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Blutiger Nazi-Angriff bei Fußballspiel

 
50 Rechtsextremisten prügelten auf die Fußballer ein
50 Rechtsextremisten prügelten auf die Fußballer ein © Roter Stern Leipzig

Bei einem Bezirksklasse-Auswärtsspiel gegen den FSV Brandis wurde die Mannschaft und Fans des Fußballklubs Roter Stern Leipzig von Neonazis auf dem Platz brutal attackiert. Es gab mehrere schwerverletzte. Nach Angaben von Spiegel-Online befindet sich ein Opfer derzeit in der Intensivstation eines Leipziger Krankenhauses. Sein Jochbein ist gebrochen, es ist nicht auszuschließen, dass er durch den Angriff sein Augenlicht verloren hat. Nach Zeugenaussagen waren auch offizielle Ordner des Gastvereins an dem Übergriff beteiligt. Die Polizei erschien erst nach einer halben Stunde. Szenekenner gehen davon aus, dass es sich um einen geplanten Racheakt des militanten Nazispektrums wegen des verhinderten Aufmarsches in Leipzig am vergangenen Wochenende handelt. „Das war ja angekündigt worden. Wir haben es der Polizei angekündigt, wurden aber allein gelassen“, sagte FSV-Brandis Vizepräsident Michael Sommer dem MDR.

Hier die Pressemitteilung des Vereins:

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis kam es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL. Die Angreifer sind dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen.

Auf Nachfrage schilderten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil „die Dummen noch kommen“. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm. Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lässt auf einen geplanten Angriff schließen.

Für eine vorzeitige Planung der Aktion spricht zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes ist durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt. Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-ZuschauerInnen.

Eisenstangen und Holzlatten als Tatwaffen
Eisenstangen und Holzlatten als Tatwaffen © Roter Stern Leipzig

Daraufhin kam es zu Jagdszenen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber durch die baulichen Gegebenheiten des Sportplatzes in die Enge gedrängt. Man musste sich bis zum Eintreffen der Polizei selbst schützen und erwehrte sich den Angriffen. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Zur Zeit werden die Schwerverletzten in Krankenhäusern behandelt. Durch den Neonaziangriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen. Trotz der Erkenntnisse waren unverständlicher Weise nur wenige Polizeibeamte vor Ort. Erst nach einer halben Stunde kamen weitere Beamte zum Ort des Geschehens. Die angreifenden Neonazis zogen sich nach ihrem Angriff in den Ort zurück. Bereits bei Ankunft in Brandis konnten mehrere Neonazis vor einem Lokal auf dem Marktplatz ausgemacht werden.

Wir gehen davon aus, dass die Polizei die zahlreichen Hinweise über den Aufenthaltsort der Angreifer im Nachgang der Geschehnisse zum Anlass genommen hat, um die Identitäten festzustellen. Weiterhin erhoffen wir uns, dass – wie auf Nachfrage bestätigt-, die Vereinsverantwortlichen von Brandis, die ihnen bekannten Personen aus der angreifenden Gruppe identifizieren. Wir fragen uns, warum weder Polizei noch der platzbauende Verein für die Sicherheit während der Partie Sorge tragen konnten.

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.

Weitere Presseartikel:
Von der Polizei alleingelassen: MDR-Beitrag
Diskussion bei: Leipziger-Fussball.de
Rechte Randale: Bericht der L-IZ
Neonazi-Attacke: Tagesspiegel
Ausschreitungen in der Bezirksklasse: LVZ
Nazi-Angriff: sportswire.de
Erneut rechte Gewalt beim Leipziger Fußball: leipziger-seiten.de
Neonazis attackierten Fans mit Eisenstangen: RP
Neonazis attackierten Fans: PR-Online
Mediafire: Fotos

28 Kommentare

  1.   Peter

    Ekelhaft!

  2.   Lisa

    Der Angriff war zu erwarten. Nachdem die Nazidemo am 17.10.2009 in Leipzig keinen Schritt voran kam, wurde bereits die gesamte Woche über in einschlägigen Naziblogs gefordert, nun andere Wege zu gehen und spontane und schnelle Aktionen auf die Beine zu stellen.
    Hoffentlich werden diese Verbrecher zur Verantwortung gezogen.

