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Götz Kubitschek: Der Faschist vom Rittergut Schnellroda?

 

Vor wenigen Wochen trat Götz Kubitschek, Initiator der konservativ-subversiven Aktion (KSA), erstmals mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit, um seine und die Motive seiner Anhänger zu erklären. Ebenso wichtig wie die Bedeutung seiner Worte war jedoch der „kalte Stil“, in dem Kubitschek seine Botschaft vortrug. Armin Mohler wird wohl einst solche Persönlichkeiten gemeint haben, als er über den „faschistischen Stil“ schrieb.

Im Jahr 1973 veröffentlichte Mohler erstmals seinen berühmten Text „Der faschistische Stil“ in dem von Gerd-Klaus Kaltenbrunner herausgegebenen Sammelband „Konservatismus International“. Ein Jahr später wurde der Text in der mohlerschen Aufsatzsammlung „Von rechts gesehen“ leicht verändert wieder abgedruckt, bis es schließlich 1990 in der Traktatsammlung „Liberalenbeschimpfung“ zur Veröffentlichung einer grundlegend überarbeiteten Fassung kam, auf die allein wir uns im Weiteren beziehen.

Mohler versucht in „Der faschistische Stil“ nach eigenen Angaben dem inflationär gebrauchten Faschismus-Begriff wieder einen konkreten Sinn zu geben: „Es gibt kaum ein zeitgeschichtliches Phänomen, dessen Umrisse für uns derart verschwimmen wie der Faschismus. Zum Wort scheint keine Sache mehr zu gehören.“ Dabei schließt sich Mohler weder den Deutungen Zeev Sternhells noch denen Ernst Noltes an, sondern verbleibt mit seinem Faschismus-Begriff in der Mitte zwischen einer Verengung des Fokus auf wenige europäische Staaten (Sternhell) sowie einer Ausweitung des Faschismus zu einem epochalen Phänomen zwischen 1918-1945 (Nolte).

Mohler beharrt schließlich darauf, den Faschismus nicht ideologietheoretisch zu bestimmen. Ein solcher Zugriff, so Mohler, würde an der zentralen Motivlage des Faschismus vorbeigehen. Denn dieser habe Ideologie stets als nachträglichen Schmuck verstanden, nie jedoch als eigentliches Motivationsmoment. „Es wird hier nicht versucht, den Faschismus primär von seinen theoretischen Äußerungen her zu begreifen oder ihn (was nicht dasselbe ist) auf eine Theorie zu reduzieren. Im Bereich des Faschismus ist das Verhältnis zum Begriff nun einmal instrumentell.“, so Mohler. Stattdessen gehe es im Faschismus um einen „Stil“, um eine Art des Verhaltens und des Selbstbildes. Statt eines theoretischen Zugriffs auf das Thema sei folglich ein „physiognomischer“ nötig.

Was genau Mohler damit meint, beschreibt er anhand einer Rede Gottfried Benns, die dieser im Jahr 1934 anlässlich des Besuches des Futuristen Tommaso Marinetti in Berlin gehalten hat. Es sei die gemeinsame Aufgabe Italiens und Deutschlands, gibt Mohler Benn wieder, „an dem untheatralischen, an dem großartig kalten Stil mitzuarbeiten, in den Europa hineinwächst.“ Dem Stil, der Art und Weise der Selbstinszenierung kommt demnach eine größere Bedeutung zu als der Gesinnung, der Idee. Der Faschismus erweist sich für Mohler als etwas durch und durch „Ästhetisches“ – ästhetisch jedoch im eigentlich griechischen Sinne von „wahrnehmen“. Faschistische „Ideologien“ stützten sich also wesentlich auf Wahrnehmung, auf das, was ist. Mit der Postmoderne habe der Faschismus gemeinsam, dass er sich „universalistischen Heilslehren“ und theoretischen Abstraktionen prinzipiell verweigere.

