Wir müssen reden. Über Nazis.

NPD bald auf neuem Kurs?

Von 15. Januar 2009 um 17:58 Uhr

Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt hat ein schweres Jahr hinter sich. Vor Monaten wurde sein Schatzmeister Erwin Kemma wegen Veruntreuung von Parteigeldern zu 2 Jahren Haft verurteilt; inzwischen steht er selbst im Verdacht, von den Fälschungen der NPD-Rechenschaftsberichte gewusst zu haben. Außerdem muss er sich im März wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor Gericht verantworten.

Seit einigen Wochen steht nun auch fest, dass Voigt einen Konkurrenten um das Amt des Parteivorsitzenden bekommen wird. Der niedersächsische Landesvize Andreas Molau, ehemaliger Waldorfschullehrer und Kulturchef der „Jungen Freiheit”, strebt einen Kurswechsel der NPD an, um sie für breitere Bevölkerungsschichten wählbar zu machen. Dem 39-jährigen Molau schwebt eine „national-konservative Sammlungspartei” vor. Dafür soll sich die Partei auf einen „gewaltfreien Kurs” begeben, ohne sich dabei von der freien Kameradschaftsszene zu distanzieren.
Diese ist von der Kandidatur Molaus nicht überzeugt. Ihm fehle das „Kämpferische”; sein Vorhaben, die Partei zu intellektualisieren, wird auch vom radikalen Flügel der Partei mit Skepsis betrachtet. Die Befürworter Molaus, zu denen der sächsische Landesvorsitzende Holger Apfel und der mecklenburg-vorpommersche Landtagsfraktionschef Udo Pastörs gehören, werden Molau auf dem kommenden Wahl-Sonderparteitag im März als Kandidat für den Bundesvorsitz vorschlagen. Damit stehen neben Sachsen und Bayern noch zwei weitere Landesverbände hinter Molau.
Wird Andreas Molau tatsächlich gewählt, könnte die NPD in Zukunft noch größere Probleme bekommen, die „freien Szene” und die Neonazis zu binden, die sich bereits jetzt abseits der Partei in Splittergruppen wie den „Autonomen Nationalisten” organisieren. Eine deutliche Absage an ein gewalttätiges Vorgehen der Parteianhänger bedeutet unter Umständen Stimm- und eventuell Mitgliederverluste. Peter Klose, sächsischer Landtagsabgeordneter, wirft den Unterstützern Molaus vor, sie nähmen für einen Machtwechsel den Verlust von 2.000 Mitgliedern in Kauf.

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Kommentierend dazu der Störungsmelder. Ebenfalls Redok, MutgegenRechteGewalt.de, sowie ein umfassender aktueller Beitrag bei BNR. [...]

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  2. 2.

    “Kulturchef” der “Jungen Freiheit”, guter Witz. Ballettchoreograph beim DFB, okay, oder AKW-Planer bei den Grünen, aber “Kulturchef” bei der JF?
    Wie kann man das fortgesetzte Mäkeln an Freiheits- und Menschenrechten und am Zusammenwachsen der Welt als logische Folge dieser Rechte als “Kultur” bezeichnen? Fünftes Rad am Wagen des Fortschritts.
    Rückwärtsgewandte Monokultur (irrtümlicherweise qualitativ mit der wirklichen Kultur also der ambivalenten Realität verglichen) führt zwingend in die geistige Einfalt und ist somit eine kulturabschaffende Weltsicht. Also ein guter Witz.

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    • 16. Januar 2009 um 13:08 Uhr
    • Dennis
  3. 3.

    @ Dennis:

    Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Der JF-Kulturteil ist doch immer sehr interessant. Nehmen wir ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr: In der JF 23/08 vom 30. Mai 2008 veröffentlichte der Klaus Hornung (Ex-Präsident des Studienzentrums Weikersheim) den Artikel “Ordnung im eigenen Haus. Ein Verleger, wie er im Buche steht: Zum achtzigsten Geburtstag von Herbert Fleissner”. Darin bescheinigt er dem Verleger “Mut, Intelligenz, klare freiheitlich-konservative Prinzipien ohne Scheuklappen”.

    Für solche “Verdienste” war dann auch die Ulrich von Hutten Medaille der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik angesagt: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/146/300144/text/

    Und die führt gegenwärtig wer? Andreas Molau, demnächst vermutlich im Amt von NPD-Chef Udo Voigt zu bewundern. Übrigens mit dem Ziel, die NPD näher an die intellektuelle Rechte heranzuführen.

    Fazit: Auch dieser gelegntlich vernachlässigte Teil der JF birgt Interessantes ;-)

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    • 16. Januar 2009 um 15:12 Uhr
    • Apeiron
  4. 4.

    Und es gibt heutzutage immer noch Menschen, die die rechtsextremen Tendenzen der “Jungen Freiheit” leugnen…

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    • 16. Januar 2009 um 16:32 Uhr
    • Ingo
  5. 5.

