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Störungsmelder-Autor mit Hans-Weber-Preis ausgezeichnet

 

Wir gratulieren unserem Autor Johannes Hartl für seine Auszeichnung mit dem Hans-Weber-Preis 2011. Die Auszeichnung für sein Engagement mit seiner Internetseite www.schwandorf-gegen-neonazis.blog.de wurde ihm am Wochenende verliehen. Der Preis wird durch die SPD im Unterbezirk Regensburg an Projekte vergeben, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Der erste Preis ist mit 1000 Euro dotiert, zwei weitere Projekte erhielten je 750 Euro. Wir dokumentieren an dieser Stelle die Dankesrede unseres Autoren und wünschen ihm weiterhin alles Gute.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Juroren,
liebe Familie Weber,
liebe Mitstreiter, Freunde und Familie,

Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln standen lange Zeit über symbolhaft für Rechtsextremismus. Und dieses Bild ist auch heute noch in den Köpfen vieler verankert – obwohl die rechte Szene sich mittlerweile drastisch gewandelt hat. Das hat zur Folge, dass man Neonazis zum Teil gar nicht mehr erkennen kann, was sie wiederum ungleich gefährlicher macht!

Das ist in Schwandorf nicht anders. Auch bei uns gibt es Neonazis und sie sind durchaus aktiv. Zwar weniger auf der Straße, dafür aber im Internet umso mehr. Auf ihrer Kameradschaftsseite „Widerstand Schwandorf“ veröffentlichen sie in regelmäßigen Zeitabständen Texte, die Bezug zu aktuellen Ereignissen nehmen und stellenweise versuchen gezielt Angst zu schüren. Die Themen sind dabei vielfältig und sorgen nicht selten auch bei gewöhnlichen Bürgern, die keiner rechten Gesinnung sind, für Unmut. Eben das ist die Strategie der Neonazis. Mit kontrovers diskutierten Themen versuchen sie im Internet auf Stimmenfang zu gehen. Das ist vor allem deshalb problematisch, weil sich im Internet eine der Hauptzielgruppen der Neonazis aufhält: die Jugend. Dazu kommt, dass Rechtsextremisten dort oft ungehindert und unbeobachtet argumentieren und hetzen können. Die breite Öffentlichkeit wird nur dann auf derartige Parolen aufmerksam, wenn sie auf den Straßen skandiert werden. Das ist ein großes Problem, denn Neonazis haben längst begriffen, welch entscheidende Rolle das Internet spielen kann.

Das gut gemachte Design und die teilweise unverfänglich wirkende Aufmachung der Neonazi-Homepages spielt den Rechten dabei förmlich in die Hände. Denn die Erfahrungen vieler zeigen, dass besonders das Internet bei der Rekrutierung eine entscheidende Rolle spielt. Der Grund dafür: Über das Internet ist die Kontaktaufnahme um ein vielfaches leichter, als über öffentliche Aktionen, wie zum Beispiel Stände oder Demonstrationen.

Die Tatsache, dass rechte Einstellungen wie „Die Ausländer nehmen uns alle die Arbeitsplätze weg“ oder ähnliche in der Gesellschaft immer mehr Zuspruch finden ist ein alarmierendes Signal, dass den Neonazis darüber hinaus zu Gute kommt. Dass viele Jugendliche – wohlgemerkt nicht alle! – kaum Aufklärung zum Thema Rechtsextremismus genossen haben und nicht selten eine mangelnde politische Bildung haben, nutzen Neonazis gezielt aus.

Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit von „Schwandorf gegen Neonazis“ an: Wir versuchen aufzugzeigen, wie die Neonazis in der Region argumentieren, wie sie organisiert sind und wie sie auftreten. Neben ihren öffentlichen Aktionen – die in der letzten Zeit zum Glück seltener geworden sind – legen wir einen großen Fokus auf das Internet. Damit wollen wir insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, aber natürlich auch alle anderen Altersgruppen ansprechen. Zudem wollen wir ein deutliches Zeichen gegen „Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass, Diskriminierung, Chauvinismus, Geschichtsrevisionismus und allen anderen Arten von rechtsextremer Hasspropaganda setzen und somit einen Beitrag zur Aufklärungsarbeit gegen Rechts leisten. Das Internet ist hierfür ein hervorragendes Medium.

