Wir müssen reden. Über Nazis.

Vorsicht RECHTS-Hilfe

Von 27. Oktober 2008 um 16:18 Uhr

Das hatte sich der mittelständische Unternehmer Karl-Heinz Bestles aus dem oberbayerischen Vierkirchen anders vorgestellt. Eher durch Zufall stieß er im Internet auf das Angebot einer kostenlosen Rechtsberatung durch den „Rechtsnormen-Schutzverein“. Den hatte er dringend nötig, schließlich stand sein Betrieb kurz vor der Versteigerung. Was er nicht wusste: hinter den ominösen Rechtsberatern steckt die rechtsextreme „Interim Partei Deutschland“ (IPD).So wurde Bestles unfreiwilliger Zeuge einer rechtsextremen Wortergreifung der anderen Art – nämlich während der Gerichtsverhandlung im Münchner Amtsgericht. Unter Beteiligung von rund 20 angetretenen IPD-Angehörigen wurden rechte Parolen verbreitet, das Gericht als illegitim bezeichnet und der anwesende Vierkirchener SPD-Bürgermeister Heinz Eichinger “wegen seiner Parteizugehörigkeit übel beschimpft“ (Dachauer Nachrichten 21.10.08).

Als rechtsextreme Gruppierung ist die IPD bisher – zum Glück – kaum in Erscheinung getreten. Deren Website vermittelt einen dilettantisch-durchgeknallten Eindruck.

Bei der IPD wird man nicht müde zu betonen, dass es sich bei ihnen keinesfalls um Nazis handle. Tatsächlich aber steht die IPD in einem Zusammenhang mit der Bewegung “Kommissarische Reichsregierung (KKR)”. Deren ideologische Klammer ist die Behauptung, das Deutsche Reich bestehe fort und werde durch sie vertreten. Die Bundesrepublik Deutschland sei dagegen völker- und verfassungsrechtlich illegal und faktisch nicht existent. Ein Anhänger dieser Ideologie ist auch der rechtsextreme Anwalt Horst Mahler. Bei der IPD liest es sich dann so:

„Es ist der Bevölkerung bis dato wohl immer noch kein Licht aufgegangen! Nach dem 4 plus 2 Vertrag und der damit verbundenen Neubesetzung Deutschlands durch die USA und dem schnöden Verkauf Mitteldeutschlands, nicht Ostdeutschlands, durch die Russen, an die USA, ständig als deutsche Vereinigung dem deutschen Michels verkauft, (…)” (Aus der IDD-Website).

Weitere Hintergründe zur IPD und KKR gibt’s hier.

Dass die Rechtsextremisten mit ihrem Auftritt Karl-Heinz Bestles eher geschadet denn geholfen haben, ist offenkundig. Er hat sich umgehend vom „Rechtsnormen-Schutzverein“ distanziert. Auch der diffamierte SPD-Mann Eichinger sah sich veranlasst, Bestles in Schutz zu nehmen, obwohl dieser CSU-Mitglied ist – und seit Jahren Eichingers Gegenspieler im Vierkirchner Gemeinderat…

Kategorien: Bayern
Leser-Kommentare
  1. 1.

    So ein Quatsch. Die IPD hat nichts mit einer KRR oder den Nazis zu tun. Lieber user, Teile Ihres Beitrags mussten wir leider wegen off topic editieren. Bitte wahren Sie doch einen sachlichen Ton in der Diskussion. Mit freundlichen Grüßen// Moderator_Sm

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    • 27. Oktober 2008 um 21:56 Uhr
    • Aprifa
  2. 2.

    Wirklich gute Infos zu IPD und KKR gibt es hier:
    http://www.krr-faq.net/

    Viele Grüße
    d-g-u

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    • 28. Oktober 2008 um 08:03 Uhr
    • d-g-u
  3. 3.

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  4. 4.

    Früher verkauften sie Heizdecken und irgendwer fand sich immer, der begeistert zugriff, sofern er bei einer Tasse Kaffee irgendwo in der tiefsten Heide nur lang genug weich geklopft wurde. Heute verkaufen sie dort verquere Ideologien, zusammengereimt aus dem breiten Spektrum der braunen Esoterik. Das System dahinter bleibt dasselbe. Bereicherung auf Kosten derer, die dumm genug sind, um darauf herein zu fallen, oder in ihrer Not zu jedem Strohhalm greifen. So wie jetzt Karl-Heint Bestles.

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    • 28. Oktober 2008 um 15:02 Uhr
    • Horst Himmel
  5. 5.

    Und was hat denn der Heizdecken-Verkauf auf Kaffeefahrten nun damit zu tun, wenn sich Rechtsbeugungsopfer für ihre Gerichtsverfahren um Hilfe beim Rechtsnormen_schutzverein bemühen?

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    • 6. November 2008 um 15:00 Uhr
    • Tanja Bergstedt
  6. 6.

    @ Tanja

    Der Vorkommentator wollte wohl den Eindruck erwecken , als wäre der IPD Verein nur darauf aus Geld mit seinem Beistand zu verdienen .
    Sozusagen eine Polit-Kaffeefahrt mit Rechtsbeistand – wenn dem so wäre dann hätten die aber keine politischen Absichten.

