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NPD plant nächtliche Propagandashow in Berlin

 
Möglicherweise planen die Neonazis einen maskierten Fackelmarsch wie zuletzt in Bautzen

Mit einer nächtlichen Propagandaaktion will die rechtsextreme NPD in der Nacht zu Sonntag nach eigener Aussage den „Kampf um Berlin“ einleiten. Mit Hilfe von mehreren hundert angereisten Neonazis aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland plant die Partei innerhalb von fünf Stunden 40 000 Wahlplakate in der gesamten Stadt aufzuhängen.

Von Maik Baumgärtner und Johannes Radke

In einem Parteischreiben, das dem Störungsmelder vorliegt, ist die Rede von rund 40 Plakatiertrupps. Startpunkt ist die Parteizentrale in der Seelenbinderstraße in Köpenick. Vor der Abfahrt ist offenbar noch ein unangemeldeter Fackelmarsch durch Köpenick geplant. „22 Uhr: Videodreh für Youtube mit Fackeln, Trommeln, Fahnen“, steht in dem Brief.

Besorgniserregend ist, dass die Rechten sich offensichtlich auf Gewalttaten einstellen. So sollen Berliner Neonazis bei Rechtsextremisten aus Tschechien gezielt um Unterstützung von „kampferprobten Kameraden“ gefragt haben.

„So eine Situation ist äußerst gefährlich für alle Menschen, die nicht in das rechte Weltbild passen und sich in der Nacht zufällig auf der Straße bewegen“, warnt Sabine Seyb von der Opferberatungsstelle ReachOut. Die NPD-Aktion wecke böse Erinnerungen an den Wahlkampf 2006. „Damals wurden mehrfach Vertreter von demokratischen Parteien von Neonazis angegriffen und verletzt.“ Auf öffentlichen Wahlveranstaltungen aller Parteien tauchten Rechtsextremisten auf, um zu stören und Politiker einzuschüchtern.

Im Januar kam es bei einer NPD-Plakataktion in Hamburg zu einem Zwischenfall. Partei-Funktionär Thomas Wulff verprügelte einen Ladenbesitzer und bedrohte ihn mit einer Axt, weil er sich über das Poster direkt vor seinem Geschäft beschwert hatte. Die Waffe hatten die Neonazis in ihrem Wahlkampfauto versteckt.

Das Bündnis „Nazis auf die Pelle rücken“ hat für Sonnabend bereits eine Kundgebung vor der NPD-Zentrale angemeldet. „Die Plakatieraktion der Nazis mit Inszenierung als Sturm auf Berlin werden wir ganz sicher nicht so hinnehmen“, sagte Lars Laumeyer, Sprecher der Antifaschistischen Linken Berlin. Unterstützt werden die Proteste auch von Gewerkschaften. „Wenn die NPD nachts ihre Trupps in SA-Manier mit Fackeln durch Berlin laufen lässt, dann stellt das für Migranten und Alternative eine Gefahr dar“, sagte die stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführerin, Gabi Lips. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Nazis wie Anfang Mai in Kreuzberg, Jagd auf Linke und Menschen mit Migrationshintergrund machen.“

19 Kommentare


  1. Übel. Wir haben aber genug Polizei auf den Straßen, die angemessen reagieren kann.
    Wie man Demos auflöst, wissen die schon. Siehe Mehringdamm.
    Hinweis an den Autoren: Es handelt sich um die Seelenbinderstraße, bitte berichtigen. Sie ist nach einem Widerstandskämpfer gegen die Nazis, nicht nach einem Ort benannt.

  2.   Nachfrager

    Ich weiß gar nicht, was bedenklicher ist, die Minderheit, die sich in der NPD formiert und auch nie einen nennenswerten Erfolg haben wird, oder die Naivität, mit der die meisten Leute jede Desinformation glauben, die diese Partei streut, um sich wichtig zu machen. Es kann davon ausgegangen werden, dass wenn eine „Plakatekleben bei Fackelmarsch“ Aktion geplant wäre, die Öffentlichkeit keine Information erhalten würde. Außerdem sind die Jungs bestimmt nicht so naiv und gefährden ihre eigene Pakatkleberei durch so einen Nonsens.

  3.   Johannes Radke

    Lieber Nachfrager,
    wie im Text geschrieben, handelt es sich um interne NPD-Briefe, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

  4.   Johannes Radke

    Lieber Sequenzer,

    Danke für den Hinweis. Ich habe den Straßennamen im Text gleich korrigiert.

  5.   AntifaGI

    Hallo ich will dazu auch was sagen wir aus Gießen (Hessen) haben am 16.07 was gesehen was mir persönlich angst macht die Faschos wurden unter MASSIVEM Polizei schutz und unter MASSIVEM RECHTSBRUCH seitensder Stadt Gießen und Polizei geschützt meiner meinung nach kann man sich nicht mehr darauf verlassen das die Polizei was gegen diese Faschistischen und Rassistischen Aktionen etwas Tut.

    MFG
    Antifaschist aus Gießen

  6.   Jannes

    Danke für den Hinweis. Ich denke auch, dass die Polizei angemessen reagieren wird. Und vielleicht gibt es ja 2011 doch wieder eine Wasserschlacht in Berlin, aber nicht an der Oberbaumbrücke sondern an der NPD-Zentrale. 🙂


  7. […] die Zeit berichtet plant die rechtsextreme NPD für kommenden Sonnabend wohl eine Propaganda-Aktion in Berlin. In […]

  8.   Nachfrager

    Lieber Johannes,

    die wissen schon gut, wie man Informationen glaubwürdig platziert. Soo naiv sind die auch nicht.

  9.   Berliner

    Mit einem Einschreiten der Berliner Polizei gegen den NPD-Aufmarsch ist nicht zu rechnen. Aus Gründen.

    http://berlin2011.wordpress.com/2011/04/20/behordenleiter-mit-schlagstock-auf-npd-demo-erwischt/

  10.   Max Kahlke

    was weiss man über die Teilnehmer aus dem europäischen Ausland? Aus welchen Lândern?
    Danke für schnelle Antwort.