Mit „Der faschistische Stil“ will Mohler keine historisch-konkrete Beschreibung der politischen Systeme von Staaten leisten, sondern deren Konstitutionselemente herausschälen. Demnach seien alle rechten Totalitarismen der damaligen Zeit letztlich durch drei Elemente in stets unterschiedlicher Gewichtung charakterisiert: Der Nationalsozialismus verbinde die Rasse/Nation mit dem Sozialismus, der Etatismus besinne sich trotz aller „nüchterner Einsicht in die Schwächen des Menschen“ auch in schlimmsten Situationen darauf, die staatlichen Institutionen zu verteidigen oder aufzubauen und der Faschismus zelebriere ein „Stilgefühl“, das an eine Form des Existenzialismus gemahne. Mohler kann, indem er auf den „Stil“ zur Bestimmung des Faschisten verweist, indes keine analytische Originalität für sich beanspruchen. Bereits im Jahr 1936 diskutierte bspw. der Philosoph des italienischen Faschismus, Giovanni Gentile, in seinem Buch „Grundlagen des Faschismus“ eben jenen Begriff des „faschistischen Stil(s)“, „inspiriert an einem Begriff der Sparsamkeit und Strenge, (…) weil er danach strebt, aus der menschlichen Tätigkeit die größtmögliche Leistung zu erlangen“. Für Gentile war dabei die formende Rolle des Staates von herausragender Bedeutung. Insofern mag strittig bleiben, ob Mohlers Unterscheidung des Etatisten vom Faschisten wirklich durchgreift. Der Staat ist ja nach dieser Sichtweise nur das sichernde Andere, das dem Menschen als „Mängelwesen“ ausgleichend und Ordnung stiftend gegenüber tritt, und somit die zweite Seite eigentlich ein und derselben Medaille. Unabhängig von dieser Frage betont Mohler jedoch, dass die drei von ihm angenommenen Antriebe keinesfalls nur die staatlichen Systeme nach ungleichen Gewichten durchziehen: „Die drei Antriebe können sich im gleichen Land, in der gleichen Bewegung überkreuzen und gegenseitig lahm legen (…). Und wer die Viten der führenden Persönlichkeiten aufmerksam studiert, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieses Spektakel sich auch innerhalb eines einzelnen Menschen abspielen kann.“ Womit wir bei Götz Kubitschek wären.

Kubitschek sitzt in seinem Arbeitszimmer im Rittergut Schnellroda, die Wände in einem rötlichen Ton gehalten. Die bisher spektakulärste Aktion der Konservativ-Subversiven Aktion (KSA), die Störung einer Lesung des jüngsten Buches von Günter Grass, liegt bereits ein paar Wochen zurück. Heute jedoch soll es darum gehen, Strategie und Taktik der Störorganisation multimedial zu vermarkten. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Martin Lichtmesz dabei Regie führte – nur hinter der Kamera natürlich. Im ganzen Raum sind Insignien des konservativen Widerstands drapiert: Kaplaken, Ernst Jünger und die Hauszeitschrift „Sezession“, in deren 25. Ausgabe Kubitschek sein Fünf-Punkte-Programm bereits einmal vorgestellt hatte. Kurz erscheint auch die Großaufnahme eines Bücherregals, die Werke Mohlers bergen. Darunter auffällig und prominent: „Von rechts gesehen“.

Zunächst beginnt eine hintergründige Stimme mit süddeutscher Tonlage den Gemütszustand eines neurechten Provokateurs freizulegen. Kubitschek spricht ruhig, überlegt, langsam: in kaltem Stil. „Wann hat dieser Mann zum letzten Mal gelacht?“, mag man sich beim Anblick der wichtigsten lebenden Ikone der deutschen Neuen Rechten fragen. Es gehe darum, den Gegner zu verunsichern und zu provozieren – und die eigenen Reihen zu schließen. Er wolle mit den Aktionen junge Menschen ansprechen, die einen „bestimmten Typ“ repräsentieren und an „Temperaturerhöhung“ leiden, zitiert er Ernst Jünger. Dass genau diese Worte Jüngers aus „Das abenteuerliche Herz“ (1929) auch von Mohler in „Der faschistische Stil“ gebraucht werden, um eben diesen zu charakterisieren, wissen nur Eingeweihte. Zitiert man sie ausgiebiger, wird man fast zwangsläufig an jene Truppenteile um die rechtskonservative Jugendkulturzeitschrift „Blaue Narzisse“ erinnert, die gemeinsam mit Kubitschek zu Provokationszwecken durch die Republik reisen: „Unsere Hoffnung ruht in den jungen Leuten, die an Temperaturerhöhung leiden, weil in ihnen der grüne Eiter des Ekels frißt, (…), deren Träger wir gleich Kranken zwischen der Ordnung der Futtertröge einherschleichen sehen.“

