Wir müssen reden. Über Nazis.

Amazon jetzt ohne NPD – aber weiterhin mit antisemitischer Propaganda und Rechtsrock

Von 31. Juli 2009 um 17:38 Uhr

Nach zahlreichen Protesten hat das Online-Versandhaus Amazon.de jetzt die Bücher des NPD-Verlages „Deutsche Stimme“ aus dem Programm genommen. Zudem wurde in die offiziellen Verkaufskriterien der Hinweis aufgenommen, dass „Artikel, die den Nationalsozialismus verherrlichen oder verharmlosen“ nicht verkauft werden dürfen. Damit macht Amazon einen ersten Schritt das Sortiment von derart fragwürdigen Artikeln zu befreien. Trotzdem macht der Konzern wenig Hoffnung auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit rechtsextremer Propaganda.

Amazon-Packzentrum in den USA

In welchem Päckchen stecken die Nazi-Bücher? Amazon-Packzentrum

Ein Grund für die Reaktion des Versandhauses könnte eine Strafanzeige des American Jewish Committee (AJC) sein, die vergangene Woche gestellt wurde. Nach eigener Aussage fand das AJC rund 60 rechtsextreme Bücher in denen gegen Juden gehetzt, der Nationalsozialismus verharmlost oder der Holocaust geleugnet wird. Die Bücher würden vor allem von Antiquariaten und Privatpersonen, aber auch von Amazon selbst vertrieben.

Angefangen hatte der Streit um rechte Propaganda bei Amazon damit, dass der Verfassungsschutz Brandenburg vor einigen Wochen eine Pressemitteilung herausgab, in der auf die Zusammenarbeit von Amazon und der NPD im Rahmen eines Partnerprogrammes hingewiesen wurde. Darin heißt es:

„Offenbar ist die NPD Barnim-Uckermark ins ‚Partnerprogramm’ von Amazon eingestiegen und erzielt damit Einnahmen. Amazon nennt das ‚Werbekostenerstattung’. Andere könnten das eine wirtschaftliche Partnerschaft mit verfassungsfeindlichen Extremisten nennen.“

Über das Amazon-Partnerprogramm können Webseitenbetreiber Links und Banner von Amazon-Artikeln in ihren Onlineauftritt einbauen. Kauft ein Besucher über diese Links Artikel wird der Webseitenbesitzer an den Einnahmen prozentual beteiligt.

Als Reaktion drohten Anfang Juni Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei Amazon mit einem Boykott, sollte die Zusammenarbeit mit der NPD nicht beendet werden. Daraufhin kündigte der Konzern das Partnerprogramm mit der rechtsextremen Webseite. Bücher und Schriften aus dem NPD-eigenen „Deutsche Stimme-Verlag“ gab es aber beispielsweise bis vor kurzem weiterhin direkt über Amazon.de zu kaufen. Auf Nachfragen hieß es lapidar „Es gibt eine Nachfrage dafür, die wollen wir befriedigen.”

Zwar kündigte Amazon jetzt an die Liste des AJC zu prüfen, machte aber gleichzeitig deutlich, dass eine Löschung aller beanstandeten Artikel unwahrscheinlich ist. „Amazon ist ein Händler, keine Regulierungsinstitution“, sagte Pressesprecherin Christine Höger dem Störungsmelder. „Deswegen werden Kunden bei uns auch in Zukunft Titel finden, in denen bedenkliche Inhalte bezüglich des Nationalsozialismus geäußert werden.“ So können Neonazis vorerst auch weiterhin ganz offiziell CDs der bekannten Rechtsrockband Skrewdriver oder ein Nachdruck eines NS-Buches von 1945 mit Ausbildungsgrundlagen für die Werwolf-Kommandos der Wehrmacht bei Amazon bestellen. „Die Behauptung, Amazon werbe gezielt für solche Titel“, hält die Pressesprecherin aber für „unzutreffend und für die Mitarbeiter von Amazon verletzend“.

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Na, die Aussage von Amazon ist ja klasse – “Es gibt eine Nachfrage dafür, die wollen wir befriedigen”… Von Moral hat man bei dem Laden offenbar noch nichts gehört… peinlich und inakzeptabel, finde ich das.

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    • 31. Juli 2009 um 21:35 Uhr
    • Peter
  2. 2.

    [...] das ZEIT-Blog Störungsmelder berichtet, hat Amazon „[n]ach zahlreichen Protesten […] jetzt die Bücher des NPD-Verlages [...]

    Antworten

  3. 3.

    Was man für Geld nicht alles macht, oder? Scheiß auf Moral, solange der Rubel rollt.

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    • 2. August 2009 um 11:26 Uhr
    • Markus
  4. 4.

    “Es gibt eine Nachfrage dafür, die wollen wir befriedigen” sehr toll! also, wenn ich wissen möchte wo ich z.b. kinder am besten weg fangen kann, und welche techniken gut geeignet sind die dann zu quälen und später umzubringen, dann kann ich das bei amazon auch alles bestellen!? prima aussage für alle, die nich ganz dicht sind..

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    • 2. August 2009 um 13:13 Uhr
    • tina
  5. 5.

    an tina

    Thema verfehlt – 6 setzen!!!

    Was bitte hat denn der Mord von Kindern mit Büchern bei Amazon zutun???? Das erschliesst sich glaube ich auch bloß ihnen.

    an alle

    Hier von Moral zusprechen finde ich sehr scheinheilig. Wenn es wirklich nach moralischen Gesichtspunkten gehen würde, dürfte so einiges mehr auf Amazon nicht verkauft werden, aber das nur an Rande.

    Und zum Schluß noch eins: Solange die Bücher nicht verboten sind können, dürfen, sollten sie auch verkauft werden, es liegt ja an jedem selber sie sich zukaufen oder sie zuignorieren. Hier pauschal zum Boykot gegen die händler aufzurufen bloß weil einem das Angebot nicht passt, halte ich für sehr intollerant.

    schönen Gruß aus sachsen.

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    • 2. August 2009 um 16:04 Uhr
    • m.d.a.
  6. 6.

    [...] via Störungsmelder » Amazon jetzt ohne NPD – aber weiterhin mit antisemitischer Propaganda und R…. [...]

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  7. 7.

    Weder das AJC noch Amazon sind eine wie auch immer legitimierte Zensurbehörde.
    Auf der einen Seite wird über Schäuble und Zensursula geklagt, auf der anderen Seite private Zensur verlangt. Erstaunlich.

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    • 2. August 2009 um 21:46 Uhr
    • Nele
  8. 8.

    Da machen Sie es sich aber sehr einfach, Nele.
    Es geht hier nicht um Zensur, sondern um Humanität. Und es geht darum, aus der Geschichte zu lernen. Die Nazis konnten nur an die Macht kommen, weil die schwache Weimarer Demokratie sich nicht gegen die gewehrt hat.
    Deshalb: Wehret den Anfängen!

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    • 2. August 2009 um 22:45 Uhr
    • NocheinBrandenburger
  9. Kommentar zum Thema

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