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Die andere Seite der WM (Teil 4)

 
Fußball machts möglich - Naziladen-Kleinstadt-Idylle in Murnau © AFP

In der wundervollen Euphorie um das allgegenwärtige Meer aus Deutschlandfahnen, vergisst man schon mal genauer hinzuschauen. Genau das ist der Nachrichtenagentur AFP passiert und später auch Spiegel Online.

Wie Bildblog.de berichtet, hatte das Nachrichtenmagazin in einer Bilderserie mit dem viel versprechenden Titel: „WM-Manie: Wohnst Du noch oder lebst Du schon Schwarz-Rot-Gold?“ das obige Foto aus der bayerischen Kleinstadt Murnau gezeigt. Leser aus der Region staunten nicht schlecht, dass hier unkommentiert das Schaufenster des bekanntesten Naziversands der Gegend präsentiert wurde. Im Erdgeschoss des Hauses, dass dem NPD-Kreisvorsitzenden Matthias Polt gehört, ist der rechtsextreme „Versand der Bewegung“ untergebracht.

Wer etwas genauer hinsieht kann auf dem Foto erkennen, was in dem Laden alles so angeboten wird: Zum Beispiel der hübsche Fanschal des „Nationalen Widerstands“ oder eine Reichskriegsfahne. Auf der „Weltnetzseite“ des Versands finden sich dann auch die Artikel, die es hinter der Theke gibt: CDs von Nazibands wie Sturmwehr oder Hauptkampflinie. Dazu passend ein mit Blutspritzern untermaltes „Anti-Antifa“-T-Shirt auf dem zu sehen ist, wie ein Neonazi einen alternativen Jugendlichen zusammenschlägt.

Inzwischen wurde das Bild kommentarlos aus der Spiegel Online Galerie entfernt. Die AFP sagte dem Störungsmelder, dass die Beschreibung des Fotos, die beim Kauf mitgeliefert wird, jetzt entsprechend geändert werden soll.

Wer noch genauer hinschaut, kann übrigens sehen, dass das Ladengeschäft im Ort offenbar alles andere als beliebt ist.

4 Kommentare

  1.   mjay

    Es ist schon menschlich, dass Pressefotographen derartige Fehler unterlaufen. Beunruhigend finde ich allerdings, dass dieses Foto vor dem Erscheinen durch mehrere Hände gegangen sein muss und der augenfällige Wechsel der Schalfarben von Schwarz-Rot-Gold zu Schwarz-Weiß-Rot keine Aufmerksamkeit erregte… Was ist der Grund dafür? Faulheit, genauer hinzusehen, mangelnde Reflexion oder oder das Erstarken einer “jedem das Seine”-Mentalität? Warum wird so oft erst nach Kritik reagiert, vor allem, da im Zuge der WM Nationalismus immer einen Diskurs darstellt, sprich für das Thema Sensibilisierung vorhanden sein sollte?
    Sicherlich sind viele in Schwarz-Rot-Gold gehüllte Menschen bloß Fans, das Problem liegt darin, dass (wie u.a. dieses Foto sehr schön zeigt) Schwarz-Weiß-Rot ein Nebeneinander angeboten wird, ja der Übergang fließend verlaufen kann, wenn der Blick von außen nicht differenziert genug auf das Geschehen gerichtet ist!

  2.   Sebastian Ziegler

    @mjay

    Ehrlich gesagt viel mir die schwarz-weiß-rote Fahne erst beim dritten oder vierten Hinschauen auf, so offensichtlich ist das Ganze bei weitem nicht. Wahrscheinlich fiel es erst dann auf, als einige Leser aus der Region den Laden wiedererkannten und dann etwas genauer hinsahen.

    Dahingehend sollte ihre Aufzählung von “Faulheit, genauer hinzusehen, mangelnde Reflexion oder oder das Erstarken einer “jedem das Seine”-Mentalität” noch ergänzt werden um: Chronische Zeitknappheit (jeder Journalist wird wissen was ich meine) und dummer Zufall/ungünstige Umstände (die betreffenden Gegenstände sind kaum zu sehen und die Reizüberflutung durch die Vielzahl an schwarz-rot-goldenen Fähnchen/Wimpelchen/Banner/… macht es auch nicht leichter).

    Um mich mal kurz zu fassen: Es mag ein blöder Fehler sein, aber keiner der nicht auch anderen passieren könnte oder als besonders dramatisch zu bezeichnen ist (auch die meisten Leser dürften die betreffenden Gegenstände kaum wahrnehmen).

    Um nochmal kurz auf den Punkt “Nationalismus-Diskurs” einzugehen, so groß bzw. raumgreifend ist der auch nicht – zumindest scheint es mir so. Das Thema wird, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt…


  3. […] Arten und Weisen: Fröhliches Verkleiden, gemeinsames Feiern, entspanntes Fanmeiling, bunt geschmückte Kaufmannsläden oder rituelle Tänze. Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, wie sich heute eine Nationalmannschaft […]


  4. […] der Reise war das Gelände von NPD-Politikers Matthias Polt. Er ist Betreiber des Neonaziladens "Versand der Bewegung". Regelmäßig finden in seinen Räumen NPD-Veranstaltungen und "Sonderverkaufsaktionen" statt, oft […]