    Das wiederum kann ich aber nicht erkennen .
    Wer weiß was die für ein Verein sind , ich weiss nur das es in meiner Jugend immer gehießen hat – das wir ja eigentlich immmer noch im Kriegszustand sind und eigentlich ja nur ein Waffenstillstand existiert.
    Gut das war vor der Einheit und seitdem gabe es die 2+4 Verhandlungen und eigentlich müßte Deutschland demnach souverän sein . Wenn man aber immer wieder davon hört das die Amis hier unseren Luftraum benutzen ohne das mit den deutschen Behörden abzuklären , wirft das natürlich schon fragen auf .

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    • 7. November 2008 um 13:36 Uhr
    • oernmaster
  7. 7.

    Was der Kauf von Heizdecken mit dem Bemühen um Hilfe beim “Rechtsnormenschutzverein” zu tun hat, hinter dem im Übrigen die IPD steckt? Nun, es bedarf dazu jeweils einer gehörigen Portion Naivität und Unbedarftheit. Weiterhin gleicht sich das Auftreten der “Verkäufer”, welche bereits das Vorhandensein von gesundem Menschenverstand als unglaubliche Provokation empfinden.

    Nein, die IPD gibt sich den Anschein einer Partei, mehr nicht. Tatsächlich ist sie lediglich eine Plattform, um Menschen in verzweifelten Lagen das Geld aus der Tasche zu ziehen. So ist selbst das “Parteiprogramm” in Schriftform nur gegen Bares zu erhalten. Und verkauft der “Rechtsnormenschutzverein” nicht “Senatorentitel” und bietet vollkommen wertlose Seminare an, natürlich gegen Geld?

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    • 10. November 2008 um 18:50 Uhr
    • Horst Himmel
  8. 8.

    Ludowici, Vorsitzender der IPD und des Rechtsnormen-Schutzvereins, ist wie geschaffen für beide Positionen.
    Seinen Grafentitel, Graf von Roit zu Hoya, hat er übrigens ehrlich bei Ebay für 299 Euro plus Porto erworben.
    Juristische Kenntnisse konnte er als Rechtsanwaltsgehilfe in den USA (Paralegal) sammeln. Und seine politischen Erfahrungen stammen aus seiner Zeit als Erster Bürgermeister des Reichslandes Freie und Hansestadt Hamburg (2004). Dieses Amt hatte er im Auftrag einer Kommissarischen Reichsregierung inne.
    2005 übte er dann das Amt des Reichsministers des Innern einer “Exilregierung 2tes Deutsches Reich” aus.

    2007 entdeckte die IPD noch ein weiteres Betätigungsfeld, den Finanzmarkt. Die von führenden Mitgliedern des hessischen Landesvorstandes gegründete Global Network and Investmentgroup Bad Hersfeld bietet in Zusammenarbeit mit dem zu ihr gehörenden Prüf- und Beschaffungsverband Bads Hersfeld günstige Kredite zur Beschaffung von Fahrzeugen und Immobilien an. Für ein Auto zahlt man zum Beispiel 35 Prozent an, und anschließend 36 Monatsraten à 50 Euro. Mehr nicht. Die 36 Monatsraten sind bei jeder Automarke und jedem Typ gleich. Immobilienfinanzierungen sind ebenso günstig. Irgendwie kommt dabei das Pyramidenprinzip zur Anwendung. Und das gilt bei uns leider als Betrug und ist verboten.
    Im September kündigte Ludowici zwar an, dass der hessische Landesverband möglicherweise aufgelöst wird, da er versuchte, illegale Geschäfte zu machen. Aber das änderte nichts daran, dass Mitglieder des Bundesvorstandes der IPD immer noch für diese Global Network and Investmentgroup tätig sind. Und der Prüf- und Beschaffungsverband, eine Einrichtung dieser Group, spielt eine wichtige Rolle bei der IPD. Zum Beispiel beim Kauf eines Anwesens für die Bundesgeschäftsführung.

    Ich würde die Interimpartei nicht als rechtsextrem ansehen, wenn auch rechtsextreme in ihren Reihen sind. Ein “Wolkenschieber” zum Beispiel war bis zu dessen Verbot im Mai 2008 im Collegium Humanum, einem Sammelbecker von Rechtsradikalen, Antisemiten und Holocaustleugner, engagiert. Er ist einer der fleißigsten Schreiber im Forum der IPD und seinen Beiträgen wird nie wiedersprochen, auch nicht, wenn seine rechtsradikalen Vorstellungen deutlich zum Vorschein kommen.
    Ludowici selbst ist in meinen Augen geistig verwirrt. Ich halte ihn nicht für den Parteichef, wenn er auch Vorsitzender ist. Ich habe aber noch nicht herausgefunden, wer wirklich an der Spitze der Partei steht. Vielleicht der Bundesgeschäftsführer?

    Das Parteiprogramm kann man auch umsonst bekommen. Einfach mal bei Google die Begriffe “Bundeswahlleiter, Interimpartei” eingeben.

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    • 25. November 2008 um 14:01 Uhr
    • Willi
  9. Kommentar zum Thema

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