Spätestens seit seinem Büchlein „Provokation“ (2007) ist nun allseits offenkundig, dass Kubitschek im rechtskonservativen Intellektuellen Armin Mohler sein großes geistiges Vorbild sieht. Während es angekündigt war als eine umfangreichere Auseinandersetzung mit der Strategie der Provokation, geriet es in großen Teilen zu einer Mohler-Hommage. Und zwar nicht nur dadurch, dass er seine Texte umfangreich kommentierte, sondern auch durch die selbst vollzogene Kopie des „faschistischen Stils“. Denn nichts anderes soll die Provokation sein als eine existenzialistische Selbstvergewisserung durch die Tat: „Hüten wir uns aber, die Wirkung des geschriebenen Worts, des luziden Gedankens, der Aufklärung zu überschätzen. (…) Was wäre all dieses Wissen gegen die eine Tat, die das, was man bloß wußte, verdichtet und übersetzt und mit einer Überzeugungskraft auflädt, die die Lektüre einer halben Bibliothek überflüssig macht!“ Das ist Faschismus im ästhetischen Sinne.

Vom Nationalsozialismus wollen die ästhetische Auffassung von Faschismus Kubitschek wie Mohler gleichermaßen strikt abgegrenzt wissen. Kubitschek beharrt in einer Auseinandersetzung mit Benn darauf, dass „der Nationalsozialismus eher als politisch-soziales Programm, der Faschismus als Verhaltenslehre und ästhetisches Phänomen“ zu verstehen sei. Und auch nach Mohler ist der Stil des Nationalsozialismus weder „kalt“ im faschistischen Sinne noch konnten Hitler und Goebbels darauf verzichten, eine Ideologie in den Vordergrund ihres Wirkens zu stellen. Besonders tritt der Unterschied zwischen beiden Bewegungen für Mohler darin zum Vorschein, dass der Faschismus einen aristokratischen Grundzug mit sich führe, beim Nationalsozialismus hingegen „der seelische Aufruhr einer ganzen Volksschicht seinen Feind sucht“. Während der Nationalsozialist seinen Feind verachtet und ihn zu vernichten trachtet, erkennt der Faschist nach Mohler im ebenbürtigen Gegner gar ein Stück seiner Selbst. Im Traktat „Gegen die Liberalen“ kommt er in Auslegung Nietzsches denn auch zu der Einschätzung: „Auffällig ist auch, daß es für den agonal sich Verhaltenden keinen Feind (inimicus), sondern einen Gegner (adversarius) gibt, der einem näher sein kann als der Laue im eigenen Lager.“ Bissig scheut sich auch Kubitschek nicht davor, allzu Eifrige in seinem Umfeld in diesem Sinne als Nicht-Ebenbürtige, als „Lauwarme“ zu titulieren.

