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Schlussstrich und „Holocaust-Industrie“

 

Abgesehen davon, dass die Hardrockband Bonfire aktuell versucht, mittels einer gruseligen Hardrockversion der deutschen Nationalhymne auf den patriotischen WM-Zug aufzuspringen – bei Saturn gibts die CD incl. Deutschlandfahne – , kommt bei ihren konkreten politischen Statements auch nicht viel mehr raus.  Im Gegenteil: Da wird mal eben „den Juden“ unterstellt, sie würden bis  heute „immer noch“ am Holocaust verdienen.

Der Sänger von Bonfire betont in dem Video weiter: „Damit muss Schluss sein! Wir wollen endlich wieder stolz auf unser Land sein!“. Deutschland ist total super und „die Juden“ sollen mal aufhören, sich „ewig“ über den Holocaust zu beschweren – da trifft eine Band offenbar an vielen Punkten einen neurechten Nerv. Ob es nun einfach Dummheit, ideologischer Hintergrund oder auch beides bei Bonfire ist, vermag ich nicht zu entscheiden.

Fakt ist, dass sie direkt  auf die Debatte um die sogenannte „Holocaust-Industrie“ anspielen, in der der umstrittene Politologe Finkelstein jüdischen Organisationen und Persönlichkeiten, die sich um ein Gedenken zum Holocaust bemühen, unterstellt, sich am Holocaust zu bereichern. Finkelsteins Thesen hielten zwar einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand, dafür schürten sie  mit dem Klischee einer internationalen jüdischen Verschwörung massiv antisemitische Ressentiments. Der Diskurs stieß eigentlich nur in Deutschland auf nennenswertes Interesse und rief insbesondere bei der Neuen und Extremen Rechten wahre Begeisterungsstürme hervor – zumal Finkelstein selbst Jude ist und somit hervorragend als eine Art „Kronzeuge“ benutzt wird.

Es ist erschreckend festzustellen, in welchen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen sich Kernthemen der Neuen und Extremen Rechten mittlerweile ganz selbstverständlich formulieren lassen und offenbar fest verankert sind.

3 Kommentare

  1.   UK

    Der Autor hat bislang wohl verschlafen, dass erwähnter Song bereits zig Jahre alt ist. Was Bonfire da unterstellt wird, ist an den Haaren herbeigezogen. Wer keine Ahnung von der Band und ihren Anliegen hat bzw. den Sinn dieses Songs nicht versteht, sollte es vielleicht eher mal frei nach Dieter Nuhr halten 😉 Und wem die verrockte Hymne nicht gefällt, der muss sie sich nicht anhören.


  2. […] ist, doch das hat sich im Herbst 2007 geändert, als von der Gruppe plötzlich ganz andere Töne zu hören waren: Da wird mal eben ‘den Juden’ unterstellt, sie würden bis heute ‘immer […]


  3. […] auf der WM-Welle mitschwimmen, so ganz unschuldig im Wohlfühl-Patriotismus. Im Sommer grub der »Störungsmelder« einen Live-Mitschnitt zum Song »Proud of my Country« aus, wo der Bonfire-Sänger sich in einem […]