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„Der Jude an sich“ und die Piratenpartei

 

Mit einem merkwürdigen Tweet hat der Piratenpolitiker Kevin Barth eine neue Debatte über antisemitische Tendenzen in der Piratenpartei ausgelöst. In dem Posting schreibt Barth, dass er „den Juden an sich unsympatisch“ (sic!) findet und schimpft über die „israelische Kackpolitik“. In einer noch unglücklicher formulierten (und inzwischen wieder gelöschten) Stellungnahme auf seinem Blog betonte er anschließend, er wolle „niemals die Verantwortung“ für die NS-Vergangenheit Deutschlands übernehmen. Mitglieder der Piratenpartei waren schon mehrfach durch antisemitische Ausfälle in die Kritik geraten. Zuletzt wurde das antisemitisch konnotierte Kraken-Bild gegen das ACTA-Gesetz scharf kritisiert.

Die Piratenpartei Baden-Württemberg reagierte mit einer Stellungnahme:

Am vergangenen Sonntag wurde in Baden-Württemberg der Kreisverband Heidenheim der Piratenpartei gegründet. Kurz darauf sind Twitter- und Blogeinträge des frisch gewählten Vorsitzenden mit pauschalen antisemitischen Aussagen ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Infolge der heftigen Kritik innerhalb und außerhalb der Piratenpartei ist er noch Dienstagnacht von seinem Amt zurückgetreten.

Wir stellen hiermit nachdrücklich klar, dass Antisemitismus und Rassismus weder in der Piratenpartei noch generell in einer Demokratie einen Platz haben. Auch werden entsprechende menschenverachtende Äußerungen nicht geduldet.

Am Freitag findet die konstituierende Sitzung des Kreisvorstandes Heidenheim statt. Auf dieser Sitzung wird der Sachverhalt in der gebotenen Tiefe erörtert und aufgearbeitet werden.

42 Kommentare

  1.   Leser

    Gibt es eigentlich auch „unpauschale“ antisemitische Äusserungen?!
    Wäre dies dann im Sinne der Piraten „in Ordnung“?!
    Oder wie ist die Stellungnahme des LV BW zu verstehen?!

  2.   Sascha

    Ähh, ja alles klar: Der „ACTA-Krake“ ist natürlich „antisemitisch konnotiert“ – Muhaha!

    Fällt der „Zeit“ nix mehr ein, oder werden solche Artikel von der FDP bezahlt?

  3.   Johannes Radke

    Lieber Sascha,
    bitte schau doch mal dieses Bild an, dann verstehst du, was wir mit „antisemitisch konnotiert“ meinen.
    http://npd-blog.info/wp-content/uploads/2010/07/krake.JPG

  4.   Sascha

    Lieber Johannes,

    na und? Weil die Nazis mal ein ähnliches Motiv verwendet haben, ist die verwendung eines ähnlichen Motives latürnich grundsätzlich „antisemitisch konnotiert“. Schwachsinn hoch drei kann ich da nur sagen.

    Abgesehen davon: Das Motiv wird nicht nur von den „Piraten“ verwendet, da „Stop-Acta“ keine reine Piraten-Veranstaltung ist.
    Aber für das „NPD-Blog“ scheint Recherche ja ein Fremdwort zu sein; Behauptung ersetzt hier den Beweis.
    Das entsprechende Feedback zu diesem Schwachsinnsbeitrag kam ja dort schon an.
    Womit wir wieder bei einer anderen Frage wären: Welches Parteiinteresse steckt hinter Ihrem Artikel?

  5.   icke

    Na da mussten sie aber graben um sich einen antisemitischen vergleich zu zimmern. Man hätte ja auch naheliegenderes wie Filmzitate als Bezug zur Krake nehmen können. Kampf der Titanen? „Release the Kraken!“ ?
    Wirkt doch sehr konstruiert…

  6.   SD

    Oder man schaut sich gleich das an und merkt, dass dieser Krakenvorwurf überzogen ist:
    http://bigthink.com/ideas/39146?page=all

    Mit „pauschal antisemitisch“ ist wahrscheinlich „pauschalisierend, antisemitisch“ gemeint gewesen. Sprache ist schwer. 😉

  7.   bugme

    „Ich bin an ein Thema ohne fundiertes Wissen.“ so Kevin Barth. Typisch für diese „Piraten“-Partei.

  8.   Zweifler1

    Ist Kevin Barth nun ein Nazi? Oder ein Linker? Oder weiß man das evtl. nicht so genau?

  9.   Anton

    Zitat:“Ist Kevin Barth nun ein Nazi? Oder ein Linker? Oder weiß man das evtl. nicht so genau?“

    Würde dazu mal sagen, weder noch. Einfach nur dumm.

  10.   der Osz

    Ach du liebe Zeit! Ich schätze euch wirklich sehr und ich finde es tatsächlich etwas daneben, wie sich der Herr von der Piratenpartei benommen hat.

    Man kann jetzt aber natürlich aus einer Mücke einen Elefanten stricken und sich als angeblich so unparteiische Qualitätszeitung trotzdem ins eigene Fleisch schneiden, indem man immer tiefer und tiefer gräbt – ähnlich wie es auch die Bild-Zeitung tut –, denn irgendwas „passendes“ findet sich immer und bei jedem.

    Ich persönlich bin Grafiker und hätte auf das Krakenbild ebenso kommen können. Glücklicherweise bin ich es nicht, denn ich kenne das NSDAP-Bild mit der „Juden-Krake“ nicht. Trotz sorgfältiger Recherchen kann man ja mal ins Klo greifen, ist es nicht so? Nun denn, dann haben Sie und die Macher des ACTA-Kraken-Bildes ja jetzt etwas gemeinsam.