Wir müssen reden. Über Nazis.

“Leser nicht veralbern”

Von 25. August 2008 um 18:55 Uhr

In der vergangenen Woche druckte die Torgauer Zeitung kommentarlos eine Pressemitteilung der NPD ab. Ein Versehen? Nein, sagt der Chefredakteur, wir können die nicht ausschließen. Stefan-Niggemeier- und NPD-Blog hatten bereits in der vergangenen Woche berichtet: Der Text bezieht sich auf Zuschüsse an die Fraktionen, die diese im Kreistag Nordsachsen vereinbart haben. Nach einer Kreisgebietsreform wurde dort kürzlich die Anzahl der erforderlichen Sitze zum Erhalt des Fraktionsstatus von drei auf fünf erhöht. Dadurch geht die NPD bei der Zuteilung der Gelder leer aus.
In dem Pamphlet werfen die Rechtsextremisten den demokratischen Parteien eine “Selbstbedienungsmentalität” vor. Die “Systemparteien” würden die Reform nutzen, sich gegenseitig “Gelder zuzuschanzen”. Zum Schluss behaupten die NPD-Vertreter unwidersprochen, “die Partei aus dem Volk und für das Volk” zu sein. Noch am Montag nachmittag war der NPD-Text über die Webseite der Torgauer Zeitung zu erreichen.
Chefredakteur Thomas Stöber verteidigte die Veröffentlichung. “Die Wähler, nicht wir haben der NPD ein Mikrofon in die Hand gegeben.” Er sei einer “fairen Berichterstattung” verpflichtet. Die Fraktionsmitglieder seien anerkannte Persönlichkeiten und zum Teil keine NPD-Mitglieder. Sie hätten bereits in regionalen Bürgerinitiativen mitgearbeitet. Stöber kündigte an, die Pressemitteilung im Blatt zu kommentieren. Gleichzeitig schloss er aus, sie von der Seite zu entfernen. Schließlich würden auch die Pressemitteilungen anderer Parteien mitunter kommentarlos veröffentlicht. “Die Leser fühlen sich veralbert, wenn wir die NPD ausschließen.” Er wies die Verantwortung für das Erstarken der NPD etablierten Parteien zu, die nichts gegen einen Werteverfall im Land unternähmen. Zudem griff er die überregionalen Medien an, die die Politik nicht kritisch genug hinterfragten.
Die Torgauer Zeitung ist unabhängig, erscheint aber zusammen mit der Leipziger Volkszeitung, die zum Axel-Springer-Verlag gehört. Dort verwies man auf die Unabhängigkeit des Blattes, kündigte aber an, dem Vorfall nachzugehen. “Gehen Sie davon aus, dass wir uns sehr genau informieren werden”, sagte eine Springer-Sprecherin.

Kategorien: Sachsen
Leser-Kommentare
  1. 17.

    Jetzt meldet die Torgauer Zeitung: “Fehler: News nicht gefunden! Fehler beim Verarbeiten des URL auf dem Server. Wenden Sie sich an den Systemadministrator (Mail an info@netcomplett.de ) http://www.netcomplett.de“. Gut.

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    • 27. August 2008 um 09:19 Uhr
    • Helmut Cool
  2. 18.

    [...] zum Thema zum Zweiten: “Gegenüber dem “Störungsmelder” der ‘Zeit’ schloss Stöber aus, die Pressemitteilung von der Internetseite [...]

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  3. 19.

    [...] schloss er aus, [die Mitteilung] von der Seite zu entfernen”, schrieb zunächst der Störungsmelder-Blog der “Zeit” am [...]

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  4. 20.

    @ Christian Bangel

    Soll man der NPD etwa noch dabei helfen, seriöse und vernünftige Formulierungen zu finden? Die Redakteure würden sich doch viel mehr reinreiten, wenn herauskäme, dass die NPD-Mitteilungen auch noch auf Grundlage ihrer eigenen Maßgaben zustande gekommen sind. Glauben Sie, dass sich ein auch nur halbwegs vernünftiger Leser bei den Formulierung “Systemparteien” die sich “Gelder zuzuschanzen” denkt “oh, das habe ich ja noch gar nicht gewusst, da wähle ich doch in Zukunft besser die NPD”.

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    • 19. Oktober 2008 um 22:05 Uhr
    • SozialerMensch
  5. Kommentar zum Thema

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