Indes ist dieser ästhetische Faschismus nur die Oberfläche, nur der Lack. In Wahrheit nämlich schlummert in Kubitschek ein nationalistischer Etatist. Denn wie Mohler schätzt er den konservativen Philosophen Arnold Gehlen und dessen Anthropologie. Der Mensch sei als Mängelwesen auf Institutionen angewiesen, die ihn überragen und als solchen Menschen überhaupt erst möglich machen. Der Ritter kalten Stils von Schnellroda nimmt diesen Gedanken so ernst, dass er das „Institut für Staatspolitik“ (IfS) durch seinen jüngsten Rückzug vor ihm selbst rettete. Er hat jedoch auf absehbare Zeit keinen Zugriff auf die staatlichen Schalthebel der Macht, um zu retten, was er „deutsche Substanz“ und „deutsche Zukunft“ nennt. Daher rührt die Gründung der Konservativ-Subversiven Aktion (KSA) als Verzweiflungstat. Kaum einer seiner Anhänger habe Hoffnung, „ das Vaterland wirklich retten zu können“. Daher wolle „jeder von uns wenigstens eines, nämlich eine Spur hinterlassen, also zeigen, dass er nicht beteiligt war am Untergang, sondern gehandelt hat, um etwas zu retten.“ Das Hinterlassen einer Spur – wieder ein stillschweigendes Mohler-Zitat. In seinem Video auf youtube spricht Kubitschek in diesem Zusammenhang auch von einer Form des „politischen Existenzialismus“ und kündigt an: „Wir werden weiter an unserem besonderen Aktionsstil arbeiten.“ Bestenfalls ist Kubitschek also in der Außendarstellung ein Mohlerscher, ein ästhetischer Faschist aus Verzweiflung darüber, dass er den Typ des Etatisten angesichts der hegemonialen Gesamtlage nicht auszufüllen vermag. Oder wie es Rudolf Maresch jüngst ausdrucksstark auf den Punkt brachte: „Die Stilisierung des Leidens, die Angst vor sozialer Missachtung und/oder öffentlichem Ausschluss, wird überhöht durch die Selbstheroisierung des eigenen Lebens.“ Während sich die Linke Ende der 1960er Jahre jedoch auf der historischen Siegerstraße sah, subversiven Protest im Gestus verachtender Überlegenheit zelebrierte und sich gerade daraus ihre Fröhlichkeit erklären lässt, versteht sie Kubitschek als eine Form des letzten, ästhetischen Aufbegehrens gegen das wohl Unvermeidliche. Gerade deshalb ist die KSA keine „Spaßguerilla von rechts“.

Und gerade deshalb hat diese Form des ästhetischen Faschismus aus Verzweiflung auch kaum etwas gemein mit dem historischen Vorbild des italienischen Faschismus. Dieser bezog seine Identität wesentlich aus einer Verachtung des Intellekts, aus dem Lob des Aktivismus und der Verherrlichung politischer Gewalt. Kubitscheks Konservatismus hingegen fußt nicht auf der Verachtung des Denkens, sondern auf dem „scharf ausgeprägten Bewußtsein für die Grenzen der Ratio“ (Weißmann). So ist es auch kein Wunder, dass er im Jahr 2007 in einem Interview mit dem NPD-Blatt „Deutsche Stimme“ – im Unterschied zu seinen subversiven Vorläufern aus den 1960er Jahren – Revolutionen eine Abfuhr erteilte: „Ich werde die Welt nicht so einrichten können, daß sie aufgeht (…) Ich glaube, daß mich dies immer davon abhalten wird, einen ‚neuen Menschen’ zu erträumen und nach diesem Traum hin das Leben zu vergewaltigen. (…) Der Staat ist nicht ersetzbar. Ohne Staat ist keine Ordnung, kein innerer Friede, keine Handlungsfähigkeit, kein Schutz, kein geschichtlicher Weg im Massenzeitalter. (…) Dieser Wettbewerb (innerhalb der NPD, M.B.), wer denn nun die radikalste Lösung und die radikalste Sichtweise zu formulieren vermag, ist mir fremd.“

ER
weitere Informationen: http://www.endstation-rechts.de

32 Kommentare

  1.   Apeiron

    Mir ist etwas unklar, wie sich Mohler als “ästhetischer” Faschist in die Tradition von José Antonio Primo de Rivera (ich weiß, ein alter Hut^^) stellen konnte, wenn sich der ästehtische Faschismus – wie Sie schreiben – dadurch auszeichne, dass er sich „universalistischen Heilslehren“ und theoretischen Abstraktionen prinzipiell verweigere.

    De Rivera hatte 1934 doch selbst in sein 27 Punkte Programm geschrieben, dass man “das katholische Bewusstsein..der nationalen Erneuerung zugrunde legen müsse”, Spanien eine “Schicksalsgemeinschaft” sei und in dem er den Nationalismus zum “Glauben an die höchste Wirklichkeit” erklärte. Auch die Forderung nach dem “Willen zum Imperium” und die Erklärung des Staates zum “totalitären Instrument im Dienste der Unversehrtheit des Vaterlandes” klingen nicht gerade so, als würde hier eine Heilslehre vermieden bzw. versucht, sie einem bestimmten “Stil” instrumentell nachzuschalten.

    Ich sehe es, ähnlich wie bei GöKu, so, dass die formulierten (Selbst-)Zuordnungen nicht sonderlich schlüssig sind.

