Thor Steinar an arabischen Investoren verkauft
Die bei Neonazis beliebte Marke Thor-Steinar sorgt immer wieder für ähnlich klingende Schlagzeilen. Geschäfte wie zuletzt der Laden „Tromsö“ im Berliner Stadtteil Friedrichshain werden unter starkem Protest eröffnet, es folgen zahlreiche Demonstrationen, die zum Glück meistens ihre Wirkung zeigen und schließlich kündigen die meisten Vermieter dem Thor Steinar – Produzenten Mediatex aufgrund von Täuschung die Ladenräume. Auch „Tromsö“ muss nach Tagesspiegelberichten bald wieder schließen. Es scheint allerdings nur eine Frage der Zeit, bis ein neuer Laden eröffnet und das Spiel von vorne beginnt.
Doch die neusten Nachrichten von Thor Steinar haben ausnahmsweise nichts mit Eröffnungen, Protesten und Schließungen zu tun, sondern sind derart ungewöhnlich, dass man sie zunächst für einen Scherz halten könnte, gäbe es nicht das Impressum der Thor-Steinar Homepage und einen “seit Monaten im Internet kursierenden Handelsregisterauszug”, der den ungewöhnlichen Eigentümerwechsel beim Thor Steinar Produzent Mediatex bestätigt. Demnach sei der neue Besitzer von Mediatex der arabische Großinvestor Faysal al Zarooni, der mit der „Faysal al Zarooni Group of Companies“ in Dubai vorwiegend “Immobiliengeschäfte betreibt” und “Beratungsdienstleistungen anbietet”. Seit November 2008 ist Zarooni bereits Eigentümer und beschäftigt seinen “Berater und Wirtschaftsprüfer” aus der Zarooni Group, Mohammed M. Aweidah, nun auch als Geschäftsführer der Mediatex. Ein Sprecher des Amtsgerichts Potsdam bestätigte dem Blogger gegenüber, die Echtheit des Handelsregisterauszuges und den Einstieg des Investors aus Dubai in das kleine Unternehmen mit Sitz im Brandenburgischen Königs-Wusterhausen. Mediatex selbst war zu einer Stellungnahme uns gegenüber, weder telefonisch noch per Email, bereit.
Der Eigentümer- und Personalwechsel könnte auf das Unternehmen große Auswirkungen haben. Ob damit ein Imagewechsel einhergeht ist allerdings fraglich. Die stärkste Käufergruppe der Marke diskutiert bereits in den einschlägigen, rechtsextremen Foren über die Übernahme. Dem bisherigen Geschäftsführer Uwe Meusel wird dort vorgeworfen, er habe sich an der rechten Käufergruppe bereichert und sie verraten. Viele Forenteilnehmer rufen zum Boykott der Marke auf.
Quelle: http://blog.miescha.de/index.php/2009/03/04/erstaunlich-erstaunlich-erstaunlich/
“Wenn ich ihren geschriebenen Wust richtig deute, dann sagen sie von sich selbst, dass sie ungefähr gleich viele “normale” Mitbürger und Nazis in T. S. antreffen. Darf ich dich fragen, wo du die Grenze dessen ziehst und in welchem Milieu du dich bewegst?”
Es handelt sich um keinen Wust (viel eher ein praktisches Beispiel für ein wissenschaftstheoretisches Vorgehen => Karl Popper und seine Schwäne), sondern ich ordne das Gesagte “nur” ein und “überprüfe” ob die Behauptung haltbar ist. Nicht mehr und nicht weniger, sie weisen aber selbst auf ein interessantes Problem hin, nämlich: “Darf ich dich fragen, wo du die Grenze dessen ziehst [...]”
Das Problem habe ich bereits schonmal angeführt, die Grenzziehung ist rein subjektiv. Um es ein wenig nachvollziehbarer zu machen, ich verstehe unter Extremismus in erster Linie die Ablehnung der durch das GG (und dessen Interpretation durch das BVerfG) garantierten Menschen und Bürgerrechte. Da ist für mich die Grenze.
