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Berliner Polizeibeamte als Kunden des NPD-Landeschefs?

 
Einige Polizeibeamte sollen bei Sebastian Schmidtke (Foto) Ausrüstungsgegenstände gekauft haben © Matthias Zickrow

Einige Beamte der Berliner Polizei stehen im Verdacht, Teile ihrer Ausrüstung im Laden des Berliner NPD-Landeschefs Sebastian Schmidtke gekauft zu haben. Das berichtet „die tageszeitung“ in ihrer Online-Ausgabe.

Es sind schwere Vorwürfe, mit denen sich die Berliner Polizei derzeit konfrontiert sieht. Wie die „tageszeitung“ berichtet, sollen sich einige Polizeibeamte Teile ihrer Ausrüstung nämlich im Laden des Berliner NPD-Landeschefs Sebastian Schmidtke gekauft haben. Schmidtkes „Hexogen“ gilt als Dreh- und Angelpunkt der Berliner Neonazi-Szene und vertreibt unter anderem Schlagstöcke, Pfefferspray und Elektroschocker. Im Umfeld des Ladens, der nach einem Sprengstoff benannt ist, der im Zweiten Weltkrieg Verwendung fand, werden zudem regelmäßig rechtsextreme Straftaten verübt.

Und ausgerechnet in diesem Laden – der nicht selten auch Ziel von polizeilichen Einsätzen ist – sollen sich einige Beamte nun Ausrüstungsgegenstände für den Dienst besorgt haben. Gegenüber der „taz“ prahlte der Berliner NPD-Chef damit, dass pro Monat ca. 10 Beamte bei ihm einkaufen würden und fügt hinzu: „Mit steigender Tendenz – vor allem, seit ich den Zivilprozess gegen den Vermieter gewonnen habe.“ Was unglaublich klingt, könnte sich aber tatsächlich zugetragen haben. Auf Anfrage der „taz“ räumte der Pressesprecher der Berliner Polizei, Michael Merkle, ein, dass diese „Gerüchte“ innerhalb der Behörde bekannt seien. „Erstmalig wurde der Polizei im Mai intern bekannt, dass laut nicht weiter verifizierbarer Informationslage Polizeibeamte im Geschäft Hexogen als Käufer verkehren sollen“, sagte der Polizeisprecher. Welche Beamten dort aber kaufen würden, sei unklar. Als Gründe für den Kauf von eigenen Gegenständen nannte Merkle „Sonderwünsche“ einzelner Beamten. An sich werde die Ausrüstung nämlich zur Verfügung gestellt, doch Extra-Wünsche müssten sich die Polizisten selbst zulegen. Beispiele dafür seien unter anderem „spezielle Handschuhe oder bequeme Stiefel“.

Im Sortiment des Hexogen: SchlagstöckeSchmidtke handelt in seinem Versand eigenen Angaben nach auch mit „Ausrüstung für Polizeibeamte“. Beispielsweise biete er „Polizeihemden, Polizeikoppel (Gürtel zum Anbringen von Waffen) und Schuhwerk“ an, sagte Schmidtke der „taz“. Die Zeitung schreibt in ihrer Online-Ausgabe weiterhin, dass diese Produkte „bereits seit mehreren Monaten im Sortiment des Hexogen“ zu finden seien. Verboten ist dieser Verkauf allerdings nicht. Nur dann, wenn sich sogenannte „Hoheitszeichen“ auf den angebotenen Gegenständen befinden würden, sei der Vertrieb rechtswidrig.

In der Zwischenzeit hat die Polizei Eigenauskünften zufolge auch reagiert. Laut der „taz“ würden „Handlungsempfehlungen, wie Kollegen mit Kaufempehlungen des Nazi-Ladens umgehen sollen“ aktuelle erstellt werden. Aus der Politik kommen derweilen deutlichere Forderungen. So verlangt Clara Herrmann von den Grünen eine „lückenlose Überprüfung der Vorgänge“ und stellt eine absolut logische Forderung: „Genau wie es zivilen Polizeibeamten im Dienst untersagt ist, Nazimarken zu tragen, müsste es selbstverständlich sein, den Kauf von Ausrüstungsgegenständen in Naziläden zu untersagen. Denn das unterstützt Nazistrukturen und verleiht den Rechten Akzeptanz“, so Herrmann in der „taz“. Ähnlich äußeren sich auch die Linken, die „die Erarbeitung der Handlungsempfehlung begrüßt“ und eine Überprüfung der entsprechenden Umsetzung ankündigt.

8 Kommentare

  1.   Nick

    Bedenklichen, alarmierenden Tendenzen wie diesen kommt man nicht mit einem – ohnehin nicht durchsetzbaren – Verbot bei. Schlimm ist nicht die Tatsache, dass Polizisten in solchen Läden kaufen dürfen. Sondern, dass sie es tun. Und dass dadurch die Polizeiarbeit den Geruch von Saalschutz bekommt. Deswegen sollte jegliche Möglichkeit, “private” Ausrüstung verwenden zu dürfen, untersagt werden. Oder können wir uns etwa keine adäquate Ausrüstung mehr leisten?

