten diverser Burschenschaften”.

    Keineswegs abstreiten möchte ich, daß es durchaus Mitglieder von Burschenschaften gibt, die rechtsextreme Einstellungen haben oder auch selbst berechtigterweise als Rechtsextremisten bezeichnet werden können. Es wäre aber auch merkwürdig, wenn Personen mit solchen Einstellungen in Burschenschaften weniger zu finden wären, als in anderen gesellschaftlichen und privaten Institutionen.

    Obwohl ich selbst nicht Burschenschafter bin, nehme ich doch häufiger an Vortragsabenden teil und stehe in recht guter Verbindung mit einigen Burschenschaftern (dies zu Beantwortung der Frage, die Du auch an anderer Stelle gestellt hast). Wenn dort die Inhalte der Vorträge revisionistischer Art gewesen wären oder den NS beschönigt oder verherrlicht hätten, hätte ich garantiert kaum noch an einem Abend dort teilgenommen. Das Gros der Vorträge beschäftigte sich übrigens mit aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fragstellungen. Natürlich war vielen Anwesenden eine Nähe zu konservativem Gedankengut anzumerken, aber vollkommen im demokratischen Rahmen. Und natürlich gab es keine einheitliche Meinung, sondern ein ziemlich breites Spektrum an Äußerungen und ebenso an Widerspruch. Von einer einheitlichen “burschenschaftlichen” Auffassung – die oftmals von Außenstehenden impliziert wird – kann also keine Rede sein.

    Was die Zeit zwischen 1933 und 1945 angeht in historischen Darstellungen von Einzelverbindungen angeht, so gebe ich Dir allerdings durchaus recht, wenn Du damit meinst, daß Verstrickungen von Verbindungen und Einzelmitgliedern in das NS-System häufiger zu wenig beleuchtet werden. Hier bin ich durchaus der Meinung, daß man zu dieser Geschichte im Sinne einer kritischen Aufarbeitung deutlicher stehen sollte, als dies bislang der Fall ist. Allerdings gibt es inzwischen hier inzwischen auch eine ganze Reihe an Literatur aus dem Koporationswesen heraus, die genau dies tut.

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    • 5. Dezember 2007 um 21:14 Uhr
    • Ekkehard
  4. 20.

    also ich kann von meiner shcule behaupten, dass die ns-zeit zwar viel thematisiert wird, jedoch wird die meinung der rechten- die immer wieder die “guten seiten des nationalsozialismus”(die es nicht gibt!!)hervorheben-mehr tolleriert als die der linken, so wird, sobald ich oder meine genossen/genossinnen das wort ergreifen und die kollektivschuld der deutschen ansprechen, die niederlage vor stalingrad “feiern” oder aber die bombadierung dresdens rechtfertigen versucht, uns das wort abzuschneiden. teilweise müssen wird den klassenraum verlassen wenn wir auf rechtsextremistische parolen einiger mitschülerInnen mit rufen wie “opa, oma und hans-peter…keine opfer sondern täter” oder auch antideutschen sprüchen(bomber harris bezogene sachen usw)antworten. meiner meinung nach darf es nicht sein, dass es gerade in den schulen des tätervolkes rechtsextremen erlaubt ist, ihre nationalsozialistischen gedanken zu verbreiten, es jedoch antifaschisten und antifaschistinnen verboten ist ihre gedanken zu verbreiten, ohne dabei einen unterschied zwischen antideutschen gedankengut und “durchschnittlich” antifaschistischen gedankengängen zu machen. es werden allgemein gehaltenen antifaschistische äußerungen zwar größtenteils tolleriert, sobald es aber antideutsche oder aber äußerungen, welche von der kollektivschuld der deutschen handeln zur sprache kommen wird versucht uns das wort abzuschneiden und zu entziehen.
    gruß
    dr.ecksack

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    • 27. März 2008 um 00:16 Uhr
    • dr.ecksack
  5. 21.

    [...] NS-Zeit thematisieren? Nicht schon wieder … (ZEIT Störungsmelder, 22.11.2007) “Irgendwann muss doch mal Schluss sein”, “Wir Deutschen können doch nicht ewig schuldig sein”. So oder ähnlich klingt es manchmal, wenn es um historische Themen geht. Es gibt jedoch viele gute Gründe, die Erinnerung am Leben zu erhalten. [...]

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  6. Kommentar zum Thema

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