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Burschenschafter-Streit um Verunglimpfung Bonhoeffers kommt vor Gericht

 
Der Konflikt zwischen liberalen und rechtsextremen Burschenschaftern spitzt sich zu

Ein Streit um die Bezeichnung Dietrich Bonhoeffers als Landesverräter wird demnächst vor dem Amtsgericht Bonn ausgetragen. Die Staatsanwaltschaft Bonn legt dem Chefredakteur der Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft, Norbert Weidner, zur Last, den Theologen und NS-Widerstandskämpfer verunglimpft zu haben.

Von Tilman Steffen

Weidner hatte Ende 2011 in einem burschenschaftsinternen Mitteilungsblatt die Hinrichtung Bonhoeffers als „juristisch gerechtfertigt“ bezeichnet. Er sei „zweifelsfrei ein Landesverräter“ gewesen, schrieb Weidner in einem Leserbrief.

Als dies im Frühjahr bekannt wurde, warfen ihm Kritiker vor, sich entgegen eigenem Bekunden nicht von seiner rechtsextremistischen Vergangenheit distanziert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener erließ dann das Amtsgericht auf Antrag der Ermittler einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 40 Euro.

Dagegen erhob Weidner Einspruch. Das Gericht kündigte deshalb an, einen Termin für eine öffentliche Hauptverhandlung anzusetzen.

Innerhalb der Burschenschaft hatte Weidner mit seinen Äußerungen eine Diskussion darüber ausgelöst, ob er als Vorstandsmitglied des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft noch tragbar ist. Der Versuch seiner Kritiker, ihn als Chefredakteur abzuwählen, scheiterte zum Jahrestreffen der Burschenschaften im Mai jedoch knapp.

Vor wenigen Wochen hatte das Landgericht Bonn liberale Kräfte innerhalb der Burschenschaften im Streit mit Weidner dagegen gestärkt. Die Richter sahen es im Sinne der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit als zulässig an, Weidner als „höchstwahrscheinlich einer der Köpfe der rechtsextremistischen Bewegung“ zu bezeichnen, „die aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften besteht“. Die von Weidner beanstandeten Äußerungen stammen aus Rundmails, die der Bonner Burschenschafter Christian Becker verschickt hatte.

21 Kommentare


  1. Wenn man für jeden dummen Spruch eines Burschenschaftlers 50 Euro genommen hätte, hätten wir einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Dieser saufende und pöbelnde Mob ist keine Zeile oder keine Klage wert, denn dadurch verschafft man diesem Intelligenzprekariat nur eine vollkommen unverdiente Aufmerksamkeit.


  2. Der braune Sumpf innerhalb der Deutschen Burschenschaften ist ja nichts Neues.

  3.   Thomas Melber, Stuttgart

    Was hat das Bild ganz oben (NPD) mit den Burschenschaften zu tun? Wieso steht der Artikel in der Rubrik „Störungsmelder“? Vielleicht darf einmal daran erinnert werden, daß während des 3. Reiches die Burschenschaften verboten, somit als regimefeindlich eingestuft waren.


  4. Und deswegen diffamieren die heutigen Burschenschaften einen Widerstandskämpfer – Gott weiss, dass es zu wenige gab – als Landesverräter? Diese Burschenschaft(en) haben wohl eher mit den Parteiorganisationen der NSDAP etwas gemein als mit den damals verbotenen Burschenschaften.


  5. @ M.Aurelius: Wie wahr, wie wahr!

  6.   Azenion

    Die Burschenschaften waren nicht verboten, weil sie oppositionell oder gar linksgerichtet waren, sondern weil alle unabhängigen Vereine im Zuge der Gleichschaltungspolitik aufgelöst wurden.

  7.   Andreas

    Die Frage ist, was ist 1) Landesverrat, gibt es 2) Landesverrat in Staaten, die als „böse“ bezeichnet werden und 3) ist es möglich, daß Widerstandskämpfer „Landesverräter“ sind.

    Laut Meyers Lexikon werden mit Landesverrat bestimmte „gegen die äußere Sicherheit und Machtstellung des Staates gerichtete Straftaten [bezeichnet] , vor allem der Verrat von Staatsgeheimnissen.“

    Wenn Herr Bonhoeffer also Staatsgeheimnisse verraten hätte, dann wäre er zumindest laut Definition ein Landesverräter.

  8.   radix

    Möchte nur am Rande darauf hinweisen dass Bonhoeffer Mitglied der Studentenverbindung Igel in Tübingen war…

  9.   Gruselett

    Im Ernst? Das verwundert Sie nach dem Artikel noch?

  10.   Thomas7

    Interessant ist auch, wie die betreffenden Wikipedia-Artikel durch eine Verbindungs- und Burschenschafts-Clique unter Schirmherrschaft von PavelR., seines Zeichens Vereinsmaier-Vositzender des deutschen Wikipedia-Vereins, von jeder Kritik an diesen braunen Zuständen bei den Verbindungsfritzen „rein“ gehalten und „schön“gefärbt wird. Der schlagende Verbindungsfritze FrankS. ist verantwortlich in der amerikanische Wikipedia-Foundation für die Kontakte zwischen Wikipedia und den Universitäte. Ausgerechnet. Mehr Infos:
    http://thomas7.netau.net/
    Thomas7