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Intervention gegen Rechtsextremismus

 

Die Idee ist nicht neu. Seit dem Ende der 1990’er Jahre gibt es vor allem in den ostdeutschen Bundesländern Interventionsteams, die bei rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Vorfällen eingreifen. Diese Teams bestehen in den meisten Fällen aus Sozialpädagog_innen, aber auch Jurist_innen oder Polizeibeamte werden hinzugezogen. Ziel ist, die aktuelle Krise zu bewältigen und dafür zu sorgen, dass der Rechtsextremismus zurückgedrängt wird.

Im Laufe der Jahre hat die Praxis gezeigt, dass eine schnelle Intervention vor Ort nur dann sinnvoll ist, wenn sie auf den fruchtbaren Boden einer bereits existierenden demokratischen Struktur fällt. So kann verhindert werden, dass über die Köpfe der Menschen in der betroffenen Region gehandelt wird und die Maßnahme gegen Rechts verpufft, sobald das Mobile Interventionsteam abgezogen ist.

 Mit der Regierung Merkel wurde das entsprechende Programm neu aufgelegt und auf Westdeutschland ausgeweitet. Mit 5 Millionen Euro jährlich finanziert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) dieses Programm mit dem Namen „kompetent. für Demokratie“. In vielen westlichen Bundesländern entstehen mittlerweile entsprechende Strukturen, die je nach dem „Mobile Interventionsteams“ (MIT) oder „Mobile Beratungsteams“ (MBT) heißen. Parallel dazu finanziert das BMFSFJ ein Programm zur Prävention gegen Rechtsextremismus, das den Titel „Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ trägt. Die aktuelle Programmphase endet 2010 und wird währenddessen wissenschaftlich begleitet.

 Insbesondere der Beratungsansatz greift die Notwendigkeit der Unterstützung bereits existierender demokratischer Strukturen vor Ort auf. „Wer sich gegen derartige (rechtsextreme) Entwicklungen engagiert, braucht nicht nur Mut, sondern auch fachliche Beratung. Hier setzt die Förderung durch das Bundesministerium (…) mit dem Bundesprogramm „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ an. Das Ziel: Menschen in solchen schwierigen Situationen vor Ort mit fachkompetenter Beratung und Hilfe zu unterstützen“ heißt es dazu auf der Website von „kompetent.“

 Um die Beratung und Unterstützung zu organisieren, wurde in jedem Bundesland zudem eine Landeskoordinierungsstelle eingerichtet. Die Landeskoordinierungsstelle steuert und verknüpft diese Ressourcen und Hilfsangebote zu einem Beratungsnetzwerk. Tritt ein Konflikt mit rechtsextremem Hintergrund auf, können sich Opfer, Ratsuchende und kommunale Ansprechpartner_innen direkt an die Landeskoordinierungsstelle oder an die Erstkontaktstelle des Bundeslandes wenden. Aus dem Pool von Expertinnen und Experten des Beratungsnetzwerks wird dann ein Mobiles Interventions- bzw. Beratungsteam gebildet, das schnell und unmittelbar vor Ort bei der Lösung von Problemen hilft und zudem nach dauerhaften Auswegen sucht.

 Weitere Infos und Anlaufstellen in den jeweiligen Bundesländern findet man unter www.kompetent-fuer-demokratie.de oder auf dieser Site unter „Hol Dir Hilfe“

0 Kommentare

  1.   Annelise Hegenbarth

    Die MBTs sind kein Wunschkind des Jugendministeriums, sondern der Grünen und einigen aus der SPD aus der Schröder/Fischer Zeit. Die Geschichte dieses Ansatzes geht an den Anfang der 1990er Jahre in Brandenburg zurück.
    Glorienberichterstattung ist sicher schön. Ich würde mich von diesen Leuten nicht beraten lassen. Da habe ich immer Angst, dass die Antifa im falschen Gewand ins Haus kommt. Und das Wort Polizei beruhigt mich nicht sondern macht mich unruhig.

  2.   Rene Meyer

    Liebe Frau Hegenbarth: Angst vor der Antifa und der Polizei? Sie sind sich sicher, daß sie nicht selbst ein bißchen zu rechts eingestellt sind?

  3.   Nele

    Herr Meyer, solche Unterstellungen können Sie doch auch weglassen.
    Wie ein MTB was heben will frag ich mich auch. Müssten die nicht mit den Tätern arbeiten um bei der Problemlösung und Auswegsuche zu helfen? Oder ist das doch mehr ne Art „staatlich gezahlte Antifa-ABM zur Opferberatung und Selbstbekräftigung“?

  4.   Alf

    Vor etwa 2 Jahren war ich mal bei einem Vortrag des für meine Stadt zuständigen MBT. Der Referent dachte zwar immerhin differenzierter als sein zum größten Teil othodox-kommunistisches Publikum, für das stets das böse Monopolkapital Ursache allen Nazi-Übels war. Aber auch für den Referenten ist z.B. ein Foto einer gymnasialen Burschenschaft bei einer Kranzniederlegung für die Bombenopfer unserer Stadt ein Beispiel für rechtsextremistische Aktivitäten…

    Derartige ideologische Schulungstrupps halte ich für hinausgewofenes Geld und einer Demokratie unwürdig.
    Wenn es um konkrete Hilfe für Opfer links- und rechtsradikaler Gewalttaten ginge, wäre es m.E. gut, das hier verbratene Geld dem politischen neutralen Weißen Ring zur Verfügung zu stellen, der mich, als ich Opfer einer politische motivierten Straftat wurde, jedenfalls sehr gut betreut hat.

  5.   Dennis the first

    @Alf
    Na, ich würde ja die „gymnasiale Burschenschaft“ (welch offener Autoritarismus) gerne mal bei einer Kranzniederlegung für die Deutschen jüdischen Glaubens aus ihrer schönen Stadt sehen. ICh glaube da sucht man die vergeblich. Ein Beklagen der Wirkung ohne die Ursachen zu erkennen zeigt eine Einfalt, dass man sich schon fragt, was die tiefere Motivation für derartige Auftritte ist.

  6.   Moderator_JW

    Hallo, wir möchten die User bitten, auf das eigentliche Thema des threads zurückzukommen. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass es uns hier um eine sachliche Diskussion über das Thema Rechtsextremismus geht. Moderator_JW

  7.   Dennis the first

    Das ist ja das Schlimme an den Nazis, die suchen sich ihre Opfer nach Äußerlichkeiten. Dich bedroht keiner und das wird sich auch nicht ändern, wenn du dich denen nicht feindlich oder konfrontativ gesinnt in den Weg stellst. Aber diejenigen, die bedroht werden, aufgrund von Aussehen oder Kleidung oder woran auch immer sich die Frustrierten aufhängen, können das auch nicht ändern, jedenfalls nicht ohne grundsätzliche Freiheitsrechte aufzugeben. Insofern sollte man eine qualitative Beurteilung der Bedrohungslage den Opfern bzw. Betroffenen überlassen. Und von mir aus noch Opferverbänden. Im Übrigen kann natürlich jeder einen Kranz niederlegen wo er möchte, aber man darf ja wohl seine Schlüsse draus ziehen, wozu machen die das sonst?

    Liebe Leser, dieser Kommentar bezieht sich zum Teil auf einen Kommentar, der leider entfernt werden musste. //Moderator_MH

  8.   Ingo

    „Mich bedroht niemand.
    Euch?“

    Jo, in den letzten Jahren bestimmt so vier bis fünf mal.

    Aber wie mein Vorredner (in diesem Fall dein Nachredner schon gesagt hat): „Insofern sollte man eine qualitative Beurteilung der Bedrohungslage den Opfern bzw. Betroffenen überlassen.“

    „Man muß sich schon in entsprechenden Szenen aufhalten und diese sind den BürgerInnen Gott sei Dank vollkommen fremd.“

    Darüber habe ich kurz aufgelacht. Bin ich jetzt als wissenschaftlicher MItarbeiter unbedingt in einer „entsprechenden Szene“? Nein, ich bin einfach nur Asiate. Oder sind Asiaten alle per se in einer „entsprechenden Szene“?

    Liebe Leser, dieser Kommentar bezieht sich zum Teil auf einen Kommentar, der leider entfernt werden musste. //Moderator_MH

  9.   Ingo

    „Die gesamte Klientel benimmt sich komischerweise sehr anständig, wenn ich mich einmische.“

    Meinen sie die Rechtsextremen? Na, wenn sie die falsche Hautfarbe hätten, dann würden sie wohl schon lange tot sein und hier nicht mehr schreiben, ganz ehrlich.

    Sie können gar nicht darüber diskutieren, weil sie sich einfach nicht in so einer exponierten Lage befinden, ganz einfach.

  10.   Nichtdiemama

    Die dargestellte Organisationsstruktur halte ich im Ansatz für sinnvoll, für Grenzgebiete zwischen den Bundesländern ist dies jedoch möglicherweise problematisch, da bestimmte Kompetenzen in Einzelfällen im benachbarten Bundesland liegen könnten. Für solche Fälle wäre es meines Erachtens nach sinnvoll, wenn die Landeskoordinierungsstellen untereinander ebenso vernetzt sind.