Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog

NPD führt in Hessen einen Wahlkampf der besonderen Art

Von 26. November 2007 um 23:12 Uhr

Man hat in den vergangenen Jahren schon viele unfassbare Wahlwerbespots erlebt. Nun schreibt die rechtsextreme NPD Wahlkampfgeschichte.

Der Chef der NPD-Hessen, Marcel Wöll, spielt zur Landtagswahl im Januar 2008 den ritterlichen Anwalt von drei tumben Gartenzwergen, die Taler aus dem Waldboden ausbuddeln. Um diesem skurrilen Schauspiel noch die Krone aufzusetzen, hat sich die NPD offenbar noch rasch neue Forderungen ausgedacht, die Wöll im hessischen Landtag (!) durchsetzen will: 10 Euro Mindestlohn, 1000 Euro Müttergehalt, 20.000 Euro Ehestandsdarlehen.

Falls Wöll und seine Zipfelkameraden versuchen, lustig zu sein – selbst in Nazi-Foren schlagen die Besucher virtuell mit den Händen über den Köpfen zusammen. Besonders die Kombination aus laienhafter Dieter-Krebs-Kopie und den neuesten Forderungen der NPD sorgen für Bitterkeit. Einige Beispiele: “Würde gern mal vom Herrn Wöll, die Stellungnahme dazu lesen, wie er sich das gedenkt das zu finanzieren, aus welchen Steuertöpfen?”, “Schade, ich ging davon aus, dass es mindestens 2.000.000.000,00 EUR Ehestandsdarlehen und einen Mindestlohn von 75,00 EUR / Min. geben sollte”, “Ich frag mich ob man sich noch mehr die Blöse vor dem politischen Gegner geben kann, als in diesem Video. Da werden Deutsche als Zwergen herabgewürdigt und der heroischen NPD-Ritter sitzend auf einem Ross dargestellt, statt Lanze eine Parteifahne. Das ganze vermittelt den Eindruck, als wäre die nationale Oppossition ein reiner Karnevallsverein. Populistischer und Dümmer gehts gar nicht mehr”, “In der Tat recht pfiffig, wenn man den Anspruch hat, sich selbst verarschen zu wollen”.

Zur Dokumentation veröffentlicht NPD-BLOG.INFO dieses Video hier – mit ausdrücklicher Distanzierung von den rechtsextremen Inhalten.

Übrigens ist Wölls Wirken abseits der Wälder weniger zum auf die Schenkel klopfen. Der hessische NPD-Chef fungiert als eine zentrale Figur im rechtsextremen Netzwerk.

Wöll hatte in den vergangenen Monaten mehrmals für Aufsehen gesorgt. Zuletzt stand er wegen der Leugnung des Holocausts vor Gericht. Im Juli 2007 äußerte Wöll öffentlich Verständnis für militante Aktionsformen, auf einer Demonstration in Frankfurt am Main nannte er die Stadt wegen der zahlreichen Banken `Jerusalem am Main`. Ebenfalls im Juli war ein Urteil gegen Wöll wegen der Beleidigung eines Polizisten bestätigt worden. Am 01. Mai 2007 war Wöll Veranstalter einer NPD-Demonstration in Raunheim. Seine Nachrichten-Propaganda-Sendung im Internet brachte ihm 2006 bundesweite `Berühmtheit` ein.

Kategorien: Hessen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Würde gern mal vom Herrn Wöll, die Stellungnahme dazu lesen, wie er sich das gedenkt das zu finanzieren, aus welchen Steuertöpfen?”, “Schade, ich ging davon aus, dass es mindestens 2.000.000.000,00 EUR Ehestandsdarlehen und einen Mindestlohn von 75,00 EUR / Min. geben sollte”

    Herr Gensing, diese Frage, die nicht zwingend von einem Rechten kommen muß, da auch Linke und andere auf Störtebeker schreiben, ist von mir auf gleicher Seite gleich im Anschluß beantwortet worden.

    Wo bleiben jetzt Ihre Argumente?

    Mit freundlichem Gruß,
    Michael Idir

    Hallo Michael, da wir keinem zumuten wollen, sich in Naziforen herumzutreiben, wäre es besser, du würdest dein (?) Argument einfach hier einmal posten.//Moderator, cb

    • 27. November 2007 um 09:51 Uhr
    • Michael Idir
  2. 2.

    Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wollen Sie irgendwelche fixe-Wahlkampf-Forderungen für eine Landtagswahl in Hessen durch komplett abgedrehte Maßnahmen finanzieren?

    Dadurch ist diese ganze Geschichte natürlich sofort total seriös. Meine Anregung: In Ihrer streng wissenschaftlichen Rechnung fehlt noch die Zwangsarbeit für alle möglichen Leute, die Ihnen nicht passen (Journalisten zum Beispiel). Dadurch könnte man noch einigen “echten” Deutschen weitere Zuwendungen finanzieren.

    Und die Kritik an dem Video kommt natürlich von Linken? Vielleicht hat ja auch die Antifa und/oder der Verfassungsschutz diesen Clip produziert? Das System ist doch angeblich an allem Schuld. Auf diesen kleinsten Nenner lässt sich doch das Lamentieren aus dem rechtsextremem Lager bringen. Viel mehr ist da nicht. Passend dazu aus einem Vortrag von Richard Stöss:

    “So wuchs aus der konservativen Weltanschauung die gegen sie gerichtete rechtsextreme Ideologie: Vermeintliche oder tatsächliche Bedrohungen wurden einseitig interpretiert, überhöht und dramatisch dargestellt. Das Wesen der nationalistischen Propaganda besteht darin, Ängste zu schüren, Untergangs- oder Endzeitstimmungen zu erzeugen, indem beispielsweise der Eindruck vermittelt wird, man sei von Feinden umringt.”

    Quelle: http://www.extremismus.com/texte/rex5.pdf

    Dies bezog sich auf das 19. Jahrhundert. Und ist noch immer aktuell.

  3. 3.

    Liebe Frau Zutt, wir haben Ihren Beitrag gelöscht, weil er nichts zu unserem Thema (Kampf gegen Rechtsextremismus) beigetragen hat. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf unsere Blogregeln // Mod , JoWo

    • 27. November 2007 um 13:18 Uhr
    • Doris Zutt
  4. 4.

    Lieber Herr Zutt, wir haben Ihren Beitrag gelöscht, weil er gegen unsere Blogregeln verstoßen hat // Mod , JoWo

    • 27. November 2007 um 14:19 Uhr
    • Alfred Zutt
  5. 5.

    “Im Juli 2007 äußerte Wöll öffentlich Verständnis für militante Aktionsformen,.. Polizistenbeleidigung …”

    Ja, das kann ihm hier doch kaum vorgeworfen werden. Dieses Verständnis teilt er mit vielen seiner Gegner (s. entsprechende Diskussion auch hier im Forum)

    Was an den Forderungen nach Mindestlohn, Müttergehalt, Ehestandsdarlehen nun lächerlich sein soll, erschließt sich mir nicht ganz. Ähnliches wird von anderen politischen Gruppen heute auch vertreten bzw. diskutiert und die offene Finanzierungsfrage ist auch kein Sonerkennzeichen rechter Politiker.
    Ergo: Nur weil etwas aus der NPD-Ecke vorgetragen wird, muss mann nicht sofort einen Beiß- und Bellreflex bekommen. Das ist lächerlich und hilft der Diskussion überhaupt nicht.

    • 6. Dezember 2007 um 10:14 Uhr
    • cajo
  6. 6.

    Hallo und Roter Gruß
    Ich hätte da eine Frage bezüglich der Aussage von Herrn Idir:
    ““Würde gern mal vom Herrn Wöll, die Stellungnahme dazu lesen, wie er sich das gedenkt das zu finanzieren, aus welchen Steuertöpfen?”, “Schade, ich ging davon aus, dass es mindestens 2.000.000.000,00 EUR Ehestandsdarlehen und einen Mindestlohn von 75,00 EUR / Min. geben sollte””
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man den ganzen Staat mit 75 Euro die MINUTE versorgen kann.
    Falls sie eine Nation finden die sie auch so super finden wie DEutschland, dann lassen sie es uns bitte wissen.
    mit ROTEN Grüßen
    Thomas

    • 9. Mai 2009 um 12:22 Uhr
    • Thomas
  7. Kommentar zum Thema

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