    Endstation Rechts über die Junge Freiheit und auch Andreas Molau. Für die Unwissenden (Ingo z.B.) vielleicht interessant:

    “Nein, die JF ist nicht rechtsextrem. Es hat einen Grund, warum im Jahr 1994 der heutige Spitzenkandidat der NPD Niedersachsen, Andreas Molau, die Redaktion der JF verlassen musste. In dessen Zuständigkeitsbereich fiel seinerzeit ein Beitrag Armin Mohlers, der eine eindeutige Abgrenzung gegenüber revisionistischen Tendenzen der radikaleren Art vermissen ließ. Am 7. Oktober 2007 dokumentierte Stein außerdem erneut seine Ablehnung eindeutig rechtsextremistischer Parteien wie der NPD, indem er „das Ende einer vertrauensvollen Zusammenarbeit“ (Stein 2007: 1) mit dem FPÖ-Europaabgeordneten und Chefredakteur des österreichischen Zwillingsblatts „Zur Zeit“, Andreas Mölzer, feststellte. Dieser wollte auf europäischer Ebene in Vorbereitung der Europawahl 2009 die NPD an einem Rechtsbündnis beteiligen: „Daß das Reüssieren der NPD und ihres teils unverholen neo-nationalsozialistisch auftretenden Umfeldes ein Fiasko für alle Bemühungen um die Etablierung eines rechtsdemokratischen Parteiprojektes in Deutschland bedeutet, hat die JF wiederholt scharf herausgearbeitet.“”
    http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1120:mimetische-rivalit-das-rechtskonservative-wochenblatt-qjunge-freiheitq-und-ihre-gegner&catid=151:junge-freiheit&Itemid=361

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  6. 6.

    @ Florian R.:
    Natürlich haben Sie recht, wenn Sie darauf verweisen, dass die JF nicht rechtsextrem im Sinne des Verfassungsschutzes ist. Die von vielen Kritikern wahrgenommene Problematik des Blattes liegt jedoch auf einer ganz anderen Ebene: So gibt es zahlreiche Indizien, dass das Blatt gezielt ein heterogen “rechtes” Publikum bedient, das vom demokratisch konservativen über das rechtsradikale bis ins rechtsextreme Spekrtum reicht. Gleichzeitig wird – wie am obigen Beispiel gut nachzuvollziehen – versucht, auch extrem rechte Kreise unter dem scheinbar harmlosen Begriff des Konservativen zu subsummieren. Ob man damit den demokratisch denkenden Konservativen einen gefallen tut, lasse ich mal dahingestellt.

    Deshalb – und hier bitte ich Sie den Artikel in seiner Differenziertheit zu zitieren – heißt es im von Ihnen angeführten Beitrag von endstation rechts auch: “Ignorieren kann man jedoch auch nicht, dass sie teils zweifelhafte Verlage zu ihren Anzeigenkunden zählt (Nandlinger 2007), dass sie Udo Voigt (NPD-Bundesvorsitzender) oder Frank Schwerdt (NPD-Bundesvorstand) in Interviews politische Plattformen bietet (Lölhöffel 2007); dass ihre Autoren oder ehemaligen Autoren wie Angelika Willig keinerlei Berührungsängste mit der NPD haben und bspw. für deren Parteiblatt „Deutsche Stimme“ einschlägige Artikel schreiben (Willig 2008); oder dass der ehemalige JF-Redakteur Götz Kubitschek der „Deutschen Stimme“ (wenn auch mit deutlich kritischem Unterton) als Interviewpartner zur Verfügung stand (Kubitschek 2007).”

    Ich will Ihnen nicht unterstellen, dass Sie hier bewusst einseitig zitiert haben. Wie problematisch aber die Positionierung einzelner Stimmen im “konservativen” Raum ist, macht für mich das Beispiel des von Ihnen in Ihrem Blog zitierten Michael Klonovsky (Achse des Guten – Holocaustleugner und Pyramidioten) deutlich. Wie sehen Sie das: Kommt in Klonovskys Aphorismus “Was für ein Genuss, inmitten des allgemeinen Toleranz-Blablas einen gebildeten Rassisten zu treffen!” konservatives Denken zum Ausdruck? Oder wäre das eher ein Spruch für Molaus neues Zielpublikum?

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    • 18. Januar 2009 um 14:36 Uhr
    • Apeiron
  7. 7.

    Ich habe ja auch von “Tendenzen” geschrieben.

    Apeiron hat alles dazu gesagt.

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    • 18. Januar 2009 um 15:11 Uhr
    • Ingo
  8. 8.

    @ Apeiron
    Ich habe den Zitatauschnitt nur thematisch mit Bezug zu Molau so gewählt und wollte deutlich machen, wie lange Molau schon nicht mehr für die JF schreibt und aus welchem Grund. Mölzer und die JF habe ich dann gleich mit übernommen, als aktuelles Beispiel. Vielleicht wäre ein erheblich kürzeres Zitat oder einfach nur der Link auf den Artikel besser gewesen. Eine unterschlagende Absicht war es aber nicht.

    Ich lese die JF jetzt schon relativ lange regelmäßig (ca. zwei Jahre) und bin natürlich nicht immer einer Meinung. Eine Scharnierfunktion, wie sie immer unterstellt wird, oder aber auch die von Ihnen genannten, bzw. zitierten “Tendenzen”, sehe ich so nicht. Wenn man möchte, kann man Interviews mit Voigt und Schwerdt als das Geben einer politischen Plattform sehen, ich sehe das allerdings anders. Für mich fällt das einfach in den Bereich der ausgewogenen Berichterstattung. Die JF ist für mich auch interessanter als Gegner der NPD (was sie tatsächlich ist!), als z.B. Publikationen aus linken Bereichen, deren finanzielles Auskommen zu Teilen daraus besteht “gegen rechts” zu sein. Es gibt erhebliche, unüberbrückbare Differenzen zwischen der JF und der NPD und deren Umfeld. Auf Wunsch können wir da gerne noch näher ins Detail gehen.

    “Was für ein Genuss, inmitten des allgemeinen Toleranz-Blablas einen gebildeten Rassisten zu treffen!”
    Ein Aphorismus. Wie er tatsächlich gemeint ist, weiß wohl nur der Autor. Als “konservativ” würde ich diesen Satz alleine nicht sehen, ich weiß es nicht. Was stört Sie an diesem Satz? Die offensichtliche Provokation?

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  9. Kommentar zum Thema

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