  3.   Nina Alsmann

    Das ist wirklich eine Riesen Schweinerei. Hier zeigt sich einmal mehr die menschenverachtende Ideologie der Neonazis, wo tödliche Verletzungen offensichtlich billigend in Kauf genommen werden bzw. das Ziel sind.

    Den Opfern gute Besserung!

  4.   Martin

    echter Wahnsinn. Was passiert denn dort „im Osten“? Ich hab schon im Saarland, in NRW und in Bremen gewohnt und so etwas habe ich dort nie erlebt.

  5.   Juergen

    Ja, ich schließe mich meinem Vorgänger an! Wirklich ekeleregend, solche Taten!

    An das Redaktionsteam: Macht weiter! Gute Seite! 🙂


  6. […] Störungsmelder » Blutiger Nazi-Angriff bei Fußballspiel blog.zeit.de/stoerungsmelder/2009/10/25/blutiger-nazi-angriff-bei-fusballspiel_1674 – view page – cached Willkommen bei Störungsmelder. Hier geht es um Neonazis. Wo sie auftreten, was sie dabei sagen und vor allem: Was man gegen sie unternehmen sollte. — From the page […]

  7.   Jello Biafra

    Das ist wiklich Wahnsinn! Trotz Nazi-Ankündigung lässt die Polizei die Leute vom Roten Stern ins offene Messer laufen! Sieht so aus, als wenn nicht nur beim Ordnerdienst braune Täter sitzen. Einfach widerlich.

    Das Nicht-Verhalten der Einsatzkräfte sollte, besser: muss Thema einer öffentlichen Untersuchung werden, Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen und die Nazi-Schläger strafrechtlich belangt werden.

    Den Freunden und Freundinnen vom Roten Stern Leipzig viele solidarische Grüße und gute Besserung! Lasst Euch trotz dieser Riesenschweinerei nicht einschüchtern! Ihr seid nicht allein!

  8.   Dennis real one

    Im Osten kommen in vielen Gegenden nur noch 80 Frauen auf 100 Männer, die hauen alle, verständlicherweise, ab. Das Problem mit der Ostunterschicht und sonstigen Frustrierten könnte sich also elegant demographisch selbst lösen. Schlimm ist natürlich, dass jetzt die Konservativen an der Macht sind, die das in ihrer geistigen Unbedarftheit verhindern möchte und dem Ostpöbel auch noch beim Kinderkriegen fördern will.

  9.   Excidio

    >>echter Wahnsinn. Was passiert denn dort “im Osten”? Ich hab schon im Saarland, in NRW und in Bremen gewohnt und so etwas habe ich dort nie erlebt.<<

    da muß ich Dir leider sagen, daß du – wie leider die meisten „normalos“ – nicht aufmerksam genug durch die Welt spazierst.
    Sowohl im Saarland als auch in Bremen habe ich ähnliches in kleinerer Dimension schon erlebt, und in NRW wird es leider auch genug Nazis geben. Dabei sicher auch einige extreme.
    Kein Vorwurf, Martin, nur ein Hinweis, und eine Aufforderung genauer hinzuschauen 😉

  10.   Björn

    Ach Dennis.

    Versuchst du deine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit dadurch zu überspielen in dem du gegen Nazis hetzt oder was du dafür hälst?

    Eigentlich müsste man ihre menschenverachtenden Äußerungen als Lehrbeispiele bei Toleranzseminaren vorführen. Wenn da nur nicht so viele ihres Schlages mitmischen würden.

    Schön wie sie sich outen als jemand der sich die Endlösung der Ossifrage wünscht. Oder zumindest die der „Unterschicht“. Was ein verwöhnter Yuppi-Bengel wie sie auch immer darunter verstehen mag.

    Gehen sie am besten zurück in ihr „Oberschichtenstadtteil“ wo sie von den Problemen des gewöhnlichen Pöbels verschohnt bleiben.

    Und nicht vergessen einmal im Jahr 10 Euro an Brot für die Welt zu spenden.
    Irgendwie muss man sein Gewissen ja beruhigen. Wenn man denn nur eins hätte.