Gestartet habe ich das Projekt anlässlich eines Neonazi-Aufmarsches am 17. April dieses Jahres in Schwandorf. An diesem Tag trafen sich zwischen 30 und 50 Neonazis, da sie angeblich den Opfern des Bombenabwurfes auf Schwandorf, am 17. April 1945, gedenken wollten. Im Laufe des Aufmarsches kam es dabei zu einer ungeheuerlichen und überaus bedenklichen Szene für die demokratische Gesellschaft. Eigens für den Aufmarsch der Neonazis wurde die Wackersdorfer Straße, eine der Hauptverkehrsstraßen Schwandorfs, gesperrt, nur damit die Rechten mit Transparenten und FACKELN ausgestattet durch die Stadt ziehen konnten. Die Bilder, die sie damit erzielt haben, waren fatal. Genau von solchen Aufnahmen haben führende NPD-Funktionäre schon lange geträumt – und ausgerechnet in Schwandorf haben sie sie erzielt.

Der Fakt, dass es in Schwandorf, von dem lokalen Bündnis gegen Rechtsextremismus abgesehen, keine Initiativen gegen Neonazis gab und gibt, haben mich darin bestärkt, selbst aktiv zu werden. Da das Bündnis gegen Rechts vor allem hintergründige Arbeit leistet und sich weniger auf die Internetauftritte der Neonazis konzentrierte, beschloss ich das selbst zu übernehmen. Schon kurz darauf ging ich mit www.schwandorf-gegen-neonazis.blog.de online und veröffentlichte die ersten Artikel.

Seither führe ich die Arbeit kontinuierlich fort und berichte immer wieder darüber, wie die Neonazis hetzen oder an welchen Veranstaltungen sie sich beteiligen. Doch ich beschränke mich nicht alleine auf Schwandorf: Immer wieder berichte ich auch über Neonazis im Bundesgebiet und Gegeninitiativen, auch für den Störungsmelder von ZEIT ONLINE und den Watchblog publikative.org Hauptsächlich thematisiere ich jedoch die lokale Szene, immer wieder in Artikeln im Schwandorfer Wochenblatt, die selbstverständlich auf „Schwandorf gegen Neonazis“ erscheinen und dort nachgelesen werden können.

Das ich dafür jetzt den Hans Weber Preis für mehr Toleranz und Demokratie verliehen bekomme, betrachte ich als große Ehre und sehe es als Anerkennung meiner Arbeit gegen Rechtsextremismus. Und jetzt möchte ich mich ganz herzlich bei einigen Leuten bedanken. Zunächst einmal natürlich bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich immer tatkräftig unterstützt haben und mir immer wieder Mut zugesprochen haben. Dann möchte ich mich auch bei Ursula Hildebrand, der Redakteurin des Schwandorfer Wochenblatts bedanken, die mich zum einem erst einmal auf die Idee gebracht hat, mich für den Hans-Weber-Preis zu bewerben und dann natürlich dafür, dass sie mir auch immer wieder bereitwillig Texte für meine Seite zur Verfügung stellt, sodass ich nicht alles alleine schreiben muss. Vielen Dank dafür. Und abschließend möchte ich mich selbstverständlich ganz besonders bei der Jury bedanken, die mein Projekt für den Hans-Weber-Preis auserkoren hat und so wieder einmal zeigt, dass das Engagement gegen Neonazis von unglaublich großer Bedeutung ist. Vielen, vielen Dank dafür. Ich freue mich wirklich wahnsinnig über diesen Preis und kann ihnen allen gar nicht genügen danken.
An dieser Stelle möchte ich aber auch noch einmal alle ermuntern, etwas gegen Neonazis zu unternehmen und nicht wegzusehen. Jeder kann einen Beitrag zur Demokratie leisten und sich neonazistischen Ideologien in den Weg stellen!

Und eines, sehr geehrte Damen und Herren, das kann ich ihnen hier an dieser Stelle versichern: Meine Arbeit wird weitergehen. Schwandorf gegen Neonazis bleibt bestehen und ich hoffe, dass es in Zukunft viele ähnliche Projekte geben wird.