Berufsvertriebene Steinbach will nun doch…
Nachdem sich Erika Steinbach, CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), im Frühjahr dazu entschlossen hatte, doch keinen Sitz im Rat der umstrittenen Stiftung “Flucht, Vertreibung, Versöhnung” anzustreben, wird nun deutlich, dass es sich dabei um ein taktisches Manöver gehandelt hatte: Steinbach ging offensichtlich davon aus, dass die Sozialdemokraten im Kabinett ihre Berufung verhindern würden, hatte sie doch u.a. 1990 gegen die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze gestimmt.
Sie hoffte, bei Schwarz-Gelb würde nun alles einfacher. Nur: Auch Westerwelle hat kein Interesse an der Berufsvertriebenen…
Erika Steinbach hat sich als stramm rechte Vertriebenenvertreterin einen ziemlich zweifelhaften Ruf erworben, wie einige wenige Zitate auf NPD-BLOG.INFO schon verdeutlichen. Dort wurde im November 2008 über eine Anfrage im Bundestag zu Steinbach berichtet:
Die nationalsozialistischen Verbrechen einer gezielten Vertreibungspolitik in Osteuropa und die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Vertreibung Deutscher aus Osteuropa dürfen in ihren historischen Ursachen und Ausmaßen nicht gleichgesetzt werden. Dies stellt die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/10752) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/10628) klar. Die Abgeordneten bezogen sich darin auf eine Rede von Erika Steinbach, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), zum Tag der Heimat am 6. September 2008 und der darin, so die Linksfraktion, enthaltenen Gleichsetzung nationalsozialistischer Verbrechen mit den Vertreibungen nach 1945. In ihrer Rede habe Steinbach letztere unter anderem als “vorsätzlich geplante und gezielte Vernichtungsaktionen” und als “Völkermord” bezeichnet.
Zudem wird „Mittel-, Ost-, und Südosteuropa (…) über viele Jahre nach dem Krieg noch” von der BdV-Präsidentin als „gigantische Sklavenhalter-Region” beschrieben (Rede von Erika Steinbach zum „Tag der Heimat” 2008, nachzulesen unter www.bund-der-vertriebenen.de/files/ tdh2008steinbachrede.pdf, alle weiteren Zitate dort). Im Zusammenhang mit der Vertreibung von Deutschen spricht sie von „vorsätzlich geplanten und systematischen Vernichtungsaktionen”. Die jugoslawischen Partisanen im Krieg gegen die Wehrmacht werden als die eigentlichen Aggressoren beschrieben, gegen die die „Reaktionen” der Wehrmacht „brutal, drastisch und trotzdem hilflos” waren. In höchst problematischer Diktion werden die jugoslawischen Partisanen als Verbrecher beschrieben und ihr Anführer, Josip Broz Tito, von Erika Steinbach – die sich hier hinter einem Zitat Konrad Adenauers versteckt – als „ein ganz gewöhnlicher Verbrecher” bezeichnet. Die Behandlung der Deutschen in Jugoslawien bezeichnet die BdV-Präsidentin als „Völkermord”, durchgeführt in von ihr so genannten Todeslagern, die an anderer Stelle als „Vernichtungslager” bezeichnet werden.
Wie oben schon beschrieben verzichteten Steinbach und der BdV aus taktischen Gründen im Frühjahr auf einen Sitz im Beirat der Stiftung. Nun fordern sie diesen Sitz “ultimativ” wie der Spiegel berichtet.
Die innenpolitsiche Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, kommentiert das Gezerre um Steinbach:
“Erika Steinbach inszeniert sich als Opfer einer Verschwörung und tut so, als sei ihre Nominierung in den Stiftungsrat die Gretchenfrage der Demokratie. Dabei hat sie sich selbst zuzuschreiben, dass sie und ihr Verein im In- und Ausland als Synonym für Nationalismus, Revanchismus und Geschichtsklitterung gelten. Wer gegen die Anerkennung der polnischen Westgrenze gestimmt hat, mag alles Mögliche sein – aber Garantin einer fairen Versöhnung mit Polen ist Steinbach nie und nimmer.
Die Debatte zeigt aber auch: Mit dem Projekt eines Vertriebenen-Museums sind Geister gerufen worden, die jetzt nur noch mit Mühe in der Flasche gehalten werden können. Die Funktionäre des BdV sehen sich durch das Projekt offenbar ermutigt, ihre deutschnational verzerrte Sicht der Geschichte auch offiziell absegnen zu lassen. Die Fraktion DIE LINKE empfiehlt deswegen, die Stiftung wieder aufzulösen und die vorgesehenen finanziellen Mittel zur Entschädigung für Opfer von Wehrmachtsverbrechen zu verwenden.”
Zu fragen ist an dieser Stelle wirklich, ob nicht die potentiell geschichtsrevisionistische Ausrichtung der Stiftung “Flucht, Vertreibung, Versöhnung” das Hauptproblem der ganzen Diskussion ist…
Bei diesem Thema reagieren meist beide “Seiten” polemisch, vorschnell und vorurteilsbehaftet. leider bildet der Autor dieses Artikels keine Ausnahme….