“Darf ich dich fragen in welchem Milieu du dich bewegst?”
Überall und nirgends. Durch mein Studium, Nebenjob und soziales Engagement nebenher komm ich etwas rum. Da ich mich mit den meisten Menschen, auf die ich da treffe, unterhalten muss bekommt man schon einiges mit.
“Was das “nicht eindeutig genug” angeht: Genau das ist ja deren Motiv! Dummerweise haben sie das nicht so ganz geschafft, immerhin ist die Broschüre von “Investigate Thor Steinar” ganz schön dick geworden und wer dann tatsächlich “Division Viking” auf die Shirts druckt, welches eine Division der Waffen-SS unter dem Kommando von General Felix Steine(a)r war, ist in meinen Augen nicht ganz koscher. Von den ganzen anderen eindeutig zweideutigen Motiven ganz zu schweigen.”
Wenn man es aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht sieht, also etwas nüchterner und weniger emotional – dann kann man mit den gleichen Argumenten zu einem anderen Ergebnis gelangen. Der Marke gelang es, mit ein und den selben Sachen verschiedene Klientel anzusprechen. Ob das moralisch vertretbar ist spielt dahingehend wohl weniger eine Rolle. Im Prinzip scheinst du auch zu dem selben Ergebnis zu kommen: Sie wären “nicht ganz koscher. Von den ganzen anderen eindeutig zweideutigen Motiven ganz zu schweigen.”
Es fehlt die Eindeutigkeit, weshalb sich politisch Desinteressierte gerne auch mal Produkte dieser Marke zulegen. Das man durch bestimmte Symboliken bestimmte Parteien anlockt mag zwar beabsichtigt sein, warum diese letztendlich jedoch angelockt werden bleibt das Geheimnis des Käufers. Wer einfach auf das Design steht (und sich mit Politik nicht beschäftigt)weil es diesen (warum auch immer) geschmacklich anspricht, wird sich das Zeug ebenso zulegen wie jemand der aus politischen Grüden auf das Design steht. Hinzu kommt, dass sich die Marke bewußt an den Mainstream orientiert ganz allgemein auf spezielle Accessoires verzichtet. Die Sachen sehen schlicht sehr modisch aus…
“Dann kann ich ja gleich fragen, warum sich denn T. S. noch nicht gegen diese Affinität ausgesprochen hat und warum dann unpolitische Leute diese Marke tragen.”
Auf die letztere kurz und knapp antworten, weil sie von der Stigmatisierung und der Affinität nichts wissen (bzw. dieser keine Beachtung schenken). Da diese sich meistens in einem eher unpolitischen Umfeld Bewegen (weit über die Hälfte der Bevölkerung interessiert sich nicht für Politik, und von den übrigen Interessenten interessiert sich nur ein Bruchteil für Extremismus u.Ä.) und von diesem die Stigmatisierung/Affinität nicht vermittelt wird. Die Affinität von etwaigen politischen Szenen fällt ohnehin für die potentiellen (unpolitischen) Käufer als Abschreckungsmerkmal weg, weil diese Leute kaum Kontakt mit politisch Engagierten haben (Neo-Nazis o.Ä. fallen darunter).
Nun ein paar Worte zum ersteren, ich glaub das ist auch ein Stück weit interessanter. Die Frage, warum sich der Hersteller sicht nicht von einem teil seiner potentiellen Käufer distanziert kann, denke ich, unterschiedlich beantwortet werden, wobei ich anmerken möchte, dass ich hier nur vier Varianten ausführen werde (wird sonst zu lang):
1) Aus politischen Gründen, so wie es der Mainstream behauptet. Das heißt, die Hersteller wollen aus ihrer persönlichen Überzeugung heraus ein Kleidermarke schaffen die ein politisches Spektrum anspricht um dieses wiederum direkt (mit Spenden aus den Umsätzen) und indirekt (Verkauf eines modischen Wiedererkennungsmerkmals).
2) Aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Ein Teil der Einnahmen werden “rechten” Spektrum kommen, wie bereits gesagt “Einnahmen”. Würde man sich offen gegen diese Positionieren, würden diese Einnahmen wegfallen. Sich eine neue Zielgruppe zu erschließen ist unheimlich schwer und kostspielig, und die eher unpolitischen nicht so stark das ein Rückgriff auf diese (ohne erhebliche Einbußen) möglich ist. So distanziert man sich lieber von gar nichts und lässt die Leute reden…
3) Aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Ein Teil der Einnahmen werden “rechten” Spektrum kommen, wie bereits gesagt “Einnahmen”. Würde man sich offen gegen diese positionieren, würden diese Einnahmen wegfallen. Es würden nicht nur Käufer aus dem politisch rechten Spektrum wegfallen, sondern unter Umständen auch die anderen. So wäre es möglich das der Ruf der Marke, das verkörperte “Bad Boy”-Image auch ein möglicher Kaufanreiz ist. Das muss nicht mal heißen, dass die Träger sich mit mit irgendeinem Spektrum identifizieren – sondern sich einfach nur abgrenzen wollen, ohne “Partei” für “Rechtsaußen” zu ergreifen (wenn man Provozieren und Partei ergreifen will, dann gibt es wohl bessere Alternativen, eindeutigere).
4) Eine Mischung aus den in Punkt 2 und 3 genannten Varianten. Eine Distanzierung würde das Bad-Boy-Image killen (dadurch das die tatsächlichen bad-Boys verschwinden) und somit Kunden verscheuchen (sowohl die Bad-Boys und die die einfach nur provozieren möchten).
Ich persönlich tendiere zu einer Mischung aus Punkt 2 und 4. Ich denke es gibt einen nicht unerheblichen Anteil an Käufern der Marke die tatsächlich dem besagten Spektrum zuzuordnen sind. Allerdings denke ich, dass die Summe aus Unpolitischen und “Provokateuren” überwiegt (oder sich zumindest in Waage hält).
Einen interessanten (kritischen) Artikel der taz gibt es hier:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/bluemchenshorts-des-boesen/?src=ST&cHash=555db06e8f
Der vertritt eine Art Mischung aus den ersten 3 Punkten.
Um vielleicht das ganze (etwas lange) Kommentar abzurunden, im Prinzip steht es jedem frei TS-Träger zu kritisieren. Solang man sich im Rahmen der Gesetze (und somit im Prinzip auch im Rahmen des GGs bewegt). Ob ich das gut oder schlecht finde, spielt keine Rolle, gemacht wird es so oder so. Mal ganz davon abgesehen interessiert es eh “keine Sau”, die Proteste werden von vielen Menschen überhaupt nicht wahrgenommen. Was meinst du, warum die Gegen-Rechts-Demos und zeitgleich stattfindende Für-Rechts-Demos keine 2% der Bevölkerkung motiviert?
Interessant wird es erst, wenn diese Grenzen überschritten werden. Genau dann zeigen diese das sie aus meiner Sicht nicht besser sind, als ihre vermeintlichen Feinde (es geht diesen ja auch nicht um TS sondern um die Einstellungen die sie dahinter vermuten). Dann wird deutlich, dass einige Leute nicht für eine Einhaltung der im GG festgehaltenen Menschen und Bürgerrechte (dazu gehört auch das Recht auf Eigentum) einsetzen, sondern ganz andere Rechte einfordern. Ich denke das dieses Problem, nämlich auch die Frage für was genau man sich einsetzt (und nicht wogegen) ist eigentlich das Hauptproblem der ganzen Gegen-Rechts-Problematik. Thor-Steinar ist an der Stelle nur ein dankbares Beispiel…
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