  2.   Bettelprinz

    “… müsste es selbstverständlich sein, den Kauf von Ausrüstungsgegenständen in …läden zu untersagen. Denn das unterstützt …strukturen und verleiht den … Akzeptanz“

    Genau: KAUFT NICHT BEI … !!!

  3.   Müni

    Ups, wieder eine Panne? So wird doch in letzter Zeit alles Verwerfliche und mit der Demokratie unvereinbare Handeln einiger Instanzen lapidar abgetan. Mich wundert gar nichts mehr.


  4. […] Die Aufmerksamkeit der Berliner Polizei für den Nazi-Laden “Hexogen” von NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke ist erst einmal nicht ungewöhnlich. Schließlich gilt der Laden in Schöneweide als Stützpunkt der Nazi-Szene, in der Straße werden immer wieder rechtsextreme Gewaltstraftaten verübt. Zudem fand die Polizei bei einer Razzia im Mai hier mehrere hundert Exemplare einer indizierten Musik-CD, die die NPD auf Schulhöfen verteilt hatte. Doch einige Polizisten*innen scheinen auch privat im “Hexogen” zu verkehren: Glaubt man Schmidtkes Äußerungen, decken sie sich bei ihm mit Ausrüstungen für ihren Dienst ein. Denn neben Elektroschockern, Pfefferspray, Schlagstöcken gibt es im Geschäft an der Brückenstraße auch Polizeigürtel, Polizeihemden und Stiefel. Gegenüber der “taz” gibt der NPD-Landeschef an, Polizisten würden vor allem “Polizeihemden, Polizeikoppel und Schuhwerk kaufen, das vom Senat nicht mehr bezahlt wird”. Etwa zehn Polizeibeamte*innen würden im Monat zum Einkaufen vorbeikommen. Polizeisprecher Michael Merkle bestätigt, dass seiner Behörde Gerüchte über polizeiliche Kunden*innen in dem Laden vorlägen. Genauere Informationen habe man aber nicht. Zudem würde das Land Berlin allen Polizisten*innen ihre Ausrüstungsgegengestände stellen. Es gebe natürlich Kollegen*innen, die Sonderwünsche für Ausrüstungsgegenstände haben, die sie sich dann selbst kaufen müssten – etwa spezielle Handschuhe oder bequeme Stiefel. Unterdessen forderte Clara Herrmann, Rechtsextremismusexpertin der Grünen, von der Polizei eine lückenlose Überprüfung der Vorgänge. “Genau wie es zivilen Polizeibeamten im Dienst untersagt ist, Nazimarken zu tragen, müsste es selbstverständlich sein, den Kauf von Ausrüstungsgegenständen in Naziläden zu untersagen. Denn das unterstützt Nazistrukturen und verleiht den Rechten Akzeptanz”, sagte sie. (taz, Berliner Kurier, Störungsmelder) […]

  5.   stefan

    Genau so funktioniert der Kampf gegen Rechtsextremismus: Polizeibeamte müssen sich die Füße ruinieren, weil der Staat nicht willens ist Geld für die Ausrüstung hinzulegen. Und selber dürfen sie auch nicht in die Tasche greifen! Das sorgt sicher für viel Verständnis bei den Beamten

  6.   Arno Nym

    “Schmidtkes „Hexogen“ gilt als Dreh- und Angelpunkt der Berliner Neonazi-Szene und vertreibt unter anderem Schlagstöcke, Pfefferspray und Elektroschocker. Im Umfeld des Ladens, der nach einem Sprengstoff benannt ist, der im Zweiten Weltkrieg Verwendung fand, werden zudem regelmäßig rechtsextreme Straftaten verübt.”

    Da kann ja keiner der Polizisten sagen,
    er hätte das nicht gewusst.
    Hier werden in der Tat rechte Strukturen finaziell gefördert.
    Man könnte natürlich denken,
    die rüsten sich da aus um auf der nächsten Demo besser linke Demonstranten zu verprügeln…


  7. […] via störungsmelder: Berliner Polizeibeamte als Kunden des NPD-Landeschefs? […]

  8.   Andreas

    Es hat wohl kein Kollege nötig dort einzukaufen !!!
    Das Problem ist doch aber hausgemacht.
    Wenn die Polizeibehörde genug Geld und Willen hätte die Bürger, die für die Sicherheit auf unseren Straßen sorgt ordentlich auszustatten, dann gäbe es solche Probleme nicht.
    Berlin ist leider arm und sexy …. erlebe ich jeden Tag im Dienst.
    Einsatzfahrzeuge, welche fast 400.000 Kilometer gelaufen sind und vom Normalbürger gefahren in keiner Umweltzone mehr fahren dürften !!!!!
    Kaum Jemand hat den Mut auszusprechen,dass die Berliner Polizei mittlerweile personell unterbesetzt, zu schlecht bezahlt, schlecht ausgestattet…. und genau durch diese Mißstände in zunehmendem Maße unmotiviert ist.
    Freuen darüber tun sich nur die Straftäter…. ich frage mich ob das der Bürger noch nicht gemerkt hat ?????????????