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Eklat um Dresdner CDU-Fraktion

 

Laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom 25.6.2012 äußerte sich der Fraktionschef der CDU im Dresdner Stadtrat Georg Böhme-Korn zum Antrag der Grünen zur Umbenennung einer Straße in Guernica-Straße. Dem Pressebericht zufolge soll er gesagt haben, dass dies eine bewusste Strategie sei, um „Dresden mit einem Netz der Schande zu überziehen“. Laut Böhme-Korn habe dies mit dem Jorge-Gomondai-Platz begonnen und wäre mit Marwa El-Sherbini fortgesetzt worden. Initiativen gegen Rechts sprechen von einem “Schlag ins Gesicht der Opfer rassistischer Gewalt und ihrer Familien”.

Das Kulturbüro Sachsen e.V., dass sich seit über 10 Jahren in Sachsen gegen Neonazismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und für eine demokratische Zivilgesellschaft engagiert, reagiert auf die Äußerungen des CDU-Fraktionschefs mit Entsetzen.

Grit Hanneforth, Geschäftsführerin des Kulturbüro Sachsen e.V., sagt dazu: “Unabhängig davon, wie man zum Antrag der Grünen steht: Die Erinnerung an die Todesopfer rassistischer und islamfeindlicher Gewalt als ein ‘Netz der Schande’ zu bezeichnen, ist ein Schlag in die Gesichter der Opfer und ihrer Familien.” Und weiter betont sie: „Für diese Äußerung kann sich Herr Böhme-Korn des Beifalls der NPD gewiss sein. Was er als CDU – Fraktionsvorsitzeder und als Bürger dieser Stadt hier äußert, ist unverzeihlich. Ich erwarte eine klare, öffentliche Distanzierung der CDU-Fraktion von dieser Äußerung sowie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Zudem ist eine Entschuldigung von Herrn Böhme-Korn bei den Familien von George Gomodai und Marwa El-Sherbini unumgänglich. Herr Böhme-Korn konterkariert darüber hinaus die Bemühungen zahlreicher Menschen und Initiativen in der Stadt, die sich ernsthaft mit dem neonazistischen, rassistischen und islamfeindlichen Problem in Dresden auseinandersetzen.“

Jorge Gomondai war im April 1991 in Dresden von Neonazis aus einer fahrenden Straßenbahn geworfen worden und seinen Verletzungen erlegen. Seit 2007 gibt es am Tatort in Dresden einen Jorge-Gomondai-Platz zur Erinnerung an ihn. Marwa El-Sherbini wurde am 01. Juli 2009 Opfer eines islamfeindlichen Täters, der sie vor den Augen ihres dreijährigen Kindes im Dresdner Landgericht erstach. Mehrere Initiativen bemühen sich um die Umbenennung des Platzes vor dem Dresdner Landgericht in Marwa El-Sherbini-Platz, um einen dauerhaften Erinnerungsort zu schaffen.

11 Kommentare

  1.   mugu1

    Für Außenstehende wie mich ist es schwer nachvollziehbar, was all die Aufregung soll…sowohl das sich Echauffieren des CDU-Fraktionschefs als auch die gegensätzlichen Reaktionen scheinen mir völlig überzogen.

    Herr Böhme-Korn spricht also von einem Netz der Schande und meint damit offensichtlich die “Anhäufung” von Straßennamen/Platznamen in Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus (Guernica 1937 und 2 Einzelschicksale der jüngeren Vergangenheit). Dazu eine Frage: Sind 3 Namen so viel, dass von einem “Netz” geredet werden kann? Na ja, da versucht sich jemand entweder in Populismus, oder es wurde gesprochen ohne vorher nachgedacht zu haben.

    Das Überzogene auf der anderen Seite: “Schlag ins Gesicht…” Das ist Aktionismus und Populismus in die andere Richtung.

    Meine persönliche Meinung als Nicht-Dresdner: Bei George Gomodai und Marwa El-Sherbini kan ich die Benennung des Platzes bzw. den Wunsch der Umbenennung nachvollziehen. Bei El-Sherbini frage ich mich allerdings, ob die Umbennung des Platzes vor dem Gericht wirklich sinnvoll ist. Wie heißt der Platz aktuell? Wie sieht es mit einer Alternative aus, z.B. einem Denkmal auf dem Platz/vor dem Gericht? Das wären mögliche Alternativen.

    Nun die vorgeschlagene Umbenennung einer Straße in “Guernica-Straße”. Damit kann ich wenig anfangen. Lauter Fragen: Hat Dresden ein besonderes Verhältnis zu Guernica? Gibt es eine Verbindung zu dem Angriff von 1937? Gibt es einen anderen einleuchtenden Grund für eine solche Umbenennung? z.B. Wie heißt die Straße denn heute? Oder: Wo führt sie hin?

    Wenn man einen solch geschichtsträchtigen Namen als Straßennamen verwenden will und dies zu einem großen Politikum macht, sollte meiner Meinung nach auch eine Verbindung dorthin existieren. Zumindest irgend eine.

    Ach ja…Es könnte natürlich auch eine bewusste Provokation der Grünen gewesen sein, so nach dem Motto: “Werfen wir den Vorschlag doch mal ins kalte Wasser und schauen mal, wer es zum Erhitzen bringt.” Diese Aktion wäre dann zumindest voll aufgegangen.

    Grüße aus dem Rheinland…

  2.   deDude

    In der CDU gibt es Menschen denen Rechts näher ist als Mitte und Links? Das ist ja wahrlich unfassbar! Gut das uns Herr Böhme-Korn aufgeklärt hat.

  3.   Oliver

    Es gibt eine bewusste Strategie, Dresden mit einem Netz der Schande zu überziehen! Allerdings wird diese nicht von den Grünen oder Opferinitiativen geführt, sondern von den Tätern, den Apologeten und (in diesem Fall wohl zu einem Grossteil unbewusst) den dazu Schweigenden!

  4.   ein pirat

    hier findet man nochmal den genauen wortlaut zu der aussage von dr.böhme-korn (cdu) zur umbenennung der marwa el-sherbini straße aus dem stadtrat stream http://coloradio.org/site/wp-content/uploads/2012/06/Papa-Schlumpf-Fanale-der-Schande-21.06.12.mp3 (mp3)


  5. […] Eklat um Dresdner CDU-FraktionZEIT ONLINE (Blog)Laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom 25.6.2012 äußerte sich der Fraktionschef der CDU im Dresdner Stadtrat Georg Böhme-Korn zum. […]

  6.   Patze

    Naja, also ich glaub’ da haben die vom Kulturbüro den CDU-Fritzen bissel missverstanden.

    Jedenfalls klingt das für mich so, als meinte der damit die “Festschreibung” von “Schandtaten” in die Geografie der Stadt, via Straßennamenbenennung.

    Und so ein bisschen finde ich auch, dass Straßennamen doch vielleicht lieber Positives und Hoffnungsvolles rüberbringen sollten.

    Statt Extremtaten von kriminellen Minderheiten in’s Stadtbild einzumeißeln.
    Eine Straßenkarte ist ja schließlich keine “Mordopfer-Geokarte” (“Ah, und schau’, hier wurde Jorge-Gomondai ermordet!” – “Ja, und hier drüben wurde….”)

    Also in Wien gibt es ja auch (noch) keine “Natascha-Maria-Kampusch-Straße”, und die Dresdner “Leipziger Straße” heißt zum Glück auch nicht “Rainer-Sommer-Straße”.

    Wie handhaben das eigentlich die Leute im Kosovo?

  7.   Patze

    P.S.:

    Mal davon abgesehen, dass ein “Jorge-Gomondai-Platz” oder eine “Marwa-El-Sherbini-Straße” z.B. einen “Rosa-Luxemburg-Platz”, also bissel “wichtigeren, bedeutsameren” Opfern der Zeitgeschichte ein wenig an Relativierung und Bedeutungslosigkeit bescheren.

    Immerhin gibt es im Dresdner Stadtgebiet nicht mal mehr eine Ernst-Thälmann-Straße!


  8. […] Eklat im Dresdner Stadtrat. Die Fraktion der Grünen hat einen Antrag eingereicht,eine Straße in „Guernica Straße“ […]


  9. […] Dieser äußerte sich ablehnend gegenüber dem Antrag zur Umbenennung und bezeichnete sie laut einem Bericht von Zeit Online als eine “bewusste Strategie, um Dresden mit einem Netz der Schande zu […]

  10.   Wolfgang Ritter

    Nunja, Guernica ist meines Wissens die erste Stadt, die systematisch zerbombt wurde (nämlich massgeblich und als willkommene “Übung” durch deutsche Piloten) – gerade Dresden wird ja von Nazis gerne als Fanal alliierten Bombenterrors zitiert. Da sehe ich durchaus eine Verbindung. Insgesamt ist es halt leider nicht so, dass Dresden sich nur als Elbflorenz gerieren kann und ansonsten bequem einrichtet im Gedenken an Versöhnung und WIederaufbau der Liebfrauenkirche. Es gibt offenabr auch ein anderes, hässliches Dresden. Das es wenig geholfen hat, Neonazis einfach zu ignorieren, sollte man ja wohl mittlerweile begriffen haben. Die einzig sionnvolle Alternative kann doch nur das aktive Vorgehen sein.