    Oder habe ich Ihre Darlegungen missverstanden?

  2.   Harki

    In “Der faschistische Stil” macht Mohler ebendiesen Stil aber gar nicht so sehr an José Antonio selbst fest, schon gar nicht natürlich an dem Falange-Programm, sondern an dem Kultus, der um ihn getrieben wurde. An dem JAP! an den Wänden, z.B. Noch mehr an dem berühmten Telefongespräch des Oberst Moscardó, das ja nicht mit José Antonio zu tun hat. Also: José Antonio steht, unbeschadet Mohlers “ja, wenn man”-Äußerung, nicht im Zentrum des Essays.

    Und ich stelle auch hier fest, daß ich in diesem Video nicht, gar nichts von “Kaltem Stil” zu entdecken vermag. Da ist nichts von Rapidität und Brachialität, von Funkeln und von Kälte zu spüren. Er kommt einfach ruhig, bedächtig und recht freundlich rüber. Nicht alles, was nicht rumschreit, ist gleich Kalter Stil.

  3.   Harki

    Also: José Antonio steht, unbeschadet Mohlers “ja, wenn man”-Äußerung, nicht im Zentrum des Essays.

    Nachklapp, bitte. Überhaupt geht’s in dem Essay auch nicht nur um die Falange, sondern um alle möglichen faschistischen Bewegungen und protofaschistischen Phänomen. Mohler ordnet ja sogar die “Entdeckung der Wüste” in seinen Kontext ein und erwähnt dabei z.B. ausdrücklich den Père Foucault.

    Und bei José Antonio ist hier wirklich die Tatsache, daß er ermordet wurde, wichtiger als das, was er gesagt und getan hat. (Und das war ja nicht so furchtbar viel.)


  4. @ Harki: Mensch, Harki, vielleicht haben Sie mit dem Video sogar recht. Aber zum Glück kann ich das auch als Bestätigung meiner Kernthese umdeuten(:-): Im Grunde ist Kubitschek eben eher ein nationalistischer Etatist als ein ästhetischer Faschist.

  5.   Kreuzberg

    @ Aperion

    Der “aesthetische Faschismus” ist ja nicht José Antonios, sondern Mohlers (oder meinetwegen Benns) Idee …

  6.   Apeiron

    @ Kreuzberg:

    Geschenkt – nur hatte ich Herrn Brodkorb so verstandenden, dass sich Mohler selbst als “ästhetischer Faschist” – im oben umrissenen Sinne – charakterisiert habe, was für mich nicht mit meiner Interpretation von José Antonios Schriften in Übereinstimmung zu bringen war. Aber Harki hatte sicher Recht, dass es Brodborb um diese spezielle Schrift Mohlers und Mohler eben eher um die Umstände von JARs Ableben geht und weniger um dessen niedergeschriebene “Glaubensbekenntnisse” ging.


  7. @ Apeiron:

    “Mit „Der faschistische Stil“ will Mohler keine historisch-konkrete Beschreibung der politischen Systeme von Staaten leisten, sondern deren Konstitutionselemente herausschälen. (…) Unabhängig von dieser Frage betont Mohler jedoch, dass die drei von ihm angenommenen Antriebe keinesfalls nur die staatlichen Systeme nach ungleichen Gewichten durchziehen: „Die drei Antriebe können sich im gleichen Land, in der gleichen Bewegung überkreuzen und gegenseitig lahm legen (…). Und wer die Viten der führenden Persönlichkeiten aufmerksam studiert, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieses Spektakel sich auch innerhalb eines einzelnen Menschen abspielen kann.“”

  8.   SozialerMensch

    Ich habe Herrn Kubitschek mal flüchtig kennen gelernt und kann das mit dem kalten Stil überhaupt nicht bestätigen. Der Herr Kubitschek wirkt seiner ganzen Mentalität zunächst sehr soldatisch, bodenständig, einfach, wahrhaftig – fast schon proletenhaft, wobei er andererseits wohl aufgrund seiner für ihn offenbar sehr sinnstiftenden politischen Überzeugungen bemüht ist, einigermaßen intellektuell und bürgerlich-tugendhaft zu sein. Aber eine richtige akademisch-intellektelle Ausstrahlung fehlt ihm – ganz anders als etwa bei Herrn Dr. Weißmann. Im Umgang mit Mitmenschen ist er eigentlich immer recht rücksichtsvoll, halbwegs gemütlich und überhaupt nicht irgendwie “zackig”, technisch oder näselnd. Und er redet ja nun auch nicht ausdruckslos-technisch, wie der Sprecher der Deutschen Wochenschau, sondern ganz normal. Ausdrücke wie „Menschenmaterial“ habe ich jedenfalls von ihm noch nicht gehört. Hinzu kommt ein Kleidungsstil, der einfach nicht dem eines elitären Technokraten entspricht: Als ich ihn kennen gelernt habe, trug er ein halbverwaschenes Cord-Sakko und darunter nicht mal ein Hemd und Kragen. Dazu einen mittelmäßig gepfegten Dreitagebart und einen Kurzhaarschnitt. Auf mich wirkte das nicht nach kaltem Stil, sondern vollkommen menschlich und bodenständig.

    Im Übrigen glaube ich nicht, dass man das Institut für Staatspolitik irgendwie weltanschaulich-exakt einordnen kann, die wissen doch selbst noch nicht einmal was sie genau wollen. Das ganze politische Milieu ist zunächst vollkommen gespalten in noch recht vernünftige konservative Christen auf der einen Seite und zum anderen dieser sog. „Nouvelle Droite“, also solchen Nietzsche-, de Benoist- und Oswald Spengler-Apologeten, die ganz entschieden antichristlich sind. Einig ist man sich insoweit, dass Deutschland unbedingt irgendwelche Werte bräuchte, die dem ganzen Individualismus und der Konsumgesellschaft ein ende bereiten und das Volk wieder in eine Gemeinschaft verwandeln. Aber sobald irgendwie tiefer diskutiert werden soll, was das nun für Werte sein sollen und vor allem, wer die Schuld daran trägt, dass sie verloren gegangen sind (das Christentum mit seinem bösen Universalismus oder der Atheismus), geraten die Flügel sofort richtig aneinander.

    Und dann leidet natürlich alles unter dem Widerspruch, dass man einerseits radikal ist und die Gegenwart deutscher Politik und Gesellschaft vollkommen ablehnt, andererseits aber ob seiner ach so elitären Intellektualität keine groben Ressentiments und sonstige Einseitigkeiten pflegen dürfte, sondern alle Aussagen immer ganz differenziert (oder wohl eher Verworren) formulieren müsse.

  9.   Philipp

    Ästhetischer Faschismus, faschistischer Stil ist doch irgendwie auch ein Spiel mit dem Faschismusbegriff, der irgendwie danach schreit missverstanden zu werden, vielleicht so ähnlich wie dieses NPD-Gelaber von nationalem Sozialismus auf deutlich höherem Niveau.

    Ich bin dafür, daß GöKu in seiner nächsten Videobotschaft lachend im Garten sitzt, das hätte sicher einen enorm verwirrenden Charakter.

  10.   Harki

    Ästhetischer Faschismus, faschistischer Stil ist doch irgendwie auch ein Spiel mit dem Faschismusbegriff, der irgendwie danach schreit missverstanden zu werden,

    So ist es. Also, weder im Video noch sonstwo bezeichnen sich die KSA/GöKu als “faschistisch”. GöKu schreibt in seinem Provokationsbüchlein, daß er von Mohlers “Faschistischer Stil” mal wie ein Blitz getroffen worden sein (kann man übrigens gut nachvollziehen – der Essay ist schlicht hinreißend), nennt sich aber auch dort keineswegs einen Faschisten — wohl aber einen “Gärtner” (übrigens in einer der stärksten Passagen des Bändchens, finde ich). Auch ist das Video eben kein Kalter Stil. Also, die Gleichung “Kubitschek = Faschist” aufzumachen, wird schon schwer. Und man sollte mit solchen Gleichungen auch vorsichtig sein, auch wenn sie mit einem “?” versehen sind…

    Ich hoffe, Brodkorb hat GöKu jetzt nicht genötigt klarzustellen, daß er nur dann ein Faschist sei, wenn man den Begriff im Sinne Armin Mohlers definiere. Wir wissen ja, wie so etwas wiedergegeben wird. 😉