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“Hier geht es um Neonazis.”
Unter dieser Themensetzung ein Bericht, der sich mit Erika Steinbach beschaeftigt …
Und dann “wundern” sich Antifaschisten, warum sie aus der buergerlichen Mitte so wenig Unterstuetzung bekommen. Deshalb. Weil es eben fast immer nicht nur gegen unstreitige Neonazis geht, sondern gegen Politik und Politiker, die ebenso unstreitig keine Neonazis sind. Und weil auch ich fuer den notwendigen Streit gegen rechten Poebel nicht alle anderen Ueberzeugungen an der Garderobe abgeben werde.
Dass der Artikel unter “Geschichtsrevisionismus” eingestellt wird, rundet das Bild dann nur ab. Schade – schon wieder eine Netzaddresse gegen Braeunlinge, die nur diejenigen goutieren koennen, die sich eindeutig weit links der gesellschaftlichen Mitte verorten. So viel vergeudete Muehe …
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@ Jan Jetter
Ist das jetzt ‘ne Sublimierung Ihres “Entsetzens” und Ihrer “Empörung” über die Anzeige der “Preußischen Allgemeinen Zeitung” in der “Zeit” siehe hier http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/jan-jetter und hier http://www.ostpreussen.de/paz/paz-wirbt-in-die-zeit-wir-wollen-wachsen.html ?
Meine Fragen:
1. Warum wird unter der Überschrift “Über Nazis reden” über die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach gesprochen?
2. Ist Frau Steinbach eine Rechtsextremistin oder gar ein Neo-Nazi?
3. Wenn ja, befinden sich in der Unionsfraktion weitere Rechtsextremisten?
4. Sind Vertriebene weltweit generell “faschistisch”, “revanchistisch” etc pp.?
5. Wie schätzen Sie die Preußische Allgemeine ein? Teilen Sie die Auffassung des Verfassungsschutzes, daß die PAZ nicht rechtsextrem ist?
4. Mir fällt auf, daß Sie gerne und häufig auf vom Verfassungsschutz als linksextrem festgestellte Organisationen, Personen und Projekte verweisen. In diesem Fall auf den VVN-BdA und Frau Jelpke.
4a. Bevorzugen Sie einen “Kampf gegen rechts” und Einschluß linksextremer Partner oder bevorzugen Sie einen Kampf gegen linken und rechten Extremismus unter Außschluß extremistischer Partner?
4b. Teilen Sie die Einschätzungen der Verfassungschutzämter zu den Personenm, Organisationen, Projekten auf die Sie hier im Laufe Ihrer Tätigkeit beim Störungsmelder verlinkt haben?
Habe zwar wenig Hoffnung, daß Sie sich zu Antworten hinreißen lassen, freute mich aber dennoch, wenn es wenigstens zu einzelnen Punkten mal ein Statement von Ihnen gäbe. Vielen Dank.
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Hmm, was hat eigentlich die Wehrmacht in Jugoslawien zu suchen gehabt? Landesverteidigung? Wohl kaum…
Ich denke mal, es ist gewagt, Menschen als “Verbrecher” zu titulieren, die mit ihren bescheidenen Mitteln ihre Heimat verteidigt haben. Das kann man vielleicht “brutal” nennen aber die Besatzer waren auch nicht wesentlich besser.
Die Handlungen gegen die Besatzer als “Völkermord” zu bezeichnen ist allerdings komplett Mumpitz.
Das mit der Nicht-Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze kann ja ihre Ansicht sein.
Ebenso, dass sie die Vertreibung aus dem Kontext nimmt und ebenfalls als “Völkermord” bezeichnet.
In Grunde genommen sind die Vertriebenen mit die letzten Opfer der hitlerischen “Aussenpolitik”. Das sollte sie eigentlich wissen.
Sie darf sich aber nicht wundern, wenn es negative Reaktionen darauf gibt bzw. Reaktionen, die das alles kritisch begutachten.
Und wenn sie da nun einen Sitz haben möchte, darf sie sich ebenfalls nicht wundern, wenn es Stimmen gibt, die dies nicht gutheissen aufgrund ihrer Aussagen.
Und sicherlich kommt es im Ausland nicht gut an, wenn da aufeinmal jemand einen Posten in so einer Stiftung inne hat, der gewisse Grenzen nicht anerkennt oder mit Aussagen aufgefallen ist, die man normalerweise aus Ecken vernimmt, die ganz seltsam sind. Das wirkt erstmal nicht so nach Verständigung oder Versöhnung oder überhaupt seriös.
Und da kann ich nachvollziehen, dass der Außenminister damit ein Problem hat.
Wiegesagt, sie darf sich darüber nicht wundern.
Mit freundlichen Grüßen
Olli
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