Neonazis unter sich

Rechtsextreme organisieren ihre Events gerne konspirativ. Doch nicht immer bleibt im Verborgenen, was sie planen. Wie am vergangenen Samstag. So kam es dazu.

Von Sebastian Lipp

Eine Gruppe aus Göppingen wird vom Schleuser zum Konzert beim Kleintierzüchterverein in Bitz gelotst. ©Norbert Kelpp, allgaeu-rechtsaussen.de
Eine Gruppe aus Göppingen wird vom Schleuser zum Konzert beim Kleintierzüchterverein in Bitz gelotst. ©Norbert Kelpp, allgaeu-rechtsaussen.de

Neonazis bleiben gerne unter sich. Eine kritische Öffentlichkeit, die Polizei, die ihre Gäste kontrolliert, und Behörden, die lästige Auflagen oder gar Verbote erteilen, sollen von ihren Veranstaltungen möglichst nichts erfahren. Deshalb werden vor allem Konzerte immer wieder verdeckt organisiert. Flugblätter werden nur unter der Hand und ohne Ortsangabe an Szeneanhänger verteilt. Wer zum Konzert will, muss eine Art konspirative Schnitzeljagd absolvieren. Doch nicht immer geht diese Geheimniskrämerei auf.

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Müssen Gemeinden Rechtsrockkonzerte dulden?

200 Neonazis umgingen ein Konzertverbot in Bayern – sie wichen einfach in den württembergischen Nachbarlandkreis aus. Viele befürchten, dass die Region nun für die rechtsradikale Szene attraktiv wird. Behörden sehen sich machtlos.

Von Sebastian Lipp

Nach dem Verbot eines Rechtsrockkonzertes in Bayern weichen die Neonazis auf einen Hof im Nachbarlandkreis jenseits der Landesgrenze aus. Dort scheuen die Behörden ein Eingreifen. (© Norbert Kelpp, allgaeu-rechtsaussen.de)
Nach dem Verbot eines Rechtsrockkonzertes in Bayern weichen die Neonazis auf einen Hof im Nachbarlandkreis jenseits der Landesgrenze aus. Dort scheuen die Behörden ein Eingreifen. © Norbert Kelpp, allgaeu-rechtsaussen.de

Das Event sollte geheim bleiben, doch das ging gründlich daneben: Bayerische Behörden bekamen am vergangenen Wochenende Wind von einem diskret geplanten Rechtsrockkonzert. Verantwortlich war die rechtsradikale Skinhead-Kameradschaft Voice of Anger. Bis zu 200 Neonazis wollten am Samstag unter dem Motto „Angry, Live and Loud“ in der Nähe des Flughafens von Memmingen im Allgäu feiern. Bands wie Kommando Skin sollten mit ihrer Musik Hass auf Fremde schüren.

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Pforzheim: Geschichtsrevisionistische Fackel-„Mahnwache“

Teilnehmer der rechtsextremen „Mahnwache“ auf dem Pforzheimer Wartberg | © Christian Martischius

Mehrere Dutzend Rechtsextreme folgten am Freitag der Mobilisierung des „Freundeskreis ‚Ein Herz für Deutschland‘, Pforzheim e. V.“ (FHD) zu einer Fackel-“Mahnwache“ zum Jahrestag der Bombardierung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg. Begleitet wurde die geschichtsrevisionistische Veranstaltung von Gegenprotesten, an denen mehrere hundert Menschen teilnahmen. Weiter„Pforzheim: Geschichtsrevisionistische Fackel-„Mahnwache““

 

Neonaziaufmarsch in Karlsruhe kleiner als erwartet

Schlechte Stimmung bei den Aufmarschteilnehmern © Sören Kohlhuber

Der neunte „Tag der deutschen Zukunft“ in Karlsruhe ist für die rechtsextreme Szene zum Reinfall geworden. Von den anvisierten 1.000 Neonazis kamen am Samstag nur knapp 300, vorwiegend aus Südwestdeutschland, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Nur vereinzelt kamen Teilnehmer aus anderen Bundesländern. 2018 wollen sie dann in Goslar marschieren. Weiter„Neonaziaufmarsch in Karlsruhe kleiner als erwartet“

 

Szene-Streit: Militante Neonazis mobilisieren zum 1. Mai 2017 nach Halle/Saale

Der neonazistische "Schwarze Block", Symbolbild
Der neonazistische „Schwarze Block“, Symbolbild

Nach den schweren Ausschreitungen am 1. Mai 2016 in Plauen gibt es innerhalb der Neonazi-Szene Auseinandersetzungen über das Auftreten bei Demonstrationen. Die Folge: Der neonazistische „Schwarze Block“ hat sich mit der Kader-Partei „III. Weg“ überworfen und mobilisiert für den 1. Mai 2017 nach Halle und nicht nach Gera. Weiter„Szene-Streit: Militante Neonazis mobilisieren zum 1. Mai 2017 nach Halle/Saale“

 

„Allgida“: ein Rohrkrepierer?

Hand in Hand gegen Rassismus 19.3. Kempten (flickr.com/fromoutback2)
Hand in Hand gegen Rassismus 19.3. Kempten (flickr.com/fromoutback2)

Im Februar mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung – „Allgida“ war geboren. Die großspurige Ankündigung „Wir kommen wieder!“ konnte die Gruppe trotz zweier Aufrufe nicht verwirklichen. Statt dessen sahen die Rechten sich antifaschistischem Widerstand und einer breiten Solidarisierungswelle mit Geflüchteten ausgesetzt. War’s das nun? Weiter„„Allgida“: ein Rohrkrepierer?“

 

Bildergalerie: „Tag der Heimattreue“ in Bruchsal

Teilnehmer der rechtsradikalen Kundgebung beim "Tag der Heimattreue" am 19.03.2016 in Bruchsal | © Christian Martischius
Teilnehmer der rechtsradikalen Kundgebung beim „Tag der Heimattreue“ am 19.03.2016 in Bruchsal | © Christian Martischius

Zu einem groß angekündigten und bundesweit beworbenenen „Tag der Heimattreue“ fanden sich rund 120 Rechtsextreme am 19.03.2016 in Bruchsal ein. Die Veranstalter hatten mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet. Viele der angereisten Neonazis kamen aus dem Umfeld der „Freien Nationalisten“ und der rechtsextremen Partei „Die Rechte“. Unter den Rednern war auch Ester Seitz, treibende Kraft hinter „Widerstand Ost West“ und „Karlsruhe wehrt sich!“. Weiter„Bildergalerie: „Tag der Heimattreue